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Szenenbild aus dem Musikvideo: Wenn du wegen dieses Fotos auf den Artikel geklickt hast, ist das Kalkül von The Boys You Know aufgegangen...

  • 01. März 2014, Noch kein Kommentar

Die Songs des österreichischen Alternative-Rock-Quartetts erinnern an 90er-Jahre-Teenie-Filme. Mit Absicht, erklärt uns der schwule Frontmann Thomas Hangweyrer.

Von Michael Thiele

Dunkle Räume, in denen drei junge Männer und eine junge Frau trainieren. Schwere Hanteln, verschwitzte Körper, angestrengte Gesichter. Rasche Schnitte. Einer der Männer lehnt in weißen, auffallend engen Shorts auf einer Hantelbank, er beginnt zu singen.

Mit diesen Bildern beginnt "The Cult", das neue Musikvideo des österreichischen Alternative-Rock-Quartetts The Boys You Know. Das ist mit seiner Gründung im Jahr 2012 relativ neu im Geschäft, hat aber bereits ein Album namens "Waste Your Time" veröffentlicht – und das unter anderem auch in Japan. Nun stehen Thomas Hangweyrer, Benjamin Philippovich, Mathias Kollos und Sophie Schmidauer mit ihrem Zweitling "Purple Lips" in den Startlöchern, zu welchem "The Cult" wiederum der Vorbote ist.

Dinge um jeden Preis anders machen als andere Künstler


The Boys You Know wollen das "Mutterjahrzehnt des Alternative Rock" ins Youtube-Zeitalter übersetzen

Was es mit dem Clip dazu auf sich hat, erklärt Sänger Thomas gegenüber queer.de. "Wir drehen möglichst aufwändige Videos, mit einer Ästhetik, die wir andernorts belächeln, um das Publikum dazu zu bringen, es toll zu finden, und am Ende zu sagen: War alles nur Spaß." Aha. Also alles bloß Ironie, von wegen Körper, Schweiß und eine Prise Sex?

Ja, denn bei ihrem letzten Video zu "Wake Up" wären sie genauso verfahren. "Da sieht man junge Hipster-Models in auffälliger Kleidung die Straßen von Wien entlang ziehen", erzählt Thomas. Aber: "Das alles sind nicht wir. In all dem, was wir nicht sind, steckt so viel, mit dem wir uns ausdrücken können."

Dinge um jeden Preis anders zu machen als andere Künstler, scheint das kreative Selbstverständnis von The Boys You Know zu sein. Denn während seit Jahren elektronische Musik in den verschiedensten Ausprägungen den Ton angibt, machen die Österreicher eine Rolle von rund 20 Jahren rückwärts – und landen bei Highschool Rock. Mehr noch, wenn man ihre Songs hört, fühlt man sich an 90er-Jahre-Teenie-Filme wie "Eiskalte Engel" oder "10 Dinge, die ich an dir hasse" bzw. deren Soundtracks zurückerinnert.

Den Highschool Rock vor dem Aussterben retten


Frontmann (Singer und Songwriter) Thomas Hangweyrer lebt offen schwul und macht daraus auch in seinen Texten kein Geheimnis

Für Thomas ist das ein Kompliment. "Diese beiden Soundtracks stehen ja für eine ganze Generation, zu der wir zweifellos gehören. Es war auch einer der Beweggründe, warum wir unser erstes Album gemacht haben, um diese Musik vor dem Aussterben zu retten." Auch wenn sie sich natürlich weiterentwickeln würden, sei der 90er-Teeniefilm-Soundtrack-Ansatz gut gewesen, um irgendwo anzufangen, so Thomas. Und er fügt hinzu: "Die neue Platte klingt ein wenig anders, stellenweise härter und düsterer."

Tatsächlich klingt nicht nur die neue Single "The Cult" erstaunlich konventionell. Es ist, als ob die Vier mit einer Zeitmaschine alle Songs, die damals geschrieben, aber nie veröffentlicht wurden, ins Jahr 2014 gebeamt hätten und nun herausbringen. Dem Genre des Alternative Rock fügt "The Cult" zumindest nichts Neues hinzu. Aber vielleicht muss es das auch nicht, vielleicht gehören The Boys You Know einfach zu einer Generation von Musikern, die Mitte der 90er noch zu jung war – Hangweyrer ist Jahrgang 1989 – , um bewusst Smashing Pumpkins oder Weezer zu hören, und für die dieser Sound heute irgendwie neu ist.

Dass Thomas Hangweyrer Frontmann einer Rockband und zugleich offen schwul ist, findet er nicht weiter exotisch. Eine besondere Perspektive auf das als relativ hetero geltende Genre habe er zumindest nicht. "Ich glaube", so Thomas, "das Genre ist längst nicht mehr so hetero, wie es angeblich einmal war. Hier geht es um Musik, ich will niemanden bekehren, ich will niemanden daten, ich will Gitarre spielen."

Youtube | Hier nun das offizielle Video zur ersten Single "The Cult" aus dem neuen Album "Purple Lips", das im Mai erscheinen soll