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Schritt zur Gleichbehandlung

Nordkirche stellt verpartnerte Pfarrer gleich


Landesbischof Gerhard Ulrich unterstützt eine weniger repressive Linie der Kirche gegen Schwule und Lesben (Bild: presse-nordelbien / flickr / by 2.0)

Die nördlichste evangelische Landeskirche in Deutschland erlaubt künftig homosexuellen Pfarrern, mit ihrem Lebenspartner im Pfarrhaus zusammenleben.

Die lutherischen Pfarrhäuser in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern werden in Zukunft auch den Lebenspartnern von lesbischen Pastorinnen und schwulen Pastoren offen stehen. Das hat die Synode der Nordkirche in Lübeck-Travemünde am Wochenende mit großer Mehrheit beschlossen. Von den 156 Stimmberechtigten votierten lediglich zwei gegen den Entwurf, berichtete die taz.

Homosexuelle Pfarrer sollen damit in Zukunft genau gleichbehandelt werden wie heterosexuelle verheiratete Pastoren. Damit ist ein Zusammenleben im Pfarrhaus erst gestattet, wenn sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen sind. "Wir wollten eine Regelung finden, die der Realität Rechnung trägt", erklärte Landesbischof Gerhard Ulrich im Vorfeld der Entscheidung. "Neben der Ehe gibt es viele andere Lebensformen."

Regional unterschiedliche Regelungen

Bislang regeln die Landeskirchen unterschiedlich, ob homosexuellen Pfarrern erlaubt wird, mit einem Lebenspartner zusammenzuleben. Das ist etwa in Braunschweig und Hannover erlaubt. So musste etwa in Württemberg ein Pfarrer sein Amt aufgeben, weil er sich verliebt hatte, und fand schließlich in Hessen-Nassau Asyl (queer.de berichtete).

In manchen Landeskirchen sind schwule Pfarrer und lesbische Pfarrerinnen auf die Toleranz ihrer Vorgesetzten angewiesen: So dürfen verpartnerte Homosexuelle beispielsweise in Sachsen nur zusammenleben, wenn sie die Zustimmung des gesamten Kirchenvorstandes erhalten – heterosexuelle Pfarrer müssen diese Genehmigung nicht einholen (queer.de berichtete).

Die Nordkirche ist ein 2012 umgesetzter Zusammenschluss der ehemaligen Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern. Nordelbien, das die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein umfasste, galt in dieser Gruppe als die homofreundlichste Landeskirche, wo die Segnungen schwuler und lesbischer Paare weitgehend problemlos möglich waren und sind. Im Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern können Segnungen von Homosexuellen nach wie vor von Vorgesetzten verhindert werden – eine Regelung, die nicht für Heterosexuelle gilt.

Die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte im vergangenen Jahr mit einem Familienpapier für Aufregung gesorgt, in dem homosexuelle Partnerschaften als "gleichwertig" mit heterosexuellen Beziehungen genannt wurden (queer.de berichtete).

Allerdings wurde dieses nicht verbindliche Papier nicht von allen Landeskirchen umgesetzt – insbesondere die Kirchen in Baden und Württemberg betrachten Homosexualität als nicht gleichwertig und kämpfen gemeinsam mit Rechtspopulisten gegen den Bildungsplan der Landesregierung in Stuttgart, die durch schulische Aufklärung Diskriminierungen von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen abbauen will. Die Landeskirche in Baden argumentiert etwa, dass die baden-württembergische Landesverfassung "das christliche Menschenbild als prägendes Element der Kultur unseres Landes" festschreibe – und daher offenbar auch in Schulen Homosexuelle nicht als gleichwertig gelten könnten (queer.de berichtete). (dk)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 04.03.2014, 13:54h
  • Dass in unserer Kirchenrepublik die größten Arbeitgeber des Arbeitsmarktes staatliche Gesetze respektieren, ist keine Selbstverständlichkeit (siehe Rauswurf bei Verpartnerung in der kath. Kirche, siehe die homophobe Wühlarbeit der Ev. Allianz).

    Insofern ist die große Mehrheit im Kirchenparlament ein erfreuliches Zeichen gegen einen neoreaktionären menschenfeindlichen Zeitgeist (Kuby, Kelle, Steeb, Matussek, Sarazzin etc. etc.).

    Dass Kirchen das Klima in einem de facto so stark säkularisierten Land vollständig dominieren können, liegt auch an der mangelnden politischen Durchsetzungskraft der konzeptionslosen relativen Mehrheit der Konfessionslosen hierzulande.
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#2 Timm JohannesAnonym
  • 04.03.2014, 14:26h
  • Eine weitere sehr erfreuliche Meldung aus den Landeskirchen der EKD finde ich.

    Die Lutheraner, Reformierten und Unierten sind eine gute Wahl für homosexuelle Christen.

    Das läßt sich von den Katholiken nicht behaupten.

    Dort entblödete sich aktuell Kardinal Woelki in den letzten Tagen in Berlin, als er gegen die Antibabypille in den Medien Stellung bezog. Ihm ist es lieber, dass bei der Bevölkerungsexplosion den Frauen in den Drittweltstaaten der Zugang zur Anitbabypille verwehrt bleibt.

    *
    www.zeit.de/news/2014-03/02/deutschland-berlins-kardinal-woe
    lki-weiter-gegen-die-antibabypille-02104204
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#3 Timm JohannesAnonym
  • 04.03.2014, 15:48h
  • Übrigens unter anderem folgende Landeskirchen der EKD haben ihre verpartnerten Pfarrer gleichgestellt:

    * Nordkirche
    * Landeskirche Braunschweig
    * Landeskirche Hannover
    * Landeskirche Westfalen
    * Landeskirche Rheinland
    * Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
    * Landeskirche Mitteldeutschland
    * Landeskirche Hessen-Nassau
    * Landeskirche Bayern
    * Reformierte Landeskirche
    * Landeskirche Sachsen
    * Landeskirche Pfalz

    -------------------

    Und hier noch einmal ein Überblick zur Lage bei der Zulassung von Segnungsgottesdiensten in den Landeskirchen der EKD:

    www.huk.org/cms/front_content.php?idart=352
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 Die OffenbarungAnonym
  • 04.03.2014, 16:17h
  • Nur jetzt ? Das sollte eigentlich schon seit langem, in jeder Kirche und in jeder Glaubensgemeinde eine Selbstverständlichkeit sein, nachdem es allen, sogar konservativsten in diesen Gemeinden klar wurde, wie tolerant und offen absolute Mehrheit von Schwulen und Lesben auf die Religion und den Glauben eingestellt sind.
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#6 sperlingAnonym
#7 SmileyEhemaliges Profil
  • 04.03.2014, 18:22h
  • »dieses nicht verbindliche Papier«

    Wenn's nicht verbindlich ist wozu dann es überhaupt verfassen?

    ..

    Weil sie doof sind und annehmen ihre Gemeindemitglieder seien das auch.

    »Neben der Ehe gibt es viele andere Lebensformen«

    Als da wären Pantoffeltierchen, oder Unterdempantoffeltierchen. Evangelische Schleimpilze nicht zu vergessen.

    (Für diesen unwürdigen Vergleich möchte ich alle Myxomyceten in der belebten Natur um Verzeihung bitten)
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#8 TheDad
  • 04.03.2014, 19:31h
  • Antwort auf #6 von sperling
  • Gestern oder Vorgestern wurden in Hamburg glaube ich, so um die 20 neue PastorInnen "vereidigt"..

    Von denen war wohl noch keine/r schon verheiratet/verpartnert..

    Was ist denn dann mit der Verlobungszeit ?

    Dürfen die da schon zusammen leben, und/oder müssen die für jedes Schäferstündchen den "gesamten Kirchenvorstand" um Genehmigung bitten ?

    Ist ja nett wenn die Kirche da etwas "erlaubt"..

    Aber insgesamt halte ich es für eine unhaltbare Situation einem "Laien-Gremium" die Entscheidungskompetenz über die Partnerschaft völlig fremder Personen zu übertragen..
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#9 MikeschAnonym
  • 04.03.2014, 22:53h
  • Nach dem Bericht der taz ist diese Entscheidung nur ein Zwischenschritt.
    Ab 2017 sollen, wenn möglich, alle unterschiedlichen Lebensformen, etwa unverheiratete und transsexuelle Paare, praktisch und kirchenrechtlich akzeptiert werden. Immerhin, so nach und nach tut sich was.
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#10 giliattAnonym
  • 05.03.2014, 03:19h
  • So ganz stimmt der Bericht nicht. Jedenfalls nicht Mecklenburg (zwangsweise plus Land Vorpommern) betreffend.

    Ein enger Freund von mir ist evangelischer Pastor in MV. Seine Vorgesetzten hatten bereits lange vor 2014 nichts dagegen, dass er schwul ist, einen Freund hat und mit ihm im Pfarrhaus zusammenlebt. Dieser Vorgang liegt etliche Jahre zurück. Ein Verpartnerungs-Papier benötigte er damals ebenso wenig, wie die Zustimmung des Kirchgemeinderates. Letztgenannter hatte übrigens nur ein Kopfschütteln übrig für die wenigen (!) Leute, die einen schwulen Pastor ablehnten. Die Gemeinde liebt und achtet ihren Seelsorger, denn er ist ein Mann, der Menschen unterschiedlichster Ansichten zusammenführt. Ein Sozialarbeiter. Ein toller Mann, der Gutes tut für das Verständnis der Menschen untereinander, ohne das Kreuz als Holzhammer zu benutzen.
    Die (seine) Beziehung ist zerbrochen. Seit Jahren ist er wieder Single, aber die meisten Gemeindeglieder wünschen sich, dass er endlich einen Mann trifft, mit dem er glücklich wird.

    Die Praxis zeigt, dass es im normalen Leben - hier siehe Mecklenburg - auch normal zugehen kann ohne Beschlüsse übergeordneter Stellen.
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