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  • 05.03.2014           20      Teilen:   |

Debatte

Österreich: Konservative streiten über Homo-Adoption

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Umwelt- und Landwirtschaftsministers Andrä Rupprechter versteht nicht mehr, warum er als Konservativer für die Diskriminierung von Schwulen und Lesben eintreten soll (Bild: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft)

Unter Konservativen in der Alpenrepublik ist eine Debatte um das Adoptionsrecht für Homo-Paare ausgebrochen, nachdem sich erstmals ein ÖVP-Minister für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben ausgesprochen hat.

In der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) bröckelt die Front der Gleichstellungsgegner: Auslöser waren Aussagen des Umwelt- und Landwirtschaftsministers Andrä Rupprechter. Der 52-Jährige hatte am Samstag im Interview mit der Tageszeitung "Standard" erklärt: "Ich denke, es gibt genug gute Beispiele dafür, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften wohlfühlen können. Ich vertrete da eine sehr viel liberalere Anschauung, als man von einem tief verwurzelten Tiroler Katholiken annehmen möchte".

Der Minister erklärte, als Konservativer, der traditionelle Wert erhalten wolle, können man auch ein "offenes Weltbild" haben. Seine Partei müsse sich "einer Debatte stellen, der ich aber mit großer Gelassenheit entgegensehe".

Die ÖVP regiert derzeit als Junior-Partner in einer Großen Koalition mit der SPÖ. Die Führung der Volkspartei wies nach der Veröffentlichung des Interviews die Äußerungen des Ministers zurück. Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger erklärte, es gebe wichtigere Themen wie die Pleite einer Kärntner Bank oder den Bundeshaushalt: "Glauben Sie mir, da gibt es genug Probleme, die wir hier zu bewältigen haben". ÖVP-Fraktionschef Reinold Lopatka erklärte sogar, Rupprechter solle zu diesem Thema in Zukunft seinen Mund halten: "Jeder Minister ist am besten beraten, sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren".

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Familienministerin: "Theoretisches Problem"

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) will Homosexuellen nur Rechte zugestehen, wenn diese nicht von Heterosexuellen in Anspruch genommen werden
Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) will Homosexuellen nur Rechte zugestehen, wenn diese nicht von Heterosexuellen in Anspruch genommen werden

Für Aufregung sorgte ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin: Sie bezeichnete die Homo-Adoption als eher "theoretisches Problem", da es bereits jetzt genug heterosexuelle Paare gebe, die Kinder adoptieren wollten. Als Pflegeeltern "könnten Homosexuelle aber einen wertvollen Beitrag leisten", da hier noch Leute gesucht werden würden.

Die sozialdemokratische SPÖ und die Grünen begrüßten einhellig die Debatte um das Adoptionsrecht, kritisierten aber die Familienministerin scharf: "Auf homosexuelle Menschen als Pflegeeltern zurückzugreifen, ihnen die Fremdkindadoption aber zu verwehren, ist scheinheilig", erklärte die grüne Nationalratsabgeordnete Daniela Musiol. Das Österreich der Großen Koalition bewege sich immer nur soweit, "wie es sein muss". Sie verwies darauf, dass die Stiefkindadoption erst nach einem Urteil des Europäischen Menschengerichtshofes eingeführt wurde (queer.de berichtete).

Bundeskanzler Werner Faymann und seine Sozialdemokraten unterstützen die Gleichstellung im Adoptionsrecht, werden aber derzeit – wie in Deutschland – vom konservativen Koalitionspartner blockiert
Bundeskanzler Werner Faymann und seine Sozialdemokraten unterstützen die Gleichstellung im Adoptionsrecht, werden aber derzeit – wie in Deutschland – vom konservativen Koalitionspartner blockiert (Bild: SPÖ / flickr / cc by-sa 2.0)

SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will nun mit der ÖVP in Gespräche treten, um eine eventuelle Gesetzesinitiative mit dem Koalitionspartner auf den Weg zu bringen. Sie hat dabei die Unterstützung vom sozialdemokratischen Bundeskanzler Werner Faymann, der erklärte, der gleichen Meinung wie der Landwirtschaftsminister zu sein.

Größter Gegner der Gleichstellung von Schwulen und Lesben ist nach wie vor die Katholische Kirche. Die Gruppe Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) warf Homosexuellen am Dienstag indirekt sogar vor, generell Kinder zu schädigen: "Die Debatte kreist wieder einmal um das falsche Thema. Bei der Adoption geht es zuallererst um das Wohl des Kindes, nicht um die Rechte von Erwachsenen", so KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer in einer Pressemitteilung. "Mit welchem Recht enthält der Staat einem Kind von vornherein die Beziehung zu Vater und Mutter vor?", fragte er. In Österreich dürfen wie in Deutschland nur heterosexuelle Eheleute oder Einzelpersonen Kinder adoptieren, nicht aber Schwule und Lesben in einer Lebenspartnerschaft.

Laut mehreren Studien wachsen Kinder in Regenbogenfamilien genauso gut auf wie in heterosexuellen Familien, wie etwa eine amerikanische Untersuchung im letzten Jahr erneut bestätigte (queer.de berichtete). Auch eine Studie des deutschen Bundesjustizministeriums war 2009 zu dem Ergebnis gekommen, dass gleichgeschlechtliche Eltern nicht schlechter für das Kindeswohl sind als andere Paare (queer.de berichtete). (dk)

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Tags: österreich, adoptionsrecht
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Reaktionen zu "Österreich: Konservative streiten über Homo-Adoption"


 20 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
05.03.2014
13:41:58


(-10, 12 Votes)

Von Konservativ


Und so was nennt man noch "konservativ" ? Da sind mir Leute, die zu jeder, auch unangenehmen Frage, ihren Prinzipien treu bleiben bzw. bleiben wollen, viel sympathischer. Egal, was das Publikum denkt.


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#2
05.03.2014
14:06:39


(+4, 6 Votes)

Von Nikki
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 03.03.2014


Jaja da sind Wir "Minderwertigen" Homos dann wieder gut genug ......Adoption nein aber als not Nagel ja einfach nur noch lächerlich!!!!


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#3
05.03.2014
14:06:59


(+7, 9 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #1 von Konservativ


So wie Leute dir viiiel sympathischer sind, die dir - um ihren Prinzipien treu bleiben - ins Gesicht spucken, dich treten, dich wie Dreck behandeln, weil es ihr heiliges Buch oder ihr Bauchgefühl es sagt?

Ja, vielleicht sollte UNS das wirklich egal sein...
Man kriegt das was man verdient, wenn man noch darauf steht... bitte sehr! Sie doch selber zu wer DIR hilft.

Nicht wahr, Kons.. ähm Mik... äh An...Ferr...Jos...Bad Hum...Luc...

In Zeiten, in denen immer mehr Eltern sich gegen Kinder entscheiden und ungewollte Kinder in der Tiefkühltruhe landen, ist es SEHR WOHL eine konserve... ähm konsdingsbums, wenn sich Menschen bewusst FÜR Kinder entscheiden und sie unterstützen.
Aber wahrscheinlich ist das auch wieder manchen zu familienfeindlich und auch nicht recht...
WAS WOLLT IHR KONSERVEN EIGENTLICH?!?


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#4
05.03.2014
14:29:20


(+4, 6 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013
Antwort zu Kommentar #1 von Konservativ


Diejenigen, um die es geht, würde ich genauso wenig als "Publikum" bezeichnen wie die (Wahl-)Bürger, denen der Minister in seinem Interview im "Standard" seine Meinung mitteilt. Interessantes Demokratieverständnis. "Konservativ"?

Link zu www.aphorismen.de


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#5
05.03.2014
14:36:58


(+6, 6 Votes)

Von phil


Also ich als österreicher bin echt begeistert.
Die ÖVP ist allgemein bekannt als sehr konservative und christliche Partei.

Selbst Herr Rupprechter hat bei der Angelobung als Minister gesagt er werde "im Angesicht des heiligen Herzen Jesu Christi" handeln. --> Da hab ich mir gedacht typisch... . Aber offensichtlich ist er einfach nur sehr gläubig und nicht gleichzusetzten mit konservativ.

Im Statement zum Interview sagte er übrigens:
"In meinem familiären und persönlichen Umfeld gibt es nicht wenige homosexuelle Menschen, die ich kenne und sehr lieb habe. Ich bin nicht bereit, diese außen vor zu lassen oder auszugrenzen."

Danke für die Ehrlichkeit und den Mut, das könnte leider sein politisches Ende bedeuten, zeigt aber auch, dass die Gesellschaft weiter ist als so manches Parteibuch/-programm.


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#6
05.03.2014
14:54:11


(+5, 7 Votes)

Von ehemaligem User por_favor_amor
Antwort zu Kommentar #1 von Konservativ


Konservativ:
"Und so was nennt man noch "konservativ" ? Da sind mir Leute, die zu jeder, auch unangenehmen Frage, ihren Prinzipien treu bleiben bzw. bleiben wollen, viel sympathischer."

Sind denn eine Ehe, gegenseitiges Vertrauen & Treue und das gemeinsame Aufziehen von Kindern denn nicht gerade die besten Beispiele für konservative Werte?

Richtige "konservative Politiker" sollen das endlich mal begreifen und dass es sich hier auch um Menschenrechte handelt --> nämlich gleiches Recht für alle!

Wir sind Menschen wie jeder andere auch und Menschen muss man wie Menschen behandeln egal wie sie aussehen, reden oder woher sie kommen!

Wenn jemand behauptet, dass solche Werte und Prinzipien nur dann gut und richtig sind wenn es sich dabei nur ausschließlich auf heterosexuelle Personen bezieht - ist das in meinen Augen hochgradig homophob, rassistisch und menschenfeindlich!

Denn das sagt doch nur aus, dass die tatsächlichen "konservativen" Werte nur unter bestimmten Bedingungen gut sind und unter anderen Umständen (auf Homosexuelle bezogen) auf einmal nichts mehr Wert ist.
Das ist unlogisch.

In Großbritannien, Schweden und in den Niederlanden haben es die konservativen Parteien "auch geschafft" sich diesbezüglich zu öffnen.

Ich hoffe, dass die SPÖ sich nicht von der ÖVP beeinflussen lässt und bei der Gleichstellung umfällt. Die ÖVP soll zur Kenntnis nehmen, dass sie als Juniorpartner keine hohen Ansprüche zu stellen hat, schon gar nicht wenn es um die Diskriminierung von Menschen geht!


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#7
05.03.2014
15:50:04


(+3, 5 Votes)

Von Blondschopf
Aus Essen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 05.03.2014


Wie ich der Presse entnommen habe, bekommt der Minister derzeit zahlreiche Protestmails aus der Ecke der Gleichstellungsgegner. Deren Argumente sind immer die gleichen Verrücktheiten, leider.
Damit nicht der Eindruck entsteht, der Minister stehe mit seiner Meinung allein, bitte ich Euch, ihm eine Email zu schicken, in der Ihr Eure Unterstützung zum Ausdruck bringt. Die Emailadresse steht auf der Homepage des Ministeriums.


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#8
05.03.2014
15:57:22


(0, 4 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #1 von Konservativ


Ach, was heißt hier schon konservativ?

Fragte schon der olle Böll...

Link:
expo.khi.fi.it/galerie/Lotz/Skulptur/Cellini


Konservativ und konservatorisch genug?


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#9
05.03.2014
15:58:49


(+4, 6 Votes)

Von m123


"Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger erklärte, es gebe wichtigere Themen [...]"

Immer diese Leute die behaupten man sollte sich jetzt nicht mit der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare beschäftigen, weil es "viel wichtigere Probleme" gäbe. Das sind meist die Homophobsten, denn diese Behauptung hält einer logischen Analyse nicht stand. Denn nur weil es andere Themen gibt, heißt das ja nicht, dass man nicht mehrere Themen parallel bearbeiten kann. Die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare ist im Übrigen als Gesetzentwurf mit der Öffnung der Ehe sowas von einfach umzusetzen, da geht es im Grunde nur darum ob man das will oder nicht. Und weil den Gleichstellungsgegnern nunmal rationale Sachargumente gegen die Gleichstellung fehlen, versuchen sie von dem Thema abzulenken, weil es sie nämlich ansonsten, wenn sie ihre Ablehnung der Gleichstellung rational-sachlich begründen müssten, als Homosexuellenhasser entlarven würde. Ist im Prinzip genauso wie bei Angie Merkel. Die wurde ja auch in der Wahlarena nach dem rational-sachlichen Grund gefragt und konnte keinen solchen nennen. Entlarvt!

Leider hat die Bundestagswahl in Deutschland gezeigt, dass es noch sehr viele Homo-Hasser in Deutschland gibt, denn sonst hätten nach Angies Aussage in der Wahlarena nicht soviele Leute CDU gewählt. Oder aber es zeigt, dass vielen Leuten das Thema relativ egal ist, selbst wenn sie für die Gleichstellung sind. Das wiederum zeigt, dass wenn Politiker sagen "Es gibt wichtigeres" oder "Dauernd über Homosexuelle zu sprechen nervt", dass das viele in der Bevölkerung ähnlich sehen. Und das ist ein trauriger Zustand.


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#10
05.03.2014
16:40:17


(+4, 4 Votes)

Von gatopardo
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Antwort zu Kommentar #9 von m123


Leider muss auch ich auf diesen "traurigen Zustand" tippen, den Du hier beschreibst. Es ist nun mal so, dass wir bei unserer Gleichstellung lediglich mit der Unterstützung unserer Familienmitglieder oder aber anderer diskriminierter Gruppen rechnen können. Ja ich glaube nicht einmal, dass sich CDU-Wähler grundsätzlich aus so vielen Homohassern zusammensetzen. Es ist ihnen einfach egal, was wir fordern, denn die heterosexuelle Spiessermehrheit glaubt von sich selber, "normal" zu sein und findet unsere Forderungen nervig.


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