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  • 24.03.2014           52      Teilen:   |

Wut-Rede von Klaus Nierhoff

Fresse halten, Sarrazin, Lewitscharoff & Co!

Artikelbild
Der schwule Schauspieler Klaus Nierhoff ist neben Bettina Böttinger einer der beiden Botschafter der Magnus-Hirschfeld-Tage NRW vom 4. April bis 18. Mai 2014. Er engagiert sich darüber hinaus für die Arcus-Stiftung und die Initiative "Schule ohne Homophobie"

Wir dokumentieren die Wut-Rede von Schauspieler Klaus Nierhoff, Botschafter der Magnus-Hirschfeld-Tage NRW, beim queerpolitischen Empfang am vergangenen Freitag im Düsseldorfer Landtag.

Von Klaus Nierhoff

In den letzten Wochen bin ich beim Lesen einiger Ergüsse von deutschen Meinungsführern, die sich auf unserem Rücken profilieren wollen, doch in die eine oder andere virtuelle Ohnmacht gefallen. Die müssen sich dermaßen verunsichert fühlen, dass sie noch nicht 'mal davor zurückschrecken, nazi-kontaminierte Begriffe in die Debatte zu schleudern.

Ich fasse es nicht! Da werden ungeniert Begriffe wie "minderwertig", "widerwärtig", "abscheulich", "abartig" in die Debatten-Arena geworfen, und diese Menschen reden von mir! Von meinem Mann Thomas, von meinen Freundinnen Conny und Hella und Verena und Meike! Die verletzen unsere Menschenwürde! Diese Äußerungen werden von heranwachsenden Mädchen und Jungen gelesen, die um ihre Identität ringen!

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Was kommt als nächstes an der vorrückenden Sarrazin-Front?

Klaus Nierhoff bei seiner Rede am vergangenen Freitag im Düsseldorfer Landtag. Der grüne Landtagsvizepräsident Oliver Keymis hatte LGBT-Gruppen und -Vereine aus dem gesamten Bundesland zu einem Empfang eingeladen - Quelle: Arndt Klocke
Klaus Nierhoff bei seiner Rede am vergangenen Freitag im Düsseldorfer Landtag. Der grüne Landtagsvizepräsident Oliver Keymis hatte LGBT-Gruppen und -Vereine aus dem gesamten Bundesland zu einem Empfang eingeladen
Bild: Arndt Klocke

Und jetzt – weil es noch so frisch in meinem Gedächtnis arbeitet – muss ich noch von Sibylle Lewitscharoff sprechen, einer Büchner-Preisträgerin, die an anderer Stelle für ihr Sprachvermögen, ihren "Sound" gelobt wird, bei der aber "ab und zu 'mal ein schräger Satz um die Ecke kommt". In ihrer Dresdner Rede hatte sie über die großen Themen "Geburt und Tod" gesprochen. Ich beschreibe nur einen Aspekt:

Sie kommt auf die Reproduktionsmedizin zu sprechen, die sie kritisch sieht. "Wie verstörend muss es für ein Kind sein, wenn es herausbekommt, welchen Machinationen es seine Existenz verdankt." Ich glaube, das geht den meisten von uns so. Lewitscharoff: "Grotesk wird es … in …inzwischen durchaus zahlreichen Fällen, … in denen sich lesbische Paare ein Kind besorgen, indem … ein anonymer Spender oder ein naher Verwandter der Freundin der künftigen Mutter herangezogen wird, um sein Sperma abzuliefern." Das findet sie so "ekelhaft", dass sie ein Onanieverbot für "weise" erachtet. Dann vergleicht sie das "gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse" mit den "Kopulationsheime(n), welche die Nationalsozialisten einst eingerichtet haben, um blonde Frauen mit dem Samen von blonden, blauäugigen SS-Männern zu versorgen" und tut ihre "Abscheu" vor den "Halbwesen" kund, die aus künstlicher Befruchtung entstehen.

Georg Diez hat das im Spiegel treffend beantwortet: "Was die Büchner-Preisträgerin an diesem Tag sagte, war … menschenverachtend, herrisch, gefühlskalt, reaktionär und ressentimentgeladen."

Ich frage mich: Was kommt als nächstes an der vorrückenden Sarrazin-Front des "Man-wirddoch-wohl-mal-sagen-Dürfens?" Was maßen sich diese älteren, gut situierten, weißen, heterosexuellen, christlichen Menschen eigentlich an? Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!!!

Private Obsessionen sollen als Erkenntnisse untergejubelt werden

Was mich so stört, ist, dass diese Intellektuellen, die ja für ihr Reflektionsvermögen bezahlt werden, ihre privaten Obsessionen als Erkenntnisse einem Massenpublikum unterjubeln wollen, dass sich bitteschön daran zu orientieren hätte. Also im Grunde das, was sie uns vorwerfen.

Dabei geht es doch bei unserem Kampf gar nicht darum, dass alle so sein sollen wie wir. Bei uns geht es doch um gelebte Vielfalt, darum, dass wir so selbstverständlich vorkommen, wie die heterosexuelle Familie, die ja als Mehrheitskonstrukt anerkannt ist.

Zum Glück gibt es auch noch heterosexuelle Frauen mit Verstand: Claudia Roth sagte dazu: "Über Homosexualität darf man nicht streiten. Wer die sexuelle Orientierung eines Menschen abwertet, wertet den ganzen Menschen ab." Und wenn Claudia das sagt, dann ist das auch so! Basta! Aber: "Der Konsens gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen scheint inzwischen brüchig zu werden."

Nicht nur sie dachte lange Zeit, unsere Gesellschaft hätte dieses Stadium längst überwunden. Als Botschafter der Magnus-Hirschfeld-Tage 2014 fordere ich Respekt, auch gegenüber den familiären Leistungen von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Regenbogenfamilien.

Wir brauchen nicht nur Duldung, sondern Akzeptanz der Sichtbarkeit unserer Lebensformen, diese Sichtbarkeit ist kein Mittel zum Zweck der Emanzipation, sondern ihr Ziel!!!

Links zum Thema:
» Homepage von Klaus Nierhoff
» Homepage der Hirschfeld-Tage NRW
Mehr zum Thema:
» NRW feiert sexuelle Vielfalt von Magnus Hirschfeld bis heute (24.03.2014)
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Tags: klaus nierhoff, queerempfang, landtag nrw, sibylle lewitscharoff, thilo sarrazin, hirschfeld-tage
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Reaktionen zu "Fresse halten, Sarrazin, Lewitscharoff & Co!"


 52 User-Kommentare
« zurück  123456  vor »

Die ersten:   
#1
24.03.2014
13:54:14


(+13, 15 Votes)
 
#2
24.03.2014
14:06:52


(+11, 15 Votes)
 
#3
24.03.2014
14:11:19


(+16, 16 Votes)

Von Christine


Sehr gut gesprochen, Klaus Nierhoff, Danke!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
24.03.2014
15:05:03


(+11, 13 Votes)

Von Nachtschicht


Links von Sarrazin ist man links.

Tagesspiegel: Warum ist Hartz IV so schlecht angekommen?

Claudia Roth: Mit so kalten Begriffen wie Hartz IV oder Ein-Euro-Job das sind ja Killerbegriffe geworden lässt sich kein Vertrauen herstellen. Ich sage nicht, nur der Titel war falsch. Aber man hat die Menschen viel zu wenig mitgenommen. Nicht erklärt, warum Veränderungen nötig sind, um den Sozialstaat zu erhalten. Es gab in dieser Regierung deutliche Promotion-Probleme.

Claudia Roth: Wir brauchen keinen Linksruck, wir sind doch schon modern und links. Wir haben aber auch nie vergessen, werteorientiert zu sein.


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#5
24.03.2014
15:14:00


(+14, 16 Votes)

Von ehemaligem User Smiley


»verstörend muss es für ein Kind sein, wenn es herausbekommt, welchen Machinationen es seine Existenz verdankt«

Das ist das Problem überhaupt, daß man Intellektuellen Geld gibt. Weil, wofür eigentlich? Wenn sich so eine Denkersperson wie Lewitscharoff mit dem Thema über das sie sich verbreitet tatsächlich auseinandergesetzt hätte müßte sie wissen daß die IVF bereits seit Ende der 70er Jahre erfolgreich praktiziert wird und heute ein paar hunderttausend Menschen leben die so gezeugt wurden. Wenn sie tatsächlich wissen wollte wie verstörend es für ein Kind ist ein heißersehntes über alles geliebtes Traum- und Wunschkind zu sein, hätte sie ja mal ihren verkackten Teutonenarsch aus ihrem vollgefurzten Fölletongsessel nach England bewegen können und Louise Brown fragen.

Wer ist Louise Brown? Louise Brown ist das 1978 geborene erste "test tube baby", der erste per IVF gezeugte Mensch.

Einfach erstmal einen den's betrifft fragen. Denken: Einen akademischen Tabubruch begehen.

Link:
de.wikipedia.org/wiki/In-vitro-Fertilisation


Link:
de.wikipedia.org/wiki/Louise_Joy_Brown


Link:
de.wikipedia.org/wiki/Robert_Edwards_%28Physiologe
%29


Youtube-Video:


»diese Intellektuellen, die ja für ihr Reflektionsvermögen bezahlt werden«

Tragikomödie, daß nämlich die öffentliche Debatte in diesem Land geführt wird von Exemplaren die sich selbst zwar gern reden hören, die aber zu blöde sind sich vorher mal ein Mindestmaß an Wissen über ihr Thema anzueignen. Von Leuten die wirklich außer Scheiße nix im Kopp haben. Das gilt für Lewitscharoff wie für Sarrazin. Brilliante Feuerwerke der Ignoranz, Inkompetenz, Verantwortungslosigkeit, aber Professuren, Beamtenpöstchen, Parteibücher und natürlich sinnentleerte dämliche Scheißhauspreise deren Namensgeber gottseidank tot sind und sich ob der ehrenden Ehre bei den partei- und kultusproportionalen verbeamteten Jurorenpack nicht persönlich bedanken können.

Deutschland ein Pißpottmärchen.


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#6
24.03.2014
15:17:28
Via Handy


(+13, 15 Votes)

Von Foxie
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Eine treffende Abrechnung mit Sarrazin und Konsorten!
Hoffentlich geht möglichst vielen cdu csu fdp afd Wählern mal ein Licht auf, aus was für braunen Sümpfen die genannten Figuren ihre "Weisheiten" schöpfen!


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#7
24.03.2014
15:26:17


(+11, 17 Votes)

Von Tageslicht
Antwort zu Kommentar #4 von Nachtschicht


"Nicht erklärt, warum Veränderungen nötig sind, um den Sozialstaat zu erhalten."

Gay-unfriendly:

"Die [SPD-/Grüne-] Bundesregierung..."

Link zu www.zeit.de

Link zu www.handelsblatt.com

"Die Gesellschaft braucht eine Kirche, die mithilft, das Gemeinwesen zusammen zu halten."

Bild-Link:
2-format3.jpg


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#8
24.03.2014
15:38:46


(+8, 12 Votes)
 
#9
24.03.2014
15:50:59


(+13, 15 Votes)

Von gute frage


"Was kommt als nächstes an der vorrückenden Sarrazin-Front?"

Im schlimmsten Fall die ansteigende Wahlbeteiligung unaufgeklärter "Misérables"?

Unaufgeklärter Kleinbürger, die sich um die Zukunft ihrer Gene in Kinder- und Enkelgestalt sorgen?

Die Stimmenmehrheit gegenüber jenen Schichten und Milieus vor denen Klaus Nierhoff vortrug?


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#10
24.03.2014
15:51:37


(+8, 8 Votes)

Von pölokijuhzt


gibt es denn davon kein video? Bei YouTube oder Vimeo?


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