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  • 12. Dezember 2004, noch kein Kommentar

Die finnische Hauptstadt ist auch im Winter einen Besuch wert: Sightseeing und Shopping am Tag, Clubbing von Mitternacht bis vier.

Von Roberto La Pietra

Helsinki am Tag

Der kostengünstigste und einfachste Weg, sich ein Bild der finnischen Hauptstadt zu machen, ist die Straßenbahnlinie 3, die in einer Achterschleife in rund einer Stunde durch Helsinki kurvt und dabei die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abklappert. Da wäre zum Beispiel die große Auswahl an Einkaufsstraßen rund um den Hauptbahnhof und Helsinkis Hauptachse Mannerheimintie. Hier befindet sich auch der kolossale Bau des finnischen Parlaments. Gegenüber liegt Kiasma, das Museum für zeitgenössische Kunst, das vor allem Werke finnischer Künstler aus den späten Neunzigern beherbergt. Besonders an kalten oder regnerischen Tagen ist es einen Besuch wert.

Etwas weiter nördlich befindet sich Finlandia, eine Kongresshalle, in der weit reichende Verhandlungen zur Beendigung des Kalten Kriegs geführt wurden – so trafen sich hier zum Beispiel mehrmals Reagan und Gorbatschow, da man Finnland für neutralen Boden hielt. Überhaupt präsentiert sich Helsinki stolz als kulturelle Schnittstelle zwischen Ost und West. Die Architektur ist sichtbar von beiden Richtungen her geprägt. Die Stadt wurde im 16. Jahrhundert vom Schweden Gustav Vasa gegründet, 1900 ging Finnland dann in russische Hände über, bevor es schließlich 1917 seine Unabhängigkeit feierte – natürlich mit Helsinki als Hauptstadt.

Weiter nördlich der Finlandia Halle – ebenfalls am See Töölönlahti – stößt man auf den umstrittenen Bau der Oper, bevor man zum Olympia-Gelände gelangt. Hier befindet sich auch ein 72 Meter hoher Turm, von dem aus man einen tollen Blick über die Metropole hat. Man sieht über die Seen und die Innenstadt bis zu den beeindruckenden Schiffen im Ostseehafen.

Im Sommer, wenn die Sonne oft bis in die Abendstunden hinein scheint, fallen zudem die vielen Grünflächen der Metropole auf, denn der Wald reicht praktisch bis in die Innenstadt hinein. Im Winter dagegen, wenn Helsinki oft in eine weiße Schneeschicht gehüllt ist, kann man sehen, wie die vielen Wasserflächen der Stadt von Eis überzogen sind.

Die Straßenbahnlinie passiert auch das historische Zentrum Helsinkis. Unumstrittenes Wahrzeichen der Stadt ist der Dom auf dem Senatsplatz. Er thront in strahlendem Weiß im Empire-Stil über dem Hafen und ist mit seinen vier Türmen und der riesigen Kuppel von überall aus zu sehen – vor allem dann, wenn er nachts angeleuchtet wird. Südlich des Platzes befindet sich Sofiankatu, die angeblich älteste Straße Helsinkis mit dem stadthistorischen Museum. Diese kleine Gasse unterscheidet sich jedoch nicht wirklich von den umliegenden. Einen Besuch wert sind auf jeden Fall die Esplanaden. Diese zwei durch einen Park getrennten Prachtstraßen werden von Luxushotels und teuren Kaufhäusern geziert – im Sommer erholt man sich in der grünen Mitte oder trinkt einen Cappuccino - die Stadt verfügt nämlich über eine ausgeprägte Kaffeehauskultur.

Helsinki bei Nacht

Westlich der Mannerheimintie befindet sich die kompakte Szene. Als Bars empfehlen sich Con Hombres in der Eerinkakatu 14, das vor allem für seine Eurovision-Schlagerabende bekannt ist oder Lost & Found in der Annankatu 6, das sich selber als straight-friendly bezeichnet. Einige sind allerdings der Meinung, dass es immer mehr Heteros als Schwule anzieht. Neben einer Bar verfügt es auch noch über einen Tanzbereich. Wer auf der Suche nach der Bar "Room" ist: die gibt es seit kurzem nicht mehr.

Was es allerdings sehr wohl gibt und was auch bei Schwulen in ganz Skandinavien berühmt ist, ist don’t tell mama, besser als dtm bekannt. Dieser größte Gay-Club der nordischen Länder in der Roobertinkatu 28 ist ein schwules Vergnügungsparadies auf mehreren Etagen und vereint Bar, Café und Club. Hier kann man nach dem Tanzen sogar noch frühstücken. Wie vor so vielen Heten- und Gay-Clubs Helsinkis stehen sich nur leider die Besucher vor der Türe die Füße platt – eine Eigenart in dieser Stadt, die angesichts klirrender Kälte im Winter nicht so lustig ist.

Vielleicht liegt es auch an der relativ kurzen Zeit, die die Discos geöffnet sind. Fast alle Clubs sind von Mitternacht bis vier Uhr früh offen, was zwangsweise eine gewisse Rush-Hour beim Kommen und Gehen mit sich bringt – erst recht, wenn jeder dicke Mäntel, Mützen, Schals und Handschuhe abgeben muss. Ein bisschen weniger los ist im Hercules in der Lönnrotinkatu 4. Hier ist die Szene auch mehr unter sich, denn das Publikum ist nicht so gemischt wie im dtm oder Lost & Found.

Wer dann um vier Uhr morgens aus dem Club kommt, kann sich auf dem Heimweg noch eine kleine Stärkung gönnen, da es zahlreiche Imbiss-Läden gibt, die nur auf die hungrigen Nachteulen warten. Vielleicht ergibt sich ja spätestens hier die Möglichkeit zum Anbandeln…

Fotos: Fremdenverkehrsamt Helsinki, dtm

18. Dezember 2004