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"Wir müssen uns immer wieder gegenüber denen positionieren, die sich dem Fortschritt in den Weg stellen", begründet Klaus Nierhoff sein Engagement. Als Botschafter der Hischfeld-Tage NRW vom 4. April bis 18. Mai ist er bei mehreren Veranstaltungen auf dem Podium oder im Publikum dabei

Der schwule Schauspieler ist Botschafter der Hirschfeld-Tage NRW, die am 4. April beginnen. Im Interview spricht er über sein Engagement für LGBT-Rechte.

Interview: Marvin Mendyka

In wenigen Tagen beginnen die Hirschfeld-Tage NRW. Was muss man sich darunter vorstellen?

Die Hirschfeld-Tage NRW sind eine Veranstaltungsreihe vom 4. April bis zum 18. Mai. Es werden zahlreiche Vorträge, Workshops, Lesungen und Vorführungen zum Thema Gleichstellung und Lebensweisen von LGBT in der Vergangenheit und heute stattfinden.

Sie und Bettina Böttinger sind Botschafter der Hirschfeld-Tage NRW. Was genau heißt das?

Bettina Böttinger und ich werden unsere Netzwerke nutzen, um auf die Hirschfeld-Tage aufmerksam zu machen. Da wir beide für die Medien arbeiten, haben wir ganz gute Möglichkeiten. Natürlich werden wir auch versuchen, die heterosexuelle Mehrheit zu erreichen und für unsere Veranstaltungen werben.


Klaus Nierhoff bei seiner Wut-Rede Ende März im Düssedorfer Landtag (Bild: Arndt Klocke)

Haben Sie lange gezögert, bevor Sie zugesagt haben?

Nein, das fand ich von Anfang an eine ganz tolle Sache. Bettina und ich waren ja schon Botschafter der Arcus-Stiftung. Und seit der Gründung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld im Jahr 2011 bin ich im Kontakt mit Jörg Litwinschuh, dem geschäftsführenden Vorstand der Bundestiftung.

NRW gehört, was die Situation für LGBT betrifft, sicher zu den fortschrittlichen Ländern. In Köln findet der größte CSD Deutschlands statt, es gibt eine große Szene und Ministerpräsidentin Kraft wurde vom Schwulen Netzwerk mit der Kompassnadel ausgezeichnet. Was ist in NRW noch zu tun?

Sicherlich könnte man sagen, dass wir in NRW schon viel erreicht haben. Aber das Erreichte muss ständig verteidigt werden. Das ist eine Menge Arbeit. Wir müssen uns immer wieder gegenüber denen positionieren, die sich dem Fortschritt in den Weg stellen. Auch wenn viele von uns gedacht haben, das man bereits fast am Ziel sei.

In ihrer Rede beim queerpolitischen Empfang im Düsseldorfer Landtag hatten sie die so genannten Meinungsführer, die sich in letzter Zeit zu Wort gemeldet hatten, scharf kritisiert. Unter anderem Norbert Blüm (CDU), der vor einiger Zeit das Urteil des Verfassungsgerichts zur Gleichstellung beim Ehegattensplitting als "In"-Urteil bezeichnete…

Wenn ein Politiker sagt, das Verfassungsgericht solle mit den Gleichstellungsurteilen doch bitte nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen und im Untertext meint, wir sollten uns den Regeln der katholischen Kirche unterwerfen, dann regt mich das auf! Ich empfinde das als übergriffig und maßlos ignorant.

Haben Sie selbst in Ihrem Leben Diskriminierung oder Benachteiligung aufgrund ihrer Homosexualität erfahren?

Ich komme aus einem katholischen Umfeld – da war die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebensweisen in keiner Weise vorhanden. Als Heranwachsender, der begann, seine Neigungen zu formulieren, hatte ich heftigen Gegenwind. "Jetzt sei doch mal normal, bleib ein richtiger Junge!" Das hilft nicht gerade bei der Identitätsfindung. Allerdings bin ich mit 19 aus der Kirche ausgetreten und habe meine Familie gezwungen, umzudenken.


Klaus Nierhoff mit der Kölner SPD-Poiitikerin Lale Akgün beim Istanbul Pride

Und wie war das dann im Berufsleben?

Auch nach dem Coming-out war das schwierig. Das habe ich auf der Schauspielschule erlebt. Meine Diskussionen über Männerbilder, Männlichkeitsklischees und "role models" waren nicht immer willkommen. Natürlich gibt es auch am Theater und beim Film und Fernsehen homophobe Entscheider. Nicht immer wird das ausgesprochen. Hinter den Kulissen gibt es aber doch noch eine Menge Vorurteile.

Aber dadurch, dass immer mehr Schwule, Lesben und Transgender in der Öffentlichkeit stehen, hat sich auch vieles zum Besseren verändert. In meiner Familie ist Homophobie heute kein Thema mehr. Und während meiner "Lindenstraßen"-Jahre hatte ich ja sogar einen Chef, der die "Kompassnadel" des Schwulen Netzwerks NRW für seine Verdienste um die Gleichstellung unserer Lebensweisen bekommen hat.

Im Bereich des Fußballs sieht es da ja anders aus. Wie beurteilen sie das Coming-out von Thomas Hitzlsperger?

Ich habe mich sehr darüber gefreut! Er ist der Beweis, dass auch so richtige Knallersportler schwul sein können. Diese ganzen Klischees sind der reinste Humbug. Natürlich können schwule Männer auch durchsetzungsfähig, sportlich und dominant sein. Andersrum können heterosexuelle Männer auch einfühlsam und zart sein. Hitzlsperger hat sich nach seiner aktiven Karriere geoutet, weil er keinen Bock hatte, sich weiter zu verstellen. Eine wahnsinnige Erleichterung. Man denke an die Energie, die manche Fußballer dafür aufwenden müssen – übrigens ein Punkt, bei dem der Frauenfußball schon meilenweit voraus ist.

Hitzlsperger sagte allerdings nach seinem Coming-out, er wolle "keine Ikone einer Schwulenbewegung werden". Sehen Sie sich denn selbst als Vorbild für junge Lesben und Schwule?

Ich habe nicht vor, mein Leben hauptsächlich damit zu verbringen, eine Ikone der Schwulenbewegung zu sein. Aber das öffentliche Statement ist immer auch ein Signal für junge Leute. Wenn ich ein Interview gebe oder in einer Podiumsdiskussion sitze und über Gleichstellung rede, hat das natürlich damit zu tun, dass ich aktiv für LGBT-Ziele eintrete.

Wird man Sie auch auf den Veranstaltungen der Hirschfeld-Tage NRW sehen können?

Ich lese am 6. April beim Auftakt-Symposium in Bochum, außerdem am 11. April um 19 Uhr im Kölner NS-Dokumentationszentrum. Da geht es um die Lebenswirklichkeiten von Schwulen und Lesben nach 1945. Das werden wir auch noch am 30. April in Aachen wiederholen. Bei vielen Veranstaltungen werde ich auch als Zuschauer dabei sein.