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  • 04.04.2014           20      Teilen:   |

Interview mit Barbara Steffens

"Den Homosexuellen ein Stück ihrer Würde zurückgeben"

Artikelbild
Die Grünen-Politikerin Barbara Steffens ist seit 15. Juli 2010 Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW (Bild: Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen / flickr / cc by-sa 2.0)

Mit ihrer Schirmherrschaft über die Hirschfeld-Tage NRW macht sich die grüne Emanzipationsministerin Barbara Steffens für eine Rehabilitierung der Opfer des §175 stark.

Interview: Micha Schulze

Was hat Sie dazu bewogen, die Schirmherrschaft über die ersten Hirschfeld-Tage NRW zu übernehmen?

Ich habe die Schirmherrschaft gern übernommen, weil ich es wichtig finde, in Nordrhein-Westfalen eine Erinnerungskultur zu pflegen, die an die Verfolgung von Homosexuellen durch den Paragraf 175 des Strafgesetzbuches erinnert. Wir möchten denjenigen Menschen ein Stück ihrer Würde zurückgeben, die durch diese unsägliche Praxis kriminalisiert, stigmatisiert und tabuisiert wurden. Außerdem kann unsere Gesellschaft nur zukunftsfähig sein, wenn sie für Vielfalt offen ist.

In Ihrem Grußwort schreiben Sie, dass in Sonntagsreden gerne die offene Gesellschaft gefordert wird, diese in der Praxis aber nicht gelebt werde. Was meinen Sie damit konkret?

Solange es ein Aufreger ist, wenn sich ein prominenter Fußballer wie Thomas Hitzlsperger outet, kann von Normalität gleichgeschlechtlicher Liebe keine Rede sein. Oder wenn ich sehe, wie Eltern vor laufender Kamera öffentlich bekunden, wie froh sie darüber seien, dass ihre Kinder "normal" und nicht homosexuell sind. Diese Beispiele machen für mich deutlich, dass wir von einer gesellschaftlichen Normalität noch weit entfernt sind.

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Plakat zu den Hirschfeld-Tagen NRW: Vom 4. April bis zum 18. Mai 2014 finden knapp 100 Veranstaltungen in 16 Orten des Bundeslandes statt
Plakat zu den Hirschfeld-Tagen NRW: Vom 4. April bis zum 18. Mai 2014 finden knapp 100 Veranstaltungen in 16 Orten des Bundeslandes statt

Sie zitieren Studien, nach denen ein Fünftel der Bevölkerung zu homophoben Einstellungen neigt. Mit welchen Maßnahmen kann man Ihrer Meinung konkret ein Umdenken einleiten?

Es ist absolut notwendig, bereits in den Schulen für eine angemessene Aufklärung zu sorgen. Hier sind landesgeförderte Projekte wie "SchLAu – schwul lesbisch bi trans* Aufklärung in NRW" und "Schule der Vielfalt – Schule gegen Homophobie" genau die richtigen Instrumente. Darüber hinaus müssen wir neben Fachkräften, die beispielsweise in der Kinder- und Jugendarbeit, in Schulen, in den Behörden tätig sind, die gesamte Bevölkerung weiter sensibilisieren. Deshalb sorgen wir dafür, dass die Thematik in Aus- und Fortbildungen integriert wird und fördern die Kampagne "anders und gleich – Nur Respekt Wirkt", die eine Reihe von hervorragenden Aufklärungsmaterialien bereit hält wie zum Beispiel die "Fibel der kleinen Unterschiede".

In Baden-Württemberg gibt es massiven Widerstand gegen die Pläne der Landesregierung. in der Schule über sexuelle Vielfalt aufzuklären…

Hinter den Protesten in Baden-Württemberg steckt offenbar viel Unwissenheit. Wir werden weder heterosexuell noch homosexuell gemacht, auch nicht durch Schulunterricht. In Nordrhein-Westfalen hat sich seit vielen Jahren ein Sexualkundeunterricht etabliert mit dem Ziel, respektvoll über die Vielfalt sexueller Identitäten aufzuklären.

Wie ist der Stand beim "Aktionsplan gegen Homophobie", auf den sich die rot-grüne Landesregierung bereits 2010 verständigt hat?

Der Aktionsplan wurde Ende 2012 vom Kabinett verabschiedet und wird seitdem sehr erfolgreich umgesetzt. Die Selbsthilfe wurde erkennbar gestärkt und viele Türen zu den Regelstrukturen wie zum Beispiel im Bereich der Jugendarbeit, der allgemeinen Ehe- , Lebens- und Familienberatungsstellen, der Senioren- und der Integrationsarbeit und im Gesundheitswesen wurden geöffnet. Die Kampagne "anders und gleich – Nur Respekt Wirkt" hat über das Landeskabinett hinaus bereits weitere prominente Unterstützung gefunden. Die Rehabilitierung der aufgrund des Paragrafen 175 Strafgesetzbuch Verurteilten ist eines der Ziele des Aktionsplans. Daher setzen wir mit der Förderung der Hirschfeld-Tage auch die Ziele des Aktionsplans um.

Nicht wenige Lesben und Schwule beklagen ein Rollback in Sachen Akzeptanz und Toleranz. Teilen Sie diese Einschätzung?

Tatsächlich gibt es zunehmend subtilere Formen der Diskriminierung und aggressive Äußerungen, die ich mit Sorge registriere. Soviel homophobe Äußerungen wie in den Talk-Shows zu Baden-Württemberg habe ich schon lange nicht mehr gehört. Andererseits leben wir in einer Zeit, in der die rechtliche Gleichstellung von sexuellen Identitäten bereits weitgehend umgesetzt ist – jedenfalls in der Bundesrepublik und den westlich orientierten Staaten. Aber gerade an den Fragen "Öffnung der Ehe" und "Gleiches Adoptionsrecht für Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaft" zeigt sich das Rollback. Indem hier die sexuelle Orientierung einer Bewertung unterzogen und gemauert wird.

Die Hirschfeld-Tage schaffen gerade in ländlichen Regionen und kleinen Städten einmalige wichtige Identifikations- und Diskussionsangebote. Was unternimmt die Landesregierung, um LGBT-Projekte auch in diesen, oft verschuldeten Kommunen besser und regelmäßig zu fördern?

Die Landesregierung fördert u.a. Fachstellen, die auch den Initiativen in den Kommunen mit Rat und Tat zur Seite stehen wie etwa im Anti-Gewalt-Bereich, in der Jugend-, der Senioren- und der Integrationsarbeit. Außerdem stellen wir den Dachorganisationen der Selbsthilfe, der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V. und dem Schwulen Netzwerk NRW e.V., Projektmittel zur Verfügung, die gerade den örtlichen Initiativen zugute kommen. Die Selbsthilfegruppen der Trans* – und Intersex*-Menschen, die sich noch nicht mit einem vergleichbaren Format auf Landesebenen etabliert haben, unterstützen wir mit der Förderung eigener Portale, damit sie sich besser austauschen und vernetzen können.

  Weitere Infos
Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" laden die Hirschfeld-Tage NRW vom 4. April bis zum 18. Mai zu knapp 100 Veranstaltungen in ganz NRW ein. Veranstalterinnen sind die ARCUS-Stiftung und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Vorträge, Lesungen, Workshops und Vorführungen thematisieren in 16 Städten sexuelle Vielfalt, werben für mehr Akzeptanz und erinnern an die Verfolgung und Repression von LGBT vom Nationalsozialismus bis in die frühe Bundesrepublik Deutschland.
Links zum Thema:
» Homepage der Hirschfeld-Tage NRW mit dem detaillierten Programm
» Homepage von Barbara Steffens
Mehr zum Thema:
» NRW feiert sexuelle Vielfalt von Magnus Hirschfeld bis heute (24.03.2014)
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Tags: barbara steffens, hirschfeld-tage nrw, arcus stiftung, bundesstiftung magnus hirschfeld, schule der vielfalt, aktionsplan gegen homophobie
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Reaktionen zu ""Den Homosexuellen ein Stück ihrer Würde zurückgeben""


 20 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
04.04.2014
08:50:12


(+5, 7 Votes)

Von Finn


Toll, dass die Grünen da am Ball bleiben...


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#2
04.04.2014
09:34:11


(-9, 11 Votes)

Von Timm Johannes


Sehr lobenswert....

2017 gibt es dann im Bund Schwarz/Grün und dann werden diese Forderungen von den Grünen durchgesetzt. Für Rot/Grün wird es nicht rechnerisch reichen.


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#3
04.04.2014
10:08:16


(+4, 8 Votes)

Von Andreas


Danke, Grüne-NRW!

Schön, wenn sich Parteien auch an ihre Versprechen halten.


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#4
04.04.2014
10:25:32


(+6, 8 Votes)

Von kuesschen11
Aus Darmstadt (Hessen)
Mitglied seit 26.08.2012


Man merkt doch immer wieder deutlich, dass die Grünen sich für die Würde des Menschen, soziales Verhalten, Schutz der Grundrechte, Gleichstellung, Gerechtigkeit, Emanzipation etc. am stärksten einsetzen.
Daher vielen Dank an Barbara Steffens für ihr Engagement.

Jetzt, wo die Emanzipation von LGBT so langsam in der Gesellschaft ankommt, entfacht eine unerklärliche Wut aus reaktionären, konservativen und religiös-fundamentalistischen Kreisen. Das ist beängstigend, zeigt aber auch, dass die LGBT-Bewegung ständig aktiv bleiben muss, um einen Rollback der Tabuisierung und Ghettoisierung zu vermeiden.

Kein Mensch ist illegal. Kein Mensch auf der Welt darf bestraft oder benachteiligt werden, nur weil er liebt und ich hoffe, das hat unsere Gesellschaft größtenteils verinnerlicht, aber der Prozess ist noch in vollem Gange.


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#5
04.04.2014
10:47:41


(+2, 4 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #3 von Andreas


Das ist mutig und eine sehr gute Sache.

Wie sieht es denn in Hessen aus?


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#6
04.04.2014
11:13:38


(+4, 6 Votes)

Von sperling
Antwort zu Kommentar #2 von Timm Johannes


>"2017 gibt es dann im Bund Schwarz/Grün und dann werden diese Forderungen von den Grünen durchgesetzt."

ich freue mich jetzt schon darauf, dein neues mantra (oder sollte ich sagen "ave katrin"?) hier noch millionen mal unter allen beiträgen, egal zu welchem thema, zu lesen.


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#7
04.04.2014
12:04:10


(+2, 4 Votes)

Von Corum
Aus Hamburg
Mitglied seit 26.02.2013
Antwort zu Kommentar #2 von Timm Johannes


Langsam wirds richtig peinlich mit dir.

Zuerst betreibst du jahrelang Wahlwerbung für die FDP, wohlwissend, dass die gelben Versager ausser ihrer Klientelpolitik nur den Steigbügelhalter für die CDU/CSU machen.

Nachdem nun klar ist, dass mit den Gelben kein Blumtopf mehr zu gewinnen ist, schwenkst du auf einmal auf schwarz / grün um, und das 3 1/2 Jahre vor der nächsten Bundestagswahl.

Warum gibst du nicht offen zu, dass du eigentlich ein verkappter CDUler bist. Anders ist dein Geschwafel nun wirklich nicht mehr zu erklären.


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#8
04.04.2014
12:53:57


(+4, 6 Votes)

Von Carsten AC


Toll, dass die Grünen nicht nachlassen und beständig für unsere Rechte kämpfen.

Die können natürlich auch nicht alles von heute auf morgen schaffen, aber Schritt für Schritt schaffen die Grünen Fortschritte für uns alle...

Und wer will, dass es schneller geht, muss die Grünen eben mächtiger machen...


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#9
04.04.2014
13:02:40


(+5, 7 Votes)

Von dragan
Aus Dresden (Sachsen)
Mitglied seit 25.06.2010


Link zu www.wahlrecht.de

31. August Sachsen Landtag
14. September Thüringen Landtag
14. September Brandenburg Landtag

Link zu www.wahlrecht.de


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#10
04.04.2014
13:06:10


(+7, 9 Votes)

Von Timon
Antwort zu Kommentar #9 von dragan


Was mich bei den aktuellen Umfragen besonders freut, ist dass die FDP konstant zwischen 3 und 4 Prozent vor sich hin dümpelt.

Hoffentlich fallen nicht noch mal mehr als 5% auf diese Lügner- und Betrügerpartei rein...


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