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  • 06.04.2014           9      Teilen:   |

Hirschfeld-Tage NRW

"Wie kann man die Emanzipation vorantreiben?"

Artikelbild
Verantworten fast 100 Veranstaltungen in 16 Städten von NRW: Gabriele Bischoff, Vorstandsvorsitzende der Arcus-Stiftung, und Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Bild: BMH/Norbert Mispelbaum)

Im Jahrhunderthaus Bochum findet am Sonntag das Auftakt-Symposium der Hirschfeld-Tage NRW statt. Im Interview sprechen die Veranstalter über die Ziele und die Highlights der Mega-Veranstaltungsreihe.

Von Marvin Mendyka

Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" laden die Hirschfeld-Tage NRW noch bis zum 18. Mai zu knapp 100 Veranstaltungen in ganz NRW ein. Veranstalterinnen sind die Arcus-Stiftung und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Vorträge, Lesungen, Workshops und Vorführungen thematisieren in 16 Städten sexuelle Vielfalt, werben für mehr Akzeptanz und erinnern an die Verfolgung und Repression von LGBT vom Nationalsozialismus bis in die frühe Bundesrepublik Deutschland.

Vor dem Auftakt-Symposium am Sonntag in Jahrhunderthaus Bochum sprachen wir mit Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, und Gabriele Bischoff, Vorstandsvorsitzende der Arcus-Stiftung.

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Logo der Hirschfeld-Tag NRW vom 4. April bis 18. Mai 2014
Logo der Hirschfeld-Tag NRW vom 4. April bis 18. Mai 2014

Die ersten Hirschfeld-Tage fanden 2012 in Berlin statt. Was ist die Grundidee hinter der Veranstaltungsreihe?

Jörg Litwinschuh: Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat den satzungsgemäßen Auftrag, die Mehrheitsgesellschaft über die vielfältigen Lebensweisen von LSBTI-Menschen zu informieren und damit einen Beitrag zur Akzeptanzförderung zu leisten.

Wie leben LSBTI in Deutschland? Wo und warum werden sie diskriminiert? Wie kann man die Emanzipation vorantreiben? Das sind Fragen, auf die wir auch mit den Hirschfeld-Tagen Antworten zu geben versuchen. Wir wollen aber auch zurückblicken auf geschehenes Unrecht, auf die Repression und Verfolgung von LSBTI. Gleichzeitig will die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld aber auch zeigen, welche positiven Erfahrungen es in der Geschichte der LSBTI gab und gibt – gemäß dem Motto der Hirschfeld-Tage "L(i)ebe die Vielfalt".

Wie war die Resonanz vor zwei Jahren in der Hauptstadt?

Jörg Litwinschuh: Unsere Stiftung war damals erst wenige Monate alt. Wir waren froh, dass wir über 30 Veranstaltungen auf die Beine stellen konnten, unser Kooperationspartner 2012 war der LSVD Berlin-Brandenburg. Berlin ist natürlich ein Schmelztiegel, wo viele Menschen unserer Community leben. Deshalb haben wir in Berlin relativ rasch Vereine, Verbände und Institutionen gewonnen, mit denen wir bei den Veranstaltungen kooperieren konnten.

Mit der Resonanz waren wir damals schon zufrieden, aber dennoch hätten wir uns mehr Beteiligung aus der Mehrheitsgesellschaft gewünscht. Wir sind gespannt, ob es uns in NRW gelingt, mehr Menschen auch außerhalb der Szenen zu erreichen.

Die Hirschfeld-Tage sollen alle zwei Jahre in einer anderen Region Deutschlands stattfinden. Was sprach für NRW als Ort der zweiten Veranstaltungsreihe?

Jörg Litwinschuh: Es gab von Anfang an tolle Impulse von Markus Johannes vom Schwulen Netzwerk NRW und von Gabriele Bischoff. Auch war es für uns eine interessante Herausforderung, nach Berlin in ein Flächenland wie NRW zu gehen, wo es die unterschiedlichsten Regionen gibt: Großstädte, ländliche Gebiete etc.

Gabriele Bischoff: Es bot sich schlicht an, da wir mit der LAG Lesben und dem Schwulen Netzwerk in NRW haupt- und ehrenamtliche Strukturen haben, die eine solche Veranstaltungsreihe stemmen können. Diese beiden Landesverbände haben über 60 Mitgliedsgruppen – da kommen eine ganze Menge engagierter Leute zusammen. Das macht die Umsetzung natürlich einfacher. Außerdem haben wir gute Kontakte zu den Parteien und in den Landtag, wo wir auch eine Veranstaltung haben werden.

Mit der Arcus-Stiftung gibt es diesmal einen neuen Kooperationspartner. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Gabriele Bischoff: Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die Arcus-Stiftung sind beide gleich jung und haben ähnliche Themen wie zum Beispiel die Erinnerungsarbeit. Die Hirschfeld-Tage NRW sind unser erstes gemeinsames Projekt, und zukünftig werden wir bestimmt wieder kooperieren.

Wer finanziert die Hirschfeld-Tage NRW mit welchen Summen?

Jörg Litwinschuh: Die Veranstaltungsreihe wird insgesamt voraussichtlich 120.000 Euro kosten. Die Mittel kommen jeweils ca. zur Hälfte von den Förderern, also dem NRW-Landesministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter und der Landeszentrale für politische Bildung NRW sowie von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und privaten sowie institutionellen Spendern, die bereits seit 2013 zweckgebunden für die Hirschfeld-Tage bei der Bundesstiftung eingegangen sind.

Gabriele Bischoff: Und nicht zu vergessen: Die ehrenamtliche Arbeit, ohne die die Hirschfeld-Tage gar nicht möglich wären!

Schirmherrin der Hirschfeld-Tage NRW ist die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, Barbara Steffens (Grüne)
Schirmherrin der Hirschfeld-Tage NRW ist die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, Barbara Steffens (Grüne)

Fast 100 Veranstaltungen listet der Kalender – ein gigantisches Programm, bei dem Interessierte nicht umhin kommen, eine Auswahl zu treffen. Welche Events sind aus Veranstaltersicht die Highlights?

Gabriele Bischoff: Ich bin insgesamt auf 16 Veranstaltungen und freue mich auf jede einzelne. Die Veranstaltungen zu Johanna Elberskirchen sind sicherlich ein programmatischer Höhepunkt. Ich finde es wunderbar, dass wir ihren 150. Geburtstag im Rahmen der Hirschfeld-Tage feiern können. Spannend finde ich auch den Vortrag von Heinz-Jürgen Voss zur Auslöschung geschlechtlicher und sexueller Pluralität, die der Paritätische in Dortmund organisiert hat.

Jörg Litwinschuh: Ich bin einfach froh, dass wir es geschafft haben, ein so breites Angebot auf die Beine zu stellen. Empfehlen möchte ich zum Beispiel unser Auftaktsymposium am Sonntag im Jahrhunderthaus in Bochum und die Konferenz "Queer, Gender, Historiographie – aktuelle Tendenzen und Projekte" vom 15. bis zum 17. Mai an der Universität Köln. Über die Veranstaltungen zu Johanna Elberskirchen freue ich mich ganz besonders.

Gabriele Bischoff und ich haben den besonderen Anspruch, auf das Leid der Homosexuellen in der frühen Bundesrepublik hinzuweisen. Man denke an den Paragraphen 175 StGB, der bis 1969 Tausende schwule Männer ins Gefängnis brachte. Wir wollen ganz gezielt an diese Menschenrechtsverletzung erinnern. Selbst innerhalb der LSBTI-Community ist das kaum mehr im Bewusstsein. Aus rechtlichen Gründen sieht die Bundesrepublik Deutschland bisher keine Möglichkeit der Aufhebung der Urteile. Wir wollen daher mit den Hirschfeld-Tagen die Diskussion verstetigen helfen, wie wir zeitgeschichtlich mit diesem Unrecht umgehen und welche Auswirkungen der § 175 StGB bis heute auf unsere gesamte Gesellschaft hat.

Gabriele Bischoff: Das ist ein wichtiges Stichwort. Ich habe erst kürzlich etwas über die Kießling-Affäre gelesen. Unglaublich, dass noch 1984 ein General aufgrund des bloßen Verdachts der Homosexualität unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Das ist nur ein Beispiel von ganz vielen, an die wir erinnern wollen.

Der Blick zurück zur Verfolgung der Homosexuellen scheint ein Schwerpunkt ihrer Arbeit zu sein.

Jörg Litwinschuh: Ja, das stimmt, aber auch aktuelle Diskussionen beschäftigen uns, wie etwa die aktuell äußerst kontrovers geführte Diskussion in Baden-Württemberg zur verbindlichen Thematisierung von sexueller Vielfalt im Schulunterricht. Ich finde es befremdlich, wie sehr das Thema in Teilen der Bevölkerung noch auf Ablehnung stößt – wobei wir natürlich bedenken sollten, dass das auch an jahrelanger fehlender Schulaufklärung zu diesem Thema in Baden-Württemberg liegt.

Da zeigt sich auch, wie wichtig es ist, die Vorurteile der Menschen ernst zu nehmen und sie nicht gleich zu verunglimpfen, sondern aufzuklären und in einen Dialog zu treten. Nicht mit de ewiggestrigen Homophoben, sondern mit den Menschen, die wegen mangelnder Information und fehlender Begegnungsmöglichkeit nichts über LSBTI-Lebensweisen wissen. Mit den homophoben Hardlinern muss man allerdings hart ins Gericht gehen und ihnen klare Grenzen aufzeigen, da sehe ich kaum Dialogmöglichkeiten.

Einen Schwerpunkt bildet der 150. Geburtstag der Schriftstellerin und Aktivistin Johanna Elberskirchen. Leider ist sie ja in Vergessenheit geraten…

Gabriele Bischoff: Es ist wirklich sehr schade, dass viele Johanna Elberskirchen nicht kennen. Sie war eine ganz außergewöhnliche Publizistin und kämpfte für die Rechte der Frauen und Homosexuellen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wir dürfen sie zurecht in den Mittelpunkt der Hirschfeld-Tage NRW stellen.

Jörg Litwinschuh: Johanna Elberskirchen, 1864 in Bonn geboren und 1943 in der Nähe von Berlin verstorben, war eine feministische Schriftstellerin, die teilweise viel mutiger als die homosexuellen Männer ihrer Zeit war. Sie stand und steht bis heute für die moderne, unabhängige und politisch aktive Intellektuelle. Außerdem arbeitete sie im wissenschaftlich-humanitären Komitee, das Hirschfeld mitgründete. Sie hat mal einen beeindruckenden Satz gesagt: "Feministisch sein heißt keineswegs à tout prix ein Recht für eine kleine Anzahl Frauen auf Kosten der anderen Frauen ergattern zu wollen – feministisch sein, das heißt immer nur für Gesamt-Befreiung des gesamten weiblichen Geschlechts kämpfen."

Sind alle Veranstaltungen im Rahmen der Hirschfeld-Tage kostenlos?

Gabriele Bischoff: Bis auf die Kinovorstellungen, das Rap-Konzert und eine Busfahrt sind alle Veranstaltungen kostenfrei. Damit wollen wir erreichen, dass das Programm möglichst niedrigschwellig ist und wir ein breites Publikum erreichen.

Gruppen und Initiativen konnten im vergangenen Jahr ihre Veranstaltungsidee einreichen. Konnten alle vorgeschlagenen Lesungen, Workshops und Diskussionen realisiert werden oder musste eine Auswahl getroffen werden?

Gabriele Bischoff: Es konnten fast alle Veranstaltungsideen angenommen werden. Zunächst sollten die Bewerbungen bis Ende September eingereicht werden. Dann haben wir die Frist bis November verlängert. Aber ganz ehrlich: Am Ende haben wir noch Veranstaltungen bis Januar angenommen, wenn sie thematisch passten.

Zwischendurch fragte ich mich, ob es nicht doch zu viel geworden ist. Aber jetzt bin ich zufrieden, dass wir ein so vielfältiges Programm in insgesamt 16 Städten in NRW anbieten können.

Steht schon fest, wo die Hirschfeld-Tage im Jahr 2016 stattfinden werden?

Jörg Litwinschuh: Das steht noch nicht fest, das entscheidet unser Kuratorium nächstes Jahr. Ideen haben wir aber schon. Vielleicht wird es Hirschfeld-Tage Nord geben, Interesse gibt es auch aus den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Links zum Thema:
» Homepage der Hirschfeld-Tage NRW mit dem detaillierten Programm
Mehr zum Thema:
» NRW feiert sexuelle Vielfalt von Magnus Hirschfeld bis heute (24.03.2014)
» Interview mit Botschafter Klaus Nierhoff (02.04.2014)
» Interview mit Schirmherrin Barbara Steffens (04.04.2014)
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Tags: gabriele bischoff, hirschfeld-tage, jörg litwinschuh, bundesstiftung magnus hirschfeld, arcus-stiftung
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Reaktionen zu ""Wie kann man die Emanzipation vorantreiben?""


 9 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
06.04.2014
11:27:16


(+8, 10 Votes)

Von 320-311


"Mit den homophoben Hardlinern muss man allerdings hart ins Gericht gehen und ihnen klare Grenzen aufzeigen, da sehe ich kaum Dialogmöglichkeiten."

Link zu www.queer.de


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#2
06.04.2014
11:38:08


(+6, 10 Votes)

Von frauens
Antwort zu Kommentar #1 von 320-311


Da kann man sich nur viele sozialdemokratische Feministinnen in der Bundestagsfraktion der SPD wünschen, die Johanna Elberskirchen ehren, indem sie die Mehrheit von 320:311 für die Zivilisation wirken lassen.

Im Clara-Zetkin-Saal des Reichstagsgebäudes rennt man damit offeneTüren ein.


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#3
06.04.2014
11:46:32


(+8, 8 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #2 von frauens


"Gabriele Bischoff: Das ist ein wichtiges Stichwort. Ich habe erst kürzlich etwas über die Kießling-Affäre gelesen. Unglaublich, dass noch 1984 ein General aufgrund des bloßen Verdachts der Homosexualität unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Das ist nur ein Beispiel von ganz vielen, an die wir erinnern wollen."

Gabriele Bischoff wurde 1962 geboren.


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#4
06.04.2014
11:52:46


(+7, 9 Votes)

Von erschreckend
Antwort zu Kommentar #3 von -hw-


Seit 2007 verdichten sich auch hier Hinweise:

Bild-Link:
card_1788728667.jpg


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#5
06.04.2014
12:11:34


(+7, 9 Votes)

Von kein scherz


" Vielmehr gehe es um die Antidiskriminierung von Menschen, die nicht heterosexuell sind, die sich nicht nur in Mann und Frau einteilen lassen wollen. Dazu sei noch in vielen Punkten rechtlicher Anpassungsbedarf von Nöten, so z. B. im Arbeitsrecht, im Sozialgesetzbuch und eben auch im bürgerlichen Recht.

Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partner*Innen kann da nur ein erster Schritt zu einer vollständigen Gleichstellung vielfältiger Lebenspartnerschaften sein, sagte Höll und fordert die notwenigen Schritte von der Bundesregierung ein.

Leider seien dahin gehende Bemühungen bislang erfolglos, da die aktuelle Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD den Diskriminierungen weiter kein Augenmerk schenke. Vielmehr verfolge sie weiterhin eine Anpassungspolitik an die Urteile des Bundesverfassungsgerichts, kritisiert Höll weiter."

Link zu www.die-linke-queer.de


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#6
06.04.2014
14:53:47


(+8, 10 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #5 von kein scherz


Link zu www.spiegel.de

Und selbst gegen das BVG hegen unsere 'bürgerlichen' Bürgerrechtsfeinde schon Putschpläne.

Ganz in der Tradition des Ermächtigungsgesetzes, das unsereinem den rosa Winkel bescherte.

Merke: Stuttgart ist überall!


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#7
06.04.2014
18:26:13


(+6, 8 Votes)

Von sperling


>"...die Mehrheitsgesellschaft über die vielfältigen Lebensweisen von LSBTI-Menschen zu informieren"

irgendwie stimmt das, ja, aber halt auch nur irgendwie. ich tue mich zunehmend schwer damit, wenn innerhalb eines denkmusters von "wir = minderheit" gegen "die = mehrheit" gedacht wird.

am konreten beispiel: ich kenne schwule und lesben, die wesentlich mehr aufklärung über lgbtiq benötigen als manche heterosexuellen. ich kenne heterosexuelle, die sich mehr für unsere rechte engagieren als manche schwule oder lesben.

statistisch mag es ja irgendwie berechtigt sein, diese ausnahmen unter den tisch fallen zu lassen. aber ich glaube, dass der erfolg oder misserfolg einer politischen aktion immer davon abhängt, welches konzept man dem ganzen zugrundelegt - und diese zuweisung von "wir vs. die", die einerseits lgbtiq pauschal aufgeklärtheit und andererseits heteros pauschal unaufgeklärtheit unterstellt, die gleichzeitig auch latent das unselige muster von >"wir" bitten "euch" um verständnis und akzeptanz< verfestigt, halte ich vom ansatz her für falsch.

geht es nicht vielmehr darum, dass sich engagierte menschen jeglicher couleur für aufklärung in allen gesellschaftlichen bereichen einsetzen, wo sie notwendig ist? aufklären und gleichzeitig an den seltsamen grenzziehungen festzuhalten, die man doch überwinden möchte, das schließt sich für mich aus.

>" 175 StGB, der bis 1969 Tausende schwule Männer ins Gefängnis brachte"

wieder einmal bleibt die frage unbeantwortet, die TheDad hier sehr zu recht oft stellt: wieso fallen die urteile von 1969 - 1994 schon wieder unter den tisch? waren die etwa nicht menschenrechtswidrig? haben die etwa kein unrechtes leid verursacht?


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#8
06.04.2014
19:02:08


(+3, 5 Votes)

Von ehemaligem User Robby
Antwort zu Kommentar #7 von sperling


Waren sie eindeutig.


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#9
07.04.2014
12:24:44


(+3, 5 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von sperling


""Aus rechtlichen Gründen sieht die Bundesrepublik Deutschland bisher keine Möglichkeit der Aufhebung der Urteile. Wir wollen daher mit den Hirschfeld-Tagen die Diskussion verstetigen helfen, wie wir zeitgeschichtlich mit diesem Unrecht umgehen und welche Auswirkungen der § 175 StGB bis heute auf unsere gesamte Gesellschaft hat.""..

Wenn selbst Herr Litwinschuh und Frau Bischoff, deren Nicht-Wahrnehmung der Kiesling-Affäre mir nebenbei bemerkt, sehr sauer aufstößt, weil ich von einer "Aktivistin" ein gewisses Geschichtsbewußtsein erwarte, zumal wenn Frau es medial im Alter von 21 Jahren erlebt haben dürfte, sich diese Frage stellen, und sie aber dann nicht beantworten können, dann zeigt sich daran sehr gut, wie sehr diese Diskussion auf breiter Front geführt werden muß..

Die Diskussion um die Aufhebung der Urteile und die Entschädigung der Opfer mit dem Fokus auf die Urteile bis 1969 zu führen, degradiert die Verurteilten nach 1969 bereits zu Beginn der Diskussion zu "Opfern 2.Klasse", und bestraft sie ein weiteres Mal zu Unrecht, nachdem sie durch die Verurteilung Unrecht erfahren, und Nachteile erlitten haben..

Diese "Doppel-Bestrafung" muß verhindert werden, weil es sich hier um Menchen handelt, die einzig und allein dafür im Knast gelandet sind, das sie eine andere Liebe gelebt haben, als von der Gesellschaft und dem Staat gewünscht war..


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