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  • 07.04.2014           5      Teilen:   |

Gregory Vallianatos

Schwul, HIV-positiv und liberal

Artikelbild
Will Oberbürgermeister von Athen werden: Gregoris Vallianatos ist nicht nur Parteichef der Liberalen, sindern auch einer der bekanntesten Schwulen-Aktivisten in Griechenland

Bei der Kommunalwahl im Mai will der 58-jährige Journalist und Menschenrechtsaktivist Gregory Vallianatos Bürgermeister von Athen werden.

Interview: Friedrich-Naumann-Stiftung

Mit Gregory Vallianatos bewirbt sich erstmals ein schwuler Politiker für das Amt des Oberbürgermeisters von Athen. Der gebürtige Athener, der sich mit seiner liberalen Liste "Athina Diamantopetra" zur Wahl stellt, ist zudem der erste offen schwule Politiker Griechenlands. Der 58-jährige Journalist und Menschenrechtsaktivist will bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 die Vorherrschaft der beiden traditionellen Parteien Nea Demokratia und PASOK durchbrechen.

Erst im November 2013 setzte er als Kläger vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (ECHR) durch, dass der Rechtstitel der "eingetragenen Partnerschaft" in Griechenland auch gleichgeschlechtlichen Paaren offenstehen muss.

Im Februar machte Vallianatos seine HIV-Infektion öffentlich: "Ich verfechte das Recht jeden Bürgers, schwul, lesbisch, trans oder bi zu sein. Genauso ist es das Recht eines jeden, der wie ich HIV-positiv ist, dies zu sagen oder nicht", schrieb er auf seinem persönlichen Facebook-Account. In dem Sozialen Netzwerk wurde die Nachricht überwiegend als mutig gelobt.

Während die zweitgrößte griechische Stadt Thessaloniki seit 2011 von dem reform-orientierten und unkonventionellen Bürgermeister Giannis Boutaris geführt wird, lässt ein solcher Politik- und Stilwechsel im von parteipolitischen Ränkespielen durchzogenen Athen noch auf sich warten.

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Herr Vallianatos, was ist Ihr Antrieb für die Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters von Athen?

Die allgegenwärtige humanitäre Krise, insbesondere in ihrem Ausmaß in Athen, besorgt mich zutiefst. Die Menschen verlieren nicht nur ihre Jobs, sondern auch ihre Persönlichkeit. Als Vorsitzender einer kleinen liberalen Partei ("Liberale Allianz") hielt ich es für den richtigen Zeitpunkt, sich in die Politik der "Großen" einzumischen und den Bürgerinnen und Bürgern Athens praktische und liberale Alternativen für die gravierenden Probleme der Stadt anzubieten.

Was ist Ihrer Meinung nach das gravierendste Problem sowohl in Athen als auch allgemein in Griechenland?

Die Realitätsverweigerung in weiten Teilen von Politik und Gesellschaft ist ein großes Problem. Sowohl der griechische Staat als auch die Stadt Athen müssen den Sprung ins 21. Jahrhundert schaffen. Die öffentliche Hand muss mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten und aufhören, sich in Bereichen zu engagieren, die der private Sektor übernehmen sollte. Öffentliche und private Unternehmen müssen technologiefreundlicher werden, wesentlich unbürokratischer, innovativer und weniger abhängig von Fremdkapital. Zugleich muss dieser Prozess aber einhergehen mit einem anderen Verständnis von individueller Freiheit und Menschenrechten, als dies bisher in Griechenland der Fall ist.

Sie sagen nicht nur, dass Sie schwul und HIV-positiv sind, sondern auch, dass Sie liberal sind. Was bedeutet das in einem Land wie Griechenland?

Schwul und liberal zu sein ist hierzulande in der Tat eine explosive Mischung! Die sexuelle Orientierung und eine grundsätzliche Offenheit gegenüber Genderfragen, verbunden mit religiöser, kultureller und individueller Toleranz gegenüber Andersdenkenden spielte im griechischen Bildungswesen lange Zeit kaum eine Rolle. Die politischen Parteien, wie übrigens auch die Medien, überbieten sich gegenseitig in Intoleranz und Stereotypisierungen, weshalb ich sehr froh bin über die Möglichkeit, dies nun im Wahlkampf thematisieren zu können.

Sollte ich gewählt werden, muss ich als liberaler Bürgermeister die gravierenden Probleme Athens – wie Obdachlosigkeit, Drogenmissbrauch, Prostitution, Homophobie, illegale Immigration und vor allem den Anstieg des Faschismus – mit Fingerspitzengefühl und Realismus angehen, weil es keiner der anderen Kandidaten macht!

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Tags: gregory vallianatos, athen, griechenland, liberal, schwuler politiker
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Reaktionen zu "Schwul, HIV-positiv und liberal"


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
07.04.2014
08:33:20


(-2, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Ich drücke ihm die Daumen, daß er die Wahl zum Oberbürgermeister gewinnt!


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#2
07.04.2014
11:48:34


(+4, 6 Votes)
 
#3
07.04.2014
11:58:17


(+5, 7 Votes)

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"Interview: Friedrich-Naumann-Stiftung"

Ist das nicht die parteinahe Stiftung der FDP, die weltweit für die Zerstörung von Sozialstaat und solidarischem Zusammenleben agitiert?

Ach ja:

Link zu www.queer.de


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#4
07.04.2014
13:11:47


(+2, 4 Votes)
 
#5
08.04.2014
02:42:23


(0, 2 Votes)

Von Liddl
Aus Braunschweig (Niedersachsen)
Mitglied seit 01.04.2014


Wieder hier bei queer.de ist es mir neu, ein von einer parteinahen Stiftung geführtes Interview vorzufinden. Aber es ist ja so vieles in der heutigen Presselandschaft von irgendwelchen Agenturen übernommen, okay, dann ist es diesmal eben eine parteinahe Stiftung. Man darf gespannt sein, ob hier demnächst auch Beiträge der anderen partei(nahen) Stiftungen vorzufinden sein werden.

Es ist Wahlkampf, die Europawahl naht, und in Baden- Württemberg unterstützen FDP- Politiker offen homophobe "Gegner" des Bildungsplans. Die Debatte dürfte hinreichend bekannt sein. Nur vermute ich, dass die meisten Foristen dieses durchaus interessante Portrait eines griechischen Liberalen nicht dazu verleiten wird, in Deutschland bei der Europawahl die FDP zu wählen, da diese in LGBT- Fragen ihre Haltung wechselt wie andere ihre Schlüppis. Nicht wirklich ernst zu nehmen und im bundesdeutschen Parteiensystem sowieso uninteressant. Das Image der sozialen Kälte wird auch durch dieses Interview nicht weggebügelt werden können, das haben Westerwelle und Co. nunmal bei der letzten BT- Wahl hochgehalten, damit krachend verloren und wenn sie sich nicht anstrengen und die FDP wieder zur sozialen (!) Marktwirtschaft ausrichten, wird das auch nächstes mal nix. Game over.
Da hilft auch ein mutiger und in Fragen von LGBT- Lebensweisen und HIV kompetenter griechischer OB- Kandidat nix.

Bleiben wir bei Vallianatos. Seine Haltung zu HIV find ich gut, vor allem die Freiheit des Einzelnen, die Infektion zu erwähnen oder nicht.

Seine Haltung zu Staat und Privatwirtschaft wundert mich nicht, er wäre wohl kein Liberaler, wenn er es anders sehen würde.

Ich bin eher leicht enttäuscht, vielleicht auch nur schlecht informiert oder mit einer zu großen Erwartungshaltung herumlaufend... mich hat immer mehr die Haltung des Linksbündnisses Syriza und dessen "Anführer" Tsipras zu Fragen wie Gleichberechtigung, Lebenspartnerschaft, HIV interessiert. Ich finde da aber nie was drüber, weil sich immer nur alles um die leidigen Finanzen dreht. Und ich weiß, dass der Einfluss der orthodoxen Kirche in GR enorm ist. Da wird Vallianatos sicher einige dicke Bretter zu bohren haben.

Aber Herr Lindner von der FDP in Deutschland sagt ja auch ab und zu mal was über den Einfluss der Kirchen, und dass er daran natürlich nichts ändern wird. Das wird erst recht nicht gehen, solange sich die FDP auf den ewigen Koalitionspartner CDU/CSU festlegt.


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