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"Politik, Porno und Protest um 1900"

Happy Birthday, Johanna Elberskirchen!


Erinnerten mit Vorträgen und einem Stadtrundgang an die radikale Aktivistin (v.l.n.r.): Jenny Bauer, Ingeborg Boxhammer, Lena Laps, Christiane Leidinger (Bild: Marvin Mendyka)

Im Rahmen der Hirschfeld-Tage NRW wurde der lesbischen Aktivistin Johanna Elberskirchen (1864-1943) gedacht, die sich bereits vor über 100 Jahren für die Rechte der "Homosexualen" einsetzte.

Von Marvin Mendyka

Einen frühen Höhepunkt der Hirschfeld-Tage NRW bildeten die Veranstaltungen rund um die Publizistin und Heilpraktikerin Johanna Elberskirchen (1864-1943). Anlässlich des 150. Geburtstages der Kämpferin für die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern, Frauen und Homosexuellen fanden am Samstag in ihrer Heimastadt Bonn zahlreiche Veranstaltungen zu ihrem Gedenken statt. Rund 30 Interessierte nahmen daran teil.

Johanna Elberskirchen, die anfänglich unter dem Pseudonym "Hans Carolam" schrieb, war vieles: eine aktive Feministin, offen lebende Lesbe, engagierte Sozialdemokratin. Doch eines war sie fast immer – radikal. Auch heute scheinen ihre Positionen wenig an Aktualität verloren zu haben.

"Man gebe dem Homosexualen seinen vollen Menschheitsrang!"


Schuf um 1900 eine Brücke zwischen der Homosexuellen- und der Frauenbewegung: Johanna Elberskirchen (Bild: UVK Verlagsgesellschaft)

Bereits in ihrem 1904 erschienenen Buch "Die Liebe des Dritten Geschlechts" schrieb sie: "Ich protestiere dagegen, daß der Homosexuale eo ipso als Psychopath, als entartetes, demoralisiertes, minderwertiges Subjekt gebrandmarkt wird. […] Fort mit allen durch Heuchelei oder Unwissenheit oder Arroganz gesetzten Suggestionen. – man messe den Homosexualen sozial mit demselben Maß, wie den Heterosexualen. […] Man gebe dem Homosexualen, was ihm gehört: seinen vollen Menschheitsrang!"

Organisatorin Ingeborg Boxhammer zeigte sich erfreut, dass die Veranstaltungen rund um Johanna Elberskirchens Geburtstag im Rahmen der Hirschfeld-Tage NRW stattfinden konnten. Schließlich plante sie diese bereits seit langer Zeit. "Mir war schon vor zehn Jahren klar, dass ihr 150. Geburtstag hier in Bonn gefeiert werden muss", so Boxhammer.

Neben verschiedenen Vorträgen zu Elberskirchen und weiteren Mitstreiterinnen aus der Frauenbewegung – etwa Emma Trosse, Theo Anna Sprüngli und Toni Schwabe – gehörte auch ein Stadtrundgang durch Bonn zu den Wirkungsstätten der rheinländischen Feministin zum Programm. Das Motto: "Politik, Porno und Protest um 1900".



#1 SmileyEhemaliges Profil
  • 07.04.2014, 13:46h
  • »man messe den Homosexualen sozial mit demselben Maß, wie den Heterosexualen. [] Man gebe dem Homosexualen, was ihm gehört: seinen vollen Menschheitsrang!«

    Ist es nicht zutiefst beschämend daß solche Worte je in einem Land geschrieben werden mußten?

    Ist es nicht noch viel beschämender was für ein kultureller Selbstmord in den Jahrzehnten nach Veröffentlichung ihres Werkes stattfand?

    Und ist es nicht ebenso beschämend daß dieses Zitat in diesem Land, in überhaupt einem Land, auch heute noch so elend aktuell ist?
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#3 goddamn liberalAnonym