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Auftakt zu rund 100 Veranstaltungen

Hirschfeld-Tage 2014 gestartet

  • 07. April 2014, noch kein Kommentar

Gäste der Eröffnung v.l.n.r.: Markus Johannes (Geschäftsführer Schwules Netzwerk e.V.), Klaus Nierhoff (Botschafter), Ulrich Kelber (parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Justiz), NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens, Gabriele Bischoff (Arcus-Stiftung, LAG Lesben) und Jörg Litwinschuh (Geschäftsführer Bundesstiftung Magnus Hirschfeld) (Bild: Dietrich Dettmann)

Bei der Auftaktveranstaltung in Bochum gab es viel Unverständnis über die Union und Gegner einer Schulaufklärung.

Von Marvin Mendyka

"An dieser Stelle möchten wir hier ganz selbstbewusst betonen, dass wir im Jahre 2014 Geschichte schreiben wollen", erklärte Gabriele Bischoff, Vorsitzende der Arcus-Stiftung, beim gestrigen Auftaktsymposium im Bochumer Jahrhunderthaus. Die Veranstaltung stellte den offiziellen Beginn der Hirschfeld-Tage NRW dar. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, an das erlittene Unrecht von LGBT-Menschen in Deutschland zu erinnern. Unter den 120 TeilnehmerInnen befanden sich auch VertreterInnen aus der Politik wie etwa Emantipationsministerin Barbara Steffen (B'90/Grüne), der Parlamentarische Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) und Volker Beck(B'90/Grüne).

Für gewöhnlich sind Begrüßungsreden bei Veranstaltungen wie diesen nicht sehr spannend und dienen eher representativen Zwecken. Als Ulrich Kelber das Wort ergriff, war das ganz anders. Kurz vor dem Eröffnungssymposium erreichte ihn die Vorabmeldung des "Spiegels" über die jüngsten Äußerungen des CDU-Politikers Volker Kauder. Dieser fordert, die Macht des Verfassungsgerichtes zu beschneiden, indem stärker auf die Auswahl von Richtern geachteten werden solle. Damit solle der "Liberalisierung der Gesellschaft" entgegengewirkt werden (queer.de berichtete).

Nicht nur bei Ulrich Kelber stießen die Äußerungen Kauders auf Unverständnis. Emanzipationsministerin Barbara Steffens warnte in ihrer Begrüßung vor "den Kauders dieser Welt", welche "neidvoll in andere Länder" blickten, in denen repressiv gegen LGBT vorgegangen werde. Erfreut zeigte sie sich hingegen über die insgesamt 16 Städte, in denen die Hirschfeld-Tage stattfinden. Für Steffens zeige dies auch den hohen Grad der Toleranz in NRW an. Bewusst suchte sie damit den Vergleich zu Baden-Würtemberg. Dort zeichne sich seit der Diskussion um den Bildungsplan ein gesellschaftliches Rollback ab. "Es ist wichtig, dass wir in NRW nicht Baden-Würtemberg sind", so Steffens.

LGBT-Geschichtsarbeit


Podiumsdiskussion zum Umgang mit der LGBT-Geschichte (Bild: Marvin Mendyka)

Den eigentlichen inhaltlichen Schwerpunkt bildete der Blick in die Vergangenheit. Mit einer szenischen Lesung und zwei Vorträgen von Dr. Kirsten Plötz und dem Historiker Andreas Pretzel wurde das Schicksal von LGBT-Menschen in der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik thematisiert – nicht ohne politischen Hintergrund. Die Entschädigung der durch den §175 StGB Verfolgten ist heute nach wie vor eine dringende Forderung. Ulrich Kelber, der zwar die Erforschung der Vergangenheit von LGBT für ein wichtiges Ziel erklärte, verpasste dieser Forderung hingegen einen Dämpfer.

"Geschichte schreiben", darum ging es auch in der abschließenden Podiumsdiskussion, an der neben den beiden Referenten auch Carolina Brauckmann (Arcus-Stiftung), Dr. Hans Wupper-Tewes (Landeszentrale für politische Bildung) und Prof. Dr. Katja Sabisch teilnahmen. Wieviele Hürden der Erforschung der LGBT-Geschichte im Weg stehen, zeigte sich im Verlauf der Diskussion. Es mangelt an allen Enden, nicht nur am Geld. Die Generation der Zeitzeugen, die über ihre Erfahrungen aus der NS-Zeit oder der frühen Bundesrepublik berichten können, stirbt aus. Damit geht ein unwiderruflicher Wissensverlust einher.

Ebenso fehle es am nötigen Personal, denn mit ehrenamtlichen Helfern sei der riesige Arbeitsaufwand nicht annähernd zu bewältigen. Besonders die lesbische Geschichtsschreibung habe es schwer, betonte Kirsten Plötz. Wer seine Examensarbeit über lesbische Themen schreibt, tue dies in dem Wissen, dass es mit der akademischen Laufbahn aller Wahrscheinlichkeit vorbei sei.

Durch das Programm des Auftaktsymposiums führte Georg Roth. In den kommenden sechs Wochen folgen noch knapp 90 Veranstaltungen im Rahmen der Hirschfeld-Tage NRW. Neben dem Blick in die Vergangenheit wird auch die gegenwärtige Situation von LGBT bei zahlreichen Veranstaltungen thematisiert.