Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
| Eurovision Song Contest
  • 07.04.2014           16      Teilen:   |

Eurovision 2014

Conchita Wurst: Ein Auftritt für das Anderssein

Artikelbild
"Eurovision in Concert": Conchita Wurst trat am vergangenen Samstag in Amsterdam auf (Bild: Michael Götz-Pijl)

Mit Bart und einer Art James-Bond-Song im Gepäck reist eine ungewöhnliche Drag Queen für Österreich zum Eurovision Song Contest nach Kopenhagen. Ein Interview.

Von Michael Götz-Pijl

Nur noch vier Wochen, dann steht Conchita Wurst im zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contest in Kopenhagen auf der Bühne – Deutschland darf dabei mit abstimmen. Am Wochenende trat die Drag Queen bei "Eurovision in Concert" in Amsterdam auf. Am Rande hatten wir Gelegenheit, mit Conchita ein Interview zu führen.

Deine Teilnahme am Song Contest hat viele negative Reaktionen ausgelöst, vor allem in sozialen Medien und auch in Österreich selbst. Wie gehst du damit um?

Was Kritik an meiner Person betrifft, bin ich relativ entspannt. Seit es mich gibt, gibt es gleichermaßen Gegner und Befürworter von mir und meiner Kunst. Jedoch wurden teilweise Kommentare gepostet, die einfach menschenverachtend sind. Hier geht es schon lange nicht mehr um den Song Contest oder um mich, sondern darum, dass bestimmte Gruppen aufs Heftigste diskriminiert werden. Darum habe ich auf meiner Facebook-Seite darauf reagiert und ein Statement abgegeben.

Es gab eine Petition bzw. die Seite "Nein zu Conchita Wurst beim Song Contest" mit teils arg homo- und transphoben Kommentaren (queer.de berichtete). Die Betreiber behaupteten jedoch, dass sie nicht gegen dich ankämpfen, sondern gegen den ORF, der deine Teilnahme ohne Publikumsvoting beschlossen hatte. Was denkst du darüber?

Zum einen darf der ORF entsenden, wen er will, und ist nicht verpflichtet, dafür ein Voting zu veranstalten. Zum anderen kam beispielsweise bei Eric Papilaya, der ebenfalls ohne Abstimmung am Song Contest 2007 teilnahm, keine Gegenbewegung auf. Wenn nun gesagt wird, es ginge gar nicht um mich, sondern um die Entscheidung an sich, ist das absoluter Schwachsinn.

Für viele ist es undenkbar, dass eine Person, die so manche in ihrer Andersartigkeit verstört, für Österreich an den Start geht. Und plötzlich pinnen sich Menschen, die der Song Contest früher gar nicht interessiert hat, diesen Patriotismus an die Stirn. Es ist ja auch bezeichnend, dass die homophoben Aussagen von den Betreibern der Seite toleriert werden, aber Postings, die die Seite kritisieren, umgehend gelöscht werden.

Fortsetzung nach Anzeige


Selfie nach dem Interview: Conchita mit unserem ESC-Experten Michael Götz-Pijl
Selfie nach dem Interview: Conchita mit unserem ESC-Experten Michael Götz-Pijl

Forderst du solche Reaktionen aber nicht gerade mit deinem äußeren Erscheinungsbild heraus?

Ja, und zwar ganz gezielt. Vor allem der Bart ist ein Mittel für mich, zu polarisieren, auf mich aufmerksam zu machen. Die Welt reagiert auf eine Frau mit Haaren im Gesicht. Was ich mir wünschen würde, wäre, dass sich die Leute, ausgehend von meiner ungewöhnlichen Erscheinung, Gedanken machen – über sexuelle Orientierung, aber genauso über das Anderssein an sich. Manchmal muss man den Menschen einfach und plakativ klarmachen, worum es geht.

Denkst du, dass der Bart einem guten Abschneiden in Kopenhagen im Wege stehen könnte?

Sicherlich kann der Bart für viele störend wirkend, gerade auf Menschen aus den eher "östlichen" Ländern. Das Risiko bin ich aber gern bereit einzugehen, und ich hoffe, dass die Menschen über das Äußere hinwegsehen und nur den Song bewerten.

Warum hast du dir eigentlich den Nachnamen "Wurst" ausgesucht?

Im deutschsprachigen Raum war dieser Nachname für mich die einzige logische Wahl, denn: Am Ende des Tages ist es einfach wurst, wie man aussieht und woher man kommt, weil einzig und allein der Mensch zählt. Leider ist die Reaktion auf Neues und Anderes oft eher Angst bis Ablehnung.

Würdest du dich als als eine Form von Trans* bezeichnen oder ist Conchita wirklich nur eine "Kunstfigur"?

Nein. Transsexualität ist ein ernstes Thema und eine Entscheidung, die fürs Leben getroffen wird. Conchita ist eine Kunstfigur, Tom Neuwirths Alter Ego. Das, was wir Kunstfiguren machen, ist – wie es der Name schon sagt – Kunst. Wir machen das gerne, es bereitet uns Spaß, aber am Abend sind wir immer noch gerne in dem Körper, in dem wir geboren wurden.

Youtube | Conchita-Wurst mit ihrem ESC-Beitrag bei "Eurovision in Concert"
Nach dem Interview trafen Wurst und Aram MP3 doch noch aufeinander: Der Armenier entschuldigte sich dabei für "Missverständnisse" und betonte, nicht homophob zu sein. Bei seinem Auftritt wurde er ausgebuht.
Nach dem Interview trafen Wurst und Aram MP3 doch noch aufeinander: Der Armenier entschuldigte sich dabei für "Missverständnisse" und betonte, nicht homophob zu sein. Bei seinem Auftritt wurde er ausgebuht. (Bild: Michael Götz-Pijl)

Tom Neuwirths Lebenslauf besagt, dass er aus dem oberösterreichischen Gmunden stammt, in Conchitas Biografie ist von einer Kindheit im kolumbianischen Hochland die Rede – was ist Show, was ist real?

Die einfachste Erklärung dafür ist, dass in meiner Brust zwei Herzen schlagen: Zum einen das der Kunstfigur und zum anderen das der Privatperson. Da ich meinen Job ernst nehme, hat Conchita genauso ein Recht auf einen eigenen Lebenslauf wie Tom Neuwirth. Conchita ist real und wird auch nicht mit "er", sondern mit "sie" angesprochen. Es ist auch selbstverständlich, dass ich als Conchita auf die Damentoilette gehe.

Kreischen da nicht die Mädels auf der Toilette?

Nein, die lieben es. Und ich liebe es auch. Ich geh dann im Club immer in die Toilette und frage erstmal: "Mädels, wer hat Lipgloss?"

Ich habe ebenso gelesen, dass Tom Modedesign in Graz studiert hat. Ist das Kleid, das du trägst, von ihm und wird er dein Bühnenoutfit designen?

Nein, leider nicht, das habe ich in einem kleinen Geschäft gekauft. Was ich auf der Bühne tragen werde, steht noch nicht fest. Aber es wäre eine Option.

Wie lange brauchst du, um dich zu schminken?

Es kommt immer darauf an, wieviel Zeit ich habe. Wenn mir jemand sagt, du musst in einer halben Stunde fertig sein, schaffe ich es in 40 Minuten. Wenn es heißt, lass dir Zeit, kann es vier Stunden dauern. Einfach weil das Spaß macht. Da sitze ich dann an meinem Schminktisch, mit einem Gläschen Prosecco, und male mich an.

Kommen wir mal auf den Contest zurück. Hast du schon Lieder der anderen Länder hören können, und wenn ja, welche sind deine Favoriten?

Ja ein paar schon. Ich liebe Arams Song, Italien ist großartig. Ach, und Spanien ist atemberaubend.

Du magst den Song von Aram MP3, er jedoch ist negativ aufgefallen, als er deinen Lebensweg als "unnatürlich" bezeichnete und dir "Hilfe" anbot bei der Frage, "ob du Mann oder Frau bist" (queer.de berichtete). Was denkst du darübe, was möchtest du ihm erwidern?

Klar habe ich davon gehört, und ich war schon etwas verwundert, da wir uns ja noch nie gesehen haben. Ich denke mal, dass er mich dann wohl nicht heiraten will! So wie es scheint, will Aram wohl, dass ich eine Frau bin, aber mein lieber Aram: Ich bin eine berufstätige Frau und in meiner Freizeit ein unglaublich fauler junger Mann, und daran ist nichts zu ändern. Wenn du damit Probleme hast, dann würde ich mich freuen, wenn wir uns zusammensetzen und ich dir das Ganze in Ruhe erklären kann. Und über deine homophoben Kommentare müssen wir mal ernsthaft sprechen!

Was denkst du vom deutschen Beitrag für Kopenhagen, der Band Elaiza?

Echt toll. Die Mädels sind klasse und so natürlich. Toll, dass sich Newcomer durchsetzen konnten. Ich habe sie bisher noch nicht getroffen, werde das in Kopenhagen aber nachholen. Der Song ist sehr speziell und nicht so eurovisiontypisch. Ich denke, dass er auch in Polen und Russland ankommen wird – wegen den Instrumenten.

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 16 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 455                  
Service: | pdf | mailen
Tags: eurovision, österreich, conchita wurst, aram mp3, kopenhagen, amsterdam
Schwerpunkte:
 Eurovision Song Contest
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Conchita Wurst: Ein Auftritt für das Anderssein"


 16 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
08.04.2014
08:59:40


(+1, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Beim deutschen ESC-Songcheck liegt der Song von Conchita in den Top Ten:

Link zu www.eurovision.de

Sie kommt ins Finale udn wird es allen zeigen! Und Elaiza wünsche ich viel Glück.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
08.04.2014
09:09:49


(+5, 5 Votes)

Von Peer


Ich finde zwar Tom Neuwirth hübscher als Conchita Wurst, aber jeder soll sich so verwirklichen, wie man will.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
08.04.2014
09:15:11


(+3, 5 Votes)

Von Fennek


Diese Gegenpetition, wo es angeblich nur um das Weiterkommen ohne Voting geht, zeigt in Wirklichkeit nur Homo- und Transphobie:

- Da regen sich plötzlich Leute auf, die sich sonst nie für den ESC interessiert haben.

- Wenn andere ohne Votings weiterkamen, hat sich keiner aufgeregt.

- Homo- und transphobe Kommentare bleiben stehen, Kritik an der Petition nicht.

Gut, dass sich kein intelligenter, gebildeter Mensch von solchen Hass-Kampagnen beeindrucken lässt.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
08.04.2014
09:17:05


(+3, 3 Votes)

Von Yannick


Conchita hat echt eine super Stimme.

Ich glaube aber, dass sie eine bessere Chance gehabt hätte, wenn sie einen anderen Song gewählt hätte. Eine flottere Nummer mit Einflüssen aus Disco, Soul und Funk hätte wohl mehr Chancen gehabt.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
08.04.2014
09:42:40


(+7, 7 Votes)

Von Pascal


Ich werde schon aus Prinzip für Conchita Wurst anrufen!

Alleine schon, um die ganzen Homohasser zu ärgern.

Sie muss es auf jeden Fall aus dem Halbfinale ins Finale schaffen, denn das Finale wird von viel mehr Leuten gesehen und erreicht natürlich auch viel mehr mediale Aufmerksamkeit als die Halbfinals.

Glücklichweise ist sie in dem Halbfinale wo Deutschland stimmberechtigt ist. Ich werde also auf jeden Fall für sie anrufen! Im Halbfinale und dann hoffentlich auch im Finale.

Aber dafür muss sie erst mal ins Finale kommen - deshalb ist das Voten schon beim Halbfinale extrem wichtig.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
08.04.2014
10:08:10


(+6, 6 Votes)

Von UweBerlin
Aus Berlin
Mitglied seit 20.06.2010


Toi toi toi Conchita. Zwar keine Shirley Bassey, aber die ist eben einmalig.

Das Lied ist toll, eine wunderbare Streicherballade, die bei einer Qualifizierung, die ich Conchi herzlich wünsche, hoffentlich viele Punkte einholen wird.

Mir gefällt s.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
08.04.2014
11:25:37
Via Handy


(+4, 6 Votes)

Von ehemaligem User Robby
Antwort zu Kommentar #6 von UweBerlin


Mir auch. Alles Gute und ganz viel Glück, Conchita!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
08.04.2014
12:06:51


(+5, 5 Votes)

Von ehemaligem User Jane_


Viel Glück und viel Spass, Conchita! Ich freue mich schon auf deinen Auftritt und werde für dich anrufen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
08.04.2014
12:41:39


(+4, 6 Votes)

Von Peer
Antwort zu Kommentar #8 von Jane_


Ich werde auch für Conchita anrufen. Alleine schon um die Homohasser zu ärgern.

Conchita muss es einfach ins Finale schaffen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
08.04.2014
18:29:34


(+3, 3 Votes)

Von Zeitfenster


Hört sich tatsächlich wie ein Bond-Soundtrack an!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12  vor »


ESC-Berichte von Queer.de
Eurovision 2016 in Stockholm
» Video-Galerie: Alle Teilnehmer 2016
» Video-Galerie als Playlist-Popup
Eurovision 2015 in Wien
» Video-Galerie: Alle Teilnehmer 2015
Eurovision 2014 in Kopenhagen
» ESC-Liveblog 2014
» Video-Galerie: Alle Teilnehmer 2014
Eurovision 2013 in Malmö
» ESC-Liveblog 2013
» Video-Galerie: Alle Teilnehmer 2013
Eurovision 2012 in Baku
» Eurovision-Live-Blog
» Video-Galerie: Alle Teilnehmer 2012
Eurovision 2011 in Düsseldorf
» Liveblog: ESC in Düsseldorf
» Video-Galerie: Alle Teilnehmer
» Szene-Guide Düsseldorf
» Unsere ESC-Youtube-Videos
Eurovision-Links
» Offizielle Seite (NDR)
» Offizielle Seite (EBU)
» Prinz ESC Blog
» Vorwärts ESC Blog
» Mehr Links (rechte Spalte)

Top-Links (Werbung)

 KULTUR

Aktuell auf queer.de
Niederlande: Kommission empfiehlt bis zu vier Eltern pro Kind Israel: Gleichstellung ausländischer Homo-Partner geplant Tag der Menschenrechte: EKD wirbt für LGBTI-Gleichbehandlung Die Poesie der ersten schwulen Liebe
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt