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  • 13. Dezember 2004, noch kein Kommentar

Eine neue Initiative der Aids-Hilfe NRW will Positive ermutigen, sich mit anderen auszutauschen.

Von Dennis Klein

"Ich brauche Männer", schmettert die Kölner Kult-Transe Edda Klappenbach ins Publikum. Als Moderatorin Sister George übernimmt, wird es nur scheinbar ernster: Sie fabuliert, wie man Geschlechtskrankheiten im Hintern mit einem Spiegel betrachten kann. Beim offiziellen Auftakt der Selbsthilfekampagne "PositHIV handeln NRW" im Kölner Crown Plaza Hotel geht es betont lässig zur Sache. Die Aktion - eine Arbeitsgemeinschaft der Aids-Hilfe NRW - soll HIV-Positive ermutigen, nicht für sich im stillen Kämmerlein mit der Krankheit fertig zu werden, sondern gemeinsam dem Virus die Stirn zu bieten.

"Wir müssen uns gegen die Bagatellisierung von HIV wenden", fordert als erste Rednerin Heike Gronski vor den rund 60 Zuhörern. Sie ist Vorstand der Aids-Hilfe NRW." Es seien noch immer große Anstrengungen nötig, um das Leben von Positiven zu verbessern, fährt sie fort.

Gerade Positive aus kleineren Ortschaften und andere Gruppen, die sich bisher nicht angesprochen fühlten, müssten erreicht werden. So lautet eine der Hoffnungen von Sebastian Müller und Wolfgang Becker, den beiden Sprechern von "PositHIV handeln": "Es gibt beispielsweise sehr wenig junge Leute, die zu Treffen der Aids-Hilfe kommen", so Becker. "Wir müssen versuchen, gerade die zu erreichen. Die werden auch in der Szene oft schief angeguckt, weil sie sich trotz aller Aufklärung heute noch anstecken." Und wie sollen sie anderen ihre Infektion erklären? "Zwischen Theorie und Praxis ist immer ein großer Unterschied", ist die Antwort vom 28-jährigen Müller.

Nach dem ernsten Teil startet nun unvermittelt die Pornomucke - und die beiden vorher noch zurückhaltenden Sprecher fangen unter lautem Jubel an zu tanzen und sich ihrer Pullover zu entledigen. Darunter kommt das neue Emblem der Initiative auf T-Shirts zum Vorschein: Ein weißes Plus-Zeichen in einem orangenen Kreis. Damit ist der Strip zum allgemeinen Bedauern auch schon beendet. Die Beiden erklären das Symbol auf ihrer Brust: "Das Plus steht nicht im Mittelpunkt, sondern am Rand des Kreises", so Müller. "Damit wollen wir zeigen, dass die Infektion nicht im Mittelpunkt steht, aber trotzdem Teil unseres Lebens ist." Sister George erkennt in dem Zeichen jedoch die alte Swiss Air.

Als letzte Rednerin erinnert Maya Czaika vom Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe die Zuhörer, dass Aids nicht nur in der großen schwulen Familie vorkommt. Derzeit sei lediglich die Hälfte der Neuinfektionen auf homosexuelle Kontakt zurückzuführen. Insbesondere Migranten (23 Prozent der neuen Fälle) und auch mehr Frauen müssten mit der neuen Kampagne erreicht werden. Beim letzten landesweiten Treffen der Aids-Kampagne war von 25 Teilnehmern nur eine Frau gekommen. Zu den alle zwei Monate stattfindenden Treffen hoffen die Organisatoren jetzt, eine breitere Basis aufzubauen - und darauf, dass sich auch Aids-Hilfen in anderen Bundesländern an diesem Projekt beteiligen.

13. Dezember 2004