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Domian sprach um knapp 2 Uhr morgens mit Daniel

Ein junger Anrufer der WDR-Sendung "Domian" behauptet, dass ein Promi ihn mit HIV infiziert habe. Die Boulevardpresse berichtet sofort unsensibel im 80er-Jargon von einer "AIDS-Attacke".

Bei "Domian" klingelte am Freitagabend Daniel durch, der sich als 19-jähriger Auszubildender vorstellte. Er sagte, er habe seit Sommer 2013 mehrmals mit einem Kölner Promi Sex gehabt, den er ein paar Jahre zuvor beim Finale von "Germany's Next Topmodel" kennengelernt hatte. Nach den Liebensnächten erhielt er dann ein positives HIV-Testergebnis. Daniel sagte unter anderem:

Ich habe ihn angehimmelt, das war vielleicht auch der Fehler. […] Mit hatten ein Mal einen One-Night-Stand und uns dann drei bis vier Mal getroffen, um [ungeschützten] Sex zu haben.

Wie unverantwortlich mit einer solchen Geschichte umgegangen wird, zeigen Boulevardmedien wie der Kölner "Express" oder das Magazin "In Touch", die beide in ihrer Überschrift von einer "AIDS-Attacke" sprachen. Dabei kann einvernehmlicher Sex kaum als eine Attacke bezeichnet werden.

Denn die Aids-Hilfe bittet seit Jahren darum, bei der HIV-Berichterstattung ein wenig zurückhaltender zu sein. Insbesondere die Zuschreibung als Opfer und Täter erscheint kritisch, weil in dieser Logik HIV-Positive generell zum Täter abgestempelt werden. Der Nationale Aids-Beirat erklärte erst im vergangenen Jahr, dass "jeder und jede verantwortlich für die Anwendung von Schutzmaßnahmen [ist], unabhängig von der Kenntnis oder der Annahme des eigenen Status und des Status der anderen Person. Eine Zuschreibung als Täter oder Opfer ist dabei nicht angemessen." (queer.de berichtete).

In der Sendung sprach auch Domian von "fahrlässigen" Verhalten und einem "moralisch schweren Verbrechen" des Promis. Das Gespräch zeigt aber auch, wie wichtig es ist, vor lauter Geilheit nicht den Kopf zu verlieren. Daniel erklärte etwa, dass er (beim ersten Mal) betrunken war und deshalb wohl etwas lockerer mit dem Verzicht auf das Kondom umgegangen ist. Der 19-Jährige sagte auch: "Es klingt vielleicht idiotisch, aber er ist so bekannt, so gebildet. Da dachte ich, du kannst vielleicht darauf verzichten". Hier liegt vor allem das Problem: Man kann niemandem ansehen, ob er positiv ist – und gerade bei One-Night-Stands sollte man sich nicht vom gesellschaftlichen Status oder Aussehen des Gegenübers blenden lassen.

Daniel erklärte bei Domian weiter, er habe den Promi telefonisch über seine Infektion informiert und wollte ihn am Wochenende treffen. Es ist nicht bekannt, ob das Treffen stattgefunden hat. (dk)

Hier das "Domian"-Video (Daniels Anruf bei ca. 48 Minuten):



#1 FOX-NewsAnonym
  • 14.04.2014, 16:45h
  • Wenn der Typ es wusste, dass er HIV+ ist, muss er wegen fahrlässiger Körperverletzung verturteilt werden. Vorsatz kann ihm ja nur schwer nachgewiesen werden. Hoffentlich gibt es keinen Promibonus wie beim Hoeness.
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#2 reiserobbyEhemaliges Profil
#3 SnowdenAnonym
#4 sperlingAnonym
  • 14.04.2014, 17:42h
  • 1. bevor auch nur irgendwelche detailinformationen über den verlauf der geschichte vorliegen (wurde über safer sex / hiv geredet? ist klar, dass der andere über seine mutmaßliche infektion bescheid weiß? hat er über seinen serostatus gelogen?), verurteilt domian den anderen als verbrecher. er unterstellt von vornherein, dass der andere über seine mutmaßliche infektion bescheid weiß, ohne dass es darauf irgendwelche hinweise gibt.
    vor jeglicher information fällt schon das fallbeil: wer zuerst hiv-positiv war, ist ein verbrecher, und der andere ist das opfer, egal, wie doof er selber sich angestellt hat.
    das bild des skrupellosen hiv-positiven, der aus reiner bosheit andere infiziert, ist bereits so stark in domians hirn verankert, dass er die realität nicht mehr wahrnimmt. so sollte ein berater nicht handeln.

    2. obwohl eine akute psychische krise offenbar ist, bietet domian keine direkte psychologische betreuung an. er verweist auch nicht an andere psychologisch orientierte berater_innen, z.b. der aidshilfen oder von pro familia, sondern verweist ausschlielich an einen anwalt (den sich der auszubildende übrigens wohl kaum wird leisten können).
    ein problem, das sogar von dem betroffenen selbst (!) nicht in erster linie als ein juristisches problem gesehen wird, sondern als ein psychosoziales, wird hier auf die juristische ebene reduziert. damit wird genau der kontraproduktiven tendenz vorschub geleistet, die die aidshilfen immer wieder zu recht kritisieren.
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#5 G E ZAnonym
#6 bildungsauftragAnonym
#7 sperlingAnonym
  • 14.04.2014, 18:13h
  • 3. auf die frage, ob es noch mehrfach zu ungeschütztem sex gekommen ist, antwortet der anrufer "ja, das war der große kick". ganz offen gibt er zu, selber den ungeschützten sex gewollt zu haben. von einer verhandlung ist nicht die rede, offenbar wurde ohne worte in beiderseitigem einverständnis ohne gummi losgefickt.
    trotzdem wird die eigenverantwortung des anrufers mit zwei nebensätzen abgetan (du hast natürlich auch irgendwie mitschuld, aber...), das versagen des unbekannten anderen aber so schwer eingeschätzt, dass der anrufer zu einer strafanzeige geradezu gedrängt wird.
    domian verhält sich hier weder professionell noch objektiv. seine einzige motivation scheint darin zu bestehen, hier einen schuldigen zu verurteilen und das klischee des "hiv-vergewaltigers" aus seinem kopf auf die geschilderte szene zu projizieren. und damit handelt er, wie unter 2. schon gesagt, nicht einmal im interesse des anrufers, sondern reiht sich unreflektiert in einen unseligen "haltet den dieb"-diskurs ein, der zur stigmatisierung von hiv-positiven erheblich beiträgt.
    ich hätte mir von domian mehr reflektion erhofft.
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#8 PeerAnonym
  • 14.04.2014, 18:20h
  • Antwort auf #6 von bildungsauftrag
  • In der Sendung wurde ja sensibel damit umgegangen. Es ist die Boulevardpresse, die da wieder eine riesige Story draus macht.

    Sinn dieser Sendung ist, dass da jeder anrufen kann und über alles reden kann, was ihn gerade beschäftigt. Was ist ein Verbrechen daran, so eine Sendung im Programm zu haben?
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#9 puschelchenProfil
  • 14.04.2014, 18:31h irgendwo in nrw

  • "Es klingt vielleicht idiotisch, aber er ist so bekannt, so gebildet. Da dachte ich, du kannst vielleicht darauf verzichten"

    Ein beeindruckendes Plädoyer für unfassbar viel mehr Sensibilisierung in den Bildungsplänen sämtlicher Bundesländer.
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#10 TheDadProfil