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  • 20.04.2014           3      Teilen:   |

Lesereihe "Strikt öffentlich"

Eine Lesbe und ein Schwuler 1931 in Berlin

Artikelbild
Erfolgreicher Auftakt der Lesereihe "Strikt öffentlich!": Autorin Heny Ruttkay und Organisator Frank Siekmann von SLADO e.V. am vergangenen Freitag im Dortmunder Kulturzentrum "Taranta Babu" (Bild: Marvin Mendyka)

Im Rahmen der Hirschfeld-Tage NRW stellte Heny Ruttkay ihren historischen Roman "Gestohlene Tage" am vergangenen Freitag in Dortmund vor.

Von Marvin Mendyka

Seit rund zwei Wochen laufen die Hirschfeld-Tage NRW. Bei über 90 Veranstaltungen in 16 Städten sollen neben aktuellen LGBT-Themen auch an die Verfolgung von Lesben und Schwulen in der Vergangenheit erinnert werden. Dies tat am vergangenen Freitag etwa der Dortmunder SLADO e.V. im Rahmen einer Lesung aus Heny Ruttkays Roman "Gestohlene Tage" im Kulturzentrum "Taranta Babu". Das Buch ist im vergangenen Jahr im Berliner Querverlag erschienen.

Rund ein Dutzend Zuhörer lauschten der in Paris lebenden Autorin mit slowakischen Wurzeln, als sie Auszüge aus ihrem historischen Roman vorlas. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die entfernten Cousins Heinrich und Eva. Zwei junge, mittellose Homosexuelle, die in der Weimarer Republik von einem Leben in Berlin träumen.

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Über 100 Szenelokale Anfang der 1930er Jahre in Berlin

Heny Ruttkays Roman "Gestohlene Tage" erschien im März 2013 im Berliner Querverlag
Heny Ruttkays Roman "Gestohlene Tage" erschien im März 2013 im Berliner Querverlag

Berlin war zur damaligen Zeit die Metropole für Homosexuelle schlechthin – trotz des Paragrafen 175, der von der vergleichsweise toleranten Polizeidirektion in der Metropole nur lasch angewandt wurde. Etwa 100 Lokale für Schwule und Lesben lagen noch Anfang der 1930er Jahre, kurz vor der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, über das Stadtgebiet verteilt. Außerdem zahlreiche einschlägige Wandervereine, Lesezirkel und FKK-Gruppen. Und nicht zuletzt hatte das wissenschaftlich-humanitäre Komitee rund um den Sexualforscher Magnus Hirschfeld seinen Sitz in Berlin. Ein Szeneleben, das sich auch im Vergleich zu heute überhaupt nicht verstecken muss.

Kein Wunder, dass es die beiden Protagonisten aus Heny Ruttkays Roman dorthin zieht. Doch dies geht so einfach nicht. Heinrich, zwar seit kurzem volljährig, doch verhätschelt und gegängelt von seiner Mutter, und Eva, die aufgrund ihrer unfemininen Art von Teilen ihrer Verwandtschaftt bereits als "alte Jungfer" abgeschrieben wird, gehen eine Scheinehe ein. Durch diese erschleichen sich die beiden abenteuerlustigen Cousins bei einer kinderlosen Tante finanzielle Zuwendungen und eine großzügige Wohnung im Herzen Berlins.

Doch das unbeschwerte Leben im "Sündenbabel" ist nur von kurzer Dauer. Zum einen droht ihre Scheinehe durch den Besuch der großzügigen Tante aufzufliegen. Zum anderen verdüstert sich auch die politische Lage, als die Nationalsozialisten zunehmend an Einfluss gewinnen, wodurch Evas und Heinrichs Leben unerwartete Wendungen nehmen.

Ist ein so derber Rückschlag auch heute denkbar?

"Alle Charaktere, Schauplätze und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden", heißt es zu Beginn des Romans "Gestohlene Tage". Doch Biografien wie die der beiden Protagonisten sind durchaus denkbar. Und bei der Diskussion nach der Lesung wurden Parallelen zur Gegenwart gezogen. Manche Zuhörer befürchteten, dass ein so derber Rückschlag für die LGBT-Community auch heute denkbar wäre.

Mit dem Motto der Lesungsreihe ("Strikt öffentlich") versucht der SLADO e.V. die Lebensrealitäten von Schwulen und Lesben einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Veranstaltungen finden bewusst nicht in geschlossenen Gesellschaften, sondern in öffentlichen Cafés und Buchhandlungen statt. In den kommenden Wochen folgen Lesungen u.a. mit den Autoren Stefanie Zesewitz, Lutz van Dijk und Jan Stressenreuter.

Links zum Thema:
» Homepage der Hirschfeld-Tage NRW mit detailliertem Programm
» Mehr Infos zum Roman "Gestohlene Tage" und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Leseprobe als PDF
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Tags: heny ruttkay, gestohlene tage, querverlag, hirschfeld-tage
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Reaktionen zu "Eine Lesbe und ein Schwuler 1931 in Berlin"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
20.04.2014
10:16:37


(+4, 4 Votes)

Von google


"Die Lebensgeschichte von Gertraud Pachulke und Lena Tribukeit [...] Oskar Huth, der während des Faschismus sehr akribisch Ausweise gefälscht hatte, die echter waren als die echten, und nun in der Nachkriegszeit sehr gute Lebensmittelkarten herstellte, bekamen sie alle nötigen Papiere, um heiraten zu können."


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#2
23.04.2014
08:50:07


(+2, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Vergessen sollte man aber im Rahmen der seit zwei Wochen laufenden Hirschfeldtage:

Link zu www.tagesschau.de

Und der Kampf gegen AIDS ist noch lange nicht zu Ende!


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#3
24.04.2014
22:41:47


(0, 2 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008


begrüßenswert solche bücher!
Begrüßenswert auch das hier drüber berichtet wird.. immerhin!

Mir fehlt hier oft der ansatz geschichtlicher betrachtung, mehr noch das bemühen der redaktion, solche buchbesprechungen nicht nur den "kulturreservisten" zu überlassen.

Aber wenn wir schon klagen , sei hier ein überaus erfrischendes und spannendes buch beworben:

Link zu www.rotbuch.de

Autorin ist Ulrike Heider, die bereits in der vergangenheit sich mit sexualität und explizit mit "unsere" auseinander gesetz hat, siehe der leider noch unveröffentlichte
" DER SCHWULE UND DIE SPIEßER"

Ein wunderbater < Tour de Horizon > durch die geschichte der linken- schwulen szene ffm's der 70 jahre

Hierzu gibt es ein spannendes radio - feature des deutschlandradio kultur 2007.

Zurück zum obigen buch
voegeln-ist-schoen:
"1968 das Jahr, das die Bundesrepublik veränderte wie wenig andere: Die junge Generation begehrte gegen das Establishment und den "Muff von tausend Jahren" auf, propagierte freie Liebe und wollte Ehe und Familie abschaffen. Zugleich schwappte mit Oswalt Kolle die erste Sexwelle über Deutschland, und die Kommerzialisierung von Liebe und Sexualität begann. Heute scheinen die Kämpfe ausgefochten, aber der Schein trügt. Der Erfolg von Büchern wie "Feuchtgebiete" oder "Fifty Shades of Grey", die anhaltende Diskussion um die "Homoehe" oder das von der Regierung vertretene Frauenbild beweisen: die Entwicklung geht wieder zurück und ein sexueller Neokonservatismus ist auf dem Vormarsch. In "Vögeln ist schön" blickt Ulrike Heider auf die Sexualdiskurse der letzten 50 Jahre zurück. Von der späten Adenauer-Ära und der Studentenrevolte über die Frauen- und Schwulenbewegung bis zu den aktuellen Debatten über Pornographie, Sadomasochismus oder der Pädophilie-Debatte bei den Grünen geht sie der Frage nach, wie sich Sexualität zur historischen und politischen Entwicklung verhält. Sie vergleicht die Ideale von damals mit heutigen Normen, Tabus und Moralvorstellungen, benennt Auswirkungen, Erfolge und Versagen der Sexrevolte."
soweit der verlag..
was fehlt in der ankündigung, ist die stilistische eloquenz, die leichtigkeit und trotzdem scharfe zunge der autorin, wenn sie sich dem bigotten heute nähert..
Ums kurz zu sagen: mehr davon!

Um "biographische romane" im historischen kontex geschrieben zu begreifen und ihre überleitung auf die heutige situation zu übersetzen, brauchts auch der persönlichen sicht auf die ereignisse; nicht nur die verklärte vergangenheitsaufarbeitung , sondern gleichfalls der kritische blick aufs eigene (immer ewige?) scheitern!

Und man sollte die gelegenheit ergreifen vergleiche anzustellen!

Auch hier die der aufarbeitungsform/en die sich jeweils anbietet.

Hierzu sei allen interessierten und emanzipationsbewegten das buch der Heider "dringendst empfohlen...

.. um das vergangene zu begreifen, brauchts den blick auf das gegenwärtige; aber der wird nur sichtbar , ist das vergangene auch verstanden...


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