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  • 27.04.2014               Teilen:   |

"Grachtenfahrt"

Ménage-à-trois mit Callboy

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Cover: In Nizza beginnt ein Schweizer Bauernsohn nach dem Coming-out ein neues Leben - bis ihn dort ein Schicksalsschlag trifft

Jean teilt seinen Freund mit dessen Stammfreier, doch das ist nur der Anfang. In Raymund Fuchs' Roman "Grachtenfahrt" ist ein junger Schwuler auf der Suche nach sich selbst.

Von Frank Hebenstreit

Der Autor nennt sein Buch "Grachtenfahrt" einen "schwulen Entwicklungsroman". Damit gibt er gleich bekannt, was man von den kommenden Seiten zu erwarten hat. Allerdings hat er untertrieben. Dazu jedoch später mehr.

Die Story: Hans-Jörg lebt Mitte der 1980er Jahre mit seinen Eltern und seinen Geschwistern im Schweizer Mittelland auf einem Bauernhof in einem Dorf. In der benachbarten Kleinstadt geht er auf die Kantonsschule. Er macht sich selbst zu seinem 18. Geburtstag ein Geschenk. Die Mutter bettelt ihn noch an, aber Hans-Jörg tut es trotzdem: Er sagt seinem Vater, dass er schwul ist.

Und wie man es von einem hinterwäldlerischen Bauern erwarten darf, fällt dessen Reaktion auch aus: "Hau ab, mit so einem wie Dir hocke ich nicht an einem Tisch!"

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Ein neues Leben und ein neuer Name in Nizza

Raymund Fuchs hat seinen Debütroman bei Books on Demand veröffentlicht. Er ist auch als Ebook erhältlich
Raymund Fuchs hat seinen Debütroman bei Books on Demand veröffentlicht. Er ist auch als Ebook erhältlich

Hans-Jörg haut also ab. Er landet schließlich in Nizza und nett sich dort – um den absoluten Schnitt zu seinem alten Leben auch nach außen zu tragen – Jean. So lernt er Sven kennen. Der große, schlanke und gut aussehende Mann Mitte 20 stammt aus Schweden und arbeitet als Callboy. Jean begleitet ihn in seine Wohnung, die durchaus einen üppigen Lebensstil vermuten lässt. Zwischen den beiden prickelt es von der ersten Sekunde. Natürlich landen sie schnell im Bett und bleiben dort auch lange. Doch das, was zwischen den beiden passiert, ist weit mehr als nur Triebbefriedigung.

Sven fängt an zu planen und schon bald baut er ein gemeinsames Leben mit Jean auf. Nur ist da noch Georges. Der attraktive Stammfreier von Sven ist wesentlich älter, wohlhabend und auch deutlich mehr als nur ein Kunde. Sven führt seit sieben Jahren so etwas wie eine Beziehung mit ihm und auch wieder nicht. Obwohl er sich auf Georges hätte einlassen können, hat er sich seine Freiheit bewahrt und weiterhin als Callboy gearbeitet. Er hat Georges immer auf Abstand gehalten.

Es beginnt eine Ménage-à-trois, in deren Mittelpunkt Sven steht, der aber Job und Beziehung weiterhin strikt trennt. Mit Svens Vermögen eröffnen die beiden jungen Männer ein Café am Hafen von Nizza, das schnell zu einem Erfolg wird. Jeans Mutter ergreift ihre Chance, als sie eine Einladung von ihrem Sohn erhält. Sie verlässt den Despoten, aber damit auch ihre anderen Kinder, und geht ebenfalls nach Nizza.

Ein tragisches Ende als weiterer Neuanfang

Raymund Fuchs wurde 1959 im katholischen Schweizer Mittelland geboren. Sein Coming-out hatte erst mit 32 Jahren
Raymund Fuchs wurde 1959 im katholischen Schweizer Mittelland geboren. Sein Coming-out hatte erst mit 32 Jahren (Bild: privat)

Jeans Glück könnte perfekt sein, doch das Leben schlägt mit aller Härte zu. Sein Sven bricht zusammen und stirbt nach einigen Wochen an den Folgen von Aids.

Dieser Punkt könnte das tragische Ende einer Geschichte sein, aber in dem Buch von Raymund Fuchs ist er nur der Dreh- und Angelpunkt für die nun folgenden Entwicklungen. Und genau das ist auch der Punkt mit dem angekündigten Entwicklungsroman. Der ist nicht nur schwul, der ist lesbisch und der ist auch heterosexuell.

Fuchs bleibt die ganze Zeit nah an Jean, selbst wenn er sich anderen Charakteren widmet, so verliert er seine Hauptfigur nie aus dem Auge. Im Nachhinein betrachtet sind alle großen Entscheidungen dieser Geschichte logisch und mussten so passieren. Sei es die Entscheidung zu gehen, mit Sven zusammenkommen, nach dessen Tod weiterzuziehen und schlussendlich in Amsterdam an der Gracht zu sitzen und wieder aufzubrechen.

Als Leser begleitet man einen jungen Mann auf der Suche nach sich selbst, der auf dieser Reise sehr viel erlebt. Die Masse des Erlebten fordert ihren Tribut, so dass Jean selbst ganz zum Schluss noch immer nicht wirklich bei sich selbst angekommen ist. Aber er hat schon ein großes Stück von sich gefunden.

Unbestritten hat in "Grachtenfahrt" ein Newcomer großes Erzähltalent und angenehme Sprache zwischen zwei Buchdeckel gebannt. Lesens- und auf jeden Fall empfehlenswert!

Youtube | Kurzer Bericht auf Hein & Fiete TV von einer Lesung aus "Grachtenfahrt" in Hamburg
  Infos zum Buch
Raymund Fuchs: Grachtenfahrt – Ein schwuler Entwicklungsroman. Taschenbuch. 296 Seiten. Books on Demand. Norderstedt 2013. 22 €. ISBN-Nr: 978-3-7322-5394-4
Links zum Thema:
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Tags: raymund fuchs, grachtenfahrt, books on demand, dreierbeziehung, suche nach sich selbst
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