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  • 27.04.2014           5      Teilen:   |

Hirschfeld-Tage NRW

Wenn Hetero-Sportler gegen ein Homo-Team verlieren

Artikelbild
Lerneffekt im Stadion wie im Kino: Der thailändische Film The Iron Ladies erzählt die wahre Geschichte eines queeren Volleyballteams, das 1996 die nationalen Meisterschaften gewann (Bild: Salzgeber)

Bei einer Podiumsdiskussion der Liberalen Lesben und Schwulen (LiSL) im Kölner Jugendzentrum anyway sah man vor allem im Liga-Betrieb Chancen, Homophobie im Sport abzubauen.

Von Marvin Mendyka

Homophobie im Sport oder Sport gegen Homophobie? Diese Frage wurde am vergangenen Freitag im Rahmen der Hirschfeld-Tage NRW im Kölner Jugendzentrum anyway diskutiert. Organisiert wurde die Podiumsdiskussion von den Liberalen Lesben und Schwulen (LiSL). Vor etwa 20 Zuhörern diskutierten der Kölner FDP-Stadtrat Ulrich Breite, die Kabarettistin Helena Marion Scholz, Jörg Kolbenschlag vom SC Janus mit Moderator Markus Danuser.

Homosexualität ist im Sport nach wie vor ein Tabuthema – auch nach dem Coming-out des Ex-Fußballprofis Thomas Hitzlspergers zu Beginn des Jahres. Bis man den ersten noch aktiven schwulen Fußballer in der Bundesliga erleben wird, so waren sich die Podiumsteilnehmer weitgehend einig, werde es noch einige Zeit dauern. Grund dafür sei die hohe Emotionalität des Spiels, merkte Ulrich Breite an. Für einen schwulen Fußballer bedeute ein Coming-out erst einmal Stress. Um so schwieriger sei es, in solch einer Situation seine Leistungen abzurufen.

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Ist der Frauensport toleranter?

Diskutierten im anyway (v.l.n.r.): Veranstalter Udo Molitor (LiSL), Moderator Markus Danuser, FDP-Stadtrat Ulrich Breite, Jörg Kolbenschläger vom SC Janus und Kabarettistin Helena Marion Scholz - Quelle: Marvin Mendyka
Diskutierten im anyway (v.l.n.r.): Veranstalter Udo Molitor (LiSL), Moderator Markus Danuser, FDP-Stadtrat Ulrich Breite, Jörg Kolbenschläger vom SC Janus und Kabarettistin Helena Marion Scholz (Bild: Marvin Mendyka)

Anders sieht es hingegen beim Frauenfußball aus. Eine offen lesbische Spielerin? Das ist schon lange keine Ausnahme mehr. Unter den Podiumsteilnehmern schätzte man die Zahl der lesbischen Fußballerinnen auf 60 bis 80 Prozent. Dies sei ein offenes Geheimnis.

Sind die Fußballerinnen ihren männlichen Kollegen in Sachen Tolerenz also weit voraus? Einerseits ja. Die hohe Zahl an offen lesbischen Spielerinnen spricht dafür. Andererseits könne Frauen- und Männerfußball nicht ohne weiteres verglichen werden, betonte Helena Marion Scholz. Lesben seien halt "nicht hip, nicht in und sehen in den Augen vieler nicht gut aus". Sie würden schlicht unsichtbar gemacht, bilanzierte die Kabarettistin und gelernte Sportwissenschaftlerin.

Erfahrungen aus dem SC Janus

Eine Bereicherung für die Diskussion war Jörg Kolbenschläger, Sprecher der Ruderabteilung des SC Janus. Der 1980 gegründete Sportverein ist nicht nur der älteste schwul-lesbische Sportverein. Mit etwa 1.700 Mitgliedern ist er auch der größte weltweit und macht Sport für viele Lesben und Schwule zu dem, was er für den Großteil der Menschen ist: nämlich Breitensport.

Doch auch hier sind die Sportler und Sportlerinnen nicht ganz vor Diskriminierung geschützt. Kolbenschläger berichtete von einigen Fällen. So kam es beispielsweise vor, dass sich andere Manschaften weigerten, mit den Schwimmern des SC Janus gleichzeitig die Duschräume zu nutzen. Ein weiteres Beispiel, von dem Kolbenschläger erzählte: übertriebene Härte bei Ligaspielen. Gegen ein schwules oder lesbisches Fußballteam zu verlieren – das scheint für manche Heteros einem Gesichtsverlust gleichzukommen.

Doch das Fazit der Diskussion blieb ein Positives. Besonders im Ligabetrieb, wenn sich die schwulen und lesbischen Sportler mit anderen Teams messen, sahen die Podiumsteilnehmer viele Chancen. Denn gegen ein schwules oder lesbisches Team zu verlieren, hieße auch zu lernen, dass sexuelle Orientierung mit sportlicher Leistung nichts zu tun hat. Für manch einen könnte hier der Grundstein für einen normalen Umgang mit Schwulen und Lesben – nicht nur im Sport – gelegt werden.

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Tags: hirschfeld-tage nrw, homophobie im sport, sc janus, lisl, anyway, markus danuser, ulrich breite, marion scholz
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Reaktionen zu "Wenn Hetero-Sportler gegen ein Homo-Team verlieren"


 5 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
27.04.2014
22:22:08


(+4, 6 Votes)

Von Normalverdiener


Schön, dass die FDP nicht mehr in der Bundesliga spielt.


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#2
28.04.2014
01:36:50


(0, 4 Votes)

Von giliatt


Ich haue jetzt mal ganz schlimm auf die Kante: Fußball ist Männerfußballl!!! Jedenfalls in der Form, in der wir hier über das Outing von Sportlern diskutieren. Als schwuler Mann finde ich Frauuenfußball von der sportlichen Seite her akzeptabel und interessant. Dennoch verharre ich auf meiner alten Männerposition und sage: Richtiger Fußball ist Männersache! Nun zerreißt mich in der Luft! Zerfetzt mich!

Bekenntnisse lesbischer Fußballerinnen zu ihrer Sexualität gingen sehr schnell über die Sender. Hatten auch weniger Wirkungen in der Öffentlichkeit, als ein Kopfnicken. Nicht vergleichbar mit eventuellen Wirkungen des Outings im Rahmen der männlichen Hetero-Bundesliga. Lesben-Torschüssen sind eben Weiberkram. Bisweilen gut gemachter. Aber kein richtiger Fußball. Weiberbolzen will man nicht ernst nehmen. Wenn sich da Weibsen mit kurzgertaspelten Haaren gegenseitig in die Waden treten, weiss man eh, dass das Ausgeburten von Kampflesben sind, die man nicht ernst nehmen kann. Sportlich schon. Männermental aber nicht.

Bin ich Erzhomo nun lesbophob? Mitnichten. Die Antwort finden wir im oben angeführten Leitartikel von Marvin Mendyka:
"... die hohe Emotionalität des Spiels "

Die ist der kasus knusus, wie wir Lateiner sagen.
Und wird es hoffentlich bleiben...


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#3
28.04.2014
11:55:28


(+4, 4 Votes)

Von myystery
Antwort zu Kommentar #2 von giliatt


Weiß nicht, was Sie sind, aber Sie leben ein bisschen in Klischees. Wenn Sie sich mal ein gewöhnliches Frauenfußballspiel ansehen, dann werden sie feststellen, dass bestenfalls 10% der Spielerinnen mit "kurzgeraspelten" Haaren auflaufen.

Die Unterstellung, dass (fast) nur Lesben (egal welcher Art) Frauenfußball spielen würden, ist genauso idiotisch wie die Vorstellung, dass (fast) nur Heteros Männerfußball spielen würden.

Dass Frauen- und Männersport zwei verschiedene Paar Schuhe sind, ist auch klar. Deswegen trennt man die Geschlechter in diesem Fall ja auch.

Wobei ich Ihnen jedoch zustimme, ist der Punkt, dass Outings im Frauenfußball oder Frauensport im Allgemeinen nicht diese gesellschaftliche Wirkung haben wie im Männersport.
Ob das jetzt daran liegt, dass Lesben einfach (immer noch) für viele (insbesondere Hetero-Männer) einfacher "zu ertragen" sind oder es schlicht auf die größere mediale Aufmerksamkeit, die dem Männersport zukommt, zurückzuführen ist, kann ich nicht sagen.


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#4
28.04.2014
13:03:44
Via Handy


(0, 2 Votes)

Von puschelchen
Aus irgendwo in nrw
Mitglied seit 18.12.2009
Antwort zu Kommentar #2 von giliatt


Lange Haare sind beim Fußball halt bisweilen unvorteilhaft:
Youtube-Video:


Die hat bestimmt heute noch Kopfschmerzen...:D


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#5
29.04.2014
22:42:12


(-1, 1 Vote)

Von giliatt
Antwort zu Kommentar #3 von myystery


Nein, ich lebe nicht in Klischees. Die Frisurenfrage habe ich lediglich angeführt, um überhöht auf das Phänomen aufmerksam zu machen, dass Outings in Frauenfußball nahezu unkommentiert bleiben, wo doch die Medien so gerne sich kreischend auf Privatsachen stürzen.

Ich achte die Leistungen aller Sportlerinnen zu 100%. Auch in den zwei Sportarten, in denen ich hoffnungslos altmodisch männerorientiert denke und denken will: Fußball und Boxen. Da begeistern mich Frauenkämpfe nicht.

Als jugendliches Knäblein mit schulterlangen Haaren betrieb ich vor gut 40 Jahren Schwimmen und Fechten (Florett). In unserem kleinen Verein ging es im Training "unisex" zu. Jede(r) gegen jede(n). Die Leistung zählte.


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