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  • 29.04.2014           3      Teilen:   |

TV-Serie "Nashville"

Klemmschwester in der Country-Szene

Artikelbild
Der schwule Country-Sänger Will Lexington (Chris Carmack) will unbedingt Karriere machen - und geht dafür sogar eine Scheinehe mit einer Kollegin ein (Bild: ABC)

In der US-Serie "Nashville" spielt Ex-Model Chris Carmack einen schwulen, aber ungeouteten Country-Sänger. Am Dienstag startet die zweite Staffel in Deutschland auf dem Bezahlsender Fox.

Von Kevin Clarke

Nennen wir's einfach die Macht der Bilder. Oder, in diesem Fall, die Anziehungskraft eines einzigen Fotos. Nämlich das vom ehemaligen Abercrombie-&-Fitch-Fotomodel und Schauspieler Chris Carmack: mit gemeißeltem Kinn, Cowboyhut, aufgeknöpftem Karohemd und eng sitzendem Jeans. Und mit Gitarre in der Hand. Ich sah dieses Bild zufällig letzten Herbst in der US-Zeitschrift "Out" und fing an, den dazugehörenden Artikel zu lesen. Weil ich wissen wollte, wer dieser unfassbar attraktive Carmack ist. Und was er in einem Schwulenmagazin zu suchen hat.

Wie sich herausstellte, spielt Carmack in der zweiten Staffel der Country-&-Western-Serie "Nashville" mit, als schwuler Country-Sänger Will Lexington. Und obwohl mich ehrlich gesagt Country-Musik überhaupt nicht interessiert, dachte ich damals im Urlaub in Florida: "In die Serie könnte ich ja mal reinschauen, wenn ich schon in den USA sitze!"

Was dann folgte, war ziemlich überraschend. Denn mich faszinierte die in "Nashville" gezeigte intrigenreiche Country-Welt zunehmend. Nicht weil die Musik so faszinierend wäre (obwohl schlecht ist sie auch nicht), sondern weil ich die rothaarige Hauptdarstellerin Connie Britton mochte, die mich schon in der ersten Staffel Von "American Horror Story" schwer beeindruckt hatte. Britton gibt dieser in Art und Aufbau stark an "Dallas" oder "Denver Clan" erinnernden Serie ein menschlich-glaubwürdiges Zentrum, das grundsätzlich schon mal positiv einnimmt. Und dann taucht da als Nebenhandlung immer wieder Chris Carmack als schwuler Sänger auf, der unbedingt Karriere in diesem knallharten Business machen will – und dafür bereit ist, seine Sexualität zu unterdrücken. Und zwar radikal.

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Eine schockierende In-the-Closet-Story

Lexingtons bester Hetero-Freund Gunnar Scott, gespielt von Sam Palladio, rät Will zum Coming-out - Quelle: ABC
Lexingtons bester Hetero-Freund Gunnar Scott, gespielt von Sam Palladio, rät Will zum Coming-out (Bild: ABC)

Ich muss gestehen, dass es etwas Beängstigendes hat, den Leidensweg von Carmacks Charakter Will Lexington zu sehen. Auch wenn dieser Leidensweg über weite Strecken nur in jeder zweiten Folge fortgesetzt wird. (In den anderen kommt er einfach nicht vor.) Wo ansonsten in US-Serien derzeit nur noch glückliche und befreite Jungschwule zu existieren scheinen, wird einem als Zuschauer hier in einer Geschichte, die vollkommen im Heute spielt, eine schockierende In-the-Closet-Story serviert.

Und immer wenn man denkt, das kann einfach nicht wahr sein, dass ein moderner, attraktiver, gebildeter Mann wie dieser Will L. sich derart selbst verneint und einen Teil seiner Persönlichkeit verweigert, sieht man in "Nashville" an anderen Handlungssträngen, wie bigott und intolerant die Country-Szene ist. Besonders am Beispiel der "Bitch" Hayden Panettiere als Ex-Teenie-Star Juliette Barnes wird das durchexerziert. Weil Juliette einen verheirateten Mann verführt (dem sehr, sehr ansehnlichen Briten Charlie Bewley als Milliardär Charles Wentworth ) und dann in einem Wutanfall zu einem Fan sagt "There is no God" (was dieser filmt und auf Youtube hochlädt), fliegt sie aus den Playlisten der Radios, wird sie von auf Familie und Moral und Glauben pochenden Fans mit Eiern beworfen und letztlich ruiniert. (Na ja, fast.)

Diese dunkle Seite der ansonsten ach so freundlichen und herzlichen Country-Welt zu zeigen, ist eines der großen Verdienste von Serien-Erfinderin Callie Khouri. Dass Carmack in dieser geldgierigen, scheinheiligen "Heilen Welt" glaubt, nach einem Coming-out keine Chancen auf einen Plattenvertrag mehr zu haben, leuchtet einem als Zuschauer nach und nach ein. Und so sieht man ihn in sein Unglück laufen. Er legt sich eine Freundin zu, die mit ihm ins Bett will (wer wollte das nicht?) und die er ständig abwimmeln muss.

Selbstmord oder Scheinehe?

Irgendwann schimmert kurz Hoffnung auf, als er sich von einem Mitarbeiter der Plattenfirma flach legen lässt. Aber statt nun ein überfälliges Coming-out hinzulegen, beschließt Will Lexington, sich vor den Zug zu schmeißen. So viel sei verraten: Er stirbt nicht! Stattdessen findet ihn sein bester (Hetero-)Freund Gunnar und hat mit Lexingtons Schwulsein überhaupt keine Probleme. Er rät ihm sogar, zu seiner Liebe zu stehen, alles andere wäre (Gunnars Meinung nach) falsch.

Doch Carmack/Lexington fasst einen fatalen Entschluss: Während er vorher mit seiner Homosexualität haderte, legt er sie nun komplett ab. Er macht seiner verwirrten Freundin einen Antrag und heiratet sie. Gegen den Rat Gunnars. Und obwohl der ihn zu Recht darauf hinweist, dass er damit seine ebenfalls aufstrebende Country-Kollegin/Braut ins Unglück reißt.

Vermutlich glaubt Lexington selbst im Moment der Eheschließung all das, was er sagt – über "ein guter Ehemann sein" und "alles wird jetzt gut". Jeder, der "Brokeback Mountain" gesehen hat, ahnt, was kommen wird. Aber nicht unbedingt kommen muss.

Youtube | Szene aus der 2. Staffel: Will singt den Song "Who I Am"

Eine ansehnliche Besetzung der Männerrollen

Die "Bitch" der Serie: Hayden Panettiere spielt den skandalträchtigen Ex-Teenie-Star Juliette Barnes
Die "Bitch" der Serie: Hayden Panettiere spielt den skandalträchtigen Ex-Teenie-Star Juliette Barnes (Bild: ABC)

Wie die Geschichte um Carmack/Lexington ausgehen wird, ist noch offen. Die letzten Folgen der zweiten Staffel wurden in den USA noch nicht gesendet. In Deutschland läuft die zweite Staffel der Serie – mit dieser Lexington-Storyline – am Dienstag, den 29. April ab 21 Uhr beim Bezahlsender Fox an. Man kann sie sich natürlich auch aus dem Internet fischen. Und wird vielleicht genauso "hooked" sein wie ich.

Obwohl ich nach wie vor kein Country-Music-Fan bin, sind die vielen Musiksequenzen wirklich toll. Die übrige Besetzung ist – was etliche der Männerrollen angeht – mehr als ansehnlich. Da wäre neben dem aus der "Twilight"-Serie bekannten Charlie Bewley besonders Sam Palladio als Gunnar zu nennen. Die Familienprobleme, die in der Serie behandelt bzw. durchgespielt werden, haben Reiz, weil sie nicht auf billige Soap-Manier abgehandelt werden, sondern durchaus ernsthaft und ergreifend.

Und wie gesagt, diese Geschichte eines ungeouteten Mannes, der sich für die Karriere und den Wunsch, nach oben zu kommen, derart selbst verleugnet, ist faszinierend. Im Rahmen einer neuen US-Serie daran zu erinnern, dass nicht alle jungen Schwulen glücklich, verlobt und befreit sind (wie etwa Blaine und Kurt in "Glee" oder die Jungs in "The New Normal" usw.) ist wichtig. Denn ohne Zweifel gibt es diese tragischen Schicksale nicht nur in "Nashville" und der Country-Szene. Sondern genauso in deutschen Manager-Etagen, Vorständen und Parteizentralen.

Heteronormativität macht die Musik nicht besser

Was die Serie schafft, ist auch einem homophoben Publikum – zum Beispiel den echten Country-Fans, die "Nashville" schauen – zu zeigen, wie schrecklich es ist, einen Menschen in solch eine Situation zu zwingen. Und wie absolut überflüssig es ist. Denn man tut den Fans mit der vorgespielten Heteronormativität keinen Gefallen. Carmacks/Lexingtons Musik wird dadurch nicht besser, hübscher wird er auch nicht davon.

Diese Erkenntnis über diese Serie in die Köpfe von Zuschauern zu transportieren, die kein "Glee" etc. schauen, ist ein großartiges Verdienst von Callie Khouri. Und Chris Carmack im Zweiwochenrhythmus zuzuschauen, ist natürlich auch nicht schlecht. Das ursprüngliche Bild in "Out" hat nicht zu viel versprochen. Der Mann hat Star-Potenzial. Und spielt es hier, in einer Nebenrolle, bravourös aus. Also, anschalten!

Youtube | Chris Carmack performt Wills Seriensong "What If I Was Willing"
Links zum Thema:
» Weitere Infos zur Serie und Trailer auf der Fox-Homepage
» Nashville Season 1.1 auf DVD
» Nashville Season 1.2 auf DVD
Mehr zum Thema:
» Mehr schwul-lesbische TV-Tipps
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Tags: nashville, tv-serie, fox, chris carmack, will lexington, country music, gunnar scott, sam palladio, callie khouri, pay tv
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Reaktionen zu "Klemmschwester in der Country-Szene"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
29.04.2014
07:12:05


(+4, 4 Votes)

Von ehemaligem User paren57


"Was die Serie schafft, ist auch einem homophoben Publikum zum Beispiel den echten Country-Fans, die "Nashville" schauen zu zeigen, wie schrecklich es ist, einen Menschen in solch eine Situation zu zwingen."

Bei dem Teil des Publikums, der wohlwollend bis indifferent ist, kann ich mir Mitgefühl vorstellen. Hardcore-Homophobe werden sich eher daran ergötzen und den Finger heben: Seht, was passiert, wenn ihr aus Gottes Schöpfungsplan herausfallt. Und sie werden natürlich eine professionelle Umpolung anbieten.

Es darf ja auch nicht ganz außer Acht gelassen werden, dass Homophobe in der Regel nicht nur schwulenfeindlich sind, sondern auch anderen Minderheiten gegenüber negativ eingestellt sind. Die brauchen einfach Feindbilder und Schwächere, auf denen sie herumtrampeln können, für das eigene Ego.


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#2
29.04.2014
15:55:09


(+3, 3 Votes)

Von ollinaie
Aus Seligenstadt (Hessen)
Mitglied seit 23.08.2012


>Denn ohne Zweifel gibt es diese tragischen Schicksale nicht nur in "Nashville" und der Country-Szene. Sondern genauso in deutschen Manager-Etagen, Vorständen und Parteizentralen.<

Und RKK & Co.!


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#3
29.04.2014
20:58:08


(+2, 4 Votes)

Von Sabelmann
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Habe mir 3 Folgen angeschaut.....der übliche Serienschmarrn!So eine Schwulenstory kann man in jeder anderen Soap auch sehen!
Ach noch was ...ich bin Countrymusicfan!


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