Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?2150

David Hasselhoff – "The Night Before Christmas"

Alleine das Hochhalten des Covers regt die queer.de-Redaktion schon zum Schmunzeln an – wer kann das schon von sich behaupten? Man soll aber trotzdem immer vorbehaltlos an eine Album-Kritik gehen - selbst wenn es sich um ein Weihnachtsalbum von Baywatch-Badenixe und Knight-Rider-Grinsebacke David Hasselhoff handelt. Man legt das Plättchen ruhig ein, drückt "play" und hört zunächst fröhliches Kinder-Geplänkel. Sollte der smarte Schluckspecht etwa sein gesamtes Geld versoffen haben und nun seine Gören zum gemeinsamen Singen verdonnert haben? Weit gefehlt – Papa schreitet ein, brabbelt irgendwas davon, dass die Bälger nun schlafen gehen sollen, weil doch bald "Christmas" ist. "'Twas The Night Before Christmas" heißt das erste Stück und erstmal in Fahrt gekommen, hört Herr Hasselhoff überhaupt nicht mehr auf mit dem Reden. Sechs Minuten Gebrochenes, pardon, Gesprochenes – das macht dem Großmeister der Pop-Musik ("Looking For Freedom", "Crazy For You") kaum so schnell jemand nach. Doch beim zweiten Lied geht es endlich ans Eingemachte.

"White Christmas" mit Harfe – lieblich, sanft – ich kann es hören: Der selige Bing Crosby rotiert in seinem Grab. Aber David macht vor nichts halt und singt das ganze Programm an Klassikern rauf und vor allen Dingen wieder runter. Bei "Silent Night" wird auch wieder geredet (eine deutsche Version gibt es am Schluss auch noch) und für "Please Come Home For Christmas" grub er die kleine Gwen aus. Ja, genau die, mit der er 1993 einen Top-Ten-Hit hatte ("Wir zwei, allein") und von der man seit dem auch nie wieder etwas gehört hat. Reizend aber, wie sie damals in der "Bravo" eine Barbra-Streisand-Platte in Händen hielt. Wahrscheinlich hat Gwen deshalb heute noch "unzählige" schwule Fans. Die Sangeskunst von Mr. Hasselhoff versinkt derweil beim weiteren Anhören im Background seines Frauenchors oder er trällert schlicht und ergreifend schief. Macht aber nichts, schließlich hat der Barde unzählige weibliche Kegel- und Klöppel-Kurse zwischen Hackpfüffel und Castrop-Rauxel hinter sich – die kaufen das radioaktive Werk ganz sicher.

Dionne Warwick - "My Favorite Time of the Year"

Wie man ein Weihnachtsalbum besser aufnimmt, kann Herr Hasselhoff noch lernen, schließlich erscheint bei Edel, dem Label bei dem er unter Vertrag steht, auch ein besinnliches Album von Dionne Warwick. Die Cousine von Whitney Houston und Muse von Burt Bacharach zauberte schon in den 60er Jahren eine große Ballade nach der anderen, ließ sich aber nie zu einer Kollektion von Feststagsfavoriten hinreißen. "My Favorite Time of the Year" ist der Beweis, dass dies völlig zu Unrecht geschah, denn die insbesondere bei Gays beliebte Diva singt immer noch wunderbar. Würdevoll und anmutig wie immer hat sie sich hauptsächlich die "üblichen Verdächtigen" vorgenommen. Da waren sie und ihre Produzentin Tena Rix Clark wohl ebenso kreativ wie Mr. Baywatch. Macht aber nichts, denn ein gediegener Oldtimer wie Dionne Warwick darf gerne solche Klassiker anpacken, schließlich sind bei ihr Talent und Ausdruck im Einklang. Bei den Arrangements gibt es nichts zu merken und die warme Samt-Stimme der Warwick swingt zeitlos durch die Weihnachtsfavoriten.

Ihr "Silent Night" ist wunderschön, ebenso die opulent (aber nie über-) orchesterisierten Lieder "It's The Most Wonderful Time of the Year", "My Favorite Things" und "White Christmas". Zudem gibt es feine Duette mit Soul-Göttin Gladys Knight ("Have Yourself a Merry Little Christmas") und Gospel-Sänger BeBe Winans ("I Believe In Christmas"). Ein paar Nummern hätten etwas mehr Pfiff verdient ("I'll Be Home For Christmas"), aber ansonsten gibt es nichts zu meckern. Wer eher klassisch gehaltene, amerikanische Weihnachtsmusik mit einer legendären Stimme sucht, wird hier sicher fündig.

"Buon Natale – Italienische Weihnachten mit Al Bano Carrisi"

Der Dritte aus dem Hause Edel, der ein Weihnachtsalbum zum Besten gibt, ist der italienische Pop- und Klassik-Sänger Al Bano Carrisi – besser bekannt als eine Hälfte des Duos Al Bano & Romina Power ("Felicita", "Sharazan"). Wenn man so ein Werk zusammen mit David Hasselhoff in der Post hat, wundert man sich wahrscheinlich über gar nichts mehr. Aber Al Banos Weihnachtsfest fällt deutlich besser aus, als das von Herrn Hasselhoff. Unmengen an Kitsch, Pathos und Orchester-Geklimper hat Carrisi aufgefahren. Solch einen süßen Zuckerguss aus Flöten, Harfen und Triangeln kann man Weihnachten, aber auch nur dann, ungehemmt genießen. Und es beschleicht einen schon eine gewisse bizarre Faszination, wenn Al Bano auf Deutsch vom kleinen Jesu und Maria singt - was genau kann man aber bei seinem starken Akzent aber nicht verstehen (dafür gibt es aber immerhin die Texte im Booklet).

Im "Weihnachtsmedley" gibt er noch etliche andere deutsche Weihnachtsperlen zum besten und irgendwann muss man einfach mitschunkeln. Nur schade, dass die gute Romina nicht mehr neben ihm zwitschert - das wäre quasi die Glasur auf dem Zimtstern. John Lennons "Happy Xmas" (gelungen!), "Stille Nacht", "Amazing Grace" und "White Christmas" singt Al Bano wiederum auf Italienisch und gerade wenn er im mittleren Register singt, sind seine Interpretationen durchaus gut. Versucht er sich allerdings als Opernsänger und knödelt seine Stimme in höhere Tonlagen, klingt sie unschön gepresst. Viel Aufwand und eine Menge Schlager-Nuancen wiegen sicher schwer, könnten aber durchaus begeisterte Anhänger finden. Im Booklet schreibt Al Bano von allen drei vorgestellten Alben, das Schönste: "Gewidmet den Kindern und ihren Familien aus Palästina, Israel, dem Irak, aus Beslan und an alle weltweit, die der Liebe und des Friedens ihres Weihnachtsfestes beraubt worden sind."

15. Dezember 2004



#1 janaAnonym
  • 30.01.2005, 18:04h
  • wie könnt ihr so eine Aussage über David Hasselhoff treffen? Ihr wart früher bestimmt selbst Fans von ihm! Ich bin nicht Schwul oder männlich und bin sein Fan seit 13 Jahren! Er hat bestimmt einige Fehler in seinem Leben gemacht, aber jeder Mensch hat in seinem Leben schon Fehler gemacht! Wenn es Menschen schlecht geht, warum wird ihm dann nicht geholfen sondern nur mit Füssen getreten? Also überdenkt nochmal eure Überschrift und den ganzen Artikel! Danke
  • Antworten » | Direktlink »