Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 04.05.2014           1      Teilen:   |

Female Fantasy

Lesbische Elfen im Ebona-Wald

Netai hat es nicht leicht: Sie soll einen Prinzen heiraten, ihre Freundin verschwindet und dann ist sie auch noch über Nacht um Jahrzehnte gealtert
Netai hat es nicht leicht: Sie soll einen Prinzen heiraten, ihre Freundin verschwindet und dann ist sie auch noch über Nacht um Jahrzehnte gealtert

Ingrid Pointecker hat mit ihrem Roman "Herbstsplitter" aus dem Homo Littera Verlag einen Vorstoß gewagt, der durchaus ins Auge hätte gehen können. Ist er aber nicht.

Von Frank Hebenstreit

Ein Fantasybuch von einer Frau ist sicher erst mal nichts Besonderes. Ein Fantasybuch von einer Frau für Frauen auch sicher nicht. Ein Fantasybuch von einer Frau für Frauen über Frauen, die Frauen lieben, das ist schon was Besonderes. Die erste Frage die man oder frau sich nun stellt – "Und wer solls lesen?" – kann ich nach der Lektüre von "Herbstsplitter" ganz einfach beantworten: alle!

Wir befinden uns in der Welt der Elfen. Die großen Reiche sind auseinander gefallen und die Elfen untereinander verfeindet. So kommt es, dass die Königin von Ibandis eigentlich nur noch über klägliche Reste eines ehemals glanzvollen Reiches regiert. Ihr Rückzugsgebiet: ein Schloss in den Bergen.

Die Kriegerin Syen hat den großen Krieg nur knapp überlebt und wohnt mit ihrer Freundin und Geliebten Netai tief verborgen im Ebona-Wald in einer Ruine. Dieses Glück und die Zufriedenheit halten an, bis der Prinz des Reiches sie beim Baden in einem See aufstöbert. Konfrontiert mit SyensVergangenheit kommt es nach der Begegnung mit dem Prinzen zum Streit zwischen den Gefährtinnen. Netai nimmt seine Bedingung an und begleitet ihn aufs Schloss – als Preis dafür, dass er Syen und sie in Frieden leben lässt.

Fortsetzung nach Anzeige


Der große Schock nach der geglückten Flucht

Ingrid Pointecker, Jahrgang 1986, schreibt seit ihrem zehnten Lebensjahr. Sie lebt in ihrer Wahlheimat Wien - Quelle: privat
Ingrid Pointecker, Jahrgang 1986, schreibt seit ihrem zehnten Lebensjahr. Sie lebt in ihrer Wahlheimat Wien (Bild: privat)

Seine tatsächlichen Absichten erahnt sie nicht und ist geschockt, als er sie auf dem Fest im Schloss als seine zukünftige Braut vorstellt. Netai schafft es, dieser Situation zu entfliehen, aber der Prinz holt sie ein und verletzt sie schwer. Sie kann abermals entkommen und schlägt sich zur Ruine durch. Doch dort ereilt sie der nächste Schock. Syen ist nicht da, aber das ist nicht das Schlimmste. Auf dem Weg vom Schloss in den Wald scheint sie um Jahrzehnte gealtert zu sein. Das knallige Rot ihrer Haare ist schnell von dicken grauen Strähnen durchzogen. Ihre Kraft schwindet zusehends.

Was ist geschehen? Wird sie Syen wiedersehen? Warum war Syen nicht an der gemeinsamen Wohnstatt? Alle diese Fragen beantwortet Ingrid Pointecker in ihrer Erzählung, aber sie macht noch mehr.

Mit ausgeklügelten Formulierungen lässt sie ihre Leser immer wieder in die Köpfe der verschiedenen Beteiligten schauen. Und das ist das Besondere an diesem Buch. Während viele Fantasy-Erzählungen das große Abenteuer im Fokus haben und alle dramatischen und auch nicht so dramatischen Momente des Geschehens schildern, wählt die Autorin hier andere Wege. Dabei läuft die Geschichte hier nicht weniger dramatisch oder erschreckend ab, aber zwischendrin bleibt immer wieder mal Raum für einen sehr feinen Humor, den sie sich vom Leben selbst abgeschaut haben muss.

Die Menschen stehen im Mittelpunkt des Fantasy-Romans

Nicht Strategie, Kriegsführung und Heerscharen stehen im Mittelpunkt, sondern die einzelnen Protagonisten und das feine Geflecht ihrer Beziehungen untereinander. Nicht nur Netai und Syen, auch die anderen auftretenden Figuren wirken tiefgründig und sind, je nach Intention, genau so liebevoll oder abstoßend gestaltet. Bei manchen von Syens Wegbegleitern fallen einem recht schnell Menschen aus dem eigenen Umfeld ein, die unbesehen die einzelnen Rollen ausfüllen könnten. So wächst einem diese Geschichte auch schnell ans Herz.

Über nicht nur einen Mord führt die Autorin dann die Geschichte zu einem überraschenden, aber durchaus glaubhaften Schluss. Dass dieser anders ausfällt, als man es sich wünscht, mag für manchen eine unangenehme Überraschung sein. Aber auch hier – soviel kann ohne Spoiler verraten werden – hat Pointecker beim Leben abgeschaut. Das stellt nämlich auch nicht immer jeden voll und ganz zufrieden.

Mein Fazit: ein wirklich lesenswertes Buch, auf das man oder frau sich gern einlassen sollte.

  Infos zum Buch
Ingrid Pointecker: Herbstsplitter. Fantasy-Roman. Taschenbuch. Format: 14,8x21 cm. 196 Seiten. Homo littera Verlag. Gratkorn 2013. 13,90 €. ISBN 978-3-902885-25-8
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Ingrid Pointecker auf Facebook
» Interview zum Roman im Verlags-Blog
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher ein Kommentar | FB-Debatte
Teilen: 21                  
Service: | pdf | mailen
Tags: fantasy, homo littera, herbstsplitter
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Lesbische Elfen im Ebona-Wald"


 1 User-Kommentar
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
04.05.2014
11:09:32


(+2, 4 Votes)
 


 BUCH - UNTERHALTUNG

Top-Links (Werbung)

 BUCH



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Niederlande: Kommission empfiehlt bis zu vier Eltern pro Kind Israel: Gleichstellung ausländischer Homo-Partner geplant Tag der Menschenrechte: EKD wirbt für LGBTI-Gleichbehandlung Die Poesie der ersten schwulen Liebe
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt