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  • 12.05.2014           11      Teilen:   |

Diskriminierung im Berufsleben

Transsexuellen droht häufiger Arbeitslosigkeit

Artikelbild
Mit einer Plakatkampagne unterstützt die US-Hauptstadt Washington D.C. die Sichtbarkeit und Akzeptanz transsexueller Arbeitnehmer

Im Rahmen der Hirschfeld-Tage 2014 wurde eine von der Landesregierung in Auftrag gegebene "Studie zur Lebenssituation von Transsexuellen in Nordrhein-Westfalen" vorgestellt.

Von Marvin Mendyka

Das Erinnern ist bei den diesjährigen Hirschfeld-Tagen NRW ein zentrales Thema – in jeder Hinsicht. Der LSVD nutzte diese Gelegenheit, um in der vergangenen Woche die kaum bekannte "Studie zur Lebenssituation von Transsexuellen in Nordrhein-Westfalen" vorzustellen, die auf den Tag genau vor zwei Jahren veröffentlicht wurde. Die Rechtsanwältin und Mitautorin der Studie Deborah Reinert referierte vor zehn Interessierten über ihre Ergebnisse der ersten empirischen Studie über Transsexuelle in Deutschland.

In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA). Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) erhoffte sich von der Veröffentlichung, dass die Studie zu "mehr Sensibilität, Offenheit und Akzeptanz beiträgt – damit Transsexuelle als Teil der bereichernden Vielfalt unseres Landes überall dazu gehören und sich zugehörig fühlen können". So heißt es im Vorwort.

Befragt wurden insgesamt 98 Personen. Davon 30 in Interviews (jeweils 15 Transmänner und -frauen) und weitere 27 Transmänner und 41 Transfrauen per Fragebogen. Der Katalog umfasste stolze 89 Fragen. Nach Schätzungen Reinerts stellt die Anzahl der Befragten mindestens drei Prozent der transsexuellen Menschen in NRW dar.

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Nur eine Minderheit hat keine Diskriminierungserfahrungen

Mitautorin der ersten empirischen Studie über Transsexuelle in Deutschland: Rechtsanwältin Deborah Reinert präsentierte die wichtigsten Ergebnisse Anfang Mai in Köln - Quelle: Marvin Mendyka
Mitautorin der ersten empirischen Studie über Transsexuelle in Deutschland: Rechtsanwältin Deborah Reinert präsentierte die wichtigsten Ergebnisse Anfang Mai in Köln (Bild: Marvin Mendyka)

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Transsexuelle in verschiedenen Lebensbereichen mit "multiplen Belastungssituationen" konfrontiert werden. Nur jeder vierte befragte Transmann und etwa jede siebte Transfrau kennen Diskriminierungserfahrungen nicht aus eigener Hand. In den meisten Fällen fühlten sich die Befragten aufgrund ihres Geschlechts bzw. ihrer sexuellen Identität diskriminiert. Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung spielte lediglich bei vier Prozent der Transmänner und neun Prozent der Transfrauen eine Rolle.

Wie Transsexuelle mit Diskriminierungen umgehen, ist von Person zu Person unterschiedlich. Für fast alle Betroffenen ist die Stärkung des Selbstbewusstseins durch Kontakt mit anderen von großer Bedeutung. Dies geschieht etwa in Selbsthilfegruppen, durch Psychotherapien oder über die Aneignung von Wissen über rechtliche und medizinische Maßnahmen. Andere Strategien zum Umgang mit Diskriminierungserfahrungen sind eher defensiv – wie das Meiden von Menschen, Verdrängung oder der Umdeutung negativer Erfahrungen.

Doch auch der offensive und aufklärerische Umgang ist für viele eine wichtige Möglichkeit. Ein Transmann berichtete im Interview von einer Situation in einer Kantine: Neben ihm saß eine Gruppe von Auszubildenden, die sich abfällig über eine Transfrau aus ihrer Berufsschulklasse unterhielten. Begriffe wie "Mann im Rock" oder "blöde Transe" fielen. "Und da habe ich mich eingemischt und habe gesagt: 'Entschuldigung, dass ich mich da einmischen muss, aber ihr sitzt gerade auch an einem Tisch mit einer blöden Transe.' […] Die waren dann auch ganz neugierig und haben gefragt und ich habe dann halt, wie ich das so wollte, geantwortet."

Probleme im Berufsleben besonders signifikant

Eine seltene Ausnahme weltweit: Die thailändische Fluggesellschaft P.C. Air stellte vor einigen Jahren gezielt transsexuelle Flugbegleiterinnen ein
Eine seltene Ausnahme weltweit: Die thailändische Fluggesellschaft P.C. Air stellte vor einigen Jahren gezielt transsexuelle Flugbegleiterinnen ein

Ein weiteres auffälliges Ergebnis der Studie zeichnete sich im Bereich des Berufslebens ab. Trotz überdurchschnittlich guter Bildungsabschlüsse gaben 26 Prozent der Transmänner und 19 Prozent der Transfrauen an, zum Zeitpunkt der Befragung ALG II erhalten zu haben. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt, der zum damaligen Zeitpunkt bei knapp über 11 Prozent lag, waren die Ergebnisse unter Transsexuellen ungewöhnlich hoch. Hinzu kommt, dass nach einem Arbeitsplatzverlust viele Transsexuelle Schwierigkeiten haben, eine neue Anstellung zu finden. Die Folgeprobleme sind offensichtlich: Mangel an effektiver Altersvorsoge, sozialer Abstieg, Verarmung.

Zumindest in einem Punkt zeigte sich in der Untersuchung ein durchweg positives Zeichen. Alle Befragten, egal ob sie noch am Anfang ihrer Transition standen oder sie bereits abgeschlossen haben, gaben an, dass sich ihre Lebenssituation nachhaltig verbessert hat und den Schritt wieder gehen würden.

Um die Situation von Transsexuellen zu verbessern, schlugen die Autoren der Studie konkrete Schritte vor. Von zentraler Bedeutung sei dabei die Aufklärung. Transsexualität müsse sowohl in der Schule als Querschnittsthema eingeführt werden, ebenso müssen aber konkrete Leitfäden für Behörden erstellt und Anpassungen von Verwaltungsvorgängen eingeleitet werden.

Links zum Thema:
» Die komplette Studie als PDF
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Tags: transsexuelle, hirschfeld-tage nrw, studie, deborah reinert, mgepa, nrw
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Reaktionen zu "Transsexuellen droht häufiger Arbeitslosigkeit"


 11 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
12.05.2014
08:36:20
Via Handy


(+5, 5 Votes)

Von Timon


Ich bin zwar nicht Trans, sondern schwul, aber schlimm sowas zu hören.


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#2
12.05.2014
10:02:05


(+2, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #1 von Timon


Sehe ich auch so!


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#3
12.05.2014
10:03:30


(+4, 4 Votes)

Von Tobi


Ein Grund mehr das es so etwas wie den Bildungsplan in BaWü, DEUTSCHLANDWEIT geben MUSS !


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#4
12.05.2014
16:19:13


(+4, 4 Votes)

Von ehemaligem User Xenomorpha


Genau, ich kann da auch ein Lied von singen.
2010 habe ich sage und schreibe 750 Bewerbungen bundesweit raus geschickt, davon kamen 3 zurück (Absagen) und alles andere fliegt noch irgenwo rum oder ist in Ablage P verschwunden.
Gut, dass ich nicht mehr arbeiten muss und nicht unbedingt gezwungen bin dazu.
Ich könnte Storys erzählen, man oh man, manchmal haben die sogen. Personaler mich nicht mal ins Haus gebeten, sie fertigten mich vor der Tür ab, oder erzählten mir, dass ich mein Hobby daheim ausleben kann.
Diesen Bullshit tue ich mir nicht mehr an, lebe von etwas Erspartem (Zinsen) und von meiner Kunst ab und zu.
Kann zwar auch keine großen Sprünge machen, aber ich bin 24/7 Mensch und muss nie mehr wider meiner Natur leben.
Gebe nun ab und zu mal einen Vortrag an der Uni oder in Volkshochschulen, versuche den Leuten zu erklären, was das mit der Transsexualität auf sich hat und gehe oftmals zufrieden Heim weil es wirkt.
Es ist wichtig den Menschen das nahe zu bringen, die später in ihrem Beruf auch mit Menschen zu tun haben, endlich mal etwas sinnvolles zu tun.


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#5
12.05.2014
17:45:15


(+4, 4 Votes)

Von Katrin
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Die Harz IV Quote liegt bei Transgendern also rund doppelt so hoch wie im Rest der Bevölkerung und im Beitrag wird das als rundweg negativ dargestellt. Nicht berücksichtigt wird die Altersverteilung von Transgendern. Zwar werden Transgender im Mittel immer jünger, aber dieses Mittel liegt immer noch über dem Durchschnitt. Und Ältere tun sich nun mal schwerer einen Job zu bekommen. Natürlich ist es traurig, wenn Transgender nicht im Landesdurchschnitt liegen, aber man muss auch mal bedenken, das Deutschland insgesamt ein rückständiges Land ist. Die Hälfte der arbeitenden Menschen, nämlich Frauen, bekommt weniger als die männlichen Kollegen für die Arbeit bezahlt und ein erheblicher Anteil der Bevölkerung bekommt nicht den Mindestlohn bezahlt. Da ist es erfreulich, dass es den Minderheitenhassern nicht gelingt ein viel größeres Elend unter Transgendern zu verursachen. Immerhin wählen mehr als 40% der Deutschen die christlichen und die noch weiter Rechts orientierten Parteien und mehr als die Hälfte der Deutschen gehören Kirchen an, die sie permanent gottgewollte Diskriminierung lehren. Ganz klar müssen die zu viel Prozent an Harz IV abgebaut werden. Dazu ist Aufklärung notwendig und es müssen die politischen Rahmenbedingungen geändert werden. Transgender müssen sich, entgegen den Vorgaben des Europäischen Parlamentes, in Deutschland immer noch als mental gestört outen um überhaupt in den Genuss von Leistungen der gesetzlichen Kassen zu kommen. Transgender haben immer noch keinen Anspruch auf Leistungen, sondern müssen sich Fall für Fall die Leistungen genehmigen lassen. Es gibt noch nicht einmal Medikamente für Transgender, sondern es werden Medikamente aus dem Humanbereich adaptiert, so wie es der Tierarzt fürs liebe Vieh tut. Das bei dieser Ungerechtigkeit und Verhetzung die Armutsquote bei 20% und nicht bei 50% oder mehr liegt ist doch eigentlich erfreulich. Dies gilt es zu verbessern und deshalb müssen wir bei Wahlen unser Kreuz machen.


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#6
12.05.2014
20:17:07


(+2, 4 Votes)

Von sperling
Antwort zu Kommentar #4 von Xenomorpha


ich freue mich (fast) jedesmal, wenn ich hier berichte aus dem leben VON menschen lesen kann, statt, wie sonst meist, nur ÜBER sie zu lesen.

ich bin ehrlich schockiert, das zu lesen, was du berichtest. als cis-mann kann ich offenbar wirklich nur ansatzweise erahnen, welche riesigen steine viele transsexuelle / transgender auf ihrem lebensweg vorfinden.

ich wünsche dir alles gute für deine aufklärungsmission und für dich selbst.


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#7
12.05.2014
20:45:51


(+1, 3 Votes)

Von OeffentlksArbeit


Coole Plakatkampagne, übrigens.

Hier sind die 5 anderen Motive:

Link zu www.huffingtonpost.com


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#8
13.05.2014
00:00:27


(+1, 3 Votes)

Von Findus


Was erwarten? Wo kein Platz für einen ist, da auch kein Arbeitsplatz.
Die meisten Angestellten sind immer noch weiße, deutsche, heterosexuelle Männer.


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#9
13.05.2014
07:19:42


(+3, 3 Votes)

Von ehemaligem User Xenomorpha
Antwort zu Kommentar #6 von sperling


Vielen lieben Dank, Sperling :-)


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#10
13.05.2014
22:13:32


(0, 2 Votes)

Von sperling
Antwort zu Kommentar #9 von Xenomorpha


de nada.

indem du dich in der aufklärungsarbeit engagierst, hilfst du ja übrigens nicht nur anderen (was natürlich prima ist), sondern auch dir selbst. es ist immer gut für die eigene psyche, in einer problematischen situation aktiv zu werden und sich nicht passiv mit dem opferstatus abzufinden. insofern hat dein bericht auch einen vorbildcharakter für andere situationen.


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