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  • 13.05.2014           2      Teilen:   |

Buchvorstellung in Köln

Hirschfeld, sein Geliebter und das Testament

Artikelbild
Bei der Lesung in Köln (v.l.n.r.): Mitorganisator Michael Jähme (Arcus-Stiftung), Herausgeber Ralf Dose und Mitorganisator Martin Sölle (Buchsalon Ehrenfeld) (Bild: Marvin Mendyka)

Durch Zufall konnte der Historiker Ralf Dose handschriftliche Überlieferungen des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld für die Nachwelt retten – sie lagen auf einem Dachboden in Kanada.

Von Marvin Mendyka

Der Hirschfeld-Kenner Ralf Dose stellte am vergangenen Freitag im Kölner Buchsalon Ehrenfeld das von ihm herausgegebene Buch "Testament. Heft II" vor. Der Band, der die wenigen handschriftlichen Überlieferungen des Sexualforschers vereint, ist eine Mischung aus Testament und Chronik über Magnus Hirschfelds letzte Lebensjahre.

Das eigentliche Highlight des Abends war die packende Entstehungsgeschichte des Buches und die Suche nach vergessen geglaubten Quellen. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Centrum Schwule Geschichte e.V. (CSG) und fand im Rahmen der Hirscheld-Tage 2014 statt.

Sich auf die Spuren des Sexualforschers Magnus Hirschfeld zu begeben, ist eine mühselige und zeitaufwändige Arbeit, die oft nur durch Zufälle und einer ordentlichen Portion Glück voran kommt. Davon kann Ralf Dose ein Lied singen. Der Historiker, der sich schon seit vielen Jahren mit Hirschfeld beschäftigt, erinnert sich an seinen letzten großen Fund, der ihm die Grundlage für das im vergangenen Jahr veröffentlichte Buches lieferte.

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Eine Spur in den Tiefen des Internets

Ralf Dose erzählt von der packenden Enstehungsgeschichte seines Buches - Quelle: Marvin Mendyka
Ralf Dose erzählt von der packenden Enstehungsgeschichte seines Buches (Bild: Marvin Mendyka)

"In einer ziemlich betrunkenen Nacht nach der Jahrtausendwende" stolpert er über eine Nachricht aus den Tiefen des Internets. "Can anybody tell me where the papers of Magnus Hirschfeld are? I think i found something, that belongs to them." Dabei eine veraltete Mailadresse eines Kanadiers namens Adam Smith.

Adam Smith – ein Allerweltsname, dazu noch unklar, ob es sich überhaupt um einen realen Namen oder ein Pseudonym handelt. Doch Dose gibt nicht auf und recherchiert weiter. Durch seine Tätigkeit als Erbenermittler besitzt er das nötige Know-how. Und tatsächlich gelingt es ihm, Kontakt mit dem Kanadier herzustellen. Es handelt sich um einen Studenten, der den vermeintlichen "Krempel" auf dem Dachboden seines Hauses gefunden hat. Nur auf Anraten einer Freundin, die Psychologie studierte, behält er die Sachen. Denn der Name "Hirschfeld" kommt der Psychologiestudentin irgendwie bekannt vor.

Ein Glücksfall! Der "Krempel", so stellt sich heraus, sind handschriftliche Überlieferungen des Sexualforschers. Außerdem die Totenmaske Magnus Hirschfelds. Doch wie kommen diese wichtigen Quellen auf besagten Dachboden?



Die Spur führt zu Li Shiu Tong, ein Schüler und Geliebter Hirschfelds. Lange Zeit lebte dieser ebenfalls in dem Haus des kanadischen Studenten. Den bei weitem jüngeren Hongkonger lernte Hirschfeld auf seiner Weltreise kennen – und brachte ihn 1932 mit nach Europa. Dort wurde Li Shiu Tong, neben Karl Giese, zu einem von Hirschfelds engsten Vertrauten. Hirschfeld setzte beide in seinem Testament von 1935 als Haupterben ein.

In dem Dokument heißt es im Bezug auf Li Shiu Tong: "Ferner vermache ich ihm alle Bücher, Papiere, Bilder und sonstige Gegenstände, die sich zur Zeit meines Ablebens bei mir, ihm oder in gemeinsamer Aufbewahrung […] befinden."

Mit dem Erbe war gleichzeitig eine Verpflichtung verbunden. So hält das Testament weiter fest: "Diese Vermächtnisse wende ich meinem Schüler Li Shiu Tong unter der ausdrücklichen Auflage zu, sie nicht für sein persönlichen Gebrauch zu verwenden, sondern lediglich für die Zwecke der Sexualwissenschaft im Sinne meiner Bestrebungen."

Weitere Handschriften sind nach wie vor verschollen

Das "Testament. Heft II" gehört zu den wenigen handschriftlichen Aufzeichnungen Magnus Hirschfelds, welche die Plünderung seines Instituts für Sexualwissenschaft, die Zerstörung seines Lebenswerks und sein Exil überdauert haben
Das "Testament. Heft II" gehört zu den wenigen handschriftlichen Aufzeichnungen Magnus Hirschfelds, welche die Plünderung seines Instituts für Sexualwissenschaft, die Zerstörung seines Lebenswerks und sein Exil überdauert haben

Doch daraus wird nichts. Sowohl Li Shiu Tong als auch Karl Giese sind mit Hirschfelds Erbe überfordert. Nicht zuletzt sind es die zeitlichen Umstände, die der Arbeit des Instituts für Sexualwissenschaft einen Riegel vorschieben. Das Gebäude des Instituts wird 1933 von den Nazis geplündert. Hirschfeld und seine beiden Geliebten leben fortan im Exil in Österreich, der Schweiz und Frankreich.

Nach Hirschfelds Tod nimmt sich Karl Giese 1938 in Brünn das Leben. Li Shiu Tong hingegen zieht es nach Kanada, wo später die Totenmaske Hirschfelds und einige Handschriften gefunden werden. Weitere Teile befinden sich seit dem Tod Li Shiu Tongs im Besitz seiner Familie, die dem homosexuellen Verwandten mit Argwohn gegenüber steht. Zwar konnten einige Stücke abgekauft werden, doch, so vermutet Dose, lägen noch vier bis sechs Reisetagebücher des Sexualforschers bei der Familie.

Mit dem "Testament. Heft II" konnte ein Teil von Hirschfelds Erbe vom "Müllhaufen der Geschichte" gerettet werden, das nun einen weiteren Einblick in die erste Homosexuellenbewegung Deutschlands gibt. Mit der Erinnerung an die frühen Vorkämpfer für die Rechte von Homosexuellen demonstrieren die Hirschfeld-Tage 2014, dass LGBT-Anliegen alles andere als "Modethemen" sind.

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Tags: magnus hirschfeld, ralf dose
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Reaktionen zu "Hirschfeld, sein Geliebter und das Testament"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.05.2014
14:13:15


(+3, 3 Votes)

Von ehemaligem User timpa354


Spannend wie ein Krimi und Hut ab vor der Hartnäckigkeit des Historikers Ralf Dose.


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#2
13.05.2014
16:42:36


(+1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Gut, daß sich Belege über Magnus Hirschfeld doch noch angefunden haben!


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