Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?21582

"Ghost Stories"

Coldplay auf Schmusekurs


Auf dem sechsten Studioalbum dreht sich alles um Atmosphäre: Coldplay gehört weltweit zu den erfolgreichsten Bands des vergangenen Jahrzehnts (Bild: Anton Corbijn)

  • 16. Mai 2014, Noch kein Kommentar

Alles poetisch, alles stimmig: Mit dem neuen Studioalbum "Ghost Stories" bewegt sich das britische Quartett in Richtung sphärischer Softpop.

Von Michael Thiele

Endlich! Coldplay haben soundmäßig abgerüstet. Auf ihrem sechsten Album lassen sie die Ära der Stadion-Soundtracks, die sich bereits auf ihrer dritten Platte "X&Y" von 2005 bedrohlich ankündigte, hinter sich. Mit "Ghost Stories", das knapp zweieinhalb Jahre nach dem recht bollerigen "Mylo Xyloto" erscheint, geht es nun in Richtung sphärischer Softpop. Eine Entwicklung, die dem englischen Quartett gut tut.

Doch Vorsicht! Das heißt nicht, dass Coldplay die Popwelt aus den Angeln heben. Auch findet sich auf "Ghost Stories" kein Song, der wirklich herausragend ist im Sinne von "Clocks", "The Scientist" oder "Don't Panic". Darum geht es auch nicht. "Ghost Stories" versteht sich vielmehr als ein Konzeptalbum, und zwar in doppelter Hinsicht: Werkübergreifend bedeutet es eine musikalische Neuausrichtung, werkimmanent eine einheitliche Harmonie. Denn hier ergänzt sich alles wohlig: die Songs, deren Lyrics und Produktion, die Songtitel, das Cover mit den mondweißen Engelsflügeln vor meerblauem Hintergrund. Alles ist poetisch, alles ist stimmig. Kurzum: Auf "Ghost Stories" geht es um Atmosphäre.

Chris Martin mit süßem Schlafzimmerblick


Das Cover passt zum soften Inhalt: mondweiße Engelsflügel vor meerblauem Hintergrund

Die stellt sich auch dank Chris Martins Gesang ein. Der ist deutlich zurückgenommen, Chris singt zärtlich und leise, Hall-Effekte tragen ihren Teil dazu bei. Nicht nur beim Eröffnungssong "Always In My Head" stellt man sich den Sänger mit süßem Schlafzimmerblick bei schummrigem Licht vor. Die Texte, die Chris vorträgt, wirken übrigens eher Second Hand. Er singt, wenn man ihn schon nicht liebe, dann solle man ihn wenigstens anlügen. An anderer Stelle klagt er, dass er so sehr liebe, dass es weh tut. Neu ist das nicht.

Aber es passt immerhin zum harmonisch weichen Gesamteindruck der Platte. Die neun Songs mit einer Spieldauer von gut 40 Minuten sind mit ihren Glockenklängen, dem kindlichen Chorgesang, der das Album eröffnet und schließt, sowie mit meditativen Samples wie dem Wassertropfen in "Oceans" kuschelig angereichert.

Am hitverdächtigsten sind übrigens das Liebeslied "Magic", das filigran flimmernde "Midnight" und "A Sky Full Of Stars", das etwas aus dem Rahmen fällt mit seinem Ibiza-Strandparty-Touch. Andererseits auch wieder nicht, denn "Ghost Stories" ist ein Album für die Nacht – und zwar für eine Frühlings- oder Sommernacht, vorzugsweise draußen, unter freiem Himmel.

Youtube | "Behind the scenes"-Video zur Single "Magic"