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Einhundert Grabsteine stehen am Internationalen Tag gegen Homophobie vor Taiwans Präsidialamt: Der symbolische Friedhof ist mit den Namen von einhundert Homophobie-Opfern versehen (Bild: Martin Aldrovandi)

Auf der ganzen Welt wurde heute für die Rechte von LGBT demonstriert. Die ungewöhnlichste Aktion zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie gab es in Taipeh.

Von Martin Aldrovandi

Jenny Wu steht zwischen einhundert Grabsteinen vor dem taiwanesichen Präsidialamt in der Hauptstadt Taipeh und hält ein Schild hoch. Auf diesem steht: "Wir sind doch nur etwas anders als Ihr". Die 17-jährige Trans-Frau geht nicht mehr zur Schule, sie habe das Mobbing dort nicht mehr ausgehalten, sagt sie.

Seit der Grundschule würde sie täglich gehänselt und schikaniert. Am häufigsten sei sie beschimpft worden, einige Mitschüler hätten sogar versucht, ihr die Kleider vom Leib zu reißen oder sie heimlich auf der Toilette zu filmen. Mehrere Selbstmordversuche hat Jenny Wu bereits hinter sich, zurück in ihre Klasse will sie nicht. Verständnis oder gar Hilfe von den Lehrern habe sie nie bekommen. Stattdessen gab es den Ratschlag, sie solle sich halt männlicher verhalten.

Grabsteine mit Smartphone-Code


Wer sein Smartphone über den Code auf den Grabsteinen hält, erfährt die Geschichte der Opfer (Bild: Martin Aldrovandi)

Um Jenny Wu herum stehen einhundert mit chinesischen Zeichen beschriftete Grabsteine. Jeder Stein und jedes Kreuz ist mit Namen und Datum sowie einem QR-Code versehen. Wer sein Smartphone über den Code auf dem Grabstein hält, erfährt die Geschichte hinter dem Namen. Wie jene über die lesbische Tochter einer bekannten taiwanischen Schauspielerin, die sich aus dem zwölften Stockwerk in den Tod stürzte.

Ein weiterer Stein ist der homosexuellen Dichterin Qiu Miaojin gewidmet, die sich mit dem Küchenmesser erstochen haben soll. Neben taiwanischen Opfern von Homo- und Transphobie gedenken die Aktivisten auch Ausländern wie dem Russen Vladislav Tornovoi, der letztes Jahr von Schwulenhassern gefoltert und ermordet wurde.

Taiwan nicht homofreundlich?

Taiwans Hauptstadt hat mit Zehntausenden von Teilnehmern den größten Pride-Umzug des Kontinents und gilt generell als homofreundlichstes Land Ostasiens (queer.de berichtete). Weshalb also die düstere Friedhofsstimmung?

Im Vergleich zu Ländern wie Uganda oder Malaysia sei man womöglich homofreundlich, sagt Chen Jia-jun, Sprecherin der Lobby Alliance For LGBT Rights. Dies reiche jedoch nicht, solange sich noch immer Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität das Leben nehmen würden. Deshalb sollten LGBT-Themen bald auch flächendeckend in den Lehrplänen aufgenommen und endlich die Ehe für alle geöffnet werden.

Abgeordnete beim Wort nehmen


Fordert als Maßnahme gegen Homophobie die Ehe-Öffnung: Chen Jia-jun, Sprecherin der Lobby Alliance For LGBT Rights (Bild: Martin Aldrovandi)

Seit über einem halben Jahr befindet sich ein Gesetzesentwurf für die Ehe-Öffnung im Parlament, doch dieses lässt sich Zeit. Deshalb hat die Gruppe die Webseite pridewatch.tw eingerichtet, in der sich Abgeordnete und Politiker, die zur Wahl antreten, zur Eheöffnung äußern sollen.

"Wir hoffen, dass wir so Bewegung in die Sache bringen", sagt Cindy Su, Medienkoordinatorin der Allianz. Rund ein Drittel der Parlamentarier will für die Ehe-Öffnung stimmen, ein Fünftel ist dagegen, und rund die Hälfte hat sich bisher nicht dazu geäussert.

Einflussreiche Gegner

Die Gegnerschaft ist ebenfalls gut organisiert, vor allem einflussreiche christliche Gruppierungen machen in Taiwan gegen Homo-Rechte mobil und brachten letztes Jahr Hunderttausende Anhänger auf die Straße (queer.de berichtete). Vor rund drei Jahren setzten sie sich bereits erfolgreich gegen die Einführung von LGBT-Lehrmittel in Grund- und Mittelschulen ein.

Fünf Prozent Christen gibt es in Taiwan, traditionell gelten sie als politisch einflussreich. Diese Gruppen seien zwar reich und mächtig, so Cindy Su, dennoch sei sie zuversichtlich. Homo-, Bi- und Transexuelle machten immerhin zehn Prozent der Bevölkerung aus. Cindy Su gibt sich kämpferisch: "Wir sind doppelt so viele wie sie. Ich glaube, wir können sie schlagen!"

Youtube | Kurzes Video von der Aktion


#1 daVinci6667
  • 17.05.2014, 18:01h

  • Habe gerade heute folgende Mail erhalten:

    77 is the most horrifying number no one is talking about.

    In 77 countries it's a crime to be gay. You can be thrown in jail or even killed for who you love and who you are by an accident of where you were born. Across the world, there are millions of reasonable, fair-minded people who don't think that's okay but many fewer know that this is the reality for lesbian, gay, bi and trans people in so many places.

    So, we're going to make 77 the number everyone's talking about from our friends and family to our co-workers and representatives in government.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FelixAnonym
#3 GerritAnonym
#4 JoonasAnonym
#5 sperlingAnonym
#6 RobbyEhemaliges Profil
#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 18.05.2014, 13:05h
  • Beeindruckend! Sowas wäre im Schurkenstaat und Entwicklungsland China nicht möglich!
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#8 mainlandAnonym