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  • 21.05.2014               Teilen:   |

Hirschfeld-Tage NRW

Auf den Spuren Dortmunds schwuler Geschichte

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Dr. Frank Ahland vom Dortmunder "Arbeitskreis Schwule Geschichte" führte am 17. Mai zu Orten der Verfolgung und der Subkultur (Bild: Marvin Mendyka)

"Wir wollen nicht länger – aus Scham oder aus Böswilligkeit – verschwiegen werden", sagte der Historiker Frank Ahland bei einem ungewöhlichen Stadtrundgang.

Von Marvin Mendyka

Kurz vor Abschluss der Hirschfeld-Tage veranstaltete SLADO e.V. am 17. Mai, dem Tag gegen Homo- und Transphobie, eine Führung durch die schwule Stadtgeschichte Dortmunds. Anlässlich des besonderen Tages zeigte Dr. Frank Ahland vom Arbeitskreis Schwule Geschichte vor allem Orte, die an die Verfolgung von Schwulen nach §175 StGB in der Zeit des Nationalsozialismus und der jungen Bundesrepublik erinnern.

"Wo ist 'Die Freundschaft' zu haben? – Dortmund: Alex Damm, Hövelstr. 11", annonciert 1921 ein Mann in der gleichnamigen Zeitschrift "Die Freundschaft". Ob es sich dabei um eine verschlüsselte Kontaktanzeige handelt, kann Ahland nicht mit Sicherheit sagen. Zuletzt wohnhaft war besagter Alex Damm am Dortmunder Burgwall. Das Haus, in dem der 1886 geborene Mann wohnte, steht heute nicht mehr. Ein Stolperstein auf dem Gehweg mit der Aufschrift "Denunziert. Flucht in den Freitod. 1936" erinnert heute an ihn.

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"Ich sterbe gerne als Opfer des Nationalsozialismus"

Der schwule Dortmunder Alex Damm wurde 1936 bei der Polizei denunziert und nahm sich aus Angst das Leben. Heute erinnert ein Stolperstein an ihn - Quelle: Marvin Mendyka
Der schwule Dortmunder Alex Damm wurde 1936 bei der Polizei denunziert und nahm sich aus Angst das Leben. Heute erinnert ein Stolperstein an ihn (Bild: Marvin Mendyka)

Nachdem der homosexuelle Mann angeschwärzt und mit falschen Beschuldigungen überhäuft wurde, schrieb er 1936 in einem Abschiedsbrief an die Polizei: "Ihre Ermittlungen können Sie gerne aufgeben. Ich sterbe gerne als Opfer des Nationalsozialismus, der Menschen von meinem Schlage einfach nicht verstehen will." Als Wasserleiche fand man ihn später in der Ruhr.

Damm ist nur ein Beispiel für die Verfolgung von Homosexuellen in der NS-Zeit, von dem der Historiker und Publizist Frank Ahland den Teilnehmern der Stadtführung berichtete. Das Ende des Naziregimes bedeutete aber keinesfalls das Ende der Verfolgung von Homosexuellen. Der Paragraf 175 StGB blieb in der jungen Bundesrepublik unangetastet. Erst 1969 kam es zur Liberalisierung, in dessen Folge Geschlechtsverkehr zwischen volljährigen Männern entkriminalisiert wurde.

Dies führte auch zu einer Veränderung der Szene. In den 1970ern schossen Schwulenbars aus dem Boden. 1970 verzeichnete der Szeneguide "Spartacus" sechs Bars und Kneipen in Dortmund. Darunter das Café de Paris am Königswall, das Haus Nolle in der Brückstraße oder das Haus Tappe am Burgwall, das seit 1972 Sidi heißt.

Homokneipen mit Türspion

Eine Institution in Dortmund: Der "Don-Club" existiert seit den 1980er Jahren
Eine Institution in Dortmund: Der "Don-Club" existiert seit den 1980er Jahren (Bild: Marvin Mendyka)

Nicht weit von dort steht auch heute noch der Don Club, eröffnet in den 1980ern. Eine typische Homokneipe dieser Zeit – von außen nicht einzusehen, dafür mit Türspion. "Schwulenbars befinden sich außerdem meist in Bahnhofsnähe, weil man leicht mit Zug aus Nachbarstädten und dem ganzen Sauerland anreisen kann", so Ahland. Die Angst vor Ausgrenzung und Kriminalisierung saß auch nach der Liberalisierung des Paragrafen 175 tief.

"Schwule Männer haben in dieser Stadt Spuren hinterlassen. Vielfach ist versucht worden, sie zuzuschütten. Wir wollen nicht länger – aus Scham oder aus Böswilligkeit – verschwiegen werden", resümiert der Historiker und Publizist.

Zur restlosen Streichung des Paragrafen 175 kam es erst 1994. Und erst in einem Beschluss des Bundestages aus dem Jahr 2002 wurden die Verurteilungen während der Zeit des Nationalsozialismus wegen homosexueller Handlungen für nichtig erklärt.

Für viele ist das jedoch nicht genug. Denn die in der Bundesrepublik nach dem selben Gesetz verurteilten Homosexuellen wurden bis heute nicht rehabilitiert, geschweige denn entschädigt. Für Frank Ahland ist dies ein Unding. "Das Erinnern an diese größte Schmach der Bundesrepublik – 20 Jahre Schwulenverfolgung – soll weiterhin verhindert werden. Wir werden es dennoch tun."

Links zum Thema:
» Mehr Infos über das schwule Dortmund auf der SLADO-Homepage
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Tags: dortmund, hirschfeld-tage, stadtrundgang, stolperstein, frank ahland, slado, schwule geschichte
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