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  • 24.05.2014           8      Teilen:   |

Medien

Ein Homo-Magazin von Linda de Mol

Artikelbild
Ein schräges Magazin-Duo für die Schwuppe und ihre beste Freundin: Man stelle sich vor, die "Brigitte" und die "Du & Ich" würden in Deutschland gemeinsam verkauft... (Bild: Kevin Clarke)

In den Niederlanden wird die Frauenzeitschrift "LINDA." im eingeschweißten Doppelpack mit der Schwulenzeitschrift "L'HOMO." angeboten. Ein Modell für Deutschland?

Von Kevin Clarke

Linda de Mol kennt man in Deutschland zwar auch, aber so berühmt wie in den Niederlanden ist sie diesseits der Grenze natürlich nicht. Ihre zwei größten "claims to fame" bei unseren Nachbarn sind – neben der Tatsache, dass sie die Schwester von Fernsehmogul John de Mol ist – erstens die witzige TV-Soap "Gooische Vrouwen" ("Feine Freundinnen") über eine Gruppe bescheuerter Fußballergattinnen, wo Linda als Type mehr oder weniger sich selbst spielen darf, was sie großartig tut.

Und sie ist zweitens Chefredakteurin der glossy Zeitschrift "LINDA." [mit Punkt!], die sie als NL-Variante des Oprah-Magazins stets mit sich selbst auf dem Cover herausgibt – alterslos blond und straff gezogen. Dieses Magazin ist seit langem ein Erfolg bei unseren Nachbarn, es wurde sogar zur "Zeitschrift des Jahres" gewählt, mit seinem Mix aus Frauenthemen und Mode, Kosmetik und Reise. Vergleichbar mit der "Brigitte" oder "Freundin", nur hipper in der Aufmachung.

Ebenfalls vor Jahren schon hat "LINDA." einen Ableger herausgebracht, der den Schwulenmarkt anzeigentechnisch abgrasen sollte. Das Resultat, "L'HOMO." [ebenfalls mit Punkt], war in der ersten Ausgabe ziemlich attraktiv und informativ, weil das Layout genauso hipp war wie das Schwester- (oder Mutter)-Heft und weil die Themen rund ums Party- und Drogenleben in Amsterdam ehrlich und anrührend waren, auf eine lifestylige Weise.

Fortsetzung nach Anzeige


Homo- und Hetera-Ausgabe in einer Tüte für 7,88 Euro

Mag Homos "wirklich gerne": Linda de Mol outet sich im Editorial als Schwulenmutti
Mag Homos "wirklich gerne": Linda de Mol outet sich im Editorial als Schwulenmutti

Nach dem Launch von "L'HOMO." kam das Blatt nur sporadisch raus, wahrscheinlich gab's nicht genug Anzeigenkunden, so dass man die publizistischen Anstrengungen bündelte und sich auf eine Ausgabe pro Jahr konzentrierte. Die neueste ist im April als Doppelpack auf den Markt geworfen worden, also Homo- und Hetera-Ausgabe in einer Tüte für 7,88 Euro (statt zwei Mal 5,50 Euro). Auf dem einen Cover sieht man Linda als Love-Boat-Kapitänin, auf dem anderen den ukrainischen Ex-Fußballer Evgeniy Levchenko (36) – was "political awareness" suggeriert, sind doch sowohl die Ukraine und Russland als auch Profifußball in Kombination mit Homosexualität "hot items", zu denen es einiges zu sagen gäbe. Auch wenn man das lifestylig tut.

Wer nun denkt, Linda de Mol würde sich als Chefredakteurin und "straight ally" mit Lust ins politische Schlachtfeld stürzen, der wird gleich beim Vorwort stutzig. Da sagt sie zu den "lieben Homos der Niederlande", dass sie als "Homomutter" erschrocken sei darüber, was da in Russland und Uganda gerade alles passiere. Und dass sie deshalb das Bedürfnis habe öffentlich zu äußern, dass sie "verrückt nach uns" sei bzw. uns wirklich "gerne" mag ("Wat ben ik toch dol op jullie"). Doch dann geht's weiter mit Statements wie diesem: "Vielleicht gibt's da draußen auch tödlich langweilige Homos, knauserige bürgerliche Homos mit schlechtem Geschmack, aber denen bin ich noch nie über den Weg gelaufen. Die, die ich treffe, sind alle kreativ, gut gekleidet, gastfreundlich, riechen gut, sprechen nicht nur über sich selbst, sondern fragen auch nach deinen Geschichten, und sie haben Humor und Stil. Qualitäten, die viele Heteromänner, die ich treffe, nicht immer aufweisen."

Tja, soll man das als Kompliment verstehen? Als Statement im globalen Kampf gegen Homophobie? Oder ist es das Banalste und Peinlichste, was seit langem zur LGBTQI*-Situation geäußert wurde, weil Linda hier der Realität mindestens zwei Jahrzehnte hinterherhinkt, wo Schwule noch ausschließlich als smarte Modedesigner oder sonstige "Beste Freunde" durch Heteroromanzen mit Julia Roberts spukten?

Man könnte einwenden, dass es ja egal sei, was Frau de Mol da vorn so sagt oder schreibt, wenn das restliche Heft interessant ist. Optisch ist es das zweifellos, die Produktseiten und Fotostrecken sind mit dem sichtbaren Professionalismus gemacht, der bei Frauenzeitschriften Standard ist, für den die durchschnittliche deutsche Schwulenzeitschrift jedoch kein Geld hat. Ein Blick auf die Anzeigen macht schnell deutlich, wo das Geld herkommt. Und die Produktionsteams sind halt die gleichen wie bei "LINDA." Das ist ein bisschen so, als würde die "Brigitte"-Chefredakteurin mal eben zu "Männer" oder "Du & Ich" sagen: Wir übernehmen alle zu produzierenden Bilder in Absprache mit eurem Art Director, und unser großes Vollzeit-Grafiker-Team mit Tarifverträgen bastelt das Layout zusammen! (Das wäre mal was!)

Evgeniy Levchenko, François Sagat und große Schwänze

Hübsches Abfallprodukt: Der heterosexuelle Coverboy und Ex-Fußballer Evgeniy Levchenko hatte sich einen Monat zuvor schon in "LINDA." entblättert
Hübsches Abfallprodukt: Der heterosexuelle Coverboy und Ex-Fußballer Evgeniy Levchenko hatte sich einen Monat zuvor schon in "LINDA." entblättert

Über ziemlich allgemeines Blablabla kommen die hübsch aufbereiteten Artikel und Interviews in "L'HOMO." dann aber leider nicht hinaus. Das gilt auch für den Coverboy. Obwohl er als David-Beckham-Ersatz hübsch anzusehen ist in Badehosen, irgendwo am Sonnenstrand, und obwohl's grundsätzlich sympathisch ist, dass ein ukrainischer Hetero "keine Angst" vor Schwulen hat … Ein bisschen mehr könnte er schon erzählen aus seiner Heimat oder der Umkleidekabine, als nur darauf zu verweisen, dass viele Schwule viel Energie in ihre durchgestylten Körper stecken, was er bewundert. So wirkt die Story wie ein Abfallprodukt aus "LINDA.", wo der hübsche Evgeniy sich bereits einen Monat zuvor entblättert hatte.

Das François-Sagat-Interview "Porno als Therapie" enthält auch nichts, was man von ihm nicht anderswo bereits gelesen hätte (plus Modekollektionsfotos, die ebenfalls bekannt sind aus anderen Quellen). Immerhin ist Erwin Olaf ein sympathischer Gesprächspartner, auch – oder weil? – er in diesem Gespräch nichts Bahnbrechendes zur Weltpolitik zu vermelden hat, sondern stattdessen sehr offen über sein Leben mit neuem Freund und übers Älterwerden spricht. Der Erkenntniswert ist fast null, aber die Story ist trotzdem schön. Den neuen Freund sieht man allerdings nicht…

Die Schwarzweiß-Fotogeschichte über große Schwänze ist nur deshalb bemerkenswert, weil hier als "groß" durchgeht, was bei jeder Schwulenzeitschrift mit Verbindung zur Pornowelt (z.B. "Männer") nicht mal ein Achselzucken hervorrufen würde. Da war Armin Morbach mit seiner Uhren-und-Erektionen-Strecke in "Horst" weit kreativer (um Lindas Wort zu gebrauchen) und verschreckte seine exklusiven Markenkunden total, von Rolex aufwärts. Bei "L'HOMO." wird niemand verschreckt, geschweige denn als Leser visuell fasziniert. (Eine Rolex-Anzeige gibt's in "L'HOMO." übrigens tatsächlich.)

Was bleibt also? Die ernüchternde Erkenntnis, dass man als schwuler Zeitschriftenliebhaber nicht viel davon hat, wenn eine typische Hetero-Frauenredaktion sich "unserer" Belange annimmt. Jedenfalls nicht so, wie Linda de Mol und ihre Kolleginnen das hier tun. Wir brauchen in Deutschland also einer unrealisierten Gay-Ausgabe von "Brigitte" und "Freundin" nicht nachweinen. Außer, dass es wünschenswert wäre, die hiesigen queeren Print-Erzeugnisse mal über die Vertriebswege von diesen Frauenzeitschriften an den Kiosk zu bringen, damit überhaupt mal jemand merkt – wirklich merkt! – dass es sie gibt. Und dass da etwas Lesenswertes drinsteht, worüber es manchmal lohnt nachzudenken!

Youtube | Videostrecke mit dem Coverboy
Links zum Thema:
» Online-Leseprobe der neuen "L'HOMO."-Ausgabe
» Mehr Homo-Themen von "LINDA."
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Tags: linda de mol, niederlande, l'homo
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Reaktionen zu "Ein Homo-Magazin von Linda de Mol"


 8 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
24.05.2014
07:56:14


(+3, 3 Votes)

Von Gerd Schleß


Die neue Ausgabe kenne ich noch nicht, aber die jährlichen Ausgaben von 2008 bis 2013 lohnten sich allein schon wegen der Reportagen über den schwulen Alltag. Die Berichte über schwule Bauern, Arbeiter im Baugewerbe und in der Fischerei waren toll und aufklärend. Und die Fotos aus dem Heft 2009 von dem evangelischen Pastor Arie Boomsma sind immer noch aufregend. L`Homo ist nicht nur glossy und längst nicht so oberflächig wie es sich gibt.


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#2
24.05.2014
08:27:48


(+1, 3 Votes)

Von ehemaligem User Tonner66


"Gooische Vrouwen" ist in Holland Kult und behandelt das Thema Homosexualität schon ab Folge eins als kein großes Ding und was zu einer Gesellschaft mit all ihren Facetten einfach dazu gehört.Natürlich werden auch die Schwulen in dieser Serie mal auf die Schippe genommen aber die Heteros in ihrer eigenen Vielfältigkeit bleiben natürlich auch nicht verschont. Eine tolle Serie und eine hinreissend spielende Linda de Mol! Schade dass die Deutsche Medienlandschaft diese Serie nicht wirklich entdeckt hat.Im ZDF lief zwar mal die erste Staffel zu einer unmöglichen Sendezeit weshalb danach wohl auch Schluß war. Übrigens.....Linda liebt auch in der Serie die Schwulen den sie hat in der letzten Staffel einen schwulen Assistenten/Berater/Orakel/Freund den sich jede Hetera im echten Leben wünscht. ;-)

Youtube-Video:


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#3
24.05.2014
10:37:34


(+3, 3 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Warum so kritisch?

Alleine das beide Zeitschriften zusammen verhökert werden, wird dazu führen, daß der Anteil schwuler Zeitschriften ansteigt, die bei irgendwelchen Leuten zuhause rumliegen und das ist im Kampf gegen Vorurteile und Homophobie sicher viel mehr wert als sich das die Macher hiesiger Schwulenmagazine vorstellen können.


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#4
24.05.2014
13:35:28


(+2, 2 Votes)

Von Mataina


kann mir irgendjemand sagen, wie dieser Song heißt, der im Hintergrund des Videos läuft?


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#5
24.05.2014
14:13:11


(+1, 1 Vote)

Von Alter Lateiner


In dubio pro homo!


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#6
24.05.2014
14:34:19


(+2, 2 Votes)
 
#7
25.05.2014
22:40:12


(+4, 4 Votes)

Von Daniel1105


ich bin Niederländer und wohne bereits 16 jahre in DE, und wundere mich etwas ueber das bild was von Linda de Mol abgegeben wird, sie ist in NL ueberhaupt nicht die schwester von.. Als schwester van John wird sie so gut wie nie wahrgenommen da sie eine bereits grandiose karriere als moderatorin und schauspielerin hinter sich hat .Vielleicht sollte Herr Clarke etwas besser recherchieren... "Gooische Vrouwen" hat NICHTS mit Fusball frauen zu tun.... diese Serie spielt in eine region " Het Gooi" was bekannt ist wegen der viele reichen und prominenten einwohner. Die serie handelt von 5 freundinnen die in diese region wohnen und leben..Linda spielt hier ein ehefrau eines bekannten schlagerstar und kommt aus ein volksKiez in Amsterdam.. Also spielt sie NICHT sichselbst, sondern eine figur die neu ins leben der reichen und schönen einzieht... Grandios gespielt.. Die serie mit den fussballerfrauen ist "Noppen en Naaldhakken" ..... Von" Gooische vrouwen" kommt ende des jahres bereits den 2. kinofilm in den Kinos.......


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#8
25.05.2014
22:54:09


(+2, 2 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #7 von Daniel1105


Cool...danke für die Info.
Mir war Linda de Mol nur als Moderatorin dieser Hochzeitssendung bekannt und aus den Boulevardmedien selbstverständlich.


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