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  • 01.06.2014               Teilen:   |

Peaches rockt die Leinwand

"Shake your dicks! Shake your tits!"

Artikelbild
Fulminante Rockoper: Im Jahr 2010 brachte die kanadische Electroclash-Ikone Peaches ihr Anti-Jukebox-Musical "Peaches Does Herself" auf die Bühne des Berliner HAU-Theaters und schildert darin die halb-autobiografische Emanzipation ihrer Hauptfigur (Bild: capelight pictures)

Jetzt im Kino: Die queere Künstlerin Peaches hat aus ihrer Elektro-Rock-Oper "Peaches Does Herself" einen Film gemacht – inklusive Vaginal-Empowerment und explodierendem Schwanz.

Von Kittyhawk

Die in Kanada geborene Musikerin Peaches und ihr Werk haben längst akademische Weihen erhalten. Seminar- und Masterarbeiten analysieren ihre Dekonstruktion von Geschlechterzuschreibungen, studieren die von ihr erzeugten Irritationen auf dem Markt der Mainstream-Musik und setzen die Arbeit der Elektroclash-Künstlerin in Bezug zu Girl Culture und Queer Theory. Da sind Poststrukturalismus, Michel Foucault und Judith Butler nie weit.

So beginnt der Film "Peaches Does Herself" dann auch fachgerecht mit dem trockenen Vortrag eines Wissenschaftlers, der uns das Phänomen Peaches erklärt: "Titel wie 'Fuck the Pain away' verdeutlichen diesen Gestus, der die Frau aus der passiven sexuellen Rolle befreit und eine weibliche Autorität postuliert, ja den Sex wieder als Möglichkeit des Selbstausdrucks konfiguriert, der, da die Machtfrage nie heruntergespielt wird, und Authentizität zu keiner Zeit zur Debatte steht, auch gegen die Foucault'sche Warnung der Ironie des Dispositivs der Sexualität bestehen kann."

So ist es.

Vimeo | "Peaches Does Herself": Offizieller Trailer zur Show
Fortsetzung nach Anzeige


Futuristische Sets und undergroundige Sexyness

Das Plakat zum Film: Im Juni ist "Peaches Does Herself" in ausgewählten Event-Screenings zu sehen
Das Plakat zum Film: Im Juni ist "Peaches Does Herself" in ausgewählten Event-Screenings zu sehen

Doch schon bald sortiert sich die Macht- und Aufmerksamkeitsfrage auf der Bühne neu und der Referent wird mitsamt seiner männlichen Diskurshoheit von der Berliner-Riot-Grrrl-Combo Jolly Goods umstandslos weggerockt. "You came to see a rockshow, a big gigantic cockshow!" Und die kann jetzt beginnen.

Im Jahr 2010 tobte das Musical "Peaches does herself" in Berlin, der Wahlheimat von Merrill Beth Nisker aka Peaches, über die Bühne. Aus dem mitgeschnittenen Material der Live-Aufführungen entstand 2012 der Film zur Show, der Anfang Juni in ausgewählten Event-Screenings zu sehen ist. Im Juli kann man ihn dann auch auf DVD und Blu-ray erwerben.

Die etwas starre Bühnensituation ist den Bildern zwar anzusehen, aber auf möglichst großer Leinwand/Screen und mit entsprechender Lautstärke können die über 20 Songs und die futuristisch-lustbetonten Sets und Kostüme mit ihren schnellen Outfit-Wechseln reichlich undergroundige Sexyness verströmen. Neben der Sängerin Mignon und der Band Sweet Machine wird Peaches tanztechnisch von den Fatherfucker Dancers mit gut gelaunten Rammel-Choreografien unterstützt: "Shake your dicks! Shake your tits!"

Youtube | "Peaches Does Herself": In The Making

Mit dabei: eine 65-jährige Stripperin und ein transsexueller Pornostar

Mit Hilfe der 65-jährigen Stripperin Sandy Kane (als Naked Cowgirl) und des transsexuellen Pornostars Danni Daniels strickt Peaches eine lose Handlung um die Song-Revue. Nämlich einen semi-autobiografischen Rock-Bildungsroman: Die junge, noch unbekannte Musikerin übt erste Beats auf ihrem Bett, als aus einer Neon-Vagina eine Muse entsteigt und ihr den richtigen Text einflüstert (und zwar das Wort "bitch"). Peaches findet bald ihre Bühnen-Identität im Ganzkörper-Glam-Anzug mit goldenen Brüsten und dem wie ein Ausrufezeichen vor sich hergetragenen Riesenpenis. Sie verliebt sich in eine amazonenhafte Schönheit, die ebenfalls sowohl "tits" als auch "dick" schütteln kann (Danni Daniels) und muss am Ende ihren Liebesschmerz wegfi**en, wie es in ihrem schönen Song heißt.

Der grobe inhaltliche Rahmen ist aber letztlich egal. Denn vor allem ist "Peaches Does Herself" eine Feier des befreiten Körpers, des zuckenden, springenden, tanzenden, all seine möglichen Geschlechtsorgane schüttelnden Körpers. In die Riege queerer Klassiker wie "Rocky Horror Picture Show" oder "Hedwig and the Angry Inch" steigt der Film zur Show zwar nicht auf. Aber nach den 80 Minuten Teaches of Peaches bleibt der Diskurs kräftig zerrockt zurück.

Vimeo | "Peaches Does Herself": Behind The Scenes
  Termine
Berlin, Moviemento: 2.6, 20h (mit Q&A)
Berlin, International: 2.6., 22h (mit Q&A und Party)
Berlin, Central (Open Air): 4.6., 21:45h (mit Q&A)
Berlin, Central: 5., 6., 9.,10.+11.6., 23h, sowie 7.+8.6., 22+0h
Hamburg, Kino 3001: 2.6., 21h
Frankfurt, Orfeo's Erben: 2.+3.6., 19h
Hannover, Apollo Studio: 3.6., 20:15h
München, City: 9.6., 21:15h
Heidelberg, Karlstorkino: 23., 25.+29.6., 21:30h
Münster, Cinema: 18.8., 20h
Links zum Thema:
» Homepage zum Film
» Die DVD bei Amazon vorbestellen
» Die Blu-ray bei Amazon vorbestellen
Galerie
Peaches Does Herself

20 Bilder
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Tags: peaches
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