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Neu bei Pro-Fun

Lust auf Divine


Mit Hilfe von Interviews, vielen Ausschnitten aus Filmen und Live-Auftritten hat Jeffrey Schwarz eine berührende Hommage an den exzentrischen Film- und Musikstar geschaffen (Bild: Pro-Fun Media)

Jetzt auf DVD: In der Doku "I Am Divine" zeichnet Regisseur Jeffrey Schwarz ein faszinierendes Porträt einer der schrägsten Drag Queens der Welt.

Von Bernd Rosenbaum

Wer sich die Dokumentation von Jeffrey Schwarz über Divine ansieht, wundert sich unwillkürlich, warum die Welt über 25 Jahre auf diese filmische Hommage an einen solch außergewöhnlichen Menschen warten musste. Drag-Ikone Divine starb am 7. März 1988 in einem Hotelzimmer in Los Angeles an einem Herzinfarkt.

Schwarz hat in den letzten 15 Jahren weit über 100 Dokumentarfilme gedreht und mit seiner bislang letzten Arbeit einen einfühlsamen, unterhaltsamen und aufschlussreichen Film über den Schauspieler, Entertainer und Performer Divine geschaffen. Ein Porträt, in dem auch Harris Glenn Milstead vorgestellt wird, jener zurückhaltende Junge, der in der Schule wegen seiner femininen Art und seines Übergewichts gehänselt und regelmäßig verprügelt wurde, und aus dem sich schließlich über Umwege die Kunstfigur Divine entwickelte.

Auf der High School lernte er John Waters kennen


Die Doku, die 2013 zum 25. Todestag von Divine in die Kinos kam, ist jetzt bei Pro-Fun mit deutschen Untertiteln auf DVD erschienen

Schwarz zeichnet diese Entwicklung akribisch nach und lässt dabei reihenweise Weggefährten zu Wort kommen. Da ist zuerst Glenns Mutter Francis. Dass er anders war als andere Kinder, habe sich schon früh gezeigt, sagt sie vor der Kamera: "Schon als Kind sah er gerne Musicals, spielte mit Puppen und machte ihnen die Haare. Beim Familie-Spielen wollte er immer nur die Mutter sein."

"Als Kind schlich er sich in den Kleiderschrank seiner Mutter und verkleidete sich", steuert Regisseur John Waters als Anekdote bei. Er und Glenn lernen sich bereits in der High School in Baltimore kennen. Beide kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren, erleben sie in ihrer Jugend die gesellschaftlichen Umschwünge der Sechziger Jahre. Beide hätten das Kino geliebt, besonders die Filme von Russ Meyer, weil sie so anders als die anderen seien. Das habe sie näher zusammengebracht, so Waters.

Es folgen erste eigene experimentelle Filme. Mit 18 Jahren dreht Waters "Hag In A Black Leather Jacket", noch ohne Glenn, auf 8-Millimeter-Film, zwei Jahre später hat sein Highschool-Freund dann einen kleinen Gastauftritt in "Roman Candles". Es sind die späten Sechziger, die rebellische Zeit mit Drogen von Marihuana bis LSD. Glenn lernt David Lockery kennen, Lehrling in einem Haarstudio. Der bringt ihm bei, sich in eine Frau zu verwandeln. "Am liebsten imitierte er die Schauspielerin Elisabeth Taylor", erzählt Waters.

Als Glenn mehr und mehr an Gewicht zulegt, wird seine Liz-Taylor-Imitation zur Parodie. Das brachte ihm viel mehr Aufmerksamkeit ein als zuvor. Aufmerksamkeit, die Glenn genoss. Schon unter dem Künstlernamen Divine spielte er dann 1968 in "Eat Your Makeup" die Rolle einer übergewichtigen Jacqueline Kennedy während des Attentats auf den US-Präsidenten JFK, nur fünf Jahre nach der tatsächlichen Tat.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer

Kultstatus durch Verspeisen von Hundekot

Mit den Streifen "Mondo Trasho" (1969) und "The Diane Linkletter Story" (1970) erreichte Glenn schließlich Kultstatus bei seiner Fangemeinde. Beide Filme wurden in einem Double Feature in einem Kino in San Francisco gezeigt. Glenn, der damals noch in seiner Geburtsstadt Baltimore lebte, ließ sich überreden, nach Kalifornien zu fliegen, um sich dort seinen Fans zu präsentieren. Der Maskenbildner Van Smith verpasste ihm noch während des Fluges den ungewöhnlich stark geschminkten Look, der Divines Markenzeichen werden sollte. Den Flieger bestieg er als Glenn und verließ ihn wieder als Divine.

Vollends Kultstatus erreichte die Drag Queen mit einer wohl kalkulierten Skandalszene in "Pink Flamingos" von 1972: Schwarz lässt Waters ausführlich schildern, wie Divine am Schluss des Films frischen Hundekot aß und damit in die Filmgeschichte einging. Es folgten wilde Jahre voller Partys unter anderem im legendären Studio 54 und mit zahlreichen Liveshows.

1981 beschloss das kongeniale Duo, dem Monster-Image von Divine eine sympathische Seite hinzuzufügen. In "Polyester" spielt sie eine verzweifelte Hausfrau. Für die männliche Hauptrolle gewann Waters den Teenieschwarm der Fünfziger Jahre, Tab Hunter, den auch Divine in ihrer Jugend verehrte. Mit dem Riesenerfolg von "Hairspray" (1988) schien Divine schließlich im Mainstream angekommen zu sein. Ihr wurde eine Rolle als Mann in der beliebten Sitcom "Eine schrecklich nette Familie" angeboten, ein langgehegter Herzenswunsch von ihr.

Doch nur zwei Tage vor Beginn der Dreharbeiten stirbt Divine am 7. März 1988 an einem Herzinfarkt mitten in der Nacht. Sie wurde nur 42 Jahre alt.

Schwarz widmet seine gelungene und umfangreiche Dokumentation Divines Mutter Francis, die vor fünf Jahren ebenfalls starb, im hohen Alter von 88 Jahren. Sein nächstes Projekt ist auch schon in Arbeit: Es heißt "Tab Hunter Confidential" und dreht sich um eben jenen Teenieschwarm, der insgesamt drei Filme mit Divine drehte und sich später auch als schwul outete.

Infos zur DVD

I Am Divine. Dokumentation. USA 2013. Regie: Jeffrey Schwarz. Darsteller: Divine, Harris Glenn Milstead. Laufzeit: 85 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). Bonus: geschnittene Szenen, Audiokommentar mit Regisseur, Produzentin Lotti Pharriss Knowles und Mink Stole, Trailer. FSK 12. Pro-Fun Media
Galerie:
I am DIVINE
10 Bilder


#1 audi5000Profil
#2 VoltaAnonym
  • 02.06.2014, 18:35h

  • Geile Sache!!!
    Will ich haben... JETZT!

    Aber soweit ich weiß, sollte Divine in "Eine schrecklich nette Familie" die Mutter von Peggy Bundy spielen... aber is' ja auch egal.

    X
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil