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Die beiden Frauen erfuhren in Kirgisistan Diskriminierung, Gewalt und Vergewaltigung (Bild: Quarteera)

Der deutsch-russische Verband Quarteera bittet um Unterstützung für zwei Flüchtlinge, denen aus NRW eine Überstellung nach Polen und dadurch eine Abschiebung nach Kirgisistan droht.

Mit einer Online-Petition sollen der Landtag und die Zentrale Ausländerbehörde von Nordrhein-Westfalen aufgefordert werden, eine drohende Abschiebung eines jungen Lesbenpaares aus Kirgisistan in ihre Heimat zu verhindern. Merim K. (25) und Sezim A. (29) waren Ende 2013 aus dem Land geflohen, nachdem die Zustände für sie als Paar unerträglich wurden.

"Die alltäglichen Diskriminierungen gipfelten in mehrfachen gewaltsamen Übergriffen auf der Straße, Verfolgung bis in die eigene Wohnung und Vergewaltigung durch die Sicherheitsorgane", berichtet der deutsch-russische Verein Quarteera, der sich für Flüchtlinge aus russischsprechenden Ländern einsetzt und die Online-Petition initiiert hat. Die Frauen entschieden sich, alles zurückzulassen und nach Deutschland zu fliehen.

Nachdem ihnen in der deutschen Botschaft ein Visum als "alleinstehende Frauen" verweigert worden war, reisten sie über Polen nach Deutschland, wo sie einen Aslyantrag stellten. Nun droht ihnen nach dem Abkommen von Dublin allerdings eine Rückführung nach Polen – und von dort eine sichere Abschiebung zurück nach Kirgisistan. "In Polen hat noch keine Frau aufgrund der Verfolgung wegen ihrer lesbischen Orientierung Asyl erhalten", berichtet Quarteera unter Verweis auf Berichte polnischer LGBT-Aktivisten.

Auftrennung des Paares befürchtet

Deutschland kann in jedem Einzelfall frei entscheiden, ob es das Dublin-Verfahren, also die Überstellung von Flüchtlingen ins Land der Einreise in die EU, anwendet. Das Bundesamt sei aber auf entsprechende Anfragen der Anwältin des Paares nicht eingegangen, so Quarteera.

Ohnehin seien die Behörden nicht sonderlich vorbereitet auf die Situation eines lesbischen Paares: Nach dem Asylantrag sollte das Paar laut Quarteera in getrennten Flüchtlingsheimen untergebracht werden, was nur durch Intervention bei der zuständigen Bezirksregierung verhindert werden konnte. Mit weiteren Schikanen und Unachtsamkeiten sei zu rechnen: "Die Situation von LGBT-Flüchtlingen in Polen ist alarmierend, eine Ausweisung der beiden in das polnische Asylsystem würde ohne Frage eine weitere Traumatisierung der ohnehin stark traumatisierten jungen Frauen verursachen", so Quarteera.

Auch droht dem Paar derzeit erneut eine Trennung: Nach einer Verhandlung, in der eine richterliche Überprüfung der Überstellung nach Polen abgelehnt wurde, erhielt eine der beiden Frauen einen Überstellungsbescheid, eine andere noch nicht. "Weder ihre Anerkennung als Familie im polnischen Asylverfahren, noch die Möglichkeit, weiterhin gemeinsam untergebracht zu werden, können garantiert werden", so Regina Elsner von Quarteera. "Die Trennung, vor der sie geflüchtet sind und die für sie nach eigenen Aussagen die größte Katastrophe ihres Lebens wäre, wird also nun vom Bundesamt selbst vollzogen?"

Erschreckende Bilanz


Regina Elsner (r.) und ihre Mitstreiter von Quarteera setzen sich für Flüchtlinge ein

Die Gruppe Quarteera, die erst vor wenigen Jahren als lockerer Zusammenschluss gegründet worden war, ist mittlerweile damit ausgelastet, mit Partnern wie Queer Amnesty Flüchtlinge aus Ländern wie Russland zu beraten und zu unterstützen – in individuell schwierigen Verfahren mit offenem Ausgang (s. ausführliches Interview). Der Verein benötigt dazu auch Spenden.

Auf seiner Homepage hat der Verein inzwischen ein erschütterndes Zwischenfazit über die Arbeit mit Flüchtlingen veröffentlicht: "Der Glaube in ein angemessenes Asylverfahren ist bei allen, die sich damit beschäftigen, verflogen: die Rechte, die in der 'großen Politik' erkämpft werden, und die vollmundigen Solidaritätsbekundungen deutscher Politiker gelten für Flüchtlinge, deren einzige Hoffnung unsere Demokratie ist, nicht." Dolmetscher und Mitarbeiter des Bundesamts wüssten "oft selbst nicht, was Homosexualität ist, welche Begriffe dafür verwendet werden, erst recht nicht, unter welchen Bedingungen homosexuelle Menschen in anderen Ländern leben müssen". Dolmetscher seien teilweise überfordert und brächten nicht selten "die homophoben Vorurteile mit, vor denen die Flüchtlinge geflohen sind". Die Anhörungen könnten deshalb "zusätzlich demütigend für die Flüchtlinge sein, auf jeden Fall behindern die Sprachhürden eine korrekte Widergabe der Fluchtursachen."

In den Flüchtlingsheimen seien homosexuelle Flüchtlinge aus allen Ländern mit der "teilweise aggressiven Homophobie anderer Flüchtlinge konfrontiert". Die Mitarbeiter der Unterkünfte seien überfordert, auch ihnen fehlten oft Grundkenntnisse über Homosexualität und Homophobie. "Dass homosexuelle Paare, die gemeinsam geflüchtet sind, als Familie behandelt und bearbeitet werden, grenzt an ein Wunder. All diese Tatsachen, mit denen die ehrenamtlichen Helfer von Quarteera konfrontiert wurden, lassen keine Illusionen übrig: Der deutsche Umgang mit Flüchtlingen ist auch für homosexuelle Menschen aus Osteuropa unmenschlich und zynisch." (nb)



#2 Solidarity NOWAnonym
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 Action vs TalkAnonym
#6 SebiAnonym
  • 02.06.2014, 13:47h
  • Das zeigt wieder mal, wie unmenschlich die deutsche Regierung ist!

    Die gehen für ihren Homohass über Leichen. Da interessiert es dann auch nicht, dass Frauen verfolgt, verprügelt, vergewaltigt, etc. werden.

    Pfui!
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#7 Let them payAnonym
#8 userer
  • 02.06.2014, 15:42h
  • Antwort auf #4 von rot-grün
  • Wikipedia über Jäger, der mir ein weiterer rostroter SPDler zu sein scheint: "Jäger verwendete hierbei [Vorratsdatenspeicherung] statt des bisher üblichen Begriffs 'Vorratsdatenspeicherung' den Terminus 'Mindestdatenspeicherung'. Jäger wirft Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wegen ihres Neins zur Vorratsdatenspeicherung eine Blockadehaltung vor. Er erklärte: 'Sie agiert aus parteipolitischem Kalkül, anstatt sich für die Interessen der Opfer von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch einzusetzen.'"
    de.wikipedia.org/wiki/Ralf_J%C3%A4ger#Vorratsdatenspeicherun
    g


    Ob von so einem im Fall eines lesbischen Paares wohl viel Hilfe zu erwarten ist? Zu wünschen wäre es ja ... Die Realität wird es zeigen.
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#9 userer
  • 02.06.2014, 15:47h
  • Dass in Kirgistan Homosexualität offiziell legal ist, dürfte den Fall noch komplizierter machen. Man könnte heulen vor Wut über die Ignoranz deutscher Behörden.
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#10 PetterAnonym
  • 02.06.2014, 15:52h
  • Wie soll man den Politikern all das, was sie anrichten, jemals verzeihen können?

    Das ist so viel und mit so viel Vorsatz und Hass, das kann man nicht vergeben... Niemals!
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