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  • 14.06.2014           3      Teilen:   |

Neue LGBT-Bücher aus den USA

Queere Comics als Utopie

Artikelbild
Alltagsszenen aus dem queeren Leben: Mini-Comicstrip von L. Nichols aus dem Band "QU33R" (Bild: Northwest Press)

Die US-amerikanische Northwest Press hat mit "Anything That Loves" und "QU33R" zwei großartige Comic-Anthologien herausgebracht.

Von Kevin Clarke

Wir haben hier in Deutschland natürlich "unseren" Ralf König – und damit einen der berühmtesten Künstler im Bereich des Schwulencomics. Der auch jenseits der engen Grenzen der Gay Society gelesen wird. Und obwohl es über König schon etliche Bücher (und Ausstellungen) gegeben hat, hält sich die Literatur zu schwulen Comics insgesamt doch sehr in Grenzen. Was auch für entsprechende Anthologien gilt.

Ein bemerkenswerte Ausnahme war da Markus Pfalzgrafs schönes Buch Stripped: A Story of Gay Comics (Bruno Gmünder Verlag, 2012). Das sozusagen ein deutsches Pendant war zu No Straight Lines: Four Decades of Queer Comics, das Justin Hall herausgegeben hat und das 2013 als Paperpack neu aufgelegt wurde (bei Fantagraphics). Interessanterweise gab's bei Pfalzgraf und Hall fast keine Überschneidungen, was die Künstler angeht – so groß ist offensichtlich der Pool, aus dem ausgewählt werden kann. Und so unterschiedlich ist auch die Wahrnehmung von schwulen Comics in den USA und in Deutschland.

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Die Queer Community nichts als "VIP Club" sehen

Die Anthologie "Anything That Loves" zeigt oft Alltagsszenen von Bisexuellen und Trans-Menschen
Die Anthologie "Anything That Loves" zeigt oft Alltagsszenen von Bisexuellen und Trans-Menschen

Während bei uns seither ein neuer König erschienen ist ("Raumstation Sehnsucht") und beim Gmünder Verlag etliche hardcore-pornografische Homo-Cartoons auf den Markt geschmissen wurden – von Zack und Franze bis zu Gengoroh Tagame -, hat sich der auf LGBT-Comics spezialisierte Verlag Northwest Press nun daran gemacht, gleich zwei neue Anthologien herauszubringen, die das Spektrum bewusst erweitern wollen. Die beiden Bände Anything That Loves und QU33R sehen die Welt nicht in kleinen Schubladen von "schwul" und "lesbisch" oder "homo" und "hetero", sondern fließender und allumfassender.

Oder, um Verleger und "Anything That Loves"-Herausgeber Charles "Zan" Christensen zu zitieren: "Wir sollten aufhören, die 'Queer Community' als 'VIP Club' anzusehen, in den man nur aufgenommen wird, wenn man eine Art Eignungstest bestanden hat. Vielmehr geht es darum, die queere Welt für alle zugänglich zu machen und alle darin willkommen zu heißen, die rein wollen. Zum Beispiel bisexuelle Menschen, die sich entschließen, mit einem andersgeschlechtlichen Partner zusammenzuleben und Kinder zu haben. Gehören diese Kinder und Partner nicht ebenfalls zu 'uns'? Sollten wir sie nicht genauso offenherzig behandeln, wie wir uns selbst von anderen behandelt sehen wollen?"

Christensen fragt in "Anything That Loves" zu Recht, wieso Schwule und Lesben Bisexuelle oft so ausgrenzend behandeln und teils das Phänomen Bisexualität überhaupt nicht erst nehmen als Alternative zum bipolaren Denken der Homo/Hetero-Welt. Mit den verschiedenen kurzen Comics in seiner Anthologie will Christensen die Leser animieren, "jenseits von Labels und Beschränkungen" zu denken und an eine "utopische Welt zu glauben, wo jeder frei ist, seinem Herzen (und seiner Libido) zu folgen". Für Christensen wäre das das wahre Ziel vom "Queer Liberation Movement".

Die Comics, die er als Illustration dieser Utopie präsentiert, zeigen oft Alltagsszenen von Bisexuellen und Trans-Menschen. Sex kommt darin zwar vor, steht aber nicht im Vordergrund. Womit sich all diese Comics größtmöglich vom publizistischen Ansatz der erwähnten Gmünder-Titel unterscheiden – aber auch von dem, was man bei Pfalzgraf vorzugsweise findet.

Schnappschüsse aus dem queeren Leben

Auch bei "QU33R" geht es merklich weniger pornografisch zu als bei den Publikationen, die den deutschen Markt beherrschen
Auch bei "QU33R" geht es merklich weniger pornografisch zu als bei den Publikationen, die den deutschen Markt beherrschen

In "QU33R" wiederum hat der Herausgeber Rob Kirby 33 zeitgenössische Künstler eingeladen, kurze neue Comic-Geschichten zu zeichnen, die ein "Schnappschuss" dessen sind, "wie wir das Leben sehen"!

Diese 33 Geschichten drehen sich um die "Big Life Issues": Coming-out, Familiendynamik, Gender Identity und Gender Blurring, Liebe, Beziehungen, Lust, Sex, Flirt und animalische Anziehungskraft, der Würgegriff von Herzschmerz und die süße Erlösung, wenn man loslassen kann. (Das klingt auf Englisch natürlich schmissiger, aber so ungefähr formuliert es Kirby im Vorwort.)

Auch bei "QU33R" geht es merklich weniger pornografisch zu als bei den Publikationen, die den deutschen Markt beherrschen. Es ist auch weniger Sex als bei Ralf König. Das sage ich nicht als Kritik, denn ich schätze Porno sehr, sondern als Feststellung, dass der US-Comicmarkt da offensichtlich weiterentwickelt ist bzw. in Northwest Press einen Verlag gefunden hat, der das Spektrum erweitern will. Oder, wie Christensen sagt: "I want this project to shake things up!"

Die einzelnen Comic-Strips sind sehr unterschiedlich in der Art des Erzählens und der visuellen Umsetzung. Manches wirkt hoch professionell, anderes geradezu bewusst kindlich. Die Mixtur ist attraktiv, und alle (!) Comics, die hier versammelt sind, haben in dieser Bündelung enormen Charme. Das heißt man fühlt sich beim Lesen nicht ertappt mit Hardcore-Fetischliteratur, sondern freut sich, diese Geschichten mit allen teilen zu können, auch mit unter 18-Jährigen und der Oma nebenan in der U-Bahn.

Besonders unterhaltsam fand ich persönlich die Geschichte "How to have a mind-blowing, decadent, all-day threesome!!!", wo ein schwuler Mann mit einer Butch-Frau im Bett landet ("OMG. You expected me to have a dick!"). Oder die Geschichte "No Big Deal".

Mit spürbarer Liebe und Leidenschaft gemachte Bücher

Beide Bücher haben lesenswerte Vorwörter plus eine Art kurzen Gruß von anderen Autoren. Carol Queen aus San Francisco schreibt diesen Gruß bei "Anything That Loves" mit kaliformischer Nonchalance. Und bei "QU33R" schreibt Justin Hall höchstselbst, denn das Buch sieht sich bewusst als Fortsetzung seiner "No Straight Lines".

Es sind mit spürbarer Liebe und Leidenschaft gemachte Bücher, von denen ich mir ein deutsches Äquivalent wünschen würde. Übrigens: Die Layouts sind extrem attraktiv, was die Titel zu perfekten Geschenkbüchern macht!

  Infos zu den Büchern
Charles "Zan" Christensen: Anything That Loves. Comics beyond "Gay" and "Straight". 216 Seiten. Northwest Press. Seattle 2013. Preis bei Amazon: 29,95 €. ISBN 978-1938720321
Rob Kirby: QU33R. Comic-Anthologie mit Beiträgen von 33 Autoren. 264 Seiten. Vierfarbig. Northwest Press. Seattle 2014. Preis bei Amazon: 29,95 €. ISBN 978-1938720369
Links zum Thema:
» "Anything That Loves" bei Amazon.de
» "QU33R" bei Amazon.de
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Tags: gay comics, northwest press. qu33r, anything that loves, charles christensen, rob kirby
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Reaktionen zu "Queere Comics als Utopie"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
14.06.2014
13:15:37


(+5, 13 Votes)
 
#2
14.06.2014
14:33:33


(+4, 8 Votes)

Von quomiker
Antwort zu Kommentar #1 von ceere quomics


Und die Bizepsuellen nicht vergessen!

Link zu www.heise.de


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#3
16.06.2014
13:46:41


(0, 2 Votes)

Von Charlotte


Alle Comics von Northwest Press gibt es übrigens in Deutschland exklusiv beim Buchladen Männerschwarm:
Link zu www.maennerschwarm.de

Per E-Mail ist die Versandbestellung auch ohne den Umweg über Amazon ein Klacks. ;-)


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