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Dritte Staffel auf DVD

Sherlocks Wiederaufstehung


Am Ende der zweiten Staffel glaubten wir ihn noch tot auf dem Bürgersteig liegen zu sehen - nun kann Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes drei neue Fälle lösen (Bild: Polyband)

Drei neue Detektiv-Abenteuer mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman sind jetzt auf DVD erschienen – und noch immer werden Holmes und Watson für ein Paar gehalten.

Von Bernd Rosenbaum

Holmes ist tot, offensichtlich. Aufgeschlagen auf dem harten Pflaster vor dem St. Barts Hospital, nach einem Sturz aus etwa 30 Metern Höhe – vor den Augen seines Freundes John Watson. So endet die dritte und letzte Folge "Der Reichenbach Fall" der zweiten Staffel von "Sherlock".

Nun, natürlich ist Holmes nicht wirklich tot. Denn sonst würde es keinen Sinn machen, eine dritte Staffel einer Serie zu produzieren, die nicht nur den Vornamen des Protagonisten im Titel führt, sondern die es auch geschafft hat, nach den legendären Schwarz-weiß-Verfilmungen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce aus den 1930er- und 1940er-Jahren der inzwischen 127 Jahre alten Romanfigur ein neues unverwechselbares Gesicht zu geben.

Am Boden zerstört über den Verlust seines Freundes


Die DVD-Box bietet neben den drei Folgen der Staffel 3 ein aufschlussreiches Making-Of über den "Todesfall" von Sherlock und die in der Fan-Community daraufhin entstandenen Theorien sowie ein überraschend lesenswertes Booklet

Dass Holmes bei jenem Sturz nicht wirklich ums Leben gekommen sein konnte, mutmaßte die nach bis dahin nur sechs gesendeten Folgen bereits felsenfest stehende Fangemeinde schon seit jenem 28. Mai 2012, als Benedict Cumberbatchs markante Silhouette in der allerletzten Einstellung auftauchte. Zwei Jahre sind seither vergangen, im realen Leben ebenso wie in der TV-Reihe. John Watson ist nach wie vor erschüttert, buchstäblich am Boden zerstört über den Verlust seines Freundes.

Sichtbares Zeichen dieser Verzweiflung ist ein fast grotesker Schnauzbart, den sich Watson in dieser Zeit wachsen lässt. Man kann sich gut vorstellen, wie die Drehbuchautoren Mark Gatiss, Steve Thompson und Steven Moffat dem wehrlosen Martin Freeman diesen obszönen Pornobalken an die Oberlippe geschrieben haben als liebenswerte Hommage an die einstige Watson-Personifikation, den einzigartigen Nigel Bruce als tapsigen Holmes-Sidekick für Basil Rathbone.

Zu gerne würden wir an dieser Stelle gerne schildern, wie sich die beiden wiedersehen, wie sie zusammen wieder verzwickte Fälle lösen und wie sich Watson immer wieder mehr oder weniger erfolgreich gegen die Vermutung wehrt, ihn und Holmes verbände mehr als eine intensive Freundschaft. Doch obwohl alle drei spielfilmlangen Folgen der dritten Staffel bereits im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wurden müssen wir davon ausgehen, dass manch Leser dieser Zeilen lieber auf die jetzt erschienene DVD-Box gewartet hat, um die neuen Abenteuer genießen zu können. Und diesen Lesern wollen wir doch nicht die Spannung verderben, oder?

Einzig sei verraten, dass Sherlock in Watsons Herzen eine ernstzunehmende Nebenbuhlerin in Form von Mary Morstan (Amanda Abbington) bekommt. Dieses Frauenzimmer heiratet John sogar. Ein wahres Fest ist dabei die Lobrede des Trauzeugen Holmes während der Hochzeitsfeier: ein kleiner erzählerischer Geniestreich des Autorentrios.

Überraschende Wendungen waren schon bei den ersten beiden Staffeln der britischen Serie das Salz in der Suppe. Diese und die gelungene Balance zwischen verklärten Wiedererkennungsmerkmalen und radikalem Bruch mit dem angestaubten Mief des vorvergangenen Jahrhunderts. So macht man aus einer in Ehren ergrauten Romanfigur einen Zuschauermagneten und TV-Renner des Jahres 2014, von dem wir uns schon jetzt dringend weitere Fortsetzungen herbeisehnen!

Youtube | Trailer zur dritten Staffel im Ersten
Infos zur DVD

Sherlock – Eine Legende kehrt zurück (Staffel 3). Krimiserie. Großbritannien 2013. Regie: Jeremy Lovering (Folge "Der leere Sarg"), Colm McCarthy ("Im Zeichen der Drei"), Nick Hurran ("Sein letzter Schwur"). Drehbuch: Mark Gatiss, Steve Thompson, Steven Moffat. Darsteller: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Amanda Abbington, Una Stubbs. Laufzeit: 261 Minuten (plus Bonusmaterial). 2 DVDs im Schuber. Sprache: englische Originalfassung, deutsche Synchonfassung. Untertitel; Deutsch (optional). FSK. Polyband.
Galerie:
Sherlock - Staffel 3
10 Bilder


#1 EnyyoAnonym
  • 15.06.2014, 17:45h
  • "Sherlock" ist eine tolle Serie und der Transfer einer solch klassischen Figur in die Neuzeit sehr gelungen, ohne Frage.

    Die dritte Staffel hat mich trotzdem schwer enttäuscht, wurde m.E. doch zu "heteronormativierend" durch gegriffen, um den Verdacht hinsichtlich "Schwulitäten", insbesondere von Holmes abzulenken.

    Von der schönen und lockeren Selbstverständlichkeit, mit der das Freundespaar vor allem in der ersten Staffel als schwules Paar behandelt wurde, ist leider nichts mehr übrig: Holmes und Watson sind "nur" noch Freunde, die aufgrund ihrer Handlungen nicht mehr für schwul gehalten werden (können/sollen).

    Schade, die Serie hat dadurch für mich sehr verloren.
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#2 Demi_EProfil
  • 17.06.2014, 03:19hHannover
  • In Staffel 2 verliebt die lesbische Irene Adler (die nur so erfolgreich ist, weil sie Sex mit allen Leuten hat, denn Frauen haben ja nur über Sex Macht, ne) sich bereits in Sherlock so viel zu Hoffnungen, diese Serie stelle queere Figuren irgendwie gut dar
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#3 Tim SAnonym
  • 29.06.2014, 12:18h
  • Die Autoren der Serie orientieren sich in ihren Charakterzeichnungen an den Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle. Am Ende von "Das Zeichen der Vier" heiratet Watson Mary Morstan und zieht aus der Wohngemeinschaft, die nur aus finanziellen Gründen bestand, aus. Eine homoerotische Beziehung zwischen Holmes und Watson hatte Conan Doyle nie beabsichtigt, sich aber auch nie abfällig über Schwule geäußert.
    In den Originalgeschichten besteht eine gegenseitige Faszination zwischen Irene Adler und Sherlock Holmes.
    Auch kommen in vielen kleineren Szenen in den Filmen Anspielungen oder teils wörtliche Nachspielungen aus den Kurzgeschichten vor.
    Was Watsons Schnurrbart in der Serie angeht, kann man dies auch als eine Hommage an Edward Hardwicke sehen, der den Watson an der Seite des viel zu früh verstorbenen Jeremy Brett darstellte. Bretts Darstellung des Holmes war die erste, die die von Basil Rathbone an Qualität übertraf, auch weil Watson nicht als dümmlicher Trottel (wie Nigel Bruce an Rathbones Seite) gespielt wurde.
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