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  • 15.06.2014           11      Teilen:   |

Recherche im linksalternativen Milieu

CSD Berlin: Kreuzberg hat den Kürzesten

Artikelbild
Aus dem Transgenialen CSD wird in diesem Jahr der Kreuzberger CSD (Bild: strangerheremyself / flickr / cc by-sa 2.0)

Getanzt, getrunken und gefeiert wird am 21. Juni in der Hauptstadt auch beim als tCSD-Nachfolger gehandelten Kreuzberger CSD. Trotzdem ist er anders als die anderen beiden Berliner CSD-Demos.

Von Robert Niedermeier

Berliner und Berlin-Besucher kommen am 21. Juni in den Genuss der queeren Dreifaltigkeit. Denn die Hauptstadt bietet nicht nur einen, sondern gleich drei Demonstrationen zum Christopher Street Day: Das "Original" vom harsch kritisierten CSD-Verein, den von allen Parteien außer den Piraten unterstützten Basismarsch des neugegründeten Aktionsbündnisses und eben den "Kreuzberger CSD".

Letzterer hat seinen Auftakt am kommenden Samstag um 16 Uhr auf dem Oranienplatz und mündet am Abend auf dem gerade einmal 600 Meter weiter entfernten Heinrichplatz in eine "Abschlusskundgebung mit Rahmenprogramm". Damit hat Berlin-Kreuzberg die kürzeste CSD-Route von allen – und bietet dennoch, was einen alternativen CSD so liebenswert kratzbürstig macht.

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Für "bezahlbaren Wohnraum" statt für die Ehe-Öffnung

Das Plakat zum Kreuzberger CSD
Das Plakat zum Kreuzberger CSD

Statt gegen "Homophobie" und das Ehe- oder Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare zu demonstrieren, fordern die Demo-Organisatoren "soziale Absicherung und Unterstützung, die keine Floskeln sind", dazu "bezahlbaren Wohnraum" sowie "Bleiberechte und Wahlrecht für alle." Das sperrige Motto lautet: "Die Oranienstraße ist keine Einbahnstraße – Solidarität auch nicht!" Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Kreuzberger CSD-Kollektivs: "Was erkämpft, erstritten und erreicht wurde, feiern wir an diesem Tag, was es noch zu tun und zu erkämpfen gibt, tragen wir auf die Straße."

Gemeint ist damit, dass LGBT & Co. dafür kämpfen sollten, dass allen Menschen die gleichen Ausgangsbedingungen fürs Leben zustehen unabhängig vom Geschlecht. Weiter im Text: "Weg mit den Barrieren und Hindernissen im Kiez und in den Köpfen, die uns auseinander treiben und das Leben schwer machen! Für ein friedliches Miteinander auf der Straße, tags und nachts!" Um das Erreichte zu feiern, haben die Demo-Teilnehmer ausreichend Platz, denn die Oranienstraße wird am 21. Juni ab nachmittags für den Autoverkehr gesperrt.

In guter alter Sponti-Manier bleiben die Kreuzberger Verfasser der kämpferischen Pressemitteilung anonym. Das Schreiben in die Finger zu bekommen, war indes gar nicht mal so einfach. Geduld war von Nöten. Während das Aktionsbündnis und der CSD e.V. Journalisten geradezu bedrängen, etwas Positives zu schreiben, muss man beim Kreuzberger CSD-Kollektiv Hartnäckigkeit an den Tag legen, um Antworten zum Hintergrund der Veranstaltung zu bekommen.

Die schwierige Suche nach Interview-Partnern

Kollege Jan Noll, Chefredakteur bei Berlins queere, Stadtmagazin "Siegessäule": "Die Pressemitteilung kam ganz oldschool mit der Post." Und das sehr spät, denn noch in der Juni-Ausgabe musste das Magazin mit Anekdoten aus der Vergangenheit aufwarten, um die bislang vorliegenden mageren Infos aufzufüllen. Am 6. Juni wurde dem Autor dieser Zeilen die offizielle Pressemittelung via Email zugeschickt. Allerdings mehr unter der Hand, denn erst am 11. Juni gingen die 316 Worte dann auch an Publikationen wie "blu" in den elektronischen Versand – im queer.de-Headquarter kam gar nichts an.

Wer als Journalist einen Interviewpartner zum Thema Kreuzberger CSD sucht, stößt auf Widerstände. "Ich drück dir die Daumen und bin froh, dass ich da nicht recherchieren muss", seufzt etwa der Berliner Journalist Nicolas Sustr: Er kenne zwar einen Protagonisten persönlich, doch den Kontakt dürfte Sustr nicht weitergeben, geschweige denn selbst nutzen. So blieb auch dem freien Journalisten und ausgewiesenen Berlin-Kenner nichts anderes übrig, als für seinen Artikel in der linken Tageszeitung "Neues Deutschland" die kollektiv verfasste Pressemittelung schnöde abzuschreiben.

Ein Blick auf die letzte Woche neu gelaunchte Internetseite der Kreuzberger CSD-Macher gab bereits dieselben Basis-Auskünfte her. Auf der gut besuchten Soli-Party im Neuköllner SchwuZ wurden am 8. Juni zudem Flyer verteilt, die ebenfalls alle relevanten Kurz-Infos enthielten. Ansonsten: Zitierbare Einzelpersonen aus dem Kreuzberger CSD-Kollektiv sind schwer aufzutreiben. Dabei ist es gar nicht verboten, für Chancengleichheit zu demonstrieren. Warum also die Anonymität?

Das CSD-Kollektiv mag keine Namen

Der nette schwule Schwiegersohn geht eher nicht zum Kreuzberger CSD
Der nette schwule Schwiegersohn geht eher nicht zum Kreuzberger CSD (Bild: strangerheremyself / flickr / cc by-sa 2.0)

"Namen sind doch nur Ausdruck eines unterdrückerischen Systems", lacht Nanette Ende Mai im Telefongespräch mit queer.de. Sie ist im SO 36 für die Pressearbeit zuständig. Sie kann das energische Nachfragen wohl gut verstehen, aber auch den Umstand, dass sich nach all dem Streit von 2013 um den tCSD keine Einzelperson, sondern nur das neue Kollektiv zum Kreuzberger CSD äußert: "Es tut mir leid, nur die Presse AG wird dir antworten."

Logistisch und personell wird das Kreuzberger CSD-Kollektiv vom SchwuZ, den Szene-Kneipen Möbel Olfe und Südblock sowie dem Club SO 36 und der Rattenbar unterstützt. Von außen betrachtet mag jetzt der Verdacht aufkommen, dass es sich beim Kreuzberger CSD im Prinzip um eine prima Werbeveranstaltung mit Streetcredibility-Charakter für die beteiligten Gastronomie-Betriebe handeln könnte; halt smart im Guerilla-Marketing-Style verpackt – Geheimniskrämerei inklusive.

Die SO-36-"Kiez-Bingo"-Moderatorion Inge Borg hört das gar nicht gerne: "Was meinst Du mit Gastro-Projekt?", fragt die Mit-Initiatorin des Kreuzberger CSDs fast grimmig zurück. Nebst ihrer nicht minder lokal berühmten Tunten-Kollegin Gisela Sommer gehört sie zum Kreuzberger CSD-Kollektiv: "Natürlich ist es bedeutend einfacher, mit 'großen' Einrichtungen im Rücken solch ein Event zu stemmen", klärt Inge Borg auf, der das Politische nachweislich am linken Herzen liegt. Bereits in den Jahren 2002 bis 2004 war sie maßgeblich an der erfolgreichen Umsetzung des Transgenialen CSDs beteiligt.

Der Transgeniale CSD zerbrach an einem Rassismus-Streit

Dieser bewährte sich bereits seit 1997 als durchaus linksradikale Alternative zum großen CSD in Schöneberg. Doch ausgerechnet der politische und betont antirassistische Anspruch beendete vorerst die Erfolgs-Geschichte. Massiv artikulierte Rassismus-Anschuldigungen machten ab Juni 2013 die Runde. Das führte noch vor dem eigentlichen tCSD-Event vom letzten Jahr zum Aus der bis dahin stets wachsenden Kreuzberger CSD-Polit-Party (queer.de berichtete). Um sich dem Vorwurf zu erwehren, "Rassismus zu trivialisieren", gab das tCSD-Plenum letztendlich klein bei und beschloss, die Abschlusskundgebung ohne unterhaltendes Rahmenprogramm abzuhalten. Sprich: Keine Party, kein gefeiertes Miteinander. Der Streit fand dennoch keinen Abschluss, bis sich das tCSD-Plenum im Dezember 2013 selbst auflöste. Das Ende des tCSD war damit besiegelt.

Allerdings sorgte diese Nachricht weit über Berlin-Kreuzbergs Grenzen hinaus für Enttäuschung und Unmut. Schließlich hatte sich der alternative CSD längst etabliert. Legendär bleibt die Abschlusskundgebung 2012, die mit deutlich vorgetragener Distanzierung zum "Mainstream-CSD" zu einem berauschenden Fest erwuchs. Ein Kreuzberg ohne eigenen CSD, das galt fortan als schwerer Verlust. Deshalb musste trotz des Eklats vom Sommer 2013 ein tCSD-Nachfolger her.

Inge Borg handelte: "Im April 2014 begannen wir uns regelmäßig zu treffen." Viel Überzeugungs- und organisatorische Arbeit folgte. Mit von der Partie ist auch die engagierte Südblock-Wirtin Tülin Duman. Sie stellt eine Woche vor dem Kreuzberger CSD energisch klar: "Es geht mir nicht ums Bierverkaufen, sondern um das Miteinander im Kiez zu stärken. Ich mache aus politischer Überzeugung mit. Und dazu stehe ich mit meinem Namen."

Youtube | Video zum Transgenialen CSD 2012
Links zum Thema:
» Homepage des Kreuzberger CSDs
Mehr zum Thema:
» Alternative CSD-Demo am 28. Juni in Köln (09.06.2014)
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Tags: transgenialer csd, tcsd, kreuzberger csd, oranienstraße
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Reaktionen zu "CSD Berlin: Kreuzberg hat den Kürzesten"


 11 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
15.06.2014
21:49:46


(-9, 15 Votes)

Von Guy Fawkes


Da können sich die Kreuzberg-CSD Besucher sich wieder einbilden, dieser CSD wäre ja sooo viel besser als die anderen...

Allein das Berlin 3 (in Worten: DREI) CSD's hat, ist doch gleich einen doppelten Facepalm wert!

Bild-Link:
double-facepalm.jpg


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#2
15.06.2014
23:13:18


(+5, 7 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #1 von Guy Fawkes


Zur Info: Den zweiten, alternativen CSD, der traditionell in Kreuzberg stattfindet, gibt es bereits seit 1997, weil damals ein Teil des gemeinsamen CSDs in Schöneberg von der Polizei mit Duldung der damaligen Veranstalter aus dem CSD ausgeschlossen worden ist. Der "Rattenwagen" wurde eingekesselt, entzog sich aber mit Hilfe von solidarischen CSD-Besuchern der versuchten Massenverhaftung und zog mit Hunderten von Unterstützern als eigener Demo-Tross nach Kreuzberg. Unter dem Namen Transgenialer CSD wurde ab 1998 parallel zum Schöneberger CSD in Kreuzberg demonstriert, ab 2014 wieder als Kreuzberger CSD.


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#3
16.06.2014
01:37:22
Via Handy


(-10, 12 Votes)

Von Klarstellung


Die von linken und gar linksradikalen Provokationen werden wenn es schlecht läuft auf ale Schwulen zurückfallen. Warum fällt niemand diesen Spinnern in den Arm?


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#4
16.06.2014
08:11:53
Via Handy


(+7, 11 Votes)

Von Verwirrung
Antwort zu Kommentar #3 von Klarstellung


Mir macht viel mehr Sorgen, dass sich Dein rechtsradikales Gedankengut unter den Schwulen breitmacht.


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#5
16.06.2014
08:26:25


(+5, 7 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #3 von Klarstellung


Ohne die linken oder gar linksradikalen Positionen, die von Schwulen und Lesben laut vertreten worden sind, würden sich Homosexuelle noch heute und selbst innerhalb der westlichen Zivilisation verstecken müssen. Denn von nichts kommt auch nichts. Darum wäre es wohl in der Tat angebracht, diese "Spinner" aus Dankbarkeit zu umarmen.


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#6
16.06.2014
10:13:21


(+3, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Hauptsache, das Wetter spielt mit und es kommen viele Teilnehmer!


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#7
16.06.2014
10:14:40


(+5, 7 Votes)

Von dem Kardiologen


"der das Politische nachweislich am linken Herzen liegt"

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Dextrokardie


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#8
16.06.2014
11:04:04


(+7, 7 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #5 von reiserobby


.."diese "Spinner" aus Dankbarkeit zu umarmen."
jottchen, da verzichte ich dankend!
Allein der gedanke mich mit solchem rechtsauslegern solidarisieren zu sollenvon ihm "umarmt zu wissen treibt mein welkes fleisch in wallungen...

und dass der je auf den gedanken käme sich dankbar zu zeigen ist auch eine , wenn auch idealistisch-hoffungsvolle, so doch bei solch eingegrenzten geistesgaben, hoffnungslose idee.

Lassen wir den rechten schnösel lieber in seinem linkshass versacken. Die entlarven sich so ohnehin am besten.
Inhaltlich steht er in direkter linie zu den homohassern, die ja auch eine rechtsfront (querfront.. wie anzüglich...) gegen linkes gedankengut fordern..
da steht @klarstellung dann einig in reih und glied mit solchen rechtsverstehern wie s.heibel.
Darauf muss man/n zukünftig bei postings von @klarstellung hinweisen..
denn ist die maske erst mal vom gesicht, darf man verbal ruhig auch nachtreten!


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#9
17.06.2014
08:40:50


(-4, 6 Votes)

Von GeorgG


"CSD Berlin: Kreuzberg hat den Kürzesten"

Ich nehme doch an, dass der CSD gemeint ist. Wenn also der kürzeste CSD gemeint sein sollte, würde "kürzesten" klein geschrieben.
So, wie der Satz jetzt dort steht, hat es (mal wieder) etwas mit der Schwanzlänge zu tun - ein Thema, das die meisten Schwulen ja sowieso mehr interessiert als politische Veranstaltungen, denn sonst wären zu diesem Thema ja mehr als 8 Beiträge gekommen.


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#10
17.06.2014
09:53:00
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #9 von GeorgG


Ja. nee, is klar. Weil politik die Wenigsten interessiert, gibt es auch sooo wenig Beiträge bei Themen wie Kauder, Heibel und AfD, etc...


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