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  • 16.06.2014           199      Teilen:   |

Berlin

Empörung über AfD-Stand auf lesbisch-schwulem Stadtfest

Artikelbild
Eine Mehrparteienfront aus Linke, SPD, Grünen, FDP und der CDU protetierte am Samstag spontan gegen die Stadtfest-Teilnahme der Rechtspopulisten (Bild: Uwe Steinert)

Die homophobe Alternative für Deutschland traute sich aufs Berlins großes LGBT-Event. Die Veranstalter sahen keine rechtliche Handhabe, den Stand zu verhindern.

Von Micha Schulze

Eigentlich war fast alles wie immer: Zwischen Yuccapalmen und Holzdildos, Nackensteak und Chinapfanne, viel Caipirinha und noch mehr Beck's präsentierten sich am vergangenen Wochenende über 100 Gruppen, Vereine und Organisationen auf dem lesbisch-schwulen Stadtfest in Berlin. Rund 300.000 Menschen, so Veranstalter Dieter Schneider vom Regenbogenfonds, quetschten sich trotz Regens am Samstag durch den Homo-Kiez an der Motzstraße, vorbei an Afro-Perücken, Designergrills oder Einkaufsrollern mit Conchita-Wurst-Aufdruck.

Und doch fiel ein Stand aus dem Rahmen und sorgte für reichlich Unmut und Gesprächsstoff, zumindest bei den Stadtfestbesuchern, die das Motto "Gleiche Rechte für Ungleiche" ernst nahmen. Denn ausgerechnet die Alternative für Deutschland (AfD) hatte auch einen Stand aufgebaut – jene rechtspopulistische Partei, die etwa die ausgewiesene Homo-Hasserin Beatrix von Storch in Europaparlament geschickt hat und in Baden-Württemberg an vorderster Front Stimmung gegen den Bildungsplan macht.

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Der AfD-Stand war "ganz rechtsaußen" platziert

Einsamkeit am AfD-Stand: Die Rechtspopulisten wurden vom Regenbogenfonds nicht in der "Parteienmeile" platziert, sondern in einer toten Ecke des Stadtfests - Quelle: Micha Schulze
Einsamkeit am AfD-Stand: Die Rechtspopulisten wurden vom Regenbogenfonds nicht in der "Parteienmeile" platziert, sondern in einer toten Ecke des Stadtfests (Bild: Micha Schulze)

Zwar werden nur wenige Besucher den recht lieblos dekorierten AfD-Stand überhaupt gesehen haben, der mit einem "Mut zu Deutschland"-Plakat verziert war und vor dem ein Herr mit Deutschland-Socken Flyer verteilte. Die Veranstalter hatten ihn am hintersten Ende der Motzstraße platziert, noch hinter der Connection-Bühne, vor der sich insbesondere am Abend das tanzwütige Partyvolk staute. "Die stehen ganz rechtsaußen", lästerte Michael Kauch von den Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL).

Die FDP-Homoorganisation war am Samstag auch bei einer Spontandemo gegen den AfD-Stand dabei. In einer ungewöhnlichen Mehrparteienfront liefen die Standbetreiber von Linkspartei, SPD, Grünen, FDP und sogar der CDU spontan zur politischen Konkurrenz, bauten sich vor den Rechtspopulisten auf und sangen recht verhamlosend: "Ihr seid bloß eine Karnevalspartei."

Viele Stadtfest-Besucher nannten die AfD-Teilnahme am lesbisch-schwulen Stadtfest einen "großen Skandal". Er könne überhaupt nicht verstehen, dass der Regenbogenfonds eine ausgesprochen homophobe Partei zugelassen habe, meinte etwa Hakan Taş, der für die Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. "Das darf nie wieder passieren."

Regenbogenfonds setzt auf Reaktionen der Besucher

AfD auf Homostimmenfang: Parteichef Lucke wurde auf dem Stadtfest-Stand mit einem halbnackten Fußballer überklebt
AfD auf Homostimmenfang: Parteichef Lucke wurde auf dem Stadtfest-Stand mit einem halbnackten Fußballer überklebt (Bild: Micha Schulze)

"Ich bin nicht glücklich über die AfD-Teilnahme und ich bin nun wirklich kein Freund dieser Partei", verteidigte sich Stadtfest-Chef Gerhard Hoffmann, "aber wir haben keine rechtliche Handhabe, den Stand zu verhindern". Ob dies auch für eine Teilnahme der NPD gelte, wollten wir von ihm wissen. "Wohl nicht", meinte er, sichtlich genervt von der Dauerkritik, die er sich auf dem Stadtfest anhören musste. Doch statt auf einen möglichen Rechtsstreit setzte er zumindest bei der AfD auf die recht böse Platzierung und "passende Reaktionen der Stadtfest-Besucher".

Die ließen in Berlin natürlich nicht lange auf sich warten. Während die AfD das Ständchen der anderen Parteien noch relativ gelassen nahm und eine Vertreterin zum Gespräch schickte, kam es am späteren Samstag und auch am Sonntag mehrfach zu kleineren Zwischenfällen und Rangeleien. So versuchten etwa Stadtfestbesucher, das Infomaterial der AfD zu entwenden oder spuckten den Rechtspopulisten vor die Füße.

Auf Rückendeckung der Partei können die Lesben und Schwule in der AfD nur bedingt setzten. Parallel zum Stadtfest machte der Berliner Landesverband erneut deutlich, was er wirklich von queerer Politik hält. "Lehrstühle für 'Gender' sofort abschaffen und das eingesparte Geld zur Entlastung von Familien verwenden", postete die Alternative für Deutschland am Wochenende auf ihrer Facebookseite.

Links zum Thema:
» Homepage des lesbisch-schwulen Stadtfests
Wochen-Umfrage: Gehört die AfD auf CSDs und schwul-lesbische Stadtfeste? (Ergebnis)

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Tags: alternative für deutschland, afd, schwul-lesbisches stadtfest, gerhard hoffmann, motzstraße, berlin
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Reaktionen zu "Empörung über AfD-Stand auf lesbisch-schwulem Stadtfest"


 199 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
16.06.2014
10:55:08


(+19, 23 Votes)

Von unfassbar


es ist skandalös, dass diese teilnahme vorher nicht vom veranstalter in die berliner community kommuniziert wurde.

man könnte fast vermuten, dass er organisierte gegenaktivitäten von leuten, für die "stonewall" nicht nur eine phrase ist, durch dieses offensichtliche totschweigen verhindern wollte, um den geschäftsbetrieb nicht zu stören.

besonders absurd:

mit denen, die durch ihre rechte, chauvinistische, antisolidarische und homophobe politik erst kräfte wie die afd stark machen (cdu, fdp) und gemeinsam mit afd und neofaschisten hassmobilisierungen gegen schwule und lesben unterstützen (siehe bawü) irgendwelche bündnisse eingehen wollen. und seien diese auch noch so "spontan" und begrenzt.

allein die tatsache, dass diese reaktionären parteien auf einem schwul-lesbischen stadtfest geduldet werden, sagt im grunde schon alles. da ist dann auch die teilnahme von deren zwangsläufigen "rechtsaußen"-ablegern nur konsequent.


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#2
16.06.2014
10:56:09


(-23, 33 Votes)

Von Ludwig


Man sollte nicht solche Hasstiraden gegen die AfD schreiben, bzw. besser in Dialog mit ihnen treten. In der AfD gibt es durchaus sehr homofreundliche Kreise.
Ausgrenzung und Unsachlichkeit helfen hier keinem weiter. Rechtsradikal ist die AfD auch nicht, sie fordern letzendlich nur Einwanderungsgesetze wie in Kanada und ist gerade mit der Partei von Cameron im Europaparlament in eine Koalition gegangen. Cameron hat erst vor kurzem die Homo-Ehe in GB zum Erfolg verholfen.


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#3
16.06.2014
10:58:46


(-26, 30 Votes)

Von Phillip


Hui wie muuuuutig! Schafft die Demokratie doch gleich ab, was brauchen wir Meinugsfreiheit wenn wir sooooooo tolle Parteienbündnisse haben.

Voltaire: Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können.


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#4
16.06.2014
11:05:59


(+18, 22 Votes)

Von demokratie
Antwort zu Kommentar #3 von Phillip


bedeutet, dass demokrat*innen ein recht darauf haben - und sogar die pflicht - sich gegen die feinde der demokratie und ihrer grundwerte (schutz der menschenwürde, gleiche rechte für alle menschen) zu organisieren und diese feinde in die schranken zu weisen.


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#5
16.06.2014
11:07:50


(+15, 19 Votes)

Von Adam


Also Widerlich das man diesen Nazi Gesindel ein Stand gibt mit blabla als ausreden .
Zur NPD sagen sicher wird den kein gegeben wieso gilt dort anderes Recht ? Man hätte dann auch die AFD ohne Probleme raus schmeißen können !!!


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#6
16.06.2014
11:13:36
Via Handy


(+14, 18 Votes)

Von Voltaire
Antwort zu Kommentar #3 von Phillip


Das Zitat ist nicht von Voltaire. Es ist frei erfunden.
Link:
de.m.wikiquote.org/wiki/Voltaire#F.C3.A4lschlich_z
ugeschrieben


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#7
16.06.2014
11:14:24


(+11, 17 Votes)
 
#8
16.06.2014
11:16:09


(-19, 23 Votes)

Von GeorgG


"Die stehen ganz rechtsaußen", lästerte Michael Kauch von den Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL)."

Bei Herrn Kauch scheint die Perspektive etwas verstellt zu sein! Unter "ganz rechtsaußen" verstehe ich Parteien wie die NPD.

Es wäre hilfreich, wenn auch queer.de in Zukunft die AfD dort ansiedeln würde, wo sie steht, (etwas) rechts von der Mitte.


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#9
16.06.2014
11:17:24


(+12, 18 Votes)

Von Fred i BKK


...also ich haette die AfD auch zugelassen ,aber eben unter Auflagen ...
zum Beispiel waere der Stand von mir nur genehmigt worden ...wenn die
Stoerchin und der Storch bei den Eroeffungsreden mit einem Aufruf zur Eheoeffnung und totallen Gleichstellung angetreten waeren ...
Verstehe den Veranstalter nicht ..es liegt in seinem Ermessen wen er zulaesst oder ablehnt ..
sind da vielleicht Gelder geflossen .....
weshalb hat es das nicht verhindert .....
denkt er vielleicht dass er einen LGBT Stand auf dem naechsten Parteitag der AfD aufstellen darf ..
Einfach laecherlich ..dass er es nicht verhindern konnte .


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#10
16.06.2014
11:18:13


(-19, 25 Votes)

Von strudelbrain


Toll, wie sich hier einige Kommentatoren mit dem Versammlungsrecht auskennen. Solang AfD und NPD zugelassene Parteien sind, ist die Handhabe für die Veranstalter gering, wenn sie sich nicht auf kostspielige Gerichtsverfahren einlassen wollen. Und wozu auch: Die Reaktion aus der Community war doch ausreichend deutlich.

Im übrigen: Den Stand der AfD gab es im letzten Jahr auch schon. An gleicher Stelle.

Kurze Anmerkung zum Artikel:
Micha, ich schätze ja deine Art zu schreiben, aber ich frage mich, ob wir auf dem gleichen Straßenfest waren: "quetschten sich trotz Regens am Samstag durch den Homo-Kiez an der Motzstraße, um Afro-Perücken, Designergrills oder Einkaufsroller mit Conchita-Wurst-Aufdruck zu erwerben." - Klingt als wäre das Straßenfest ne merkwürdige Kaffeefahrtvariante. Ich kann jetzt nichts über den Umsatz der besagten Stände sagen, aber die Vereine und Verbände hatten definitiv mehr Betrieb an ihren Ständen.


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