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  • 19.06.2014           11      Teilen:   |

Künstler in der ngbk

Queer is the New Normal

Artikelbild
"Slow dances with strangers" nennt Michael V Smith seine "X ray visionperformance" (Bild: ngbk)

Die neue Ausstellung "What is queer today is not queer tomorrow" in Berlin zeigt, wie spannend und unterhaltsam Queer Art sein kann. In einem "18+"-Raum werden sogar Pornos gezeigt.

Von Kevin Clarke

Zur Einnerung: Letztes Jahr brachte der renommierte Verlag Phaidon das Buch "Art & Queer Culture" heraus, ein echter Blockbuster, der mit dem Aufkleber versehen war "The first book to focus on the criticism and theory regarding queer visual art". Was dann auf prall gefüllten 410 Seiten folgt, ist eine Zeitreise durch schwul-lesbische Geschichte, die auch als solche beschrieben, aber im Zusammenhang von Queer Theory neu kontextualisiert wird. Vermutlich, um Menschen mit Berührungsängsten den Umgang mit der LGBTQI*-Welt leichter zu machen. Denn "queer" klingt weniger bedrohlich und sexuell aufgeladen.

Obwohl Queer Art und Queer Studies weltweit derzeit voll im Trend liegen, gab's in Deutschland noch nicht allzu viele PR-trächtige Projekte in diese Richtung, jedenfalls nicht in Mainstream-Museen. Die aktuelle Dauerausstellung im Schwulen Museum "Transformation" spielt zwar auf einen der zentralen Aspekte von Queer Art an, nämlich Körperpolitik und das Sprengen von normativen Geschlechterrollen, aber die Umsetzung des Themas im "SchwuMu" ist leider wenig prägnant. Weil man wegen Umbau und Finanzsorgen vermutlich den Kopf nicht frei hatte, um etwas Großes zu stemmen.

Jetzt ist die Neue Gesellschaft für bildende Kunst (ngbk) in Kreuzberg in die Bresche gesprungen und hat eine Ausstellung eröffnet, die den wunderbaren Titel trägt "What is queer today is not queer tomorrow". Da hat – finanziert mit den Mitteln der Lotto-Stiftung Berlin – ein junges Kuratoren-Team sich in anderthalb Jahren Vorbereitung bemüht, Künstler zu versammeln, die verschiedene Ansätze in Bezug auf Queer Art in der deutschen Hauptstadt repräsentieren.

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Inspiriert von der Szene und vom Nachtleben

Zwei der Kuratoren der Ausstellung: Luc Reboullet und Simon Jaikiriuma Paetau - Quelle: Kevin Clarke
Zwei der Kuratoren der Ausstellung: Luc Reboullet und Simon Jaikiriuma Paetau (Bild: Kevin Clarke)

Oft sind es farbige ausländische Künstler, die zu Wahl-Berlinern geworden sind. Sie kommen aus der Szene und dem Nachtleben, zwei Sphären, die für die queere Welt besonders wichtig sind, wie Kurator Simon Paetau erzählt, aber von der Hochkultur meist ignoriert werden. Denn die Hochkultur ist immer noch ein "weiß-dominierter Raum", in dem "people of color" unterrepräsentiert und kaum sichtbar sind. Von der LGBTQI* Community ganz zu schweigen.

Die meisten werden die 1969 gegründete ngbk kennen, weil sie 1993 als erster Kunstverein in Europa eine Aids-Ausstellung gezeigt hat, die Ende 2013/Anfang 2014 neu aufgelegt wurde unter dem Titel "Love AIDS Riot Sex". Dazu gibt es einen eindrucksvollen Katalog, der von der Anmutung und Aufmachung deutlich "seriöser" daher kommt als das ähnliche Buch "Positive Pictures" von Paul Schulz und Christian Lütjens, das teils identische Bilder/Kunstwerke enthält, aber das Thema nicht besonders tief durchdringt. Da ist, nebenbei bemerkt, der Abschnitt zu Aids im Phaidon-Buch sehr viel lesenswerter.

Normalerweise beschäftigt sich die ngbk mit politischer Kunst. Aber genauso wie Aids nach wie vor ein Politikum ist, ist es auch Geschlechterpolitik und sexuelle Orientierung und deren Ausleben innerhalb der Gesellschaft. Nach den jahrelangen Kämpfen um Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben ist derzeit der Kampf entbrannt um die Akzeptanz von Trans*- und Inter-Lebensentwürfen. Und die stehen im Zentrum von Queer Art. Und im Zentrum dieser Ausstellung. Wie der Titel andeutet, ist vieles von dem, was wir heute als "queer" sehen, also als "seltsam" oder "andersartig", morgen schon nicht mehr "anders" – weil wir uns daran gewöhnt haben und es als neue Selbstverständlichkeit sehen, als "New Normal".

Aber keine Sorge, die kleine und übersichtliche Kreuzberger Ausstellung führt uns mit ihrem theoretischen Ansatz nicht in die "Hölle identitätspolitischer Kontroverstheologie", wie Jens Bisky das jüngst in einem SZ-Artikel zur Stonewall-Kontroverse formuliert hat. "What is queer today is not queer tomorrow" macht vor allem Spaß. Denn die teilnehmenden Künstler wollen mit ihrer Kunst verstanden werden und den Betrachter einladen, sich zu beteiligen. Bei vielen Werken kann man selbst mitmachen. Zum Beispiel im Kinky Confessional (Beichtstuhl), dem man seine geheimsten Sehnsüchte anvertrauen kann, die dann ins Kunstwerk aufgenommen werden.

Ein Wand aus Gayromeo-Profilfotos

Die 2-Euro-Briefmarke des "Gay Kingdom of the Coral Sea" stammt vin Florian Aschka
Die 2-Euro-Briefmarke des "Gay Kingdom of the Coral Sea" stammt vin Florian Aschka (Bild: ngbk)

Als schwuler Mann sprach mich besonders Florian Aschkas "Gay Kingdom of the Coral Sea" (2012) an, als Briefmarke wie auch als utopische "Trauminsel" auf einer Koralle nachgebaut. Auch die auf den Kopf gestellte Weltkarte von Daniel Santiago hat einen schlichten Zauber, der mich begeisterte. Das gilt ebenso für die von Özgür Erkök Moroder aus Gayromeo-Profilfotos erstellte Wand mit Zeichnungen, die unter dem Titel "Self scratches" hinterfragt, wie wir uns als "Ware" präsentieren und sexuell vermarkten. Von Moroder ist auch eine Skulptur eines ineinander verschlungenen Paares, welche gänzlich aus Haaren besteht.

Mit Bezug auf Gender-Problematik – wo die "Genitalfrage immer prädominant ist" – sind die Zeichnungen von Ins A Kromminga besonders eindrücklich: "Queer Nerd", "Girl Monster or Boy Monster" usw. Aber auch die Arbeit von Alex Gielgold und Tomka Weiß, zu der es eine bemerkenswerte Geschichte gibt, die man über Kopfhörer vor Ort hören kann. Um die Selbstverteidigungsserie "self defense techniques" von Daniel Santiago zu verstehen, muss man ein bisschen Hintergrundwissen haben, aber das wird in der Beschriftung der Exponate mitgeliefert.

Im hinteren Bereich der ngbk gibt's auch einen "18+"-Teil, wo Pornos gezeigt werden, die ebenfalls die Queer-Thematik angehen, zum Beispiel die Filme von Marit Östberg, die nichtnormative Körper in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellt – Nichtnormativ im Sinn von nicht wie üblicherweise Pornodarsteller, wie aber durchaus viele 'echte' Menschen aussehen.

Jeden Donnerstag gibt es Performances und Vorträge/Diskussionen. Die genauen Termine und Themen der einzelnen Abende findet man auf der Website heidyngbk.blogspot.de. Dort gibt es, anstelle eines Katalogs, auch Infos zu allen Kunstwerken und Künstlern.

"What is queer today is not queer tomorrow" würde auch gut ins Schwule Museum passen, wo immerhin Ende 2014 das Thema im Kontext von Porno auf eigene Weise aufgegriffen wird. Bis dahin sollte man sich unbedingt die Ausstellung in der Oranienstraße 25 anschauen. Der Besuch lohnt. Und der Aids-Katalog ist dort ebenfalls an der Kasse erhältlich.

PS: Ganz großartig ist natürlich auch der Delphin-Stuhl, der sich auf einen transphoben Artikel in der taz bezieht, in dem ein schwangerer Trans-Mann mit einem Delphin verglichen wurde. Man darf sich auch in den Stuhl reinsetzen!

Vimeo | Teaser zur Ausstellung
  Infos zur Ausstellung
What is queer today is not queer tomorrow. Noch bis 10. August 2014 in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst (ngbk), Oranienstraße 25, Berlin-Kreuzberg. Tgl. 12-19 Uhr, Do-Sa bis 20 Uhr. Beteiligte Künstler: Florian Aschka, Stephanie Ballantine, Amber Bemak, Black Cracker, Denial Cremer, Eduardo Conceição & Romy Kießling & Michaela Muchina, Morty Diamond, Alex Giegold & Tomka Weiß, Martin Hansen, Emma Haugh, Evan Ifekoya, Ins A Kromminga, Ligia Manuela Lewis, Özgür Erkök Moroder, Marit Östberg, Eshan Rafi, Raju Rage, Tucké Royale & Marianne Dieterle, Aykan Safoğlu, Daniel Santiago, FranzKa Schuster & Jannik Franzen, Michael V Smith, Claudio Manoel, Solange, tô aberta!, Vassiliea Stylianidou, Juan Soto & Chiara Marañon, Rein Vollenga, ZANA
Links zum Thema:
» Homepage zur Ausstellung
» Homepage der ngbk
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Tags: queer art, ngbk, ausstellung
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Reaktionen zu "Queer is the New Normal"


 11 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
19.06.2014
11:14:34
Via Handy


(+5, 7 Votes)

Von Userx


Wenn "queer" angeblich das neue normal ist, warum zeigen dann z.B. die Fan- Fotoreihen der WM bei SpOn zu 90% junge Frauen?
Vielfalt geht anders.

Es reicht den Mainstream- Medien ab und zu mal einen politischen Artikel zu queeren Themen zu verfassen, aber wenn es um gezeigte Vielfalt geht, hört es mit deren Akzeptanz auf.
Die bleiben lieber bei den ewig gleichen Projektionen über Männer und Frauen, was bedeutet das einseitig die Frau als optisches Vorzeigeobjekt gilt.
Alle anderen Menschen müssen schon was kurioses machen/ darstellen um gezeigt zu werden:

Denn generell ist es unseren Medienkonzernen wichtig gewisse Bilder zu produzieren:
Bei Männern ist thematische Zugehörigkreit Pflicht um gezeigt zu werden, bei Frauen wird generell auch rangezoomt wenn sie einfach nur jung und hübsch ist...oft auch ohne thematischen Bezug.
Und das in einer Gesellschaft die aus viel mehr Menschen besteht als aus jungen Frauen...: zb junge hübsche Männer werden von den Konzernen als Eyecatcher völlig verkannt und auch wenig ( oder weiter hinten) gezeigt werden ältere Menschen, Menschen unterschiedlichen Gewichts usw.

Also ein extrem einseitiger und schon dadurch langweiliger Blick, weil er genormte Einseitigkeit verströmt.

Was bitte ist daran queer?
Wer sagt das queer das neue normal ist, bewegt sich anscheinend selten aus der Schutzhülle der queeren Szene raus und verkennt die Wirklichkeit.

Bis unsere Gesellschaft den in uns allen schlummernden Vielfältigkeitswunsch anerkennt und sichtbar werden lässt, dauet es (wenn überhaupt) noch...wir sind noch lange nicht so weit.


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#2
19.06.2014
11:17:58


(+3, 7 Votes)

Von Penis
Antwort zu Kommentar #1 von Userx


. Alle anderen Menschen müssen schon was kurioses machen/ darstellen um gezeigt zu werden:

Oder so...

Link zu www.vecernji.hr


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#3
19.06.2014
11:21:22


(+4, 6 Votes)

Von Alex


Queer muss the new normal werden.

Denn wirkliche Freiheit ist erst dann erreicht, wenn jeder so leben kann, wie er will (solange man damit anderen nicht schadet).

Egal ob hetero, schwul, lesbisch, bi, trans, intersexuell, polyarmor oder wie auch immer - jeder soll so leben können wie er will, nicht dafür diskriminiert werden und sich frei entfalten können.


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#4
19.06.2014
11:21:55


(+7, 9 Votes)

Von panem-circences


"Der Zwiespalt zieht sich bis heute sogar durch die sonst wohl größte Bastion der liberalen Geister: Hollywood. Dort gehören Schwule und Lesben zwar längst quasi zum Stammpersonal erfolgreicher TV-Serien ("Scandal") und oscarprämierter Kinofilme ("Brokeback Mountain" oder "Dallas Buyers Club"). Doch kein einziger Schauspieler der "A-List" hat sich bisher für schwul oder lesbisch erklärt."

Bundesliga


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#5
19.06.2014
11:41:37


(+4, 6 Votes)

Von Queer Rage
Antwort zu Kommentar #1 von Userx


Das der Blickwinkel in den Mainstream-Medien nach wie vor heterosexistisch ist, sollte an und für sich keine Neuigkeit sein. Heute versucht man uns den Müll eben mit einem ironischen Augenzwinkern aufzudrücken, reproduziert letztlich aber wieder nur hohle Stereotypen: Männer als die potenten Macker, Frauen als sexualisierte Objekte. Ich kann und will mich mit keinem dieser beiden Bilder identifizieren. Ich fürchte nur, dass sich der Scheiß leider gut verkauft. In einer Gesellschaft, in der sich alles um Profit und Gewinnmaximierung dreht, wollen Medienmacher kein unnötiges Risiko eingehen und greifen halt lieber auf 'altbewährte' (aka verstaubte) Darstellungen zurück. Queersein kann in einer solchen Welt bestenfalls als verrückter doch harmloser Sidekick verkauft werden, der die Heteronorm im Wesentlichen aber unangetastet lässt. Ich denke, dass Queersein wesentlich mehr Potenzial hat, wenn es sich nicht vom Mainstream vereinnahmen lässt. Von daher halte ich es gar nicht für sonderlich erstrebenswert, dass 'queer' normal wird.


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#6
19.06.2014
22:50:43


(+2, 6 Votes)

Von world games
Antwort zu Kommentar #4 von panem-circences


latino über latino-fussball auf einer asiatischen seite vor einer woche

Link zu www.atimes.com


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#7
19.06.2014
22:56:41


(+2, 4 Votes)

Von Oliver69
Antwort zu Kommentar #6 von world games


2:1

kahn glaubt sie hätten was gegessen.??? (22:54)


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#8
19.06.2014
23:47:02


(+2, 6 Votes)

Von sao paulo
Antwort zu Kommentar #6 von world games


Brapanese


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#9
20.06.2014
10:33:58


(+2, 4 Votes)

Von la_passante


Queer kann per Definition nicht normal sein, und auch nicht normal sein wollen. Und das ist gut so.


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#10
20.06.2014
15:04:26
Via Handy


(0, 2 Votes)

Von libary


Alles hängt meiner Meinung nach von der Definition von "normal" ab.Wenn man "normal" nur als statistische Häufigkeit=Idealnorm in der Gesellschaft definiert und Dies dann mit gesellschaftlicher Akzeptanz gleichsetzt ,ist es sicherlich nicht erstrebenswert oder "gut so" "Queer"mit "normal" gleichzusetzen.Ich definiere "normal" eher als "gesund" ,unabhängig von der statistischen Häufigkeit.Also einfacher gesagt: Queer ist für mich gesund,auch wenn es nicht der "statistischen Norm" entspricht.Unterschiedlich sein ist für mich normal=gesund,und nicht etwas,dass mir Angst macht oder ich ablehnen muss.


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