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  • 21. Dezember 2004, noch kein Kommentar

Schwulen-Ikone Gitte Haenning überrascht zum Jahresende direkt mit zwei Alben. Ob Pop, Folk oder ihre eigentlich Liebe - Jazz – die Frau hat alles drauf!

Von Jan Gebauer

Es ist manchmal nicht einfach, sie zu mögen: Gitte Haenning zeigt sich heutzutage lieber im Schlabber-Look als im Abendkleid, swingt lieber komplexe Jazz-Oden auf den Live-Bühnen und tut alles um ihre alten Schlager-Hits vergessen zu machen (bei Evergreens wie "Ich will 'nen Cowboy als Mann" oder "Vorm Stadtpark die Laternen" für den ein oder anderen nicht ganz unverständlich). Das tat sie in den 90er Jahren vehementer, mittlerweile hat sie sich wohl damit abgefunden, dass die Fans auch zu "Lampenfieber" und "Ich will alles" mitswingen wollen. Das ihre Jazz-Liebe dabei fundiert ist (bereits 1970 erschien eine Jazz-LP namens "Gitte and the Band") und aus frühester Kindheit herrührt, war dem deutschen Publikum immer etwas fremd – davon können auch Bibi Johns und Siw Malmquist ein Lied singen. Apropos Siw Malmquist. Zusammen mit dieser und Wencke Myhre war Gitte Haenning auch in einer Art "Drei alte Schlager-Schachteln" live in Berlin zu sehen (queer.de berichtete) – und das mit solch riesigem Erfolg, dass die Tour 2005 in ganz Deutschland fortgesetzt wird. Zeitgleich beglückt Dänemarks Musik-Export Nummer eins ihre Fans gleich mit zwei neuen Alben.

"Johansson"

Über die Brücke wollte Ingrid Peters ja schon 1986 gehen – Gitte zieht 2004 zumindest für die Produktion von "Johansson" nach (laut Booklet), denn produziert wurde das Album in Kopenhagen, Hamburg und Berlin. Der Titel führt auf ihren zweiten Nachnamen zurück und im liebevoll gestalteten Booklet zur CD, erklärt die Künstlerin, dass sie eigentlich zur Hälfte schwedisch ist. Wenn das mal keine Krise in unserem nordischen Nachbarland auslöst. Musikalisch geht die gestandene Schlager-Legende gezielt in Richtung Pop und skandinavischem Folk – keine Spur mehr von "Cowboys", "Monte Carlo" und "schönen Männern". Dabei merkt man der Produktion deutlich an, dass hier eine Künstlerin am Werk ist, die sich nicht nur viele Gedanken zu dem Album gemacht hat, sondern auch intensiv daran mitgearbeitet hat. Selbst geschrieben hat Gitte zwar nicht, dafür beweist sie aber ein Gespür für interessante Fremdkompositionen, ob nun von der Sängerin/Songwriterin Katja Maria Werker (das exzellente "Music Is The Only Language [I Know]"), Soul-Bruder Stefan Gwildis oder ihrer Managerin Maike Ullmann. Die 1946 in Kopenhagen geborene Sängerin verlässt sich aber auch auf internationale Titel von Billy Joel, Per Gessle oder Brenda Russell. Warum aber ausgerechnet "De Do Do Do, De Da Da Da" von Gordon Sumner alias Sting (noch zu The-Police-Zeiten)? Das nervte schon im Original. Besonders schön sind die folkloristischen Titel aus ihren beiden skandinavischen Herkunftsländern gelungen, die Frische und Lebensfreude in das Album "Johansson" bringen. Als Bonus winkt neben einem weiteren dänischen Titel auch eine immens aufgepoppte Neu-Version von "Ich will alles".

"Jazz"

Mit großen Titel-Qualen hat sich Gitte sicher nicht rumgeschlagen, als sie ihr zweites Album schlicht nach dem benannte, was schon immer ihr Herz höher schlagen ließ: Jazz! Die 14 Titel auf dem Album sind sicherlich nicht so einfach zugänglich wie die Stücke auf "Johansson". Eine ungewöhnliche Mixtur ist die Auswahl an Liedern aber allemal. Da kommen Klassiker von Irving Berlin wie "There's No Business Like Showbusiness" Seite an Seite mit eher Pop-orientierten Werken wie "Your Song" (von Elton John) oder "Fifty Ways To Leave Your Lover" (von Paul Simon), aber auch weniger bekannte Songs wie "My Kinda World" von Jimmy Woode. Stimmlich passt Gitte nicht unbedingt immer in das Jazz-Konzept, erinnert aber zuweilen an den rauchigen Charme einer Marianne Faithfull, die sicher auch keine begnadete Jazz-Sängerin ist, aber trotzdem gerne mal darauf zurückgreift. Als künstlerisches Statement ist "Jazz" aber auf jeden Fall hörens- und beachtenswert.

20. Dezember 2004