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Diskussion zum Berliner CSD

Thomas Hitzlsperger: Coming-out war befreiend


Während im Hintergrund der CSD auf der Spree vorbeituckerte, diskutierten in der niederländischen Botschaft v.l.n.r. Prof. Dr. Martin Schweer, Thomas Hitzlsperger, Christoph Biermann (Moderator und Sportjournalist), Dagmar Freitag (SPD, Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestags) und Lou Manders von der niederländischen John Blankenstein Foundation. (Bild: Norbert Blech)

Bei einer Diskussionsveranstaltung in Berlin sprach der frühere Profi-Fußballer über den langen, aber erfolgreichen Weg zu seinem Coming-out.

Es ist nun auch schon wieder über fünf Monate her, dass sich der frühere Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger via einem Interview mit der "Zeit" als schwul geoutet hatte, als erster deutscher Profi überhaupt (queer.de berichtete). Mit dem Ablauf sei er "sehr zufrieden", erzählte der 32-Jährige am Donnerstag auf einer Veranstaltung zur Homophobie im Fußball in der niederländischen Botschaft. Er zog Bilanz – und das sehr reflektiert, selbstbewusst und entspannt.

"Ein Coming-out ist nicht für jeden Spieler geeignet, aber es ist nicht so schwer wie gedacht", resümierte der frühere Mittelfeldspieler. Das Coaching durch Berater wie auch Rechtsanwälte sowie aus dem Freundes- und Familienkreis war ihm dabei eine große Unterstützung. Zwischen dem Gedanken, sich zu outen, und der Ausführung lagen dennoch zwei Jahre. Schnell merkt man, dass hier offenbar nicht nur Ängste vor Homophobie vorherrschten, sondern auch die Frage: Wie mache ich es, der als erster diesen Weg geht, am besten?

Den DFB hatte er jedenfalls nicht in seinen Plan einbezogen, berichtete er, und auch nicht nach anderen schwulen Spielern gesucht, von denen er nach eigenen Angaben auch keine kannte. "Ich habe ein breites Kreuz und wollte das selbst erledigen." Er informierte allerdings Jogi Löw und Oliver Bierhoff vorab. Beide hätten super reagiert.

Verstecken kostet Kraft


Hitzlspergers Fazit: "Es geht mir gut. Es geht mir vielleicht sogar besser als vorher." (Bild: nb)

Sein Coming-out habe er als Befreiung erlebt, berichtete Hitzlsperger glaubhaft, vor allem das private bei Freunden, bei der Familie. Ein solcher Schritt sei privat wie beruflich gut, könne bei Sportlern auch die Leistung fördern. Und ohnehin: "Lügen ist unangenehm!"

Dass es im Sport und gerade im Fußball trotzdem auch unangenehme Erfahrungen gibt, machten vor allem die anderen Teilnehmer der Runde deutlich. Etwa durch einen Vergleich des DFB zum niederländischen Fußballverband, der gar mit einem Boot, Spielern und Nationaltrainer Louis van Gaal am Canal Pride in Amsterdam teilnahm; dass der DfB mehr tun sollte, vor allem nach innen, wurde von allen gefordert. Es sei Aufgabe des Verbands und der Politik, hier eine offenere Atmosphäre zu schaffen, ergänzte auch die SPD-Politikerin Dagmar Freitag.

Prof. Dr. Martin Schweer, der für die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld Bildungsmodule zum Thema erstellt hat, erzählte von einer Studie, wonach Fußballer durchaus homophober sind als andere Sportler.

Mut zum Vorbild


Hitzlsperger am Samstag beim Kreuzberger CSD (Bild: Dominik Dierich)

Hitzlsperger selbst wollte das nicht stehen lassen und betonte, dass auch bei Kabinengesprächen der Spieler mit seinen spielerischen Fähigkeiten debattiert werde, alles andere sei zweitrangig. Und als Alfonso Pantisano von der Aktivistengruppe "Enough is enough" aus dem Publikum heraus sich einfach mehr Mut von Fußballern wünschte, fand das die Zustimmung des Fußballstars. Man brauche "Vorbilder, die durch persönliche Geschichten bewegen".

Obwohl Hitzlsperger recht bescheiden versuchte, sich nicht selbst zum Vorbild zu machen, betonte er seine Freude darüber, dass er viele Zuschriften bekommen habe, neben den erwartbaren Aussetzern vor allem "viele positive, viele bewegende". Der Fußballer habe mit seinem Coming-out "Amateuren Mut gemacht" und "Profis unter Zugzwang gesetzt", meinte Schweer.

Trotzdem, so scheint es, scheinen Fußballer auch Angst davor zu haben, nicht einfach nur schwul sein zu können, nicht nur Vorbild, sondern geradezu Aktivist sein zu müssen. Hitzlsperger kritisierte die Medien, die sich auf die Fußballer nach so einem Schritt "stürzen". Dabei werde er, auf der Straße oder in Fan-Diskussionen, trotz des medialen Rummels weiter vorrangig als Spieler wahrgenommen und weniger als schwuler Spieler. "Und andere sagen: Ich kenne dich aus dem Fernsehen". Derzeit analysiert er WM-Spiele für das ZDF-"Morgenmagazin".

Ein Gast im Publikum warf ein, dass sich nach dem zweiten, dritten Spieler-Coming-out die Berichterstattung normalisieren werde. Ein Zeichen dafür: Als Hitzlsperger zwei Tage nach der Diskussion beim Kreuzberger CSD mitschlenderte (queer.de berichtete), wurde er von allen Seiten nett angelächelt, aber größtenteils auch in Ruhe gelassen. Ein privater Besuch, keine Besonderheit mehr. Auch diese Botschaft, von ihm selbst via Twitter verbreitet, wird der ein oder oder andere Spieler registriert haben. (nb)



#1 abwegigAnonym
  • 23.06.2014, 12:48h
  • DIE FLAMME ZISCHT... DEUTSCHE BALLADEN

    Milliarden, Sponsoren, Adidas, Marionetten, Nike, Puppen, Prämien, Puma, ......

    Kreuz I

    "Pohl ist ausgebildeter Erzieher und studierte katholische Theologie im Priesterseminar in Lantershofen. Die Priesterweihe empfing Pohl aber nicht. Pohl ist ledig und lebt in Bergisch Gladbach."

    de.wikipedia.org/wiki/Gerd_J._Pohl

    Facebook

    "Gerd J. Pohl:

    Ich hatte mein Coming-Out mit 17 und habe meine Ausbildung, mein Studium und meinen Beruf als offen schwuler Mann bestritten. Bekomme ich jetzt 'nen Orden?"

    Kreuz II

    "Ich habe ein breites Kreuz und wollte das selbst erledigen."

    Was gefiel Gerd J. Pohl an Hitzlspergers Kreuzgang nicht?
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#2 GebührenzahlerAnonym
  • 23.06.2014, 12:58h
  • "Derzeit analysiert er WM-Spiele für das ZDF-"Morgenmagazin"."

    Warum eigentlich nur fürs "Morgenmagazin"?

    So qualifiziert wie die meisten ARD-/ZDF-Schreihälse samt sexistischer "Berichterstattung" aus Brasilien in der Primetime, die die sehr sichtbare sexuelle Vielfalt vor Ort bisher konsequent ausblenden, ist er schon lange.
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#3 Jane_Ehemaliges Profil
#4 gefundenAnonym
#5 Paullinia CupanaAnonym
#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 PetterAnonym
  • 23.06.2014, 17:04h
  • Ja, das hört man immer wieder von allen Leuten nach einem Coming-Out.

    Vorher haben manche Leute Befürchtungen oder gar Ängste, aber im Nachhinein fühlen sich dann alle befreit.

    Natürlich kann es auch mal eine negative Erfahrung geben, aber die gibt es auch ohne Coming-Out. Und auf jede negative Erfahrung kommen 100 tolle Erfahrungen, wo man bereut, die nicht eher gemacht zu haben.

    Und ganz ehrlich:
    sich laufen zu verstellen und zu verstecken ist tausendmal schlimmer als jede negative Erfharung sein könnte...
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#9 FelixAnonym
  • 23.06.2014, 17:11h
  • Antwort auf #8 von Petter
  • "Und ganz ehrlich:
    sich laufen zu verstellen und zu verstecken ist tausendmal schlimmer als jede negative Erfharung sein könnte..."

    Das ist genau der Punkt!

    Selbst wenn es auch mal negative Erfahrungen geben sollte, sind die nicht mal annähernd so schlimm wie die dauernde Selbstverleugnung.

    Und die tollen Erfahrungen und das Gefühl zum ersten mal echte Freiheit zu spüren, sind tausendmal stärker und durch nichts zu ersetzen.

    Nachher bereut man immer, überhaupt so lange gewartet zu haben und es nicht schon viel eher getan zu haben!
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#10 GerritAnonym
  • 23.06.2014, 17:14h
  • Solche Fußballer sind wahre Idole.

    Nicht diejenigen, die ihren Fans irgendeine Schmierenkomödie vorspielen.

    Es ist nicht schlimm, schwul zu sein. Es ist nur schlimm, nicht zu sich selbst zu stehen!
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