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  • 25.06.2014           5      Teilen:   |

Philisoph und Aktivist

Foucault – schillernder Vordenker einer queeren Politik

Artikelbild
Der schwule Philosoph Michel Foucault starb am 25. Juni 1984 im Alter von 57 Jahren in Paris

Eine Erinnerung an den französischen Philosophen Michel Foucault, der heute vor 30 Jahren an den Folgen von Aids starb.

Von Bodo Niendel

Michel Foucault verstarb am 25. Juni 1984 in einem Pariser Krankenhaus. Er war eines der ersten prominenten Opfer der damals noch kaum bekannten Krankheit Aids.

Der französische Philosoph war ein schillernder Intellektueller und ein politischer Aktivist. Mit Jean-Paul Satre lieferte er sich philosophische Auseinandersetzungen, doch bei den Demonstrationen standen sie immer wieder nebeneinander in der ersten Reihe.

Sein umfangreiches Werk wird erst in den letzten Jahren zunehmend im Lichte seiner Homosexualität betrachtet, obwohl die Gender-Studien und die Queer-Theorie wohl kaum ohne ihn denkbar wären.

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Beeinflusst von Marx, Heidegger und Nietzsche

Ein Pflasterstein des Künstlers Tom Fecht erinnert am Eingang zur Bundeskunsthalle an Michel Foucault - Quelle: Wiki Commons / Leit / CC-BY-SA-2.0-DE
Ein Pflasterstein des Künstlers Tom Fecht erinnert am Eingang zur Bundeskunsthalle an Michel Foucault (Bild: Wiki Commons / Leit / CC-BY-SA-2.0-DE)

In den 1950er Jahren war Foucault Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, Schüler des Partei-Intellektuellen Louis Althusser, doch verließ er die Partei schnell, angewidert vom Stalinismus und wohl auch wegen ihrer Homophobie.

Foucault war schwul, und das war damals ein Problem. Er beging zwei Suizidversuche, wollte eine Psychotherapie, doch Althusser riet ihm ab, da die Psychiater Homosexualität als Krankheit auffassten. Die Philosophie Heideggers und Nietzsches beeinflusste ihn. Marx gab ihm Denkanstöße, die Dogmen des Marxismus-Leninismus jedoch waren ihm ein Graus.

Ein unglaubliches Wissen, ein brillanter Stil, stets fragend, sich selbst revidierend, Fehler eingestehend – dies charakterisiert sein Werk. Michel Foucault interessierte stets die Macht, die ihm amorph erschien und die er an vielen Ecken sah. Für ihn konnte es keinen Ort geben, der frei von Macht wäre. "Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand", so sein Credo. Foucaults Werk war frei von Versprechungen und melancholisch, geradezu schwermütig.

Der Homosexuelle als "Spezies"

Foucault-Graffiti im Museum Demeure du Chaos
Foucault-Graffiti im Museum Demeure du Chaos (Bild: thierry ehrmann / flickr / cc by 2.0)

Dies korrespondierte mit seinem Interesse an sadomasochistischen Sex. Sexualität hat in seinem Werk eine große Bedeutung. Sein Buch "Über Hermaphrodismus" handelt von der Macht der Medizin, Geschlechter zu klassifizieren. Kurz vor seinem Tod erschien das dreibändige Werk "Sexualität und Wahrheit" – eine Widerlegung der Repressionshypothese zur Sexualität, wie sie in der Studentenbewegung in Anlehnung an Wilhelm Reich gepflegt wurde.

Foucault beschreibt, wie der Homosexuelle durch gesellschaftliche Machtverhältnisse erschaffen wurde, zu einer "Spezies" wurde. Dies war Foucaults neuer Blick. Die Macht konstituiert das Subjekt. Dieser Ansatz ist der Springquell für die Queer-Theorie.

Als die feministische Philosophin Judith Butler von einer Schülerin gefragt wurde, welches Werk man unbedingt von ihr gelesen haben sollte, antwortete sie: "Lies Foucault!"

  Unser Autor
Bodo Niendel ist Queer-Referent der Bundestagsfraktion Die Linke und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Harald Petzold. Sein Text über Foucault erschien zuerst in der Zeitschrift "Lotta" der Linksfraktion.
Links zum Thema:
» Alle Bücher von Michel Foucault bei Amazon
» foucaultblog der Universität Zürich
Mehr zum Thema:
» Michel Foucault: Wie ist es möglich, anders zu denken? (23.07.2013)
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Service: | pdf | mailen
Tags: michel foucault, philosoph, spezies, machtverhältnisse, queer theory, gender studies
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Reaktionen zu "Foucault – schillernder Vordenker einer queeren Politik"


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
25.06.2014
10:48:17


(+6, 12 Votes)

Von dragan
Aus Dresden (Sachsen)
Mitglied seit 25.06.2010


Konversationslexikon zum Leben der Anderen

"Foucault war das zweite Kind von Paul-André Foucault, Chirurg und Universitätsprofessor der Anatomie,.."

"Sartre wurde in Paris als Sohn des Marineoffiziers Jean-Baptiste Sartre (18741906) geboren."

" Sein Vater war Bankier, und Althusser beschreibt ihn als autoritär und der Erziehung gegenüber gleichgültig; seine Mutter erscheint als frustriert und besitzergreifend."

" Heideggers Vater war Küfermeister und versah an der örtlichen katholischen Kirche das Amt des Mesners."

"Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken geboren, einem Dorf nahe Lützen in der preußischen Provinz Sachsen, heute Sachsen-Anhalt. Seine Eltern waren der lutherische Pfarrer Carl Ludwig Nietzsche und dessen Frau Franziska, geborene Oehler."

"Wilhelm Reich wurde 1897 als erster von zwei Söhnen des Gutsbesitzers Léon Reich und dessen Frau Cecilia geboren."

"Judith Butler wuchs in Cleveland, Ohio auf. Ihre Eltern, eine Wirtschaftswissenschaftlerin ungarischer Herkunft und ein Zahnarzt aus Russland,.."

In diesem Jahr wurde Bodo Niendel geboren:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/1974


In diesem Jahr kam Bodo Niendel nach Berlin:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/1997


Bei stayfriends gibt Bodo Niendel "Dipl. pol." an

Link:
stayfriends.berlin.de/Schule/Bochum/Grundschule/GG
S-Laer-S-2DA9-S


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#2
25.06.2014
11:19:06


(-3, 9 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Zu Foucault fällt mir nur das ein:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Foucaultsches_Pendel


Verwandt?


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#3
25.06.2014
14:58:04


(+3, 9 Votes)
 
#4
25.06.2014
20:04:54


(+4, 6 Votes)
 
#5
25.06.2014
20:12:08
Via Handy


(+4, 6 Votes)

Von Miepmiep
Antwort zu Kommentar #2 von FoXXXyness


Der Buchtitel von U. Eco ist natürlich absichtlich doppeldeutig. Aber Philosoph und "Pendler" sind wohl nicht miteinander verwandt.


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