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  • 25.06.2014           12      Teilen:   |

"Don Juan" vom Staatsballett

Schwuler Teufel verführt Frauenheld

Artikelbild
Soll der Frauenheld "umgepolt" und in die teuflische schwule Unterwelt gelockt werden? Michael Banzhaf als Diavolo (re.) und Leonard Jakovina als Don Juan (Bild: Yan Revazov)

Chaps, Cher-Klone und Dauererektionen: Die Outfits in Giorgio Madias Ballett-Inszenierung "Don Juan" an der Komischen Oper Berlin erinnern an die CSD-Parade am Tag der Uraufführung.

Von Kevin Clarke

Gut, dass nun auch das geklärt ist: Der Teufel bzw. "Diavolo" ist schwul, trägt Hörner und Chaps, die seinen nackten Hintern zeigen. Er liebt es, wenn seine Assistenz-Teufel schwarzen Glitzer tragen und zur "Air des Furies" aus "Orphée et Eurydice" mit langen schwarzen Perücken aussehen wie Cher-Klone. Er lässt sich vorzugsweise begleiten von einer mysteriösen Solo-Geigerin im Veronica-Lake-Look. Und er trägt eine Dauererektion vor sich her, die überdimensioniert spitz zum Himmel zeigt.

Dieses Outfit, in dem Michael Banzhaf bei der Premiere von "Don Juan" in der Komischen Oper Berlin zu sehen ist, hätte er ohne jegliche Veränderung zur Parade des Berliner CSD e.V. tragen können, die am gleichen Tag stattfand wie die Uraufführung dieses Balletts von Giorgio Madia, mit Musik von Christoph Willibald Gluck.

Man kann das durchaus erfreulich finden, wie sich hier die Sphären überschneiden und gegenseitig inspirieren. Auch der überaus attraktive Titelheld, Leonard Jakovina, ziert seit Wochen nackt auf einem Poster die Hauptstadt und sorgt für ordentliches Zuschauerinteresse in homosexuellen Kreisen. Das Berliner Schwulenblatt "blu" verloste sogar gezielt Tickets für diesen neuen "Don Juan" des Staatsballetts. Ein geschickter Marketing-Schachzug.

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Diavolo knutscht Don Juan

Umgeschnallte Erektionen: Auf der Bühne der Komischen Oper wird fortwährend auf erregte Sexualität verwiesen - Quelle: Yan Revazov
Umgeschnallte Erektionen: Auf der Bühne der Komischen Oper wird fortwährend auf erregte Sexualität verwiesen (Bild: Yan Revazov)

Warum der Diavolo allerdings hinter dem eleganten, hoch gewachsenen Don Juan her ist, der in den schwarzen Kostümen von Bruno Schwengl noch besser aussieht als nackt auf dem Poster, wird in dieser Neuschöpfung von Madia nicht klar. Ebenso wenig, was der Kuss auf dem Höhepunkt des Pas de deux zwischen den beiden Herren bedeutet. Soll der Frauenheld Don Juan "umgepolt" werden und in die teuflische schwule Unterwelt gelockt werden? Wäre er da glücklicher als mit den steifen Damen und im Solo mit einem überdimensionierten aufgehängten Kleid, das nur mehr Hülle ohne Inhalt ist?

Das wären durchaus interessante Fragen, die mit ihrer gesellschaftspolitischen Dimension gerade heute einen Nerv hätten treffen können – nicht nur am Christopher Street Day in Berlin, sondern überhaupt in einer Zeit, wo darüber diskutiert wird, wie die Mehrheitsgesellschaft mit nicht-heterosexuellen Lebensentwürfen umgehen will.

Grundsätzlich erzählt der Choreograf, mit leichten Kürzungen, die Don-Juan-Geschichte, wie wir sie aus Mozarts Oper kennen. Es fängt mit der Flucht aus Donna Annas Haus an und endet, nach der Höllenfahrt, mit einem kurzen Commedia-dell'arte-Epilog. Die Szenen dazwischen sehen auf der erlesen stylischen Bühne von Cordelia Matthes aus, als seien sie allesamt der neusten Ausgabe von "AD" oder "World of Interiors" entsprungen: schwarz-grau-weiße Wände mit klassizistischen Landschaftsdrucken, schwarze Lacktürrahmen. Dazu Kostüme, die bei den Damen oft an Revue-Outfits aus den 1920er Jahren erinnern, also die Zeit, wo in Berlin Hermann Haller, Erik Charell und James Klein zeigten, dass die Hauptstadt den Rhythmus der Neuzeit bis zum Exzess mittanzen will.

Die Orchesterpassagen kommen vom Band

Allerdings ist Glucks Musik alles andere als Revue-Musik, die zu solchen Girl-Reihen passt. Gluck schrieb bekanntlich 1761 eine Ballettpantomime mit Titel "Don Juan". Dieses kurze Stück ist hier erweitert worden mit Musik aus diversen anderen Gluck-Werken, um den Abend auf pausenlose anderthalb Stunden zu strecken. Die Orchesterpassagen kommen vom Band (von einem namenlosen Orchester gespielt), live hört man nur Lidia Baich als blonde Solo-Violinistin auf der Bühne und Alina Pronina am Cembalo im ansonsten leeren Orchestergraben.

Wirklich mitreißende Tanz-Episoden entstehen, für mein Empfinden, selten. Zwar klingt Gluck grandios und majestätisch, teils auch einschmeichelnd kammermusikalisch, aber einen sinnlichen Rausch oder rhythmische Bewegung erzeugt sie nicht. Alles bleibt kühl und statisch. Was zur durchgestylten kühlen Optik Madias passt.

Auf der Bühne wird allerdings fortwährend auf erregte Sexualität verwiesen, mit den umgeschnallten Erektionen der männlichen Tänzer und mit den aufgemalten Brustwarzen der weiblichen Tänzerinnen, die teils auch noch einen Vagina-Schlitz zur Schau stellen. Aber die Sinnlichkeit oder gar erotische Ausstrahlung der Figuren bleibt Abstraktion. Es gibt keine Szene, in der die emotionale Temperatur steigt. Außer einmal, als Marian Walter als eifersüchtiger Carino (= Masetto) mit athletischen Sprüngen die Steifheit der Produktion sprengt und eine Ahnung dessen bietet, was das Ballett insgesamt hätte gebrauchen können, um tänzerisch stärker zu packen.

Wunderbar dekorierter Abend mit einigen witzigen Einfällen

Trotz schöner Bilderwelten: Das schwule Element der Inszenierung bleibt ohne Tiefsinn
Trotz schöner Bilderwelten: Das schwule Element der Inszenierung bleibt ohne Tiefsinn (Bild: Yan Revazov)

So bleibt es ein wunderbar dekorierter Abend, mit einigen witzigen Einfällen (zum Beispiel der Einsatz von Spiegeln, gleich zu Beginn bei der Flucht aus Donna Annas Haus), mit umher stolzierenden attraktiven Tänzern und etlichen vergleichsweise anonym wirkenden Solo-Tänzerinnen: Elena Pris als Anna, Ilienia Montagnoli als Donna Isabella, Nadja Saidakova als Elvria und Iana Salenko als Elisa (= Zerlina).

Die Cher-Clones am Schluss (Martin Arroyos, Taras Bilenko, Nicola Del Freo, Sacha Males, Kévin Pouzou, David Simic, Ulian Topor und Wie Wang) sind mit ihren Outfits auch für Cher-Fans eine kleine geschmackliche Herausforderung. Ansonsten sehen aber auch sie nicht minder attraktiv aus als der Titelheld.

Wirklich beeindruckt hat mich der kleine Vladislav Marinov als Diener Juans, Zanni. Seine Rolle ist eher akrobatisch angelegt, als Commedia-dell'arte-Part, und Marinov spielt diesen Part mit Bravour. Dass er teils in ein seltsames Shorts-Outfit schlüpfen muss, in dem er neben Leonard Jakovina (mit schwarzem Latex-Hintern) aussieht wie Batman und Robin in der Fetisch-Abteilung des CSD, wird manchen Comic-Fan erfreuen. Auf mich hatte das eine eher erheiternde Wirkung, inmitten all der elegischen Langeweile.

Buhs für den Choreografen

Am Ende gab es neben dem üblichen großen Applaus für die Solisten heftige Buhs für den Choreografen. Diese Buhs kann ich insofern nachvollziehen, als man einem "Don Juan" – auch dem von Gluck – im Jahr 2014 doch mehr abgewinnen kann, als World-of-Interor-Dekorationen, in denen sich edle Tänzer zu edler Musik bewegen. Ohne nennenswerten Sinn oder Tiefsinn.

Das schwule Element in die Geschichte einzufügen, ist sicherlich eine gute Idee, die allerdings in der Ausarbeitung hier sehr dürftig bleibt. Immerhin bemerkenswert: Einer der Sponsoren der Produktion ist die Rusmedia Group. Dass ausgerechnet ein russisches Medienunternehmen eine solche Produktion mit offensichtlicher "homosexueller Propaganda" unterstützt, mag man erstaunlich finden. Oder ist es im Sinn von Russlands Machthabern, dass die Schwulen in diesem "Don Juan" des Staatsballetts in der Hölle leben und nach dem Jüngling Leonard Jakovina greifen, den sie vom rechten Pfad der Heterosexualität abbringen wollen?

Auf solche Diskussionen lässt sich Madia nicht ein. Und so bleiben von diesem Gluck-Abend vor allem die schönen Bilderwelten hängen – und die Batman-und-Robin-Momente von Jakovina und Marinov.

  Infos zum Stück
Don Juan. Ballett von Giorgio Madia. Musik von Christoph Willibald Gluck. Es tanzen Solisten und Corps de ballet des Staatsballetts Berlin. Weitere Aufführungen in der Komischen Oper Berlin am 26.06., 30.06., 02.07., 06.07., 02.12., 09.12., 29.12.2014 sowie am 08.01.2015, jeweils 19.30 Uhr. Karten unter staatsballett-berlin.de.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Ballett auf der Homepage der Komischen Oper
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Tags: don juan, komische oper, staatsballett, giorgio madia, christoph willibald gluck, michael banzhaf, leonard jakovina, diavolo, vladislav marinov
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Reaktionen zu "Schwuler Teufel verführt Frauenheld"


 12 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
25.06.2014
11:21:06


(-5, 9 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Teuflisch gut!


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#2
25.06.2014
12:48:24


(-1, 9 Votes)

Von nicht komisch


Und so was in Berlin! Schwule sind Teufel, die die Normalen zu ihrem "höllischen Treiben" verführen wollen. Spießiger war Wunschdenken nie!

Noch platter kann man es wohl kaum für die Provinzler (à la FoXXXyness #1) zur Schau stellen.

Natürlich lässt sich Madia auf keine Diskussion seinen russischen Sponsor betreffend ein.
"Wes Brot ich ess, des Lied ich sing."
Das ist opportunistisch, widerlich und charakterlos.

Die zur Komischen Oper gekarrten Provinzbusladungen werden es lieben.


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#3
25.06.2014
13:10:19


(-6, 8 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von nicht komisch


Ich habe nie verstanden woher diese unerträgliche Berliner Arroganz kommt.
Münchener können das ähnlich, aber da wird wenigstens was geleistet und die Stadt steht gut da.
Nach Berlin hat man die Bundesregierung gekarrt um die "Provinzler" zu verwalten, dazu gibts jährlich Milliarden Steuern die die "Provinzler" gezahlt haben um den Laden da halbwegs am Laufen zu halten und durch Sozialleistungen den Frieden halbwegs zu bewahren.
Dafür gibt Berlin Bushido und den restlichen Aggro Berlin Müll zurück.

Aber du hast recht. Den Provinzgeldhahn zudrehen, die Provinzschwaben und Provinztouristen raus halten, wieder ne Mauer drum und Ruhe ist.

Wie war das? Berlin, arm aber überheblich? Wie du so schön sagst, widerlich und charakterlos.


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#4
25.06.2014
13:20:00


(-4, 6 Votes)

Von auch nicht
Antwort zu Kommentar #2 von nicht komisch


Seid ihr was Besseres, in der Hauptstadt der Armen und Kriminellen?


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#5
25.06.2014
14:53:13


(+2, 6 Votes)

Von ehemaligem User LangsamLangsam
Antwort zu Kommentar #2 von nicht komisch


Wie gut, daß man sich hinter einem Nicknamen verstecken kann, wenn man über andere herfällt. WOW


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#6
25.06.2014
15:02:19


(+1, 7 Votes)

Von resi nun im tal


miranov in verdis fliegendem niederländer

Bild-Link:
vladislav-marinov-11.jpg?w=584


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#7
25.06.2014
19:25:16


(-1, 5 Votes)

Von -BC-
Antwort zu Kommentar #2 von nicht komisch


Ach Jott,

dann ist der Teufel halt schwul und? ^^

Ich verstehe ja Deine Interpretation bzw. deine Angst vor Überinterpretation...

Aber hey, warum sollte der Teufel nicht schwul sein? Wir sind doch die ersten, die schreien, wenn wir nicht alles sein können ;-)

Und wenn man sich einen schwulen Teufel erst einmal vorstellen kann... Ja mei, natürlich ist der dann hinter dem knackigen Hetero her, haha ^^


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#8
25.06.2014
19:49:07


(0, 6 Votes)

Von niccinicci


Berlin ist einfach klasse und macht Lust auf mehr, in vielerlei Hinsicht! Nur ein Grund mehr, das Kultur unbedingt subventioniert werden sollte. Sie wird uns alle überleben. Früher oder später liebt jeder die Hauptstadt, einige brauchen nur etwas länger, um es zu begreifen. Gruss in die Provinz!


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#9
25.06.2014
21:29:59


(-3, 5 Votes)

Von Bölverkr
Antwort zu Kommentar #8 von niccinicci


Im ganz Allgemeinen stimme ich Dir zu, was die Notwendigkeit der Finanzierung von Kultur angeht. Wem ein Ding etwas bedeutet dem sollte es dann auch wert sein, lieb und teuer. Wenn es wert ist zu tun sollte es auch wert sein ganz und gut getan zu werden.

Ich würde nicht die Wortwahl der Streicher übernehmen. Subventionieren hört sich ein wenig nach Kochsalzinfusion in komatösem Endstadium an.

Was das Überleben angeht, Kultur ist was man im Großen der Gesellschaft aber auch individuell, was man für sich selbst daraus macht. Ich bin mir sicher daß lange nach meinem Abgang Wagner noch gehört, erfahren wird. Vermutlich stylisch. Vom Band.

Die Provinz übrigens besitzt - noch - dank vornapoleonischer Kleinstaaterei eine ganz nette Menge eigener Kultur. Insofern kann ich mir mit dem Ausbrechen meiner Liebe zur Groß-, nein, Haupt-, was sag' ich, Weltstadt Berlin noch ein wenig Zeit lassen. Da weiß man nicht zu sagen wer da mehr Glück hat, ich oder Berlin. Oder Gluck?

Gruß aus der Provinz.


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#10
25.06.2014
22:12:17


(-3, 3 Votes)

Von Bölverkr
Antwort zu Kommentar #9 von Bölverkr


Und, wenn's genehm ist: Hopp Schwiiz!!!


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