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  • 26.06.2014           9      Teilen:   |

Interview

Prinz Chaos II. und seine Hymne auf den passiven Analverkehr

Artikelbild
Ein schwuler Liedermacher alter Schule: Prinz Chaos II. veröffentlichte 1999 seine erste CD "Jahrhunderttausendsiegesnacht"

Ein begnadeter schwuler Liedermacher wohnt in seinem eigenen Schloss in Thüringen. Das "königlich-chaotische Staatsunterhaupt" Prinz Chaos II. gewährte uns eine Audienz.

Von Dietrich Dettmann

Schon mal was von Prinz Chaos II., königlich-chaotisches Staatsunterhaupt von Schloss Weitersroda der autonomen Waldrepublik Südthüringen gehört? Die Rede ist von Florian Ernst Kirner, der als schwuler Liedermacher in seinem eigenen Schloss ein schräges Dasein lebt.

Sein "möglichst uneinheitliches Werk" enthält Songs aus allen schwulen und nicht-schwulen Lebenslagen, die frivol, frech und politisch provokativ sind. Wir lernten den schrägen Songwriter kürzlich beim schwul-lesbischen Journalistenseminar im Waldschlösschen kennen und sprachen mit ihm anschließend über sein wildes Leben und seine neue CD.

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Prinz Chaos II. auf der Bühne
Prinz Chaos II. auf der Bühne

Lieber Prinz, dein Name irritiert. Warum hast du dir diesen Titel gegeben?

Als Vierjähriger gab es eine denkwürdige Szene im elterlichen Ehebett, als man mir von König Ludwig II. erzählte und Bilder von ihm zeigte. Bei der Nachricht, dass er tot sei und zwar vermutlich ermordet wurde, habe ich einen fürchterlichen Heulkrampf hingelegt. Ich vermute, seitdem herrschte in meiner Familie eine latente Verunsicherung über meine sexuelle Orientierung…

Prinz Chaos II. kam dann so um das Jahr 2000 in mein Leben. Ich befand mich damals in einer schweren Krise, mit Depressionen und allem drum und dran. Ein Teil davon war mein Coming-out als Künstler. 2008 habe ich mir dann auch noch ein 500 Jahre altes Schloss in Südthüringen gekauft, wo ich seither auch lebe – und so wurde aus dem Künstlernamen immer mehr mein Leben. Und jetzt bin ich Prinz Chaos II. geworden, und der Name ist auch im Personalausweis eingetragen.

Du arbeitest ja mit – und wirst ja gefördert – von deinem Freund Konstantin Wecker. Würdest du dich selber als modernen politischen Songwriter bezeichnen?

Ein Songwriter bin ich auf jeden Fall. Modern bin ich vermutlich in meiner Sprache und meinem musikalischen Ausdruck. Aber gerade lyrisch greife ich auch sehr weit zurück, also auf die deutschsprachige Literatur bis hin zur Romantik.

Wenn Politik die Auseinandersetzung darum ist, wie wir zusammenleben wollen in dieser Welt, dann bin ich wahrscheinlich auch sehr politisch. Das hängt davon ab, wie man Politik definiert. Ich hätte jetzt keinerlei Ambitionen, einen Song über Angela Merkel zu schreiben oder, wie das die heutigen Kabarettisten tun, pausenlos die Tagespolitik zu kommentieren. Aber ich bin schon sehr dafür, dass wir den Karren der Welt nicht an die Wand fahren lassen.

Auf deiner neuen CD "TsunamiSurfer" sind 14 Songs mit sehr persönlichen Texten. Wie autobiografisch sind deine Stücke?

Das ist unterschiedlich. Den Titelsong "TsunamiSurfer" habe ich geschrieben, als ich zwischen 2004 und 2006 in Tokio gelebt habe und dann dieser grauenvolle Tsunami nach einem Seebeben ganze Landstriche in Südostasien verwüstet hat. Das Lied hat also eine autobiografische Basis, aber die Metaphorik des Textes ist ganz eigenständig. Der Song beschreibt quasi eine Überlebenstechnik im Zeitalter globaler Disaster. Der Song "Soldatenliebe" hat rein gar nichts Autobiografisches. Ich wurde selber nämlich wegen herausragender schauspielerischer Leistungen ausgemustert.

Direkt von meinem Leben handelt "Weitersroda", was eine trotzige Liebeserklärung an das Dorf in Südthüringen ist, in dem ich lebe. "Schloss im Schnee" ist quasi eine Romantisierung des winterlichen Schlosslebens, wobei wir es inzwischen soweit im Griff haben, dass die Schlosswinter vor allem wunderschön sind. Aber die ersten zwei, drei Winter waren echt heftig…

Wie reagiert das heterosexuelle Publikum auf deine zum Teil ja sehr direkten und deftigen Texte aus dem schwulen Leben?

Heteros reagieren da eigentlich sehr gut drauf. Schau, wenn ich ein Liebeslied singe, handelt es halt von Jungs. Aber es bleibt dadurch ja ein Liebeslied. Fast alle verstehen genau, dass ich hier über Liebe singe und nehmen das für sich an, wie Schwule ja auch mal Liebeslieder für sich "nutzen", die von Männlein und Weiblein handeln. Ansonsten finden Heteros meine schwulen Themen ziemlich interessant, glaube ich, oder reagieren jedenfalls sehr positiv darauf. Aber richtig homophobe Leute kommen halt auch eher nicht zu mir – und das ist auch gut so.

Youtube | Prinz Chaos II. singt "Ficken" live auf dem Thomsdorfer Liederfestival 2013
Das neueste Album des Prinzen: "TsunamiSurfer" ist im Mai 2014 bei Sturm & Klang erschienen
Das neueste Album des Prinzen: "TsunamiSurfer" ist im Mai 2014 bei Sturm & Klang erschienen

Du kommst im Sommer nach NRW und bist unter anderem am 2. August zu Gast beim Ruhr CSD in Essen. Ich geh mal davon aus, dass du dann auch die Songs von deiner neuen CD spielen wirst wie "Queer as Folk". In diesem Song hälst du der Community den Spiegel vor. Sind wir wirklich überall schon Mainstream und in der Gesellschaft aufgegangen? Oder sollen wir weiter auf unsere Identität pochen?

Wir sind vielleicht einfach am Beginn einer neuen Phase angelangt. Viele von uns haben ja doch die Witterung, dass der Schwulenhass in gewissen Ecken wieder zunimmt und auch gefährlich geschürt wird. Gleichzeitig sind wir gesellschaftlich sehr sichtbar geworden und nach wie vor ziemlich offensiv unterwegs.

Insgesamt müssen wir uns eventuell neu aufstellen. Nur auf gleiche Rechte in der Ehegesetzgebung zu drängen, reicht nicht aus. Mir geht es darum, Akzeptanz für uns so zu erreichen, wie wir eben sind und sein wollen. Auch und gerade im Alltagsleben. Und in Südthüringen weiß ich, wovon ich da spreche. Weniger anders zu werden, damit uns die Heten lieb haben oder wenigstens dulden, ist jedenfalls nicht mein Ansatz und das klappt so auch gar nicht, glaube ich. Ich selber mag einfach die ganze, bunte, queere Welt mit ihren vielfältigen Ausdrucksformen und niemand sollte sich verbiegen müssen.

Im Song "Ficken" besingst du offen deine passiven Leidenschaften. Ist das deine Art das Thema Sex zu politisieren oder willst du damit provozieren?

Puh, mei, was heisst schon Provokation? Leute meinen oft, ich würde gezielt provozieren, dabei singe ich einfach über mein Leben, ohne mir jetzt ständig zu überlegen, ob das irgendwen schocken könnte oder nicht. Ich merke natürlich, dass diese Hymne auf passiven Analverkehr ein Tabu berührt. Aber gerade der Song kommt eigentlich supergut an. Bei Schwulen sowieso, aber auch bei Frauen ganz allgemein und überraschenderweise auch bei Heteromännern, was man jetzt interpretieren kann wie man möchte.

"Ficken" ist ja auch ein sehr poetisches Lied, in einem sehr klassischen Gewand mit Klavier, Kontrabass, Klarinette und einem musikalischen Bach-Zitat. Der Song hat rein gar nichts Derbes oder Schmutziges an sich, im Gegenteil. Es ist ein schönes Lied über schönen Sex – und ja: dieser Song ist durchaus sehr autobiografisch.

In deiner bissig-bösartigen Ballade "Das Papamobil" rechnest du mit dem Papst ab. Wie viel Respekt hast du noch vor der Kirche? Ist sie insbesondere beim Thema Homosexualität reformierbar?

Einspruch! Ich rechne da nur mit Ratzinger ab, in einem sehr fiesen Spottlied, das durchaus vom Gedanken der Rache für seine widerliche homophobe Dauerkampagne getragen ist. Aber ich attackiere damit nicht die Kirche als Ganzes. Ich habe vor zwei Jahren sogar ein Passionsspiel für die katholische Kirchgemeinde Luzern geschrieben – und ich kenne kaum Katholiken, die Ratzinger nicht absolut fürchterlich finden würden.

Ich bin selbst auch ein sehr religiöser Mensch und benutze, wenn ich auf Reisen bin, die Gotteshäuser sämtlicher Glaubensrichtungen als Orte der Stille. Aber ich bin in Bayern aufgewachsen und habe die katholische Kirche da nicht unbedingt als sehr hilfreich empfunden. Deswegen bin ich auf meiner spirituellen Suche eher in Asien fündig geworden, aber ich liebe speziell barocke Kirchen und mag sakrale Kunst.

Inwieweit die katholische Kirche beim Thema Homosexualität reformierbar ist, kann ich nicht beantworten. Bis auf weiteres bin ich da eher skeptisch, aber Wunder gibt es ja angeblich immer wieder…

Youtube | Prinz Chaos II. mit "Das Papamobil" beim Musikfestival in Schleusingen
Links zum Thema:
» In das Album "TsunamiSurfer" bei Amazon reinhören
» Homepage von Prinz Chaos II.
» Fanpage auf Facebook
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Tags: prinz chaos ii, konstantin wecker, liedermacher, staatsunterhaupt, schloss weitersrode
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Reaktionen zu "Prinz Chaos II. und seine Hymne auf den passiven Analverkehr"


 9 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
26.06.2014
17:58:57


(-1, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Thüringen besteht nicht nur aus Rostbratwurst! Es ist das erste Mal, daß man von dem Künstler hört!


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#2
26.06.2014
18:32:59
Via Handy


(-1, 7 Votes)

Von ehemaligem User DavidJacob


Oh Hilfe....das Sommerloch ist da.


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#3
26.06.2014
20:02:40


(+3, 7 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby


'...Nur auf gleiche Rechte in der Ehegesetzgebung zu drängen, reicht nicht aus. Mir geht es darum, Akzeptanz für uns so zu erreichen, wie wir eben sind und sein wollen.... Weniger anders zu werden, damit uns die Heten lieb haben oder wenigstens dulden, ist jedenfalls nicht mein Ansatz und das klappt so auch gar nicht, glaube ich...'.

Es gibt Hoffnung: ein schwuler Mann mit Eigensinn, Humor, Selbstbewusstsein und Respekt ... es gibt sie also noch, diese eigenwillige Spezies, die über den schwulen Tellerrand blicken und sich dem 'habt mich bitte lieb, ich will auch ganz brav normal sein' widersetzen. Schön...


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#4
27.06.2014
09:03:10


(+5, 5 Votes)

Von remixbeb
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von Monster_Baby


Was heißt denn für Dich "normal" bzw. "anders"?! Ich habe manchmal den Eindruck, dass für manche Schwule normal gleichbedeutend ist mit langweilig und bieder und anders mit unangepasst und sexy. Aber forderst Du damit nicht genau das, was Du umgekehrt anprangerst? Diese Eigenschaften sind meiner Meinung nach nicht von der sexuellen Orientierung abhängig. Wo ist denn die ach so vielbeschworene Vielfalt? Forderst Du sie lediglich von den anderen, Schwule selbst haben aber bitte so und so zu sein, um nicht in den Verdacht zu kommen, sich den Heteros bzw. "Normalen" anzubiedern?
Ich bin schwul und auch sehr zufrieden damit. Und dennoch sehe ich mich nicht als "anders" (bis auf die Tatsache, dass ich mit nem Typen in die Kiste gehe). Wenn ich z.B. die Wahl habe zwischen einem Tag in der Natur mit Abends Chillen auf der Couch oder einem Styling-Marathon den ganzen Tag, um sich für die Nacht in Clubs fertig zu machen, dann wähle ich ohne lang zu überlegen ersteres. Ist das "normal" für nen Schwulen? Oder ist dir das zu angepasst und "hetero"?!
Vielleicht ist es ein Trugschluss. Aber ich habe fast den Eindruck, dass wir einen respektvollen Umgang in der Gesellschaft erst dann erreichen werden, wenn wir selbst uns nicht immer nur damit beschäftigen, was gut, was schlecht, was normal und was anders ist. Jeder Mensch ist ein Individuum mit hunderten von Facetten. Und das gilt für Heteros genauso wie für Schwule etc. Man muss nicht jeden mögen, aber vielleicht sollte man auch mal endlich damit aufhören, ständig auf den Unterschieden rumzureiten und diese zu werten. Damit erreicht man letztendlich nur eine Separation und Festigung der vermeintlichen "Lager" und die soll ja offenkundig irgendwann mal verschwinden.


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#5
27.06.2014
09:47:24


(+2, 4 Votes)

Von reverse
Antwort zu Kommentar #4 von remixbeb


Es ist doch eigentlich ganz einfach:

Niemand will anders sein und nicht dazugehören.


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#6
27.06.2014
13:24:42


(+3, 3 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby
Antwort zu Kommentar #4 von remixbeb


Um ehrlich zu sein, habe ich nur den Text von Dietrich Dettmann gelesen und fand die Beschreibung des Künstlers - den ich übrigens noch nicht kannte - einfach interessant und witzig. Deine Interpretationen was ich normal finden könnte und was zu 'hetero' (hab ich das so geschrieben?) ist so aus meinem Kommentar nicht zu entnehmen. Ich würde ihn allerdings so auch nicht mehr schreiben - er ist einfach nicht besonders gelungen. Was mir an dem Portrait über den Liedermacher gut gefallen hat, ist die eigentlich einfache Idee, das jede/r so leben kann und darf wie er/sie eben ist; und das ist eben nicht für jede/n möglich, wenn er/sie von der gesellschaftlichen Norm zu sehr abweicht - und es gibt Normen, die sich je nach Wohnort oder Region unterscheiden. Das hat allerdings weniger mit hetero oder homo zu tun, sondern mit leben und leben lassen. Find ich ja niedlich, dass du eine Normalität für viele Schwule in einem 'Styling-Marathon' für das abendliche Ausgehen in einen Club vermutest. Falsch vermutet, das ist nicht meine Realität. Aber daran siehst du, dass du anscheinend auch nicht frei von Vorurteilen gegenüber anderen LGBTI*s bzw. Schwulen bist - ich übrigens auch nicht ....


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#7
27.06.2014
14:10:04


(+5, 5 Votes)

Von maaartin
Antwort zu Kommentar #4 von remixbeb


bin mir gar nicht so sicher, dass ihr komplett unterschiedlicher meinung seit. wie du schon sagst, menschen haben viele facetten. und es gibt zahlreiche möglichkeiten man selbst zu sein, jenseits von natur, stylingmarathon und chillen auf der couch.


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#8
27.06.2014
15:10:42


(-1, 7 Votes)

Von ehemaligem User LangsamLangsam


Von Konstantin Wecker gefördert, schon das ist einen Brüller wert.


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#9
01.07.2014
02:16:32


(-1, 3 Votes)

Von Ferrante


Das Chaos herrscht bei diesem 'Künstler' wohl eher im Kopf - evt zuviel 'queer as folk' geschaut oder von Konstantin Wecker gefördert worden ha ha.

Solche Künstler braucht das Land:

Link zu www.rockhard.de


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