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DDR-Fahne an einem Fenster in Chemnitz: Zumindest bei der Entkriminalisierung von Homosexualität hatte das realsozialistische Deutschland immer die Nase vorn (Bild: 92682792@N00 / flickr / by 2.0)

Wenige Monate vor der Maueröffnung – und fünf Jahre vor der Bundesrepublik – wurde im SED-Staat das höhere Schutzalter für gleichgeschlechtlichen Sex aufgehoben.

In der langen Geschichte der Entkriminalisierung von Homosexualität in Deutschland können wir in diesen Tagen an einen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Meilenstein erinnern: Vor 25 Jahren wurde in der DDR das Gegenstück zum bundesdeutschen Paragrafen 175 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Den Beschluss fasste die Volkskammer bereits 1988, doch erst am 30. Juni 1989 trat die Streichung des Paragrafen 151 StGB in Kraft, der für homosexuelle Handlungen ein höheres Schutzalter als für heterosexuelle Kontakte vorgesehen hatte. Bereits fünf Jahre vor Westdeutschland und nur kurz vor der Maueröffnung schaffte die DDR damit die strafrechtliche Sonderbehandlung von Homosexualität ab.

Die SED-Herrschaft sorgte in der DDR jahrzehntelang für eine gesellschaftliche Tabuisierung von Homosexualität. Beim Strafrecht hatte die DDR aber immer die Nase vorn: Während in der Bundesrepublik der Paragraf 175 StGB bis 1969 in der massiv verschärften nationalsozialistischen Fassung von 1935 unverändert in Kraft blieb, kehrte die DDR immerhin zur Rechtslage vor den Nazis zurück, die allerdings auch menschenrechtswidrige Verfolgung bedeutete. Ende der 1950er Jahre stellte die DDR die Strafverfolgung homosexueller Handlungen unter Erwachsenen de facto ein.

Der neue Paragraf 151 kriminalisierte erstmals auch Lesben


1988 stimmte die Volkskammer für die Streichung des § 151 – am 30. Juni 1989 trat der Beschluss in Kraft

Im Jahr 1968 gab sich die DDR ein eigenes Strafgesetzbuch. In ihm bestimmte der neue Paragraf 151 StGB – ähnlich wie später in der Bundesrepublik – ein höheres Schutzalter für Homosexuelle. Nun drohten eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Verurteilung auf Bewährung für einen Erwachsenen, der mit einem Jugendlichen gleichen Geschlechts "sexuelle Handlungen vornimmt". Anders als im Westen, wo ab 1973 fünf Jahre Gefängnis für schwulen Sex mit einem unter 18-Jährigen drohten, kriminalisierte der neue Paragraf im Osten Deutschlands erstmals auch Lesben.

Am 11. August 1987 hob das Oberste Gericht der DDR ein Urteil wegen Paragraf 151 mit der wegweisenden Begründung auf, dass "Homosexualität ebenso wie Heterosexualität eine Variante des Sexualverhaltens darstellt. Homosexuelle Menschen stehen somit nicht außerhalb der sozialistischen Gesellschaft, und die Bürgerrechte sind ihnen wie allen anderen Bürgern gewährleistet". Auch die immer selbstbewusstere Bürgerrechtsbewegung von Schwulen und Lesben in DDR, die sich dort in den 1980er Jahren insbesondere im Rahmen der evangelischen Kirche organisierte, dürfte mit zu der 1988 von der Volkskammer beschlossenen Entkriminalisierung beigetragen haben.

Gespaltenes Recht nach der Wiedervereinigung

Der schwul-lesbischen Bürgerrechtsbewegung der DDR ist es nach der Wende auch gelungen, eine Ausdehnung des bundesdeutschen Paragrafen 175 nach Ostdeutschland zu verhindern. Im Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR von 1990 wurde Paragraf 175 StGB ähnlich wie Paragraf 218 von der Übertragung des bundesdeutschen Strafrechts auf die so genannten neuen Länder ausgenommen. Dieses gespaltene Recht legte den Grundstein für die endgültige Streichung des Paragrafen 175 im Jahr 1994 (queer.de berichtete).

Während es in der Bundesrepublik zwischen 50.000 und 60.000 Verurteilungen nach dem Paragrafen 175 gab, waren in der DDR bis 1968 "nur" rund 4.000 schwule Männer betroffen. Nach dem neuen Paragrafen 151 wurden bis 1989 rund 300 Menschen verurteilt. Bis heute sind die Opfer der menschenrechtswidrigen Strafverfolgung von Homosexualität weder rehabilitiert noch für das ihnen angetane Unrecht entschädigt worden – im Westen wie im Osten Deutschlands. (cw/lsvd)



#1 Martin28a
  • 29.06.2014, 12:04h

  • Aus meiner Sicht ist der Artikel verzerrt, es wird so getan als ob in der DDR alles toll war, dem war nicht so, zb wurde die Todesstrafe in der DDR erst 1987 abgeschafft .
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#2 TheDad
  • 29.06.2014, 12:42h
  • Antwort auf #1 von Martin28a
  • Es geht in dem Artikel nicht darum ob in der ehemaligen DDR alles toll war, und hier alles schlecht, sondern um den Einzelfall des Strafrechtes, wo die DDR bereits kurz nach ihrer Gründung zu der Erkenntnis kam, das Mann altes Nazi-Recht nicht weiter anwenden darf !

    Die konsequente Weiterentwicklung des Strafrechtes in diesem Einzelfall, die nicht-Anwendung aus der Erkenntnis heraus, das Homosexualität den Staat nicht unterminiert, ist eine Tatsache, und der Verweis darauf das der Westen völlig anders agierte keine tendenzielle Berichterstattung..

    Was die Abschaffung der Todesstrafe betrifft..

    Faktisch gab es sie in der BRD gar nicht..
    Trotzdem steht sie in verschiedenen Landesverfassungen als Möglichkeit der Betsrafung drinn, so z.B. in der Bremer Landesverfassung und der Hamburgischen ebenfalls..
    Dies ist zum Teil den damaligen Besatzungsmächten geschuldet, und dies gilt ebenfalls auch für die ehemalige DDR, der die Anwendung der Todesstrafe durch die Sowjetische Besatzungsmacht in engen Grenzen gestattet wurde..

    Der Missbrauch der Todesstrafe um sich Regimegegner zu entledigen ist Teil der Parameter die es erlauben die DDR als Unrechts-Staat zu deklarieren..

    Witzigerweise (wenn es nicht so bierernst wäre) wird in der BRD bei jeder Kleinigkeit die Todesstrafe schmerzlich vermisst, so zuletzt bei der Diskussion um die Morde von Jungen in Niedersächsischen Schullandheimen (SOKO Dennis), wo der Täter über ein Jahrzehnt nicht gefasst werden konnte, oder auch im Mordfall des kleinen Mädchens in Emden, wo im Internet zur Lynchjustiz gegen einen verhafteten Verdächtigten aufgerufen wurde, der sich als Unschuldig erwies..

    Ganz so weit voneinander entfernt kann also die Meinung der Leute im Westen von denen im Osten nicht sein, die damals die Todesstrafe befürworteten..
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#3 ClementineAnonym
  • 29.06.2014, 13:14h
  • Zumindest in der Theorie hat hier das Überholen, ohne einzuholen. mal funktioniert.
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#4 Martin28a
  • 29.06.2014, 13:50h
  • Antwort auf #2 von TheDad

  • Ist es nicht so, dass die Forderung der Wiedereinführung der Todesstrafe genauso zur Meinungsfreiheit gehört, wie du dir das Recht nimmst deine Meinung frei mitzuteilen ?
    Du willst Toleranz, tolerierst aber andere Ansichten auch nicht, obwohl es manchmal gute Gründe gibt dir Todesstrafe wieder einzuführen
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#6 sperlingAnonym
  • 29.06.2014, 14:12h
  • Antwort auf #4 von Martin28a
  • >"obwohl es manchmal gute Gründe gibt dir Todesstrafe wieder einzuführen"

    nein, die gibt es eben nicht - es sei denn, man sieht sadistische rachegelüste als "gut" an.

    die angeblich abschreckende wirkung der todesstrafe ist vielfach widerlegt.
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#7 beiwerkAnonym
#8 David77Anonym
  • 29.06.2014, 14:25h
  • Antwort auf #1 von Martin28a

  • Liest du eigentlich, was du da schreibst?! Erst siehst du die späte abschaffung der todesstrafe als negativ an, im nächsten kommentar forderst du deren wiedereinführung ?! Wie bist du denn drauf?
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#9 Martin28a
  • 29.06.2014, 14:37h
  • Antwort auf #6 von sperling

  • Ich hab nicht gesagt das man sie einführen soll
    Es gibt auch nicht nur Gründe als die Abschreckung, die Todesstrafe wiedereinzuführen
    Unterm Strich bin ich auch dagegen aber wenn Leute meinen, dass sie dafür sind, dann verbiet ich denen nicht den Mund
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#10 Martin28a