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  • 01.07.2014           127      Teilen:   |

Diskussion in Köln

Pride 2.0 – Wie weiter mit der (CSD-)Bewegung?

Artikelbild
Ralf König bot dem Publikum Lacher und ältere Comics zur immer aktuellen Frage: Wie muss ein CSD heute aussehen?

In einer "Denkfabrik" suchte der Cologne Pride nach der Zukunft des Christopher Street Days.

Von Norbert Blech

45 Jahre ist der Stonewall-Aufstand in New York nun schon her, auf den sich die Prides in aller Welt beziehen, 35 Jahre der erste Gay Freedom Day in Köln. Ist der CSD also in die Jahre gekommen? Braucht die Bewegung neue Protestformen oder ist die bewährte Pride-Mischung aus Party und Politik nicht doch noch zeitgemäß? Während der Berliner CSD auf diese Fragen mit seinem umstrittenen Stonewall-Konzept von oben reagierte, lud der Cologne Pride am letzten Samstag zur offenen Debatte ins Museum für Angewandte Kunst: "Denkfabrik Pride 2.0".

Mit insgesamt neun Referenten sollten neue Wege für die Bewegung gesucht werden. Letztlich waren in der Diskussion aber wenige Utopien oder Vorschläge zu hören, eher war sie ein Austausch über den derzeitigen Stand der Bewegung und aktuelle Befindlichkeiten.

Dabei hatte der Grünenpolitiker Volker Beck eine gute Vorlage für eine Diskussion geliefert: Bevor er ein wenig parteipolitisch wurde, analysierte er die "neue homophobe Internationale". Früher habe man es mit Leuten wie Norbert Geis zu tun gehabt, der so kontraproduktiv argumentiert habe, dass er für seine Verdienste für die LGBT-Bewegung das Bundesverdienstkreuz bekommen müsste.


Volker Beck


Heute suchten die Gegner subtilere Argumentationen: Hass wird als Kampf für Meinungsfreiheit versteckt; Diskussionen, die eigentlich das Existenzrecht Homosexueller angreifen, werden im Rahmen des Streits um den Bildungsplan derart verdeckt geführt, dass Medien sie haltungslos wie einen Streit über die Rente aufgreifen. Homo-"Heilung" wird als Hilfe für Leute, die Hilfe suchen, verniedlicht.

Die neuen Homophoben sind dabei gut vernetzt, beschreibt Beck – zu anderen Gruppen im Ausland oder auch in einige Parteien hinein: Die AfD profitiert vom homophoben Bildungsplan-Streit, den sie selbst mit anfeuert. Und Unions-Fraktionschef Volker Kauder macht der Evangelischen Allianz die Aufwartung, aus deren Reihen die "Heilung" Homosexueller propagiert wird und deren Veranstaltungen teilweise von der Konrad-Adenauer-Stiftung mitfinanziert werden.

Dabei schwappen die neuen Argumentationsmuster, etwa "Toleranz statt Akzeptanz", und die neuen Kampfbegriffe wie "Gender Mainstreaming" auch in den Mainstream über, so Beck, der das als religionspolitischer Sprecher der Grünen ausgerechnet an einem Vatikan-Papier festmacht. Das alles erfordere eine "neue Kommunikationsaufgabe, für die Politik, aber auch für Prides". Der "homophobe Neusprech" sei zu analysieren und zu entmanteln.

Fortsetzung nach Anzeige


Stragien gegen den Homo-Hass 2.0 zu entwickeln, wäre sicher eine Aufgabe für einen Pride 2.0 – wie auch für Szene-Verbände, Medien, Politik und Gesellschaft. Im Anschluss zu Beck machte aber zunächst Alva Dittrich vom alternativen Kölner CSD, der später am Nachmittag zum ersten Mal seit Jahren stattfand, neue Fässer auf.


Alva Dittrich


Am historischen Datum des Stonewall-Aufstandes kritisierte sie den Begriff "Pride", der entpolitisiert sei und wenig aussage – man vergleiche das mit dem "Stolz" auf die Nationalmannschaft. Es gebe nicht nur eine Szene und folglich nicht nur den einen CSD, auch wenn es neben linken Positionen "etwas Grundsätzlicheres" geben müsse.

Ein CSD müsse auch Rassismus-Kritik bieten, zudem mehr trans und multikultureller sein und das Thema Asyl thematisieren, forderte Dittrich. Auch in der Szene gebe es Ausgrenzung, kritisierte sie zu Recht. Ihr Beispiel, als Frau vom Türsteher eines Schwulenclubs abgewiesen worden zu sein, war allerdings nicht das gelungenste. Mit der Aussage, der Kapitalismus bringe Homophobie hervor, erntete Dittrich schließlich einigen Widerspruch.


Alfonso Pantisano


In dieser recht unsortiert zusammengesetzten ersten Runde folgte dann Alfonso Pantisano vom Berliner Aktivistenbündnis "Enough is Enough", einst als Initiative einiger Freunde entstanden, inzwischen zu groß zum Aufhören. "Wir haben uns entschieden, Verantwortung zu übernehmen", sagt er dazu.

Über den heimischen Streit um den Berliner CSD habe er sich geschämt. Dabei seien nur Einzelpersonen, und nicht die Community zerstritten. Ein CSD könne aber viel leisten, da die Leute, auch die jungen, sich durchaus mobilisieren ließen. Das hatte "Enough is Enough" durchaus eindrucksvoll gezeigt.

Allerdings wäre auch hier eine längere Anschlussdiskussion spannend gewesen, was einerseits Prides von der neuen Bewegung lernen können und ob diese andererseits vielleicht noch etwas mehr Substanz und Vielfalt gebrauchen könnte – es gab Publikumsfragen nach der Botschaft und dem Erfolg von "Enough is Enough" ebenso wie nach der Beteiligung von Lesben an der Gruppe. Auch welchen Nutzen und Schaden soziale Netzwerke einer Bewegung bringen können und ob Facebook & Co. sie nicht so oder so verändern, wäre eine Debatte Wert gewesen.


Ulli Klaum


Statt ergiebigen Diskussionen hetzte man aber durch das Programm samt Mittagessen und etlichen Pausen. Sechs weitere Redner kamen mit sehr unterschiedlichen Einzelbeiträgen zu Wort. Ulli Klaum von der Akademie Waldschlösschen betonte die Wichtigkeit der Bildung und der Fortbildung von Multiplikatoren: "Die Mehrheit kann von uns profitieren", müsse "Vielfalt begreifen und leben".


Johannes Kram vom Nollendorfblog

Der Blogger Johannes Kram regte sich, quasi als dringende Warnung und mit zunehmender Dramatik, über die Ungeschlossenheit der Berliner Szene und den CSD-Streit auf. Ralf König las einige seiner Comics vor, die den alten CSD-Grundkonflikt zwischen Politik und Party thematisierten. Er selbst findet keine Lösung: Einerseits fand er es doof, dass damals, als er mit Freunden in einem Wahljahr beim CSD eine "Entstoiberungsaktion" machte, die ganze Medienaufmerksamkeit der Drag Queen galt, die hinter seiner Truppe stolzierte. Andererseits stolziert auch er gerne mal im Fummel. Ein möglichst großer CSD sei noch immer wichtig für die Teenager, sagte er noch, und, zum Einrahmen: "Humor ist ein gutes Gleitmittel für politische Botschaften".


Georg Roth, bekannt auch als Sister George


Für einige Lacher sorgte auch Georg Roth, beim Kölner Beratungszentrum Rubicon zuständig für schwule Seniorenarbeit, der anhand von Schlagertexten einen unterhaltsamen und viel zu kurzen historischen Abriss der Bewegung bot. "Die Zukunft liegt für mich in der Vergangenheit", betonte er. Man müsse der nachwachsenden Generation wie der Gesellschaft die eigene Geschichte und Struktur erklären, die sich etwa in der Aids-Krise bewährt habe. "Unsere Kultur gilt es zu bewahren und weiterzugeben." Ansonsten lobte er Strukturarbeit, Zusammenhalt bei aller Verschiedenheit oder das Engagement der Jugendlichen vom Schulaufklärungsprojekt SchLAu NRW und betonte, dass sich laut Studien ein Drittel der Gesellschaft für Engagement oder Aktivismus begeistern ließen. Da wäre noch etwas zu holen.


Gabriele Bischoff


Weitere Ideen in der CSD-"Denkfabrik" kamen von Gabriele Bischoff von der LAG Lesben NRW, die zunächst kritisierte, dass sie Podien mit derlei geringer Frauenquote höchstens noch von CDU oder FDP kenne und entsprechende Einladungen normalerweise in den Papierkorb befördere. Ohnehin scheinen die schwul-lesbischen Beziehungen auch 2014 noch unter simplen Missverständnissen, deutlicher Ignoranz auf schwuler Seite und gelegentlich zu großer Abgrenzung auf lesbischer Seite zu leiden, was bei diesem Forum deutlicher wurde als beim CSD und der täglichen Szenearbeit in NRW selbst. Zweifellos ist das auch auf den Trans-Bereich übertragbar.

"Lesben gehen gerne mit, wenn sie nicht nur mit gemeint sind", fasste Bischoff das Problem zusammen. Dabei sei man nur durch Vielfalt stark: "Wir haben nichts geschenkt bekommen, sondern haben uns alles gemeinsam erkämpft." Neben dem gemeinsamen Forderungen müssten aber auch Fragen, die nur Teile betreffen, wie sexuelle Gewalt gegenüber Frauen, als gemeinsames Thema erkannt werden.

Leider vergab Bischoff mit der im Publikum gut ankommenden Strukturkritik die Chance, mehr Ideen zur Zukunft des CSD vorzustellen, wovon sie nicht wenige zu haben schien. CSD-Paraden könnten nach Themenblöcken sortiert werden, schlug sie vor. Sie bewundere die "CSD-Vielfalt" in Berlin; es gebe über 100 Parteien, dann könnte es auch mehrere Prides geben. Zugleich hatte sie, in Anlehnung an den 1. Mai oder 8. März, die Idee, alle CSDs in NRW oder gar Deutschland an einem Tag, etwa dem 28. Juni (also dem Stonewall-Jahrestag) abhalten zu lassen.

In den Pausen führte das unter vielen Besuchern durchaus zu Diskussionen. Einerseits könnte ein einheitlicher Tag erheblich mehr Medienaufmerksamkeit bringen, andererseits wäre das kaum praktikabel, da CSD-Veranstalter ja auch Besucher aus anderen Städten wünschen. Und zudem gibt es noch den Internationalen Tag gegen Homophobie am 17. Mai, an dem sich immer mehr Menschen in immer mehr Städten beteiligen.

Andere Diskussionen abseits des Podiums: Will man ein Motto oder mehrere, wie dieses Jahr in Köln? Oder: Wenn man in der Domstadt-Parade schon so viele mitlaufende LGBT-Jugendliche hat, etwa vom Zentrum anyway und von SchLAu, und diese sich auch immer inhaltlich beteiligen: Warum macht man nicht – in diesem krassen Bildungsplan-Jahr – das Thema Schule zum Motto? Anhand der vielfältigen Gruppen, die beim Domstadt-CSD teilnehmen (ein großes Plus im Vergleich zu Berlin!), könnte man jedes Jahr aktuelle Themen aufgreifen und Medien Ansprechpartner bieten.


Jan Feddersen


Andere fanden genau gegenteilig, man dürfe sich nicht von den Gegnern die Themen aufzwingen lassen. "taz"-Redakteur Jan Feddersen plädierte generell zu "weniger Opferismus", weniger Gejammer. Man müsse sich den Diskursen stellen, die beste Antwort sei aber, die Diskussionen unbeleidigt zu führen und sich der eigenen Stärken bewusst zu sein, diese selbstbewusst zu feiern. Ein CSD dürfe und sollte folglich so schrill, bunt und laut wie möglich sein.

Viel weiter ist man nach dieser Diskussion also nicht in der Frage Pride 2.0, und doch hat etwa ein queerer Medienredakteur noch einmal eindrücklich gemerkt, dass da in der Szene viele wichtige wie vielfältige Stimmen mehr Gehör vertragen könnten. Einige dieser Stimmen haben sich am Samstag erstmals vernetzt, hier lernte eher Berlin von Köln als umgekehrt, und das bringt immer seine Vorteile, neben dem Ideenaustausch auch durchaus praktische: Dank Volker Beck hat nun etwa ein russischer LGBT-Aktivist doch noch ein Visum erhalten, um der Einladung zum Kölner CSD zu folgen.

Der steht am nächsten Wochenende an, und vielleicht findet sich danach die Zeit, eine zweite, ins Detail gehende Runde der "Denkfabrik" zu planen. Darin sollte sich auch jemand vom Cologne Pride selbst der Debatte stellen.

Fotos: Jörg Kalitowitsch (Cologne Pride), Norbert Blech

Links zum Thema:
» Webseite des Cologne Pride
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Tags: csd, köln, volker beck, enough is enough, alfonso pantisano, ralf könig, nollendorfblog, johannes kram, waldschlösschen, gabriele bischoff, lag lesben, rubicon, georg roth, schlau
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Reaktionen zu "Pride 2.0 – Wie weiter mit der (CSD-)Bewegung?"


 127 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
01.07.2014
11:04:38


(+8, 16 Votes)

Von Hangadrottinn


Für niemanden ist der Druck durch alltägliche Homophobie größer als für Jugendliche. Besonders an den Schulen. Ich muß hier wohl kaum schildern wie sich das auswirkt.

Es mag sein, siehe Bildungsplan, daß man sich von seinen Feinden das Schlachtfeld nicht vorgeben lassen soll. Aber diese Feinde haben sehr genau erkannt wo sie mit wenig Aufwand den schlimmsten Schaden anrichten können. Sie zielen darauf die Situation für diejenigen von uns die sich am wenigsten zur Wehr setzen können schlecht zu halten und durch ihre giftigen Ohreinträufelungen, ihre Stimmungmache, ihr Erzeugen einer Homophobie begünstigenden Sprachumgebung möglichst zu verschlimmern.

Vielleicht sollten wir ihnen sogar dankbar sein, daß sie uns zeigen wo der Schwerpunkt für uns zu setzen ist.

Link:
schlau-nrw.de/index_mitmachen_spenden.htm


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#2
01.07.2014
11:16:00


(-3, 17 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Jan Feddersen hat recht. Keine Themen aufzwingen lassen, wer dem rechten Rand zu viel Aufmerksamkeit schenkt, der macht sich mit schuldig an der Verbreitung von Unfug. Wichtiger wäre es in der Tat die Geschichte zu reflektieren und die Inhalte der LGBT-Bewegung als Erbe zu bewahren, wie es Georg Roth anregt.


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#3
01.07.2014
11:42:38


(+11, 17 Votes)

Von Fakten-Check


"Und Unions-Fraktionschef Volker Kauder macht der Evangelischen Allianz die Aufwartung, aus deren Reihen die "Heilung" Homosexueller propagiert wird und deren Veranstaltungen teilweise von der Konrad-Adenauer-Stiftung mitfinanziert werden."

Sowohl Herr Beck als auch der Autor des Artikels verschweigen die Tatsache, dass eine grün geführte Landesregierung solche Homo-Auslöscher erst neulich sogar ins Staatsministerium eingeladen hat. Um unmittelbar danach den geplanten Bildungsplan faktisch zu beerdigen und in fünf Jahren Regierungszeit in Baden-Württemberg gerade dort NICHTS zu verändern, wo es am dringendsten nötig wäre - im Bildungswesen und beim Schutz von Kindern und Jugendlichen vor allgegenwärtiger homophober Gewalt.

Die Grünen sind damit nicht nur in unerträglicher Weise vor der Allianz von Kirchen, Konservativen und Faschisten eingeknickt, die u. a. Hassmobilisierungen gegen Schwule und Lesben im öffentlichen Raum organisieren. Nein, sie haben dieser rechten Allianz damit erst so richtig Auftrieb gegeben!

Schwarz und Grün passen also durchaus auch in diesem Punkt gut zusammen: wenn es um Anbiederung an Allianzen von Kirchen, Konservativen und Faschisten geht.


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#4
01.07.2014
11:52:21


(+9, 11 Votes)

Von Charlie
Antwort zu Kommentar #2 von reiserobby


Geht es hier wirklich nur um dem rechten Rand? Wenn queere Jugendliche z.B. durch solche Aktionen wie die Proteste gegen die Bildungsplan-Reform in ihrer Würde, ihrem Selbstverständnis, ihrer Entfaltungsfreiheit und ihrem Sicherheitsgefühl angegriffen werden, finde ich es durchaus notwendig, dass die Community darauf reagiert. Sich abzuwenden mit der Begründung, dann würden wir Unfug verbreiten, ist meiner Meinung nach ziemlich gefährlich und ignorant. Wenn Menschen auf offener Straße attackiert werden, laufe ich doch auch nicht vorbei, weil ich den Tätern so ja zu viel Aufmerksamkeit schenke. Klar brauchen wir uns nicht inhaltlich auf eine Diskussion mit den Gegner_innen einlassen, aber gerade der CSD kann ein deutliches Signal aussenden. Und zwar deutlicher, als es die bisherigen Gegenproteste konnten. Es schließt sich eigentlich auch nicht aus, queere Geschichte zudem als Erbe zu bewahren und vor allem aus ihr zu lernen.


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#5
01.07.2014
12:14:50


(-15, 19 Votes)

Von Oliver43


Der Artikel ist informativ und interessant zu lesen.

Volker Beck hat mit seiner Analyse Recht. Die heutige homophoben Aktivisten gehen verdeckter vor mit ihren Angriffen, da sie mittlerweile wissen, dass mit einer zu offen und zu agressiv vorgetragenen Homophobie sie nicht mehr gewinnen können.

Also haben Sie sich auf verstecktere Methoden der Sprache und Angriffs besonnen und die von Volker Beck gebrachten Beispiele sind richtig analysiert:

* Hass als Meinungsfreiheitskampf
* Bildungsplan als angebliche Sexualisierung von Kindern
* Homo-"heilung" als Hilfe für Leute, die Hilfe suchen, verniedlicht.

---------------------

Zu Dittrichs Position, das der CSD auch Platz für Rassismusbekämpfung und das Asylrecht thematisieren sollte, bin ich als schwuler Mann ganz anderer Ansicht.

Natürlich muss Rassismus bekämpft werden und natürlich ist das Asylrecht ein wichtiges Grundrecht als Lehre aus der NS-Zeit, aber wir dürfen und sollten die LGBT-Bewegung und die CSDs nicht mit anderen Gesellschaftsthemen überlagern und überfrachten, denn dann gehen die eigenen Kernforderungen dadurch unter und verloren.

Die LGBT-Bewegung ist noch nicht am Ziel und daher sind andere Gesellschaftstheman auch nicht aufzugreifen, weil wir dadurch uns selbst schwächen und zerstreiten werden. Sollte dieser Weg, den Dittrich vorschlägt, gegangen werden, dann haben wir demnächst Stände von Agrarlobbyisten auf den CSDs, Plakate zu Atomkraftgegnern, Pharmazieflyer von Pharmaunternehmen, Lehrer mit Forderungen nach mehr Gehalt, usw, usw.

Nein Herr Dittrich ich bin daher in keinster Weise der Meinung, dass das Thema Asyl auf den CSDs zu behandeln und aufzugreifen ist.

Die Kernthemen gehören auf die CSDs und das sind immer noch:

1. Eheöffnung

2. Artikel 3 Grundgesetzreform im Bundestag

3. Aufhebung der Paragraf 175 Urteile aus der
Zeit zwischen 1949 und 1969 und Rehabilitierung der Verurteilten

4. Deutsche/Europäische Entwicklungshilfepolitik- und diplomatie mit Schwerpunkt "Entkriminalisierung homosexueller Handlungen" in den afrikanischen, karbibischen und pazifischen Entwicklungsstaaten

5. Bildungsplanreform:LGBT als Thema im Schulunterricht

6. Bekämpfung von Personen, die Homo-Heilung praktizieren (dort ist der Weg über die Ärztekammern eine gute Idee: Entzug der ärztlichen Zulassung)

7. Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (Abschaffung der "Kirchenklausel") und Erweiterung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien um das Zivilrecht ("bisher in der EU nur Arbeitsrecht")

8. Weitere begleitende Gespräche mit Religionsvertretern wie Vatikan und Imamen und entsprechender Druck zur Veränderung

9. Mehr finanzielle Mittel für LGBT-Organisationen und Projekte

10. Keine unnötigen Nebenschauplätze wie Flaggenstreit oder Benennung eines CSDs, die nur Energien verpuffen lassen und in der Sache nichts voranbringen


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#6
01.07.2014
12:17:12


(+9, 17 Votes)

Von Präzisierung


"Mit der Aussage, der Kapitalismus bringe Homophobie hervor, erntete Dittrich schließlich einigen Widerspruch."

Man muss sich schon blind und taub stellen, um nicht zu sehen, dass Homophobie ebenso wie alle anderen Rassismen historisch und aktuell IMMER der Spaltung der breiten Masse der von Lohn abhängigen Menschen und den altbekannten "Sündenbock"-Strategien im Interesse der herrschenden Klasse dienen, die sich dieser Instrumente immer dann (verstärkt) bedient, wenn der (globale) Kapitalismus immer tiefer in die unvermeidbare und eigengesetzliche Krise rutscht, wie wir es seit 2008 in historischem Ausmaß erleben.

Die Entwicklung in Frankreich ist ein Paradebeispiel dafür, wie von Krisen-, Abstiegs- und Existenzängsten getriebene, vor allem kleinbürgerliche Massen (ohne Anbindung an die organisierte Arbeiter_innenklasse) mit xenophober Stimmungsmache und Hetze für reaktionäre "Krisenlösungen" im Interesse der Herrschenden mobilisiert und rekrutiert werden. Ein erstes Etappenziel der Allianz, die Hass und Gewalt gegen Homosexuelle verbreitete, wurde erreicht: Agenda 2010 auch für Frankreich (genauer: höhere Ausbeutungsrate von Lohnarbeit für französische Kapitalisten) und bloß keine auch nur ansatzweise solidarische, linke Politik für Europa. Die mehr oder weniger offene Allianz der Schwesterpartei von CDU/CSU mit den Faschisten der "Front National" und Kirchen, die wie die reaktionäre Internationale insgesamt den "Schutz der bürgerlichen Familie" (die zunächst einmal die Folgen der Krise auffangen soll und muss) und Homophobie als zentrales Bindeglied und Instrument ihrer Mobilmachung entdeckt haben, kam und kommt nicht von ungefähr. Sie hat handfeste materielle und Machtinteressen als Grundlage.

Und bei Bedarf - soviel sollte gerade die schwul-lesbische Community aus der Geschichte gelernt haben - bedient sich die herrschende Klasse auch der reaktionärsten und brutalsten denkbaren Krisen"lösung", wenn eine soziale Revolution durch die Arbeiter_innenklasse droht - und setzt auf den Faschismus als höchste Eskalationsstufe und letzte Option zur Aufrechterhaltung des kapitalistischen Ausbeutungssystems und ihrer Herrschaft.

Schwul-lesbische Bewegung im 21. Jahrhundert kann daher nur eine politische Bewegung für eine solidarische Alternative hier und in Europa und in der ganzen Welt zum aktuellen Krisen-, Konkurrenz- und Kriegssystem sein, eine solidarische Alternative zu einer chauvinistischen Politik im Interesse der Profitzwänge einer kleinen Minderheit, die damit die gesamte Gesellschaft in ihrem Würgegriff hält und die breite Masse der lohnabhängigen Menschen zwangsläufig immer wieder spaltet und gegeneinander aufhetzt. Ein System, in dem notwendigerweise immer wieder alle sozialen und demokratischen Rechte angegriffen und bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit außer Kraft gesetzt werden.


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#7
01.07.2014
12:24:00


(+8, 10 Votes)

Von konsequent
Antwort zu Kommentar #1 von Hangadrottinn


"Es mag sein, siehe Bildungsplan, daß man sich von seinen Feinden das Schlachtfeld nicht vorgeben lassen soll."

Link zu www.google.de

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Kuhn


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#8
01.07.2014
12:50:10


(+7, 11 Votes)
 
#9
01.07.2014
12:53:43


(-14, 22 Votes)

Von Oliver43
Antwort zu Kommentar #6 von Präzisierung


@Präzisierung

Linkes Ideologiegefasel und Geblub, was du dort von Dir gibst.

Anstatt auf die aktuellen Forderungen der LGBT-Bewegung einzugehen, wie Eheöffnung, Artikel 3 Grundgesetzreform, Bildungsplan, Aufhebung der § 175 Urteile, ... schmeißt du hier mit linkem Ideologiegesülze um Dich.

Wenn Du dich darin austoben willst, gehe an die Uni und schreibe dort deinen linken Ideologiemüll in deine Seminararbeit. Aber verschone uns des weiteren davor, da diese ideologische Theoriegequatsche in der Sache uns nicht weiterbringt.


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#10
01.07.2014
12:59:08


(-10, 16 Votes)

Von Oliver43
Antwort zu Kommentar #2 von reiserobby


@reiserobby
"Jan Feddersen hat recht. Keine Themen aufzwingen lassen, wer dem rechten Rand zu viel Aufmerksamkeit schenkt, der macht sich mit schuldig an der Verbreitung von Unfug. "

--> Da hat Jan Feddersen Recht. Nicht jedem letzten hohlen Kommunalpolitiker sollten LGBT-Portale und LGBT-Medien derart Aufmerksamkeit schenken, denn dadurch wird er dann erst bekannt, weil die Medienportale und Journalisten immer wieder bei den LGBT-Portalen schnell reinschauen und dort dann abschreiben, um einen Skandal aufzubauschen, wo in der Sache der entsprechnende homophobe Protagonist keine Bedeutung hat.

Daher LGBT-Journalisten sollten ein Thema nur dann aufgreifen, wenn es von Relevanz ist, und nicht Redebeiträge einzelner Dumpfbacken thematisieren, denn dadurch erst werden diese Dumpfbacken aufgewertet und verbreiten sich in den Medien.

Es muss daher immer genau abgewogen werden, ob das Thema entsprechende Bedeutung und Relevanz hat und ob der einzelne homophobe Idiot Bedeutung hat.


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