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  • 04.07.2014           34      Teilen:   |

Doku "Halt mich!"

Kuscheln mit dem schwulen Patenonkel

Artikelbild
David Althammer mit Patenkind Rene Götting auf dem Spielplatz: "Freundschaft, die sich entwickelt, kann und darf sich durch körperliche Nähe ausdrücken"

Eine ganz besondere Beziehung zeigt die sehenswerte und lehrreiche Doku "Halt mich!" von Wolfgang Fänderl. Filmpremiere ist am Sonntag in Berlin.

Von Robert Niedermeier

Zwei Männer tollen gemeinsam auf einer Vogelnest-Schaukel, sie berühren und stützen sich einander. Beide halten dabei die Balance. Zwei, die ihre Vertrautheit zeigen. Ein Paar, das offensichtlich eine stabile Beziehung führt. Die Chemie stimmt. Trotz des hohen Altersunterschiedes.

Die Einstiegsszene von Wolfgang Fänderls 36-minütiger Dokumentation "Halt mich" könnte auch einem Feelgood-Movie entsprungen sein. Doch alles ist echt und vor allem ganz anders als es der erste Eindruck zu vermitteln scheint.

David Althammer lernt Rene Götting vor elf Jahren als Achtjährigen kennen. Die allein erziehende Mutter ist damit einverstanden, dass der Berliner Unternehmer eine Patenschaft übernimmt. "Ich war ein Katastrophenkind", erzählt der zum Drehzeitpunkt 16 Jahre alte Teenager. Sabine Schepp vom Patenschaftsprogramm "Biffy – Big Friends for Youngsters" hat vermittelt und Mutter, Kind und den schwulen Mittdreißiger einander vorgestellt.

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Der ungeheuerliche Verdacht schwingt immer mit

David lernte Rene als Achtjährigen kennen
David lernte Rene als Achtjährigen kennen

"Als ich erfuhr, dass David schwul ist, war ich irritiert", gibt Mutter Vera Götting in Fänderls einfühlsamen Film zu. "Warum macht ein Mann das?", diese Frage hätten sich auch Gäste eines Projekt-Sommerfestes gestellt, erzählt Sabine Schepp: "Misstrauen tauchte auf." Kein einziges Mal fällt über die gesamte Strecke des Films das Wort "pädophil". Dennoch schwingt von Anfang an dieser ungeheuerliche Verdacht mit. Der Zuschauer ertappt sich selbst dabei, sich dem Moment des Vorwurfs kaum entziehen zu können. Der Film im Kopf rattert mit jedem zärtlichen Blick, den sich Rene und David zuwerfen und jeder sanften Geste. Dabei spielt Sex überhaupt keine Rolle in "Halt mich!".

"Schwule stehen nach wie vor unter Generalverdacht", sagt Filmemacher Wolfgang Fänderl gegenüber queer.de: "Das sollte uns aber nicht daran hindern, Verantwortung zu übernehmen", fordert der Münchner: "Schwule Männer werden im Alltag gebraucht." Zwar agiert Fänderl vom Mediennetzwerk "Queerelations" im Film als unsichtbarer und neutraler Beobachter – Botschaften transportiert sein Film trotzdem zuhauf. Auch jene Erkenntnis, dass Menschen sich erst einmal kennen lernen müssen, um sich wirklich zu verstehen. Daraus kann dann sogar Liebe erwachsen, auch die Liebe zu sich selbst und der eigenen sexuellen Identität.

"Ich spürte Unsicherheit beim Raufen und Kuscheln", gesteht David vor der Kamera. Doch ausgerechnet das Kind lehrte dem Erwachsenen, damit locker umzugehen. "Freundschaft, die sich entwickelt, kann und darf sich durch körperliche Nähe ausdrücken", ist er sich durch Rene bewusst geworden. Das Kind hätte dabei bestimmt, wie viel Nähe es möchte oder nicht. "Dadurch habe ich meine Unsicherheit verloren", sagt David. "Die Meinung von außen hat für uns dann keine Rolle mehr gespielt."

Der Argwohn wandelt sich in Empathie

Rene und David beim Rollerbladen
Rene und David beim Rollerbladen

Heitere Musik des Münchener Komponisten Frank Loleit untermalt indes die fröhlichen, von Rainer Michaelis geschnittenen Bilder auf dem ehemaligen Flugfeld der Tempelhofer Freiheit. Unbeschwert fährt der 44-Jährige mit dem Teenager Rollschuh. Pate und Patenkind lachen, drehen Pirouetten, sind albern, verspielt und fallen sich in die Arme.

Ja, diese Doku ist ein Feelgood-Movie – im besten Sinne. Auch die Mutter ist glücklich, dass sie David für ihren Rene gefunden hat. Und David erzählt zum Ende des Films, dass er es Rene zu verdanken habe, endlich bereit für eine Partnerschaft gewesen zu sein. Rene hat sich derweil vom gehänselten "Katastrophenkind" prächtig zum Klassensprecher entwickelt und gelernt, mit seiner anfänglichen Eifersucht gegenüber Davids Ehemann umzugehen. Eine echte Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Selbst Davids Geschäftspartner lobt den positiven Einfluss der Patenschaft auf die Zusammenarbeit in der gemeinsamen Casting-Agentur.

Vor allem jedoch gewinnt der Zuschauer an diesem pädagogisch wertvollen Werk. Verdruckster Argwohn wandelt sich beim Zuschauen in Empathie. Man ist gerührt, spätestens dann als Rene die Frage beantworten soll, was denn der Unterschied zwischen einer Patenschaft und einer Partnerschaft sei: "Von den Gefühlen her ist es auf den selbem Niveau."

Dieser Film versperrt Vorurteilen den Weg, aber öffnet Herzen. Das hilft allen.

Youtube | Offizieller Trailer zur Doku
  Terminhinweis
Filmpremiere am Sonntag, den 6. Juli 2014 um 19 Uhr im Café & Restaurant wilde Oscar, Niebuhrstraße 59/60, 10629 Berlin-Charlottenburg. Eintritt und Gastronomie ab 18 Uhr. Nach dem Film Diskussion zum Thema "Können, dürfen und wollen Queers Verantwortung für Kinder übernehmen?". Eintritt = Spende
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Filmpremiere am 6. Juli 2014 auf der queerelations-Homepage
Wochen-Umfrage: Kannst du dir vorstellen, ein Patenkind zu haben? (Ergebnis)

Galerie
Halt mich!

10 Bilder
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Tags: halt mich, patenkind, queerelations, wolfgang fänderl, dokumentarfilm, david althammer, rene götting
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Reaktionen zu "Kuscheln mit dem schwulen Patenonkel"


 34 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
04.07.2014
20:20:43


(+1, 7 Votes)

Von Tosca


ich bin ganz begeistert. Der Film vermittelt eine Unschuld, die völlig frei von Begierde ist. Das ist vorbildlich und baut Vorurteile gegen Homosexuelle ab.

Im Kampf gegen die Homophobie sollte der Film in allen deutschen Schulen vorgeführt werden und Bestandteil des Bildungsplans sein. Vielleicht könnte man ja noch einen ähnlichen Film mit Trans-, Inter- und Bisexuellen machen.


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#2
05.07.2014
00:53:07


(+2, 4 Votes)

Von wanderer LE


Typisch für uns Schwule erst mal der verkrampfte Umgang mit Körperkontakten - entweder ich will was von dem oder fasse ihn gar nicht an. Anfassen mußte man unverkrampft erst wieder lernen. Ein Kind versteht das nicht, wenn man versucht, jeden Körperkontakt zu vermeiden.

Berlin rangiert über die Vermittlung BIFFY hier als Vorreiter - Schwule sind die Normalität nebenan, kommen für eine Patenrolle auch infrage. Das geht ohne professionelle Vermittlung woanders ebenso gut - ich weiß das - und mit selbst zu schulternden Risiken. Nichts zum Experimentieren für absolute Laien.

Eine 1:1-Beziehung spart nicht nur Geld für die Jugendhilfe sondern bringt pädagogisch mehr, sie verbindet menschlich völlig frei und dankbar noch jahrelang später - wie gute Verwandte.


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#3
05.07.2014
01:49:07
Via Handy


(+4, 8 Votes)

Von puschelchen
Aus irgendwo in nrw
Mitglied seit 18.12.2009


Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Aus Nachhilfestunden mit einem Elfjährigen wurde eine unfassbar tiefe Freundschaft, die mittlerweile fünf Jahre andauert. Wir schlafen öfter miteinander (schlafen, nicht beischlafen^^), chillen, lachen, weinen, knuddeln, lästern. Verstehen uns blind, was für Außenstehende bisweilen höchst irritierend ist, wenn wir anscheinend aus dem Nichts einen Lachkrampf bekommen.

Man sollte nicht meinen, wieviele Menschen, von denen man es nie und nimmer erwartet hätte, voreingenommen sind, und nichts anderes, als Sex im Kopf haben. Die Hintergedanken wittern, die allein ihrer (kranken) Phantasie entspringen.

Auf den Film bin ich gespannt, und glaube fest daran, dass er Vorurteile abbauen kann - und einige auch intensiver über die Selbstbestimmung von Jugendlichen nachdenken lässt.


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#4
05.07.2014
08:38:11


(-2, 10 Votes)

Von Kristian
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ironie der Geschichte, dass bei solchen Themen immer die Angst vor Pädophilen mitschwingt, während die Mehrzahl der verantwortungsbewussten und gesunden Homopädophilen genau solche wertvollen Beziehungen mit Jungs wie im Film beschrieben leben (wollen).


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#5
05.07.2014
08:44:04


(+1, 7 Votes)

Von Veronika
Antwort zu Kommentar #3 von puschelchen


You are not alone, I am here with you *sing*

Nein, Spaß, aber hat der Junge keinen Vater? Dann bist du sogar wichtig...


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#6
05.07.2014
10:04:17


(+5, 9 Votes)

Von sperling
Antwort zu Kommentar #5 von Veronika


>"hat der Junge keinen Vater? Dann bist du sogar wichtig..."

und wenn der junge einen vater hat, dann nicht?

ich halte es immer noch für ein gerücht, dass die frage, ob man als kind angemessene vorbilder und menschliche beziehungen hat, hauptsächlich damit zu tun hat, ob vater und mutter da sind oder nicht.

ich hatte vater und mutter und musste mir gute vorbilder und tiefe menschliche beziehungen trotzdem woanders zusammenkramen.

in meinem feundeskreis ist ein schwules paar, das die beiden söhne eines freundes von geburt an begleitet hat wie zwei ersatzpapas. da sind bis ins erwachsenenalter wichtige freundschaften geblieben, von denen alle extrem profitieren.

eine kultur, die endlich mal wieder über diesen neurotischen kleinfamilienmist hinausdenkt wäre mit sicherheit hilfreich für viele kinder und jugendliche.


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#7
05.07.2014
10:54:15


(0, 4 Votes)

Von Nico
Antwort zu Kommentar #3 von puschelchen


bist du seine beste freundin geworden, puschelchen, was


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#8
05.07.2014
15:06:10


(+6, 8 Votes)

Von dem Paten


Basteln mit dem schwulen Patenonkel

Folge 4: Medienkompetenz

Youtube-Video:


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#9
05.07.2014
16:39:30


(-8, 12 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014
Antwort zu Kommentar #4 von Kristian


Sorry, aber wer mit fremden Teenagern kuschelt, ist für mich pädophil. Alle Studien belegen, dass die Mehrheit der Pädophilen, keinen Sex (im herkömmlichen Sinne) mit Jugendlichen anstreben. Trotzdem ist hier meiner Meinung nach eine Grenze überschritten. Deine Unterscheidung ist also wenig belastbar. Wenn es wirklich um eine tiefe, platonische Freundschaft geht, kann ein intensiver Körperkontakt ja verhindert werden. Im Vergleich dazu finde ich den Konsum von Posting-Bildern, wo Kinder MITEINANDER rumtollen, noch eher irgendwie zu rechtfertigen


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#10
05.07.2014
16:48:49


(+5, 9 Votes)

Von mensch
Antwort zu Kommentar #9 von Dont_talk_about


zwei Enden einer kruden religiösen wurst:

Dont_talk_about

Kristian

beide katholisch?


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