Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?21897

Viel Applaus am Samstag im Kölner Gürzenich: Moderatorin Sister George (mi., in weiß) mit Wulf Thomas (li.) und Volker Jung (re.) sowie früheren Preisträgern der Kompassnadel (Bild: Marvin Mendyka)

Beim Kölner CSD-Empfang wurden der engagierte Duisburger Wulf Thomas und der evangelische Kirchenpräsident Volker Jung mit der Kompassnadel geehrt.

Von Marvin Mendyka

Das Kölner Gürzenich wurde am Samstag zum Schauplatz einer der Höhepunkte des Kölner CSD-Wochenendes. Grund dafür war die Verleihung der Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW an den Duisburger Aktivisten Wulf Thomas und den evangelischen Kirchenpräsidenten Volker Jung. Die Kompassnadel wird seit 2001 in den Kategorien "Ehrenamtliches Engagement" und "Person des öffentlichen Lebens" im Rahmen des CSD-Empfangs vergeben.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas, die die Laudatio auf Wulf Thomas hielt, lobte das "bunte und vielfältige Engagement" des Duisburgers. Thomas war seit Anfang der 1980er Jahre als Aktivist in der Community aktiv. 1982 gründete er die Lesben- und Schwulengruppe an der Uni Duisburg, 1986 die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel, organisierte schwule Fahrradtouren und prägte maßgeblich die homosexuellen Kulturtage "HoKuDu" (heute: Queer Live Duisburg).

"Dabei sucht Wulf Thomas nicht den Ruhm in der ersten Reihe, sondern bietet Menschen Raum, sich und ihre Lebensweise präsentieren zu können", heißt es auf Thomas' Urkunde. Worte, die kaum treffender hätten gewählt werden können, um die folgende Situation zu beschreiben. Anstatt einer Dankesrede gibt es einen kurzen Talk mit der Moderatorin Sister George, den Zuschauern auch bekannt als Georg Roth. Während sich Thomas ganz bescheiden zeigte, nüchtern davon erzählte, wie er "weit ab von jeglichem Schuss" im Duisburger Norden aufwuchs, präsentierte sich Roth in gewohnt charmant-überdrehter Weise. Doch Sister Georges Fragen über sein "erstes Mal" entzieht sich der Duisburger. Stattdessen erzählt er von seinem Engagement während der Studienzeit…

Die erste Kompassnadel für einen Kirchenmann


Volker Jung mit seiner Kompassnadel: Homophobie nannte er "unbarmherzig" und "theologisch nicht akzeptabel" (Bild: Marvin Mendyka)

Nach einer kurzen Showeinlage der Gruppe "Box in the Attic" kam es dann zur Verleihung der zweiten Kompassnadel an Dr. Volker Jung. Als Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wirkte er an dem Familienpapier der EKD mit, das den Stellenwert von Lesben, Schwulen, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Regenbogenfamilien theologisch neu definierte. Jung setze sich, trotz aller Kritik aus den eigenen Reihen, dafür ein, dass ein vielfältiges Familienbild Einzug in das Selbstbild der Evangelischen Kirche hält. Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare sind in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau seit über zehn Jahren möglich.

Dass der ein oder andere die Stirn gerunzelt habe, als bekanntgegeben wurde, dass einem Kirchenmann die Kompassnadel verliehen werde, sei dem Laudator Markus Herzberg bewusst gewesen. Der Pfarrer der Kölner AntoniterCityKirche zeigte Verständnis für Leute, die die Themen "Kirche" und "lesbisch-schwule Bewegung" nicht unter einen Hut bringen können. "Die Kirchen waren und sind eine Institution, die ganz viel am Unrecht und der Unterdrückung von Homosexuellen und sexueller Vielfalt mit verursacht hat, und sie tragen darum eine große Schuld und Last auf ihren Schultern", so Herzberg.

Dies läge auch an Menschen, die die Bibel fälschlicherweise wörtlich nähmen, statt sie im jeweiligen kulturspezifischen Kontext zu sehen. Es gäbe aber auch jene Menschen wie Volker Jung, betonte Herzberg nachdrücklich, die mutig denen entgegentreten würden, die aus ihren Denkmustern nicht ausbrechen wollten oder könnten.

Volker Jung ging in seiner Dankesrede ebenfalls auf die homophoben Strömungen innerhalb der Kirche ein. "Wir wollen homosexuelle Menschen nicht diskriminieren, aber gelebte Homosexualität bleibt Sünde", sei ein Standpunkt, der ihm in der Kirche begegne. Diesen bezeichnete Jung als "unbarmherzig" und "theologisch nicht akzeptabel".

Der Theologe machte in seiner Rede auch auf die Lage von Homosexuellen in Russland, Afrika und Asien aufmerksam. Dabei zitierte er den methodistischen Bischof Kim Hao Yap, der im vergangenen April mit dem Pink Asia Award ausgezeichnet wurde, mit den Worten: "Gott wollte Platz für Farbige und Frauen in seiner Kirche – für Schwule und Lesben auch."



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 sperlingAnonym
  • 07.07.2014, 15:14h
  • >" "Wir wollen homosexuelle Menschen nicht diskriminieren, aber gelebte Homosexualität bleibt Sünde", sei ein Standpunkt, der ihm in der Kirche begegne. Diesen bezeichnete Jung als "unbarmherzig" und "theologisch nicht akzeptabel"."

    die organisatorische zusammenarbeit mit gruppen, die aggressivste homofeindlichkeit propagieren bis hin zu gruppen, die homo-"heilung" betreiben scheint dagegen weiterhin kein erwähnenswertes problem zu sein.

    was ist hier wichtiger: der interne streit um die "bessere" theologie oder konkretes politisches handeln zum schutz von konkreten menschenleben?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 goddamn liberalAnonym
#4 userer
  • 07.07.2014, 16:00h
  • Antwort auf #3 von goddamn liberal
  • Im Zusammenhang mit Religion/en von "Vernunft" zu sprechen, ist hanebüchen.

    Wir haben nun doch schon zu Genüge erleben müssen, dass die Religionsgestörten sich fast bis zur Unkenntlichkeit verstellen, um am Ende eben doch wieder gegen Vernunft, gegen Gleichberechtigung und gegen das Bundesverfassungsgericht zu opponieren.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 DefragmentierungEhemaliges Profil
  • 07.07.2014, 16:10h
  • Diesen Sektenapparatschik auszuzeichnen ist eine geschickte Strategie, die Szene weiter zu spalten und zu schwächen. Wer bekommt den nächsten Preis? Der LGBT-Beauftragte der NPD?

  • Antworten » | Direktlink »
#6 DefragmentierungEhemaliges Profil
  • 07.07.2014, 16:18h
  • Antwort auf #3 von goddamn liberal
  • Also dieser Kommentar von Dir überrascht, nein, bestürzt mich:

    "Hier an der hyperventilierenden Empörung von Gestalten, die völlig skrupel- und schamlos in einer potenziell mörderischen Auslöschungstradition stehen, über einen zivilisierten Kirchenvertreter, der auf dem Boden von Demokratie und Verfassung angekommen ist."

    Der Sektenmanager alleine ist es, der in der Tradition der industriellen Massenvernichtung steht. Angefangen bei Luther bis zum KZ Kuhlen. Das Sich-Wehren der Opfer als "hyperventilierende Empörung von skrupel- und schamlosen Gestalten" zu bezeichnen... so eine bösartige Täter-Opfer-Umkehr kannte ich bisher nur von kath.net. Traurig und schade, dass gerade Du so denkst.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 timpa354Ehemaliges Profil
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
#9 DefragmentierungEhemaliges Profil
#10 FoXXXynessEhemaliges Profil