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  • 22. Dezember 2004, noch kein Kommentar

Thomas Niederbühl (43), Geschäftsführer der Münchner AIDS-Hilfe und seit 1996 als erster Kandidat einer schwul-lesbischen Wählerinitiative Deutschlands (Rosa Liste) im Münchener Stadtrat, lebt seit 1982 in der Landeshauptstadt Bayerns. Er kennt die dortige schwule Szene wie kaum ein anderer. Mit queer.de sprach der gebürtige Baden-Württemberger über seine Wahl-Heimat.

Von Jan Gebauer

Wie lebt es sich als Schwuler in München?

Es lebt sich hier gut, aber das ist immer relativ. Mitte der 80er Jahre, als hier die AIDS-Konflikte mit Gauweiler und der CSU tobten, sind viele aus München geflohen. Aber seit 15 Jahren gibt es die Rosa Liste und seit acht Jahren bin ich im Stadtrat. In München gab es einen richtigen Aufschwung, so dass man hier jetzt wirklich gut leben kann.

Wie sieht die schwule Szene in München aus?

Das Spezielle ist, dass wir mit dem Gärtnerplatz-Viertel ein abgeschlossenes Schwulenviertel haben, das sich an der Isar entlang durch das Stadtzentrum zieht. Dort sind wir mit der Rosa Liste im Bezirksausschuss vertreten und stellen mit Alexander Miklosy sogar den Vorsitzenden, der dort eine Art Viertelsbürgermeister ist. Das Viertel ist eine sehr geschlossene Nachbarschaft, die momentan "in" wird im Bezug auf Designer- und Heteroläden, weil das Klima dort einfach sehr gut ist. Erstaunlicherweise gibt es dort sogar die höchste Geburtenrate in München. (lacht) Das Viertel hat ein besonderes Flair. Natürlich ist dort auch deutlich zu spüren, dass München als nördlichste Stadt Italiens bezeichnet wird.

Wie ist Stimmung in München/Bayern gegenüber Homosexuellen?

Ich glaube, dass man in München diese Spannungsverhältnisse zwischen Homosexuellen und Konservativen besonders spürt. Es gibt mit Vertretern der katholischen Kirche, die in München eine zentrale Rolle spielt, eine sehr konservative Ecke. Auch die CSU als Stadtregierung hat sich beispielsweise negativ beim Lebenspartnerschaftsgesetz und mit der Notarlösung hervorgetan. Die CSU will zwar immer gerne Metropolenpartei sein, weiß aber nicht, welches Klientel sie mit ihrer Meinung verschreckt. Aber auch dort ist ein Wandel zu spüren. Die Junge Union hat schon seit ein paar Jahren immer einen Stand beim CSD, was schon eine große Veränderung ist.

Was kennzeichnet den CSD in München?

Ich behaupte immer gerne und sicherlich auch zurecht, dass wir der politischste CSD sind, obwohl der Trend natürlich auch hin zu Spaß und Feiern geht. Trotzdem haben die politischen Gruppen den CSD nicht aus der Hand gegeben. So findet er als symbolische Funktion zentral auf dem Marienplatz, Münchners "guter Stube", direkt vor dem Rathaus statt, die Rosa Liste und der Bürgermeister fahren am Anfang der Parade mit. Vor zwei Jahren hat es sogar geklappt, dass das Rathaus für ein großes Clubbing in der CSD-Nacht aufgemacht hat. Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass wir sie in diesem Jahr wiederholt haben.

Was ist Dein liebster schwuler Ausgehort in München?

Es ist wirklich eine traurige Geschichte, dass das schwule Verlangen mich in die Politik getrieben hat und ich jetzt immer weniger Zeit habe, es für mich umzusetzen. Von daher lande ich sehr oft beim Essen mit Freunden, so komisch es klingt, am liebsten in der "Deutschen Eiche". Abends gehe ich gerne in den "Bau" und tagsüber in den "Kraftakt".

Was muss man als schwuler Besucher in München unbedingt gesehen haben?

Was man sehen muss, ist die Natur im Zentrum, sprich den Englischen Garten und die Isar, die nach der Renaturierung ein tolles Erholungsgebiet mitten in der Stadt geworden ist. An der Kultur kommt man natürlich in München als Kultur-Metropole nicht vorbei. Die Angebote sind sehr vielfältig und reichen von der Pinakothek der Moderne über die Philharmonie bis zu einer sehr aktiven, freien Tanzszene.

22. Dezember 2004