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  • 07.07.2014           38      Teilen:   |

Nach dem ColognePride

Weiterer russischer LGBT-Aktivist beantragt Asyl in Deutschland

Artikelbild
V.l.n.r.: Pawel Lebedew mit rotem Schild, der jetzt Asyl beantragte, Iwan Jarzjew und Dimitri Chunosow sowie Christina Vantaa und ein Freund und Dolmetscher am Sonntag beim Kölner CSD (Bild: nb)

Pawel Lebedew war zum CSD nach Köln gereist – mit einem Regenbogenflaggenprotest machte er kurz vor Sotschi weltweit Schlagzeilen.

Von Norbert Blech

Ein russischer LGBT-Aktivist hat die Einladung zum Kölner CSD am letzten Wochenende dazu genutzt, um aus seiner Heimat zu flüchten. Der 24-jährige Pawel Lebedew stellte am Montag einen Asylantrag.

Lebedew hatte im Januar international für Schlagzeilen gesorgt, als er in seiner Heimatstadt Woronesch beim Vorbeilauf der Olympischen Flamme eine Regenbogenflagge ausbreitete und innerhalb von Sekunden durch Sicherheitspersonal von dem Protest abgehalten wurde (queer.de berichtete). Er wurde der Polizei übergeben und vorübergehend festgenommen.

Er war bereits zuvor mehrfach festgenommen worden, etwa bei einem wie üblich vorab nicht genehmigten CSD in Moskau 2012. Anfang 2013 war der junge Aktivist leicht verletzt worden, als bis zu 500 Gegendemonstranten auf einen kleinen LGBT-Protest in seiner Heimatstadt einprügelten (queer.de berichtete).

Youtube | Pawels Protest beim Olympischen Fackellauf in Woronesch
Fortsetzung nach Anzeige


Gewalt und Verfolgung befürchtet

Pawel mit Polizisten am Sonntag am Rande der CSD-Parade in Köln - Quelle: privat
Pawel mit Polizisten am Sonntag am Rande der CSD-Parade in Köln (Bild: privat)

Lebedew war aufgrund seiner Aktionen mehrfach bedroht und verprügelt worden. Zuletzt hatte eine Gruppe Anfang Juni dem Aktivisten vor seiner eigenen Haustür aufgelauert und ihn und seinen Freund homophob beschimpft, geschlagen und getreten. Die beiden konnten letztlich in das Haus flüchten, seitdem hatte Lebedew aber aus Angst nicht mehr seine Wohnung betreten und bei Freunden übernachtet.

"Seit ich in Deutschland bin, fühle ich mich das erste Mal seit langer Zeit frei", sagte Pawel, der neben der Gewalt auch eine Verurteilung wegen seiner politischen Aktivitäten fürchtet, am Sonntag. Auf Facebook verbreitete er ein Bild von sich auf der CSD-Parade, zusammen mit zwei freundlichen Beamten der Kölner Polizei. Dass Polizisten einen Pride begleiten und schützen, ist in Ländern wie Russland keine Selbstverständlichkeit, sondern ein seltener Glücksfall.

Auf dem Foto und auf der Kölner CSD-Parade trug Lebedew ein Schild auf Englisch: "Mein erster Gay Pride ohne Angst". Bei der Demo wurde er unter anderem begleitet von der russischen Transgender-Aktivistin Christina Vantaa, die sich um Flüchtlinge kümmert und als solche bereits vor einigen Jahren anerkannt wurde, und von dem russischen Aktivisten-Paar Dimitri Chunosow und Iwan Jarzjew, das im Januar nach ihrer Hochzeit in Kopenhagen Asyl in Deutschland beantragt hatte (queer.de berichtete). Die Gruppe trug Schilder, auf denen ein Asylrecht für LGBT-Flüchtlinge gefordert wurde.

Komplizierte Verfahren ohne Asylgarantie

Pawel bei einer seiner Festnahmen in Woronesch im Januar
Pawel bei einer seiner Festnahmen in Woronesch im Januar

Nach Angaben von Wanja Kilber von Quarteera, der Organisation russischsprachiger LGBT in Deutschland, laufen derzeit rund 20 Asylverfahren homo- und transsexueller Russen in Deutschland. Bei einigen wenigen führte das Verfahren bislang zum Erfolg, in anderen wird auf die Einzelfallentscheidungen nach langem Verfahren mit offenem Ausgang gewartet (ein ausführliches Interview dazu). Zuletzt hatte Quarteera deutliche Kritik an dem deutschen Asylverfahren geübt (queer.de berichtete).

Lebedew landet nun zunächst im Aufnahmelager Friedland, wo es die ersten Gespräche mit den Behörden und Integrationskurse geben wird. Der Demoleiter des ColognePride, Jörg Kalitowitsch, hatte Lebedew nach Köln eingeladen und zusammen mit Freunden dafür Spenden gesammelt. Der Grünenpolitiker Volker Beck hatte sich zudem dafür eingesetzt, dass der junge Aktivist ein Visum erhält – die deutsche Botschaft hatte dies zunächst aus allen erdenklichen Gründen formal verweigert.

Der Austausch mit Freunden und Aktivisten am Wochenende hatte in Lebedew den kurzfristigen Entschluss reifen lassen, den Antrag zu stellen, so Kalitowitsch. Man werde ihn dabei nicht alleine lassen. Wer Pawel unterstützen möchte, kann sich per eMail an den ColognePride wenden.

Über das Outreach-Programm des Kölner CSDs konnten zudem weitere Aktivisten aus China und Russland an dem Pride teilnehmen. Auf beiden Bühnen des Straßenfests konnten sie am Wochenende von ihren Erfahrungen berichten – und können nun neue Erfahrungen mit in die Heimat nehmen.

 Update  8.7., 16.10h:
Für Interessierte, die Pawel helfen möchten, gibt es nun die Facebook-Gruppe Wir helfen Pawel und ein Spendenkonto. Die Gruppe "Enough is Enough" hat zudem eine Spendenmöglichkeit per SMS eingerichtet, die allerdings nicht absetzbar ist. Wer allgemein LGBT-Flüchtlingen aus Russland helfen möchte, u.a. zur Finanzierung der benötigten Rechtsanwälte, kann auch – gegen eine Spendenbescheinigung – an Quarteera spenden.

Links zum Thema:
» Facebook-Seite "Wir helfen Pavel"
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Tags: russland, asyl, pawel lebedew, quarteera
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Reaktionen zu "Weiterer russischer LGBT-Aktivist beantragt Asyl in Deutschland"


 38 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
07.07.2014
20:20:22


(+7, 9 Votes)

Von ehemaligem User timpa354


die deutsche Botschaft hatte dies zunächst aus allen erdenklichen Gründen formal verweigert.

Peinlich, peinlich für die deutsche Botschaft. Dem jungen, mutigen Aktivisten wünsche ich viel Erfolg bei seiner Integration in Deutschland.


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#2
07.07.2014
20:23:23


(+9, 11 Votes)

Von Adam


Drücke ihm alle Daumen ..Das er wenigstens etwas Freiheit kennen lernt


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#3
07.07.2014
20:54:44


(+10, 10 Votes)

Von mal-kuck


mich würde interessieren ob sein Freund noch in Russland ist oder nicht? denn dann wären sie ja getrennt und der Freund dort allein allem ausgesetzt :(
Alles Gute Pawel und viel Kraft!


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#4
07.07.2014
21:50:10


(+7, 11 Votes)

Von ehemaligem User paren57
Antwort zu Kommentar #1 von timpa354


"Peinlich, peinlich für die deutsche Botschaft."

Wieso denn das? Wenn in der Regierungspartei Parteimitglieder ohne Widerspruch der Kanzlerin die Wiedereinführung des Paragraphen 175 fordern und dafür auf viel Sympathie treffen, ist die Haltung der Botschaft nur konsequent. Genauso wie das Regenbogenflaggen-Verbot.


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#5
07.07.2014
21:57:54
Via Handy


(+8, 10 Votes)

Von Gerrit


Den habe ich gestern noch bei der Parade in Köln gesehen. Er war mir vor allem wegen seinem Schild aufgefallen, was ich so anrührend fand.

Ich hoffe, sein Antrag wird angenommen, so dass er dauerhaft hier in Sicherheit leben kann.

Wenn man sich mal anguckt, welchen Aufstand die deutsche Botschaft alleine schon jetzt bei der Einreise machte, kann er sicher jede Unterstützung gebrauchen.

Wie kann man denn konkret helfen?


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#6
07.07.2014
22:04:36


(+8, 10 Votes)

Von Simon H


Es wird höchste Zeit, dass Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung ebenso als Asylgrund anerkannt wird, wie politische Verfolgung.

Damit solche Leute in Zukunft nicht mehr bangen müssen, ob sie hier Asyl bekommen (was oft genug abgelehnt wird), sondern damit sie ein Recht darauf haben, in Sicherheit zu leben.


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#7
07.07.2014
22:09:21


(+7, 9 Votes)

Von Marc


Dass die Bundesregierung uns Gleichstellung verweigert und weiterhin als Menschen 2. Klasse behandelt, ist schon schlimm genug.

Aber Menschen, denen in ihrer Heimat Internierung, Gewalt, Folter oder gar der Tod droht, Asyl zu verweigern (was übrigens ein internationales Recht der UN-Menschenrechtscharta ist) und sie in die Verfolgung zurückzuschicken, ist nochmal was ganz anderes. Da geht es um Gesundheit und Menschenleben dieser Menschen...


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#8
07.07.2014
22:12:38


(+8, 10 Votes)

Von Heiner


Alle verfolgen Schwulen, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuellen sollten in sicheren Staaten (und auch in Deutschland) ein Asylrecht haben.

Leider gibt es das oft nur, wenn das öffentliche Engagement groß genug wird. Aber in Dutzenden Fällen, die nicht diese Öffentlichkeit erregen, geht es dann für die Betroffenen schlecht aus und sie müssen wieder in ein Land, wo sie nicht sicher sind und sowohl staatlich als auch gesellschaftlich verfolgt werden (inkl. Gewalt, bis hin zum Mord).

Asylrecht für ALLE GLBTI!!! Sofort!!!


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#9
07.07.2014
22:15:23


(+8, 10 Votes)

Von Carsten AC


Jetzt ist jeder von uns gefragt, ihn (und auch alle anderen, weniger bekannten, Fälle) zu unterstützen.

Und gleichzeitig für ein allgemeines Asylrecht auch für alle verfolgten LGBTI zu kämpfen, so dass nicht jedesmal neu gekämpft, gehofft und gebangt werden muss... Und damit es nie mehr negativ ausgeht...


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#10
07.07.2014
22:16:31


(+7, 9 Votes)

Von Sebi


Wenn man sieht, dass die Bundesregierung solchen Menschen weiterhin sicheres Asyl verweigern will, kann man nur kotzen.

Pfui!

Diese braune Regierung, die wir haben, muss endlich weg!!!


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