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Die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres noch einmal im Rückblick. queer.de wünscht allen Usern ein frohes und friedliches 2005!

Von Dennis Klein

JANUAR
Kannibale von Rotenburg verurteilt: Das Landgericht Kassel verurteilt Armin Meiwes am 30. Januar zu achteinhalb Jahren Haft. Er hat zugegeben, einen 43-jährigen Berliner mit dessen Zustimmung vor laufender Kamera zunächst den Penis abgeschnitten, dann erstochen und ihn anschließend gegessen zu haben.

Bush: Homophobe Regierungserklärung: Die alljährliche "State of the union"-Rede nutzt US-Präsident George W. Bush zum Rundumschlag gegen Unkeusches. "Wir müssen die Unverletzlichkeit der Ehe verteidigen", so Bush. Außerdem kündigt er an, Enthaltsamkeitskurse zu fördern.

LSVD-Warnung in Berlin: Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg warnt vor "einer Verdrängung lesbischen und schwulen Lebens aus dem öffentlichen Raum". Aus Angst vor Pöbeleien und Überfällen müssten Lesben und Schwule "ihr Verhalten in einigen Gegenden Berlins ohnehin kontrollieren".


FEBRUAR
Ehe-Fieber in San Francisco: San Franciscos Bürgermeister Gavin Newsom öffnet am 12. Februar überraschend die Standesämter für schwul-lesbische Paare. Über 4.000 Homo-Ehen werden binnen eines Monats geschlossen, ehe ein Gericht die Hochzeiten stoppt. Im August schließlich erklärt der Oberste Gerichtshof die Ehe-Zertifikate für nichtig.

Roger Kusch attackiert: An einem Wahlkampfstand wird der offen schwule Hamburger Justizsenator von einer geistig verwirrten Frau mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt. Sie habe den CDU-Politiker zunächst mit den Worten "Du schwule Sau, du hast meine Kinder umgebracht" beschimpft und dann zugestochen. Sie wird im Juli in die Psychiatrie eingewiesen.

Olivia Jones überholt Schill-Partei: Bei den Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft gewinnt Ole von Beust mit seiner CDU die absolute Mehrheit. Die Liste von Drag-Queen Olivia Jones erhält 4.400 Stimmen oder 0,5 Prozent und damit ein Zehntelprozent mehr als die abgestürzte Partei Rechtsstaatliche Offensive, die ehemalige Schill-Partei.

Bush will Homo-Ehe-Verbot: US-Präsident George W. Bush spricht sich Ende Februar für eine Verfassungsänderung aus, mit der die Ehe bundesweit als Verbund von Mann und Frau definiert werden soll. Der Kongress solle so schnell wie möglich einen entsprechenden Zusatz zum US-Grundgesetz verabschieden. Der Präsident glaubt, "dass die Ehe eine heilige Institution zwischen Mann und Frau ist".

MÄRZ
Chicago als Ersatz für Montréal: Die Federation of Gay Games (FGG) bestimmt Chicago als Austragungsort für die 7. Gay Games im Jahr 2006. Die Wahl ist nötig geworden, da die FGG im Jahre 2003 Montréal die Spiele wegen einer Auseinandersetzung um das Budget entzogen hatte. Montréal wird jedoch unter dem Titel "Rendezvous 2006" eine schwul-lesbische Sportveranstaltung austragen und damit direkt mit Chicago konkurrieren.

Homo-Bischof in Amt eingeführt: Der erste offen schwule Bischof der Anglikanischen Kirche in den USA wird in Concord (New Hampshire) offiziell in sein Amt eingeführt. Bei einer feierlichen Messe bekommt Gene Robinson unter dem Beifall von 700 Gläubigen seinen Bischofsstab ausgehändigt.

Rapper 50 Cent gegen Homos: Der amerikanische Rapper 50 Cent sagt in einem Interview mit der amerikanischen Ausgabe des "Playboys", er komme nicht mit Schwulen zurecht: "Ich bin kein Freund von Schwuchteln, ich will keine Homos um mich rumhaben."

George Michael zieht sich zurück: Der britische Star George Michael kündigt das Ende seine Karriere an. Er werde nur noch ab und zu ein Lied im Internet veröffentlichen, aber kein neues Album mehr herausbringen. Seine letzte Platte "Patience" steigt hierzulande daraufhin auf Platz eins der Charts ein – Michael toppt damit erstmals in seiner über 20-jährigen Karriere die deutsche Hitparade.


APRIL
Brasilien stoppt UN-Resolution: Auf Druck der US-Regierung, des Vatikans und islamischer Staaten stoppt Brasilien eine Initiative zur Gleichstellung Homosexueller bei der UN-Menschenrechtskommission. Bereits 2003 war der Antrag bei der Menschenrechtskommission nach Protesten vertagt worden.

Keine Erste Hilfe für Homos: Der Kongress des US-Bundesstaates Michigan verabschiedet mit den Stimmen der regierenden Republikaner ein Gesetz, das es Ärzten und Krankenpflegern erlaubt, die Behandlung von Patienten aufgrund moralischer, ethischer oder religiöser Gründe abzulehnen. Kritiker sehen insbesondere die weit interpretierbare Formulierung über "Notfallbehandlungen" als kritisch an.

"Der Krieger" ist Mister Gay Leather: Die Juroren treffen eine ungewöhnliche Wahl beim siebten Mister-Gay-Leather-Contest in Berlin: Sieger wird Philipp Tanzer aus Dresden - alias "Der Krieger". Der 26-jährige gebürtige Schwabe fällt insbesondere durch seine Ganzkörper-Tattoos auf, seine "Kriegsbemalung".

MAI
Homo-Ehen in Massachusetts: Ab dem 17. Mai stehen die Standesämter im US-Bundesstaat Massachusetts auch Schwulen und Lesben offen. Zahlreiche Gerichtsverfahren können die gerichtlich verfügte Öffnung der Ehe nicht verhindern.

Antje Vollmer gegen Homo-Adoption: Die grüne Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Antje Vollmer, spricht sich in einem Beitrag des "Tagesspiegels" gegen ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht für Homopaare aus. Die Argumentation, alles andere sei Diskriminierung, sei ihr "zu schlicht". Grüne Politiker gehen sogleich auf Distanz zu der Ikone der grünen Bewegung.

Gericht verbietet S/M-Sex: Auch bei Einwilligung des Partners haben sadomasochistische Sexpraktiken rechtliche Grenzen, so ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Wenn der Partner "in konkrete Todesgefahr" gebracht werde, verstoße man gegen "die guten Sitten".


JUNI
Westerwelles Coming-out: Eine kurzer Absatz am Ende eines "Spiegel"-Artikels läutet das Coming-out des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle ein: Er sei in männlicher Begleitung zu einer Veranstaltung der bürgerlichen Parteien gekommen. Daraufhin stellt die Presse Michael Mronz als Westerwelles bessere Hälfte dar - der Politiker kommentiert sein Privatleben jedoch nicht.

Hirschfeld-Stiftung gescheitert: Die rot-grüne Koalition lässt die Magnus-Hirschfeld-Stiftung im Bundestag scheitern. Das einst von den Grünen geförderte Gesetzesvorhaben sollte schwule Opfer der NS-Gewaltherrschaft entschädigen. Rot-Grün begründet die Ablehnung mit "haushaltspolitischen Gründen".

Kanada: Wahlsieg für Homo-Ehe: Die homo-freundliche Liberale Partei unter Premierminister Paul Martin gewinnt überraschend die Wahlen in Kanada und regiert als Minderheitsregierung weiter. Die oppositionellen Konservativen wollten die von den Gerichten Mitte 2003 beschlossene Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben wieder rückgängig machen.

Erste Homo-Ehe in Frankreich: In der französischen Stadt Bégles geben sich zwei Männer im Alter von 31 und 34 Jahren das Jawort - ein Novum in Frankreich. Die Trauung wird vom örtlichen Bürgermeister Noël Mamère (Grüne) vollzogen und stößt auf den Widerstand der Pariser Regierung. Im Juli wird Mamière suspendiert und die Trauung annuliert.

31. Dezember 2004



#1 PerroCGNAnonym
  • 03.01.2005, 00:38h
  • Bush will "Enthaltsamkeitskurse zu fördern." - Kann er dort auch lernen, sich des Schwachsinns zu enthalten???
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#2 FrankAnonym
  • 04.01.2005, 13:40h
  • Kann mir jemand sagen wo ich Bilder vom Mr. Leather "Der Krieger" herbekomme.

    Wäre für alle vorschläge dankbar.

    Den der Typ ist ja mal Megageil.
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#3 rubberbikerCGNAnonym
#4 GerdAnonym
  • 05.01.2005, 14:07h
  • Aus homopolitischer Sicht war 2004 auch das Jahr der FDP.

    Denn in der FDP ist unter Westerwelle ein entscheidender Kurswechsel in homopolitischen Fragen vollzogen worden.

    Mittlerweile hat die FDP mit ihren Parteitagsbeschlüssen und Bundestagsinitiativen klar und deutlich gezeigt, dass sie für die Eingetragene Lebenspartnerschaft einsteht und als erste Partei hat sie im Bundestag gefordert, dass homosexuelle Paare nichtleibliche Kinder adoptieren dürfen. Damit hat sie die bisher an homopolitscher Front marschierenden Grünen überholt.

    Auch wurde erst durch die FDP die jetzt zum 01.01.2005 in Kraft getretene Novelle zum Lebenspartnerschaftsgesetz möglich, da die FDP im Bundesrat durch ihr Abstimmungsverhalten dies ermöglichte.

    Zukünftig wird es daher für homosexuelle Paare schwieriger, wem sie denn die Stimme geben...denn die FDP hat mit ihren Aussagen zum Adoptionsrecht die Grünen/SPD überrundet.
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