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  • 17.07.2014           113      Teilen:   |

Katholische Kirche und Homosexualität

Beim "Date mit dem Bischof" hat's nicht gefunkt

Artikelbild
Keine Annäherung am Mittwochabend in der Congresshalle Saarbrücken: Bischof Stephan Ackermann (re.) mit Moderator Christian Langhorst vom LSVD Saar
Bild: Robert Hecklau

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann stellte sich öffentlich den Fragen von Lesben und Schwulen. Doch bei der Veranstaltung in Saarbrücken wurde klar: Er will nur verstanden werden, aber keine Veränderung.

Von Robert Hecklau

Ein Saal in pink erleuchtet, auf der Bühne Porträts von Lesben, Schwulen und Transgendern, die sich küssen, in den Armen halten, lieben. Mittendrin: der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der sich den kritischen Fragen der Community stellt. Mehr als zwei Stunden lang spricht er am Mittwochabend in Saarbrücken vor 150 Menschen über Arbeitsrecht, Familie und Sex.

Der Abend beginnt mit großen Erwartungen. Leonie Holz singt "We can" von LeAnn Rimes. Ein Song, in dem es darum geht, Grenzen zu überwinden und Träume zu erreichen. Hoffnungen, die Ackermann zunächst auch erfüllt. Er liebe die Vielfalt, sagt er. Dem Auftaktgespräch sollten weitere "auf höherer Ebene" folgen, kündigt er schon zu Beginn an.

Doch wofür diese weiteren Gespräche dienen sollen, das wird offen bleiben, denn Ackermann macht deutlich, dass er an der katholischen Grundhaltung gegenüber Lesben und Schwulen nichts ändern will. Er sagt das nicht direkt, er versteckt es subtil in ausschweifenden Erklärungen. Das Publikum lässt ihm das nicht durchgehen, schon nach den ersten Minuten gibt es gereizte Zwischenrufe: "Komm' zum Punkt! Sie weichen aus!"

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Ackermann kann Erwartungen nicht erfüllen

Einige der rund 150 Besucher hatten sich für das vom LSVD Saar organisierte "Date mit dem Bischof" zurecht gemacht - Quelle: Robert Hecklau
Einige der rund 150 Besucher hatten sich für das vom LSVD Saar organisierte "Date mit dem Bischof" zurecht gemacht
Bild: Robert Hecklau

Doch Ackermann erinnert ein wenig an den amerikanischen Präsidenten: Er ist ein Typ für große Bühnen, sagt viel und meint doch wenig. Viele Zuschauern lauern und hoffen vielleicht auch ein wenig auf einen Ausrutscher, eine Äußerung, die ihnen "ihren" Bischof ganz persönlich zeigt, einen Menschen vielleicht, der entgegen der offiziellen Linie der katholischen Kirche eben doch ein Herz für Schwule und Lesben hat.

Denn Ackermann hat den Ruf, ein offener Bischof zur sein, Vor zwei Jahren besuchte er etwa in Trier spontan das dortige Schwulen- und Lesbenzentrum SCHMIT-Z (queer.de berichtete). Doch am Mittwochabend in Saarbrücken bleiben nur kleine Zugeständnisse, die Ackermann der Community präsentiert.

Einem Kind sei Vater und Mutter zu wünschen

Als es etwa um Regenbogenfamilien geht, wird Psychologin Dr. Elke Jansen via Skype zugeschaltet. Sie berichtet davon, dass Kinder in Regenbogenfamilien keinerlei Nachteilen ausgesetzt seien, im Gegenteil, dass sie in diesen Familien sogar gestärkt würden. Sie führt wissenschaftliche Studien an, setzt auf Argumente. Ackermann entgegnet, er sei auf dem Gebiet natürlich kein Fachmann – und bekommt spontanen Applaus, der sicher so nicht gewollt war. Immerhin, räumt er ein, sei es außer Frage, dass Kinder nicht nur mit Vater und Mutter wohl behütet aufwachsen könnten, sondern auch in anderen "Zusammenhängen", das sei nicht abzustreiten.

Allerdings, und damit relativiert Ackermann seine Aussage wieder, sei einem Kind Vater und Mutter zu wünschen, natürlich im Sinne des Kindeswohles. Auf irritierte Blicke antwortet er verständnislos: "Oder würden Sie sagen, das ist nicht so? Das würde ich abstreiten." Im Publikum entlädt sich das, was sich viele Worte lang aufgestaut hat. Er lebe dieses Ideal doch selbst nicht, wird der Bischof angeschrien. Ackermann entgegnet, das hätte er auch nicht behauptet.

Bischof Ackermann, die Ordnung und der Sex

Etwas offener wird er, als es um Sexualität geht. Ackermann räumt ein, dass es beim Sex nicht nur um Zeugung gehe, sondern auch um Kommunikation. Wenn die Sexualität "wahr" sei, sei sie sogar das Mittel, was uns am intensivsten miteinander kommunizieren ließe. Dann wieder eine Relativierung. Der "eigentliche Sinn" sei natürlich, Leben weiter zu geben, denn das entspräche der "Ordnung". Gegenfrage von Moderator Christian Langhorst: "Aber haben sie nichts gegen eine ordentliche Kommunikation mal zwischendurch mit Kondomen?" Gelächter im Saal, der Bischof sprachlos.

Um Fassung ringt Ackermann auch, als der LSVD ihm Dr. Thomas Equit, Trierer Dekanatsreferent, präsentiert. Der sagt im Einspieler, dass die Kirche sich mit ihrer Haltung an Homosexuellen und den Spielarten der Liebe versündige. Ackermann ist überrascht davon, so direkt und öffentlich von einem Kollegen kritisiert zu werden. Auf Nachfrage, ob der Kollege nun Ärger bekomme, versichert er: Nein, natürlich nicht, und schiebt nach, Kirche sei auch für ihn ein "Spannungsfeld".

Den LSVD-Appell will Ackermann "so mitnehmen"

Stephan Ackermann ist seit 2009 Bischof von Trier
Stephan Ackermann ist seit 2009 Bischof von Trier
Bild: Bistum Trier

Als es um das Arbeitsrecht geht, wird Ackermann gefragt, warum die Kirche solche Angst vor einer lesbischen Krankenwagenfahrerin hätte. Das mache ihn nachdenklich, er werbe um Verständnis, er nehme Anregungen so mit. Wieder Worthülsen. Auch als der LSVD Ackermann in einem Appell darum bittet, öffentlich zu erklären, dass in seinem Bistum Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katholischen Kirche wegen Eingehung einer Eingetragenen Partnerschaft nicht länger eine Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses befürchten müssen, bleibt Ackermann vage. Den Aufruf nehme er an, versprechen könne er nichts. Natürlich.

Im Interview nach der Veranstaltung frage ich Ackermann, ob er persönlich manchmal an der Linie seiner Kirche zweifle, ob er selbst sich wünsche, dass seine Kirche offener wäre. Ich habe die Hoffnung, doch noch ein Statement zu bekommen, dass an einen zukünftigen Dialog glauben lässt. Doch die Antwort – fast hatte ich es erwartet – sei "schwer zu geben", da müssen man ehrlich bleiben, seiner katholischen Grundüberzeugung bleibe er selbstverständlich treu.

Ackermann verurteilt "Homo-Heiler"

Und dennoch: Nach der Veranstaltung bleibt Ackermann noch lange im Saal, spricht mit allen, die mit ihm reden wollen. Auch mit einem LGBT-Aktivisten, der demonstrativ im Kleid gekommen ist und Ackermann auf düstere Kapitel der katholischen Kirche anspricht, etwa der Steinigung bei Ehebruch. Ackermann: "Aber Kirche entwickelt sich doch weiter!" Auf die Entgegnung, das passiere nur im Schneckentempo, zeigt Ackermann Verständnis. Mal wieder.

Einer der Zuhörer sagt nach der Veranstaltung, dass ihm der Glaube fehle, dass sich in der katholischen Kirche nun etwas ändere. Immerhin: Ackermann habe den Mut bewiesen, sich erstmals öffentlich der queeren Community zu stellen, das beweise Stärke. Doch, um innerhalb der katholischen Kirche wirklich etwas zu ändern, fehlt ihm diese Stärke offenbar. Ackermann möchte verstanden werden. Veränderung möchte er nicht. Immerhin: Angebote zur "Heilung" von Homosexualität hat er scharf verurteilt. Derartige Initiativen hätten von der Kirche keinerlei Rückendeckung.

Eine Behauptung, mit der sich Ackermann vergleichsweise weit aus dem Fenster gelehnt hat. Die Community wird darauf zurückkommen.

Der LSVD Saar hat die Veranstaltung mitgeschnitten und wird in den nächsten Tagen einen Mitschnitt in seinem YouTube-Kanal online stellen.

Links zum Thema:
» Saarbrücker Appell an Bischof Dr. Ackermann
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Tags: stephan ackermann, bischof von trier, date mit dem bischof, lsvd saar, katholische kirche
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Reaktionen zu "Beim "Date mit dem Bischof" hat's nicht gefunkt"


 113 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
17.07.2014
13:36:38


(+14, 18 Votes)

Von m123


Surprise!

www.Kirchenaustritt.de


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#2
17.07.2014
13:37:49


(+8, 14 Votes)

Von nebensächlich


"Doch Ackermann erinnert ein wenig an den amerikanischen Präsidenten: Er ist ein Typ für große Bühnen, sagt viel und meint doch wenig."????

Robert Hecklau meint, das sei wenig gemeint? Vielleicht liegt's am Alter oder einem unbeschwerten Herkunftsmilieu, dass das Lob aktiven Widerstandes gegen Uniformierte erst bei spürbaren, von Mangel induzierten, Unlustgefühlen zu schätzen weiß.

"We, the people, declare today that the most evident of truthsthat all of us are created equalis the star that guides us still; just as it guided our forebears through Seneca Falls and Selma and Stonewall; just as it guided all those men and women, sung and unsung, who left footprints along this great Mall, to hear a preacher say that we cannot walk alone; to hear a King proclaim that our individual freedom is inextricably bound to the freedom of every soul on earth."

Link zu www.thenation.com


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#3
17.07.2014
13:39:06


(+11, 19 Votes)

Von Jetzt reicht es


Dass der LSVD Herrn Ackermann damit nur eine Bühne bietet für seine grundgesetzwidrigen Ansichten, war doch von Anfang an klar.

Wenn der LSVD so intensiv den katholischen Arsch leckt, muss er sich nicht wundern, wenn sein Atem stinkt.

Daher, für wen es zutrifft:
Kirchenaustritt und Austritt aus dem LSVD!
Ohne Finanzen geht's zumindest einem von beiden recht schnell dreckig.


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#4
17.07.2014
13:44:51


(+8, 16 Votes)

Von userer
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Lieber Robert Hecklau und Queer.de,

Ackermann mit Obama zu vergleichen ist auf vielen unterschiedlichen Ebenen falsch und, mit Verlaub: unverschämt.

Obama setzt sich (zumindest in letzter Zeit) für Homorechte ein, wohingegen Ackermann sie unterminiert und zerstören will.

Dass beide zuweilen Schwätzer sind, berechtigt nicht zu diesem Vergleich. Da ist der Formulierungseifer mit dem Journalisten zu sehr durchgegangen auf Kosten der Fakten.


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#5
17.07.2014
13:49:03


(+10, 14 Votes)
 
#6
17.07.2014
13:55:33


(-11, 17 Votes)

Von Reverser


So negativ, wie das manche hier sehen wollen, liest sich das aber nicht.
Natürlich nicht gleich der große Wurf, aber schon mal ein Ansatz.


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#7
17.07.2014
14:11:49
Via Handy


(+10, 14 Votes)

Von Timon


Das war doch schon vorher klar, dass das nur den Zweck hatte, dass die katholische Kirche sich als ach so gesprächsbereit darstellen kann, während die bösen Schwulen sich renitent geben und sich nicht auf den "rechten Weg" führen lassen.

Ich verstehe nicht, dass wir uns überhaupt noch für sowas hergeben, wo schon vorher klar ist, dass es da nicht um Dialog geht, sondern nur darum, den Hasspredigern ein weiteres Forum zu bieten.


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#8
17.07.2014
14:16:27
Via Handy


(+9, 15 Votes)

Von Petter


Selbst schuld... Wer der Kinderschänder-Sekte auch noch ein Forum bietet darf sich nicht wundern, wenn das dann mehr schadet als nützt.

Ich verstehe nicht, dass der LSVD sich überhaupt noch auf sowas einlässt. Die totalitären Fanatiker sind gar nicht zum Dialog fähig.


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#9
17.07.2014
14:19:12


(+1, 9 Votes)

Von Fengr


Ackermann, oder irgendein anderer Bischof, ist nicht maßgeblich wenn es um die Haltung der Kirche geht. Sein Job ist vergleichbar mit dem eines Abteilungsleiters. Er setzt die Direktiven des Vorstands um, er hat ein wenig Spielraum wie er das macht und kann ein paar kleinere Aufgaben und die Dekoration seines Büros selbst bestimmen. Die grundlegenden Entscheidungen werden woanders getroffen. In Rom, vom Vorstand und vom Geschäftsführer, Stanley selbdritt.

Stanley und seine Prokuristen wollen sich in der Frage ob Schwule auch Menschen sind nicht bewegen und deshalb kann sich ein Ackermann auch nicht rühren.

Alles was er kann, selbst wenn er der Sache der Homos freundlich gesonnen ist (oder wäre), ist die mitfühlend-denunziatorische Nebensprache christlichen Homohasses vermeiden. Sprachregelungen und inhaltsunfähige Gesprächsbereitschaft. Mehr ist nicht zu erwarten. Es sei denn Stanley erschiene nächtens seinem sogenannten Gott im Traume und gäbe ihm neue frohbotschaftliche Heilsleere ein.


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#10
17.07.2014
14:26:33


(-2, 10 Votes)
 
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