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Micha Schulze im Jahr 1989 mit der später von der Polizei beschlagnahmten Ausgabe des "Stachel", von der Zeitung grinst Baldur Ubbelohde (Foto: Marc Kersten/Pink Power)

Auch 25 Jahre nach der eidesstattlichen Versicherung des CDU-Lokalpolitikers Baldur Ubbelohde, weder homo- noch heterosexuell zu sein, wissen viele homophobe Menschen noch immer nicht, was das Wort "heterosexuell" eigentlich bedeutet.

Der CDU-Politiker Baldur Ubblohde ging vor einem Vierteljahrhundert als "Asexueller Bürgermeister" (so damals eine "taz"-Überschrift) in die An(n)alen von Berlin-Charlottenburg ein. Der damalige Bezirksbürgermeister hatte nämlich an Eides statt erklärt, weder "homosexuell, schwul noch heterosexuell" zu sein.

Anlass des offensichtlichen Meineids des verheirateten Familienvaters: Im Wahlkampf 1988 hatte der heutige queer.de-Geschäftsführer und damalige Kandidat der Alternativen Liste Micha Schulze den CDU-Bezirksbürgermeister in einer Satire als heterosexuell geoutet. "Wir kannten ihn bislang als anständig schwulen Politiker und Menschen", hieß es unter der Überschrift "Ist Baldur hetero?" im Parteiblatt "Stachel", "in letzter Zeit häufen sich jedoch Gerüchte um eine vermeintliche Heterosexualität des Spitzenkandidaten der CDU".

Um Homophobie in der Politik deutlich zu machen, hatte Schulze die heterosexuelle Welt einfach auf den Kopf gestellt – und, damit jeder die Satire auch begreift, Ubbelohdes schütteres Haar auf dem Foto über dem Text knallrosa eingefärbt. Während die SPD in der Satire den CDU-Politiker aufforderte, die Amtsgeschäfte bis zur Klärung der "schweren Vorwürfe" ruhen zu lassen, sprang ihm nur die Alternative Liste zur Seite. Denn niemand dürfe wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Doch der "untadelige Biedermann" (Ubbelohde über Ubbelohde) wollte weder schwul noch hetero sein. Der CDU-Bezirksbürgermeister beauftragte den bekannten Berliner Anwalt Peter Raue, ließ die Zeitung von der Polizei beschlagnahmen, stellte Strafanzeige gegen Micha Schulze wegen "Beleidigung und übler Nachrede" und verlangte in einer Zivilklage 20.000 Mark Schmerzensgeld von der Partei. Am Ende eines langen Marsches durch die Instanzen musste die Alternative Liste 10.000 Mark zahlen und Schulze wurde zur einer Geldstrafe von 1.600 Mark auf Bewährung verurteilt. Dabei hatte ihn das Amtsgericht Moabit in erster Instanz noch freigesprochen und dabei festgestellt, die Satire sei "selbst für den einfach strukturierten Leser klar zu erkennen".

Warum wir das heute veröffentlichen? Weil auch 25 Jahre nach dieser Berliner Provinzposse homophobe Menschen noch immer nicht wissen, was das Wort "heterosexuell" eigentlich bedeutet. Dies zeigt ein wunderschönes neues Youtube-Video von Joseph Costello, der in der texanischen Stadt Austin vorbeilaufende Passanten fragte, ob sie denn für einen heterosexuellen Präsidenten stimmen würden:

In Berlin-Charlottenburg kam es übrigens zu einer Art satirischem Happy-end: Baldur Ubbelode wurde als Bezirksbürgermeister abgewählt, seine direkte Nachfolgerin Monika Wissel von der SPD outete sich kurz darauf als lesbisch. Und seit 2011 wird der mittlerweile zusammengelegte Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mit Reinhard Naumann nun tatsächlich von einem "anständig schwulen Politiker und Menschen" repräsentiert… (cw)



#1 TheDadProfil
  • 22.07.2014, 15:51hHannover
  • 25 Jahre..
    Wie die Zeit vergeht..

    Lieber Micha Schulze..

    Für diese Story müßte man Dir noch Heute täglich auf die Schulter klopfen..
    Danke dafür..

    Die Antworten im Video sind doch sicher nicht repräsentativ ?

    Oder doch ?

    Das erinnert mich irgendwie an eine Umfrage unter New Yorker High School Kids Anfang der 80´er, in der fast 80 % der befragten Adolf Hitler für den aktuellen Kanzler in Deutschland hielten..

    Unterirdisch..
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#2 Alte TunteAnonym
  • 22.07.2014, 17:21h
  • Ein Klassiker hysterischer Homophobie. Muß man immer wieder erzählen, damit auch die Nachgeborenen davon erfahren.

    Was allerdings auch ich noch nicht gewußt (oder längst wieder vergessen) hatte: Für den albernen Vorgang war Peter Raue mitverantwortlich.

    Warum überrascht mich das nicht wirklich?
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 FuZZZynessAnonym
#5 FelixAnonym
  • 22.07.2014, 20:19h
  • Cool, dass Micha Schulze auch schon lange vor dem Internet und vor queer.de homo-politisch und journalistisch aktiv war...
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#6 ReverserAnonym
#7 stromboliProfil
  • 23.07.2014, 13:43hberlin
  • himmel arsch und zwirn..
    als mir mein freund dies im brief nach italien mitteilte, konnt ich 14 tage nicht mehr mit dem lachen aufhören...

    Ein sternstunde des gelungen vorführens.
    Eigentlich könnte man ihn heute im csd in der fetischgruppe "dogplay" an der hundeleine dem staunenenden publikum als anachronistisches selbstverständnis vorführen...

    Was wohl aus diesem > nicht sein wollenden < geworden ist..
    na ja , zu allererst mal ein alter mann.
    Ob auch geläutert und weise???

    Micha noch mal dank für die erinnerung, da fühlt man sich doch gleich wieder jung!&
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#8 -hw-Anonym
#9 MeineFresseAnonym