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John Barrowman (rechts) schnappt sich einen feschen Tänzer

Bei der britischen Kolonial-Olympiade nehmen zwar fast nur Länder teil, die Homosexualität verbieten – trotzdem sind die Spiele diesmal schwuler als je zuvor.

Der schwule Sänger und Schauspieler John Barrowman ("Doctor Who", "Torchwood") hat am Mittwochabend bei der Eröffnungsfeier der Commonwealth Games im schottischen Glasgow einen Tänzer im Kilt auf den Mund geküsst – obwohl das in den meisten Teilnehmerstaaten eine Straftaten wäre.

Die Feier wurde in alle Länder des ehemaligen britischen Empire, des Commonwealths, übertragen. 42 der 53 teilnehmenden Staaten verbieten Homosexualität, unter ihnen extrem homophobe Länder wie Nigeria und Uganda, die erst in den letzten Monaten die Verfolgung von Homosexuellen verschärft haben. Zu den Commonwealth-Ländern, die gleichgeschlechtliche Liebe inzwischen legalisiert haben, gehören unter anderem Australien, Kanada, Südafrika und Zypern.

Bei der seit 1930 veranstalten Sportveranstaltung, die alle vier Jahre mit derzeit 17 Sportarten stattfindet, trug mit dem Australier Ian Thorpe zudem erstmals ein offen schwuler Mann die Commonwealth-Flagge ins Stadion. Der fünffache Goldmedaillengewinner bei Olympischen Spielen hatte sich erst vor zwei Wochen in einem Fernsehinterview als schwul geoutet (queer.de berichtete). Zuvor hatte er jahrelang seine Homosexualität verleugnet und Zweifel an seiner Heterosexualität in Interviews als "verletzend" bezeichnet.

Youtube | Der Kuss bei der Eröffnungsfeier

"Für Kinder nicht geeignet"

In sozialen Netzwerken führte insbesondere Barrowmans Kuss zu heftigen Reaktionen. Der 47-jährige Schotte, der im vergangenen Jahr seinen Partner in Kalifornien geheiratet hatte, leitete via Twitter einige der homophoben Beschimpfungen weiter, um zu zeigen "wie bitter und fies" manche Leute seien. Auch im BBC-Frühstücksfernsehen ist der gleichgeschlechtliche Lippenkontakt am Donnerstagmorgen kritisiert worden: So sagte die Modejournalistin Tessa Hartmann als Gast in der Sendung, der schwule Kuss sei "für Kinder nicht geeignet" gewesen. Den Kuss eines heterosexuellen Paares auf der Eröffnungsfeier kritisierte sie nicht. Es gab allerdings auch viel Lob für die Aktion auf sozialen Netzwerken und von TV- und Zeitungskommentatoren.


Vizeregierungschef Nick Clegg bedauert, dass vier Fünftel der Teilnehmerstaaten Homosexuelle verfolgen lassen (Bild: Liberal Democrats / flickr / by-nd 2.0)

Im Vorfeld der Spiele hatte der britische Vize-Premierminister Nick Clegg bereits erklärt, dass der Commonwealth auf "Gleichheit und Respekt" als "zentrale Werte" baue. Er kritisierte dabei auch die homophoben Gesetze in vielen Ländern. "In fast 80 Prozent der Commonwealthstaaten, die sich in Glasgow repräsentieren, ist Homosexualität eine Straftat", beklagte der liberaldemokratische Politiker.

Die Verbote von homosexuellem Geschlechtsverkehr in den Commonwealth-Staaten beruhen auf der britischen Kolonialgesetzgebung. Während Großbritannien die Gesetze gegen Homosexuelle zwischen 1967 (England und Wales) und Anfang der 1980er Jahre (Schottland und Nordirland) abschaffte, sind sie in den meisten ehemaligen Kolonien noch heute in Kraft. (dk)



#1 Kuss KussAnonym
  • 24.07.2014, 15:06h
  • So etwas passiert bestimmt auch bei der Eröffnung der Russischen Filmwoche 2014 in Berlin. Bestimmt!
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#2 green arrowAnonym
  • 24.07.2014, 15:19h
  • Ich finde den Kuss ein tolles Statement von John Barrowman. Schade nur, dass sich die Leute wegen eines Kusses aufregen, was eigentlich das normalste der Welt sein soll :-(. Aber in einer Welt, in der es nur um Macht und Gier geht, in der sich die Staaten gegenseitig die Köpfe einschlagen ist das wohl nicht gewünscht. Arme Welt. Wäre besser, wenn die Leute wieder mehr auf Liebe geben, vielleicht würde das was ändern.
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#3 bogensehneAnonym
#4 sperlingAnonym
  • 24.07.2014, 16:19h
  • erinnert sei kurz an das berüchtigte gesetz "clause 28", das in großbritannien von 1988 bis immerhin noch 2003 galt:

    "Es verbot Gemeinden, Schulen und Kommunalbehörden die Förderung von Homosexualität, was zur Konsequenz hatte, dass in allen Bereichen des öffentlichen Lebens nur noch negativ über Homosexualität berichtet werden durfte. Dies führte zu einer Mobilisierung der Lesben- und Schwulenbewegung in Großbritannien, die in dem Gesetz eine Zensurmaßnahme sah. Durch die weitreichenden Kompetenzen der britischen Lokalbehörden befürchtete man Einflüsse auf die Sozialversicherung, das Wohnungsamt, das örtliche Gesundheitswesen, Schule, Colleges, Büchereien und Jugendgruppen, Finanzierung von Beratungs- und Hilfsprojekten, Bezuschussung zahlreicher Theater, Kinos und Kunstgalerien, Lizenzvergabe und Mietverträge für Cafés, Lokale und Clubs, zur Verfügungstellung von Versammlungsräumen für Festivals und Kundgebungen, Verweis von Ratsuchenden an lesbischschwule Beratungs- und Selbsthilfeeinrichtungen. Regelungen für Chancengleichheit und gegen Diskriminierung waren ebenfalls nicht mehr möglich."

    de.wikipedia.org/wiki/Clause_28

    von der aktuellen russischen gesetzgebung, die sich ja einige homofeindliche akteur_innen auch hierzulande offen herbeiwünschen, war das nicht so furchtbar weit entfernt.
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#6 GewalttäterInnenAnonym
  • 24.07.2014, 17:02h
  • "Auch im BBC-Frühstücksfernsehen ist der gleichgeschlechtliche Lippenkontakt am Donnerstagmorgen kritisiert worden: So sagte die Modejournalistin Tessa Hartmann als Gast in der Sendung, der schwule Kuss sei "für Kinder nicht geeignet" gewesen."

    Wenn hier irgend etwas für Kinder "nicht geeignet" und ein Akt der Gewalt gegen sie ist, dann ist es Homophobie bzw. die Unsichtbarmachungs- und Vernichtungsfantasien und -praktiken von Homohassern.

    Schwule müssen endlich aufhören, um die Erlaubnis reaktionärer Übermütter und -väter und ihres Big Daddies, des bürgerlichen Staates, zu betteln und schwule Liebe, Zärtlichkeit, Freundschaft und Sexualität selbstbestimmt und in organisierter Form ÜBERALL sichtbar machen, wo (auch) Kinder und Jugendliche sind und wo Heterosexualität auch ganz selbstverständlich (oftmals geradezu zwanghaft) sichtbar ist.
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#7 interest-watchAnonym
  • 24.07.2014, 17:07h
  • bbc? sind das nicht auch die, die regelmäßig den begriff "menschenrechte" missbrauchen, um für die gewalttätige interessendurchsetzung von us-, eu-, nato-eliten die kriegstrommel zu rühren? kann es etwas geben, das kindern mehr schadet?
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#8 seb1983
  • 24.07.2014, 17:21h
  • Antwort auf #4 von sperling
  • Doch, der Unterschied ist gigantisch.

    Clause 28 war eine Verwaltungsvorschrift.
    In Großbritannien hat sich wie in allen westlichen Ländern über private Medien wie Radio, TV, und in Liedern, Filmen und und und auf bescheidenem Niveau schwules Lebens ausgebreitet da der Staat anders als in der ehemaligen Sowjetunion und heute in Russland nicht sämtliche Lebensbereiche völlig durchdringt und bestimmt.
    Sowohl öffentliche Demonstrationen als auch schwule Zeitschriften etc. waren ebenso legal.
    Zudem erscheint es mir als ob clause 28 nur sehr lasch gehandhabt wurde, spätestens ab den 1990ern. Das Gesetz war ein Rohrkrepierer.

    In Russland sind die Folgen schon jetzt um ein vielfaches größer und verbannen schwules Leben völlig aus der Öffentlichkeit, was so in Großbritannien nie verboten war.
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#9 sperlingAnonym
  • 24.07.2014, 17:38h
  • Antwort auf #8 von seb1983
  • okay, deinen einwand muss ich anerkennen. diese unterschiede sind zweifellos da.

    was beide gesetze verbindet: sie setz(t)en das deutliche signal,in dass der staat die bloße sichtbarkeit von homosexualität offiziell für eine derartig große gesellschaftliche gefahr hält, dass er hierfür sogar die meinungsfreiheit in diesem bereich teilweise außer kraft setzen muss.

    die härte der gesetze in gb und russland ist unterschiedlich. die botschaft ist dieselbe.
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