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  • 27.07.2014           22      Teilen:   |

Konsequent gegen Homophobie

Homo-Orden für den Friedrichstadt-Palast

Artikelbild
Europas größtes Revue-Theater setzt ein klares Zeichen gegen Homohpbie: Im vergangenen Jahr zählte der Friedrichstadt-Palast knapp 520.000 Besucher bei den hauseigenen Showproduktionen (Bild: Götz Schleser)

Auf einer "Pinken Liste" des Berliner Revue-Theaters stehen 83 homophobe Staaten, deren Botschafter nicht mehr zu Premieren eingeladen werden.

Von Micha Schulze

Die Menschenrechte von Lesben und Schwulen spielen in der deutschen Außenpolitik – anders als im U.S. Department of State – kaum eine Rolle. Dass man deshalb noch lange nicht den Kopf in den Sand stecken muss, zeigt der Berliner Friedrichstadt-Palast: Mit der Aussage "Wir feiern unsere Premieren nicht mit Vertretern, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung unterdrücken, drangsalieren oder kriminalisieren", sorgte Intendant Berndt Schmidt am Wochenende für Schlagzeilen.

Europas größtes Revue-Theater hat eine "Pinke Liste" erstellt, auf der die Botschafter von 83 Staaten mit homophober Gesetzgebung stehen. Ab der kommenden Show "The Wyld", die im Oktober anläuft, werden die betreffenden "Exzellenzen" keine Einladungen mehr zur Premiere und zur anschließenden Premierenparty erhalten. Bislang hatte der Friedrichstadt-Palast stets das gesamte diplomatische Korps Berlins eingeladen.

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Engagiert im Berliner Bündnis gegen Homophobie

Will nicht mehr mit Vertretern homophober Staaten feiern: Intendant Berndt Schmidt - Quelle: Patrick Gutsche
Will nicht mehr mit Vertretern homophober Staaten feiern: Intendant Berndt Schmidt (Bild: Patrick Gutsche)

"Es ist niemandem zuzumuten, mit Menschen im gleichen Raum zu feiern, die Staaten repräsentieren, in denen manche von uns und manche von Euch hingerichtet, verstümmelt, gedemütigt oder eingesperrt würden oder unter Strafandrohung nicht öffentlich über ihre normale (aber nicht mehrheitliche) sexuelle Orientierung sprechen oder diese nicht zeigen dürfen", heißt es in einer am Samstag auf Facebook veröffentlichten Erklärung des Friedrichstadt-Palasts. Berlin stehe nach den mörderischen Nazi-Erfahrungen heute für Toleranz und Freiheit, so das Theater, das sich bereits seit längerem im Berliner Bündnis gegen Homophobie engagiert.

Den größten Anteil der Ausgeladenen stellt Afrika mit 37 Staaten – von Algerien über Kenia bis Uganda. Aus Asien stehen u.a. Afghanistan, Indien, Iran und Singapur auf der "Pinken Liste". Als einziger europäischer Vertreter erhält der russische Botschafter ab sofort keine Premieren-Einladungen mehr.

Das ist konsequent: Schon seit 2012 boykottiert der Friedrichstadt-Palast wegen der damals noch regionalen Gesetze gegen Homo-"Propaganda" Kooperationen mit russischen Künstlern und Theatern (queer.de berichtete). Dies sei die einzige Möglichkeit, "unsere Solidarität mit den homosexuellen und allen anderen aufgeklärten und toleranten Russinnen und Russen zu zeigen", hatte das Revue-Theater damals auf seiner Facebook-Seite erklärt. So wurden u.a. laufende Verhandlungen mit russischen Investoren abgebrochen, die die Erfolgsshow "Yma" nach Moskau bringen wollten. Auch Anfragen zur Anmietung des Showpalastes für Gastspiele wurden abgesagt.

LGBT-Rechte sind Menschenrechte

Menschenrechte sind nicht verhandelbar – auch nicht die von Lesben und Schwulen! Mit dem Friedrichstadt-Palast hat nun ausgerechnet ein Theater klare Leitlinien formuliert, die man bei der Bundesregierung und insbesondere Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vermisst. Und gleichzeitig gezeigt, dass selbst eine "harte Diplomatie" nicht automatisch in antirussische oder islamfeindliche Ressentiments verfallen muss. Denn die öffentlichkeitswirksame Ausladung der Botschafter richtet sich ausdrücklich nur gegen die Politik der jeweiligen Regierungen, nicht gegen Land und Leute.

Die "Pinke Liste" macht Mut, denn sie zeigt auch, dass jeder und jede trotz des Versagens der deutschen Außenpolitik etwas bewegen, vielleicht ein Umdenken auslösen kann. Dafür erhält der Friedrichstadt-Palast unseren Homo-Orden!

Links zum Thema:
» Homepage des Friedrichstadt-Palasts
» Der Friedrichstadt-Palast auf Facebook
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Tags: pinke liste, friedrichstadt-palast, außenpolitik, homophobie, revuetheater, berndt schmidt, berlin
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Reaktionen zu "Homo-Orden für den Friedrichstadt-Palast"


 22 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
27.07.2014
14:19:53


(+15, 21 Votes)

Von wunderbar


beispielhafter einstieg zur ächtung von gewalt, ignoranz und obskurantismus auf den gesellschaftlichen parketts.

weiter so: wissenschaft , sog. hochkultur, massenkultur...

"...gleichzeitig gezeigt, dass selbst eine "harte Diplomatie" nicht automatisch in antirussische oder islamfeindliche Ressentiments verfallen muss...."


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#2
27.07.2014
15:11:10


(+11, 15 Votes)

Von well done
Antwort zu Kommentar #1 von wunderbar


Gefällt mir

Das ist so gut, dass ich beide Daumen drücke, dass sich keine Doppelmoral einschleicht.


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#3
27.07.2014
15:26:53


(+7, 15 Votes)

Von ehemaligem User Defragmentierung


Bravo! Grossartig! Vielen Dank an den Friedrichstadt-Palast! Im Gegensatz zu denen, die solche Aktionen als kindisches Fußaufgestampfe schlecht reden, halte ich die Soziale Ächtung für eine der wirkungsvollsten zivilen Maßnahmen gegen den weltweit erstarkenden Faschismus.

Kurt Tucholsky sagte:
"Bist Du mit einem Faschisten befreundet, trenne Dich von ihm. Bist Du mit einem befreundet, der mit einem Faschisten befreundet ist, trenne Dich von ihm. Bist Du mit einem befreundet, der mit einem befreundet ist, der mit einem Faschisten befreundet ist, trenne Dich von ihm. Et cetera perge, perge ..."


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#4
27.07.2014
15:41:22


(+3, 9 Votes)

Von metropolregion


Fritz Kuhn, Stuttgart-Samara?
Role model?


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#5
27.07.2014
16:30:51


(+8, 10 Votes)

Von chriss


hoffentlich werden auch Angela Merkel und Sigmar Gabriel ausgeladen mit ihrer diskriminierenden Politik.

Konsequent wäre es, wenn sich die Ausladung nicht nur auf die Feier danach beziehen würde, auch für die Aufführungen selbst müsste ein Verbot gelten. Vielleicht mit einem Schild am Eingang "Wir kämpfen für Toleranz. Homophobe sind hier unerwünscht". Das wäre mal ein deutliches Zeichen.


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#6
27.07.2014
16:51:07


(+6, 12 Votes)

Von Yannick


Bravo!

Schön, dass die wirklich aktiv werden.

Viele Leute, Organisationen, Institutionen und Parteien labern zwar viel, tun aber nichts, weil sie dann doch zu faul, zu feige oder was auch immer sind, um wirklich aktiv zu werden.

Aber der Friedrichstadt-Palast macht wirklich was! Er setzt ein deutliches Zeichen!

Hoffentlich folgen viele weitere diesem Vorbild...


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#7
27.07.2014
16:53:20


(+9, 15 Votes)

Von Hugo


"...trotz des Versagens der deutschen Außenpolitik etwas bewegen..."

Sollange die christlich konservativen und vor allem merkel unser Land führen, wird sich in der gegenwärtigen deutschen LGBTI Politik nichts ändern.
Bei den nächsten Wahlen dürfen die konservativen auf keinen Fall die Mehrheit erlangen.


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#8
27.07.2014
18:31:27


(+11, 13 Votes)

Von Carsten AC


Gut, dass Kreative das in ihrer Macht stehende tun, um ein Zeichen zu setzen.

Wenn schon Politik und Justiz untätig sind, muss ja irgendwer was unternehmen...


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#9
27.07.2014
22:14:29


(-12, 18 Votes)

Von willkürlich


Das ist ja gut gemeint, aber irgendwie willkürlich. Wenn man die Dipolmaten von Ländern, die Schwule verfolgen, auslädt, müsste man auch die ausladen, die die Rechte von Frauen, Christen, ethnischen Minderheiten etc. missachten ausladen, und wenn wir dabei usere deutschen Maßstäbe ansetzen, betrifft das 90% der Länder...


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#10
27.07.2014
22:37:25


(+7, 19 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von willkürlich


Das die Gleichstellung von LGBTTIQ´s auch immer bedeutet gleichzeitig Frauen und Ethnische Minderheiten gleichstellen zu müssen, ist noch nicht bis zu Dir durchgedrungen ?

Seit wann Christen zu einer "bedrohten Spezies" zählen, kannst Du sicher erklären ?

Es geht hier auch nicht um "deutsche Maßstäbe"..

Maßstab ist und bleibt die Erklärung der Menschenrechte, die in allen Staaten gelten, und dies sogar unabhängig davon ob die aktuelle Regierung des jeweiligen Landes diese Erklärung "unterzeichnet" hat, oder nicht, denn Menschenrechte verlieren ihre Gültigkeit an keiner Grenze irgendeines Staates, und sind nicht teilbar..


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